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von Wisit Sasanatieng




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Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf

Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf

Ein Film von Joe D'Amato (= Aristide Massaccesi)

Gegen den Ruf Joe D'Amatos, ein uninspirierter Dilettant gewesen zu sein, möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst andiskutieren. Für mich steht seit längerer Zeit fest, das der italienische Schmutzfink eines schönen Tages verdientermaßen als Auteur wiederentdeckt wird. In Zeiten, in denen sich die seriöse Filmwissenschaft sogar Vielfilmer Jess Franco annähert, könnte sich dieser lang gehegte Traum eventuell sogar erfüllen. Doch BUIO OMEGA - zugleich eines seiner berüchtigsten Werke überhaupt - eignet sich nicht als Einstieg für eine solche Leseart, da er, obgleich viele typische Elemente vorhanden sind, eine grundsätzlich andere Sprache spricht als der Großteil des restlichen Oeuvres von Joe D'Amato. Zwar spielen die zerstörerische Kraft unerfüllbarer Begierden ebenso eine Rolle wie Identitätsverlust im Angesicht jener unstillbarer Triebe, doch handelt es sich oberflächlich gesehen um einen makaber-blutigen Euro-Horrorfilm. D'Amatos bevorzugte Spielwiese, die Erotik, wird hier beinahe vollständig auf eine psychologische Meta-Ebene gehoben, die mit Hitchcock und Argento wesentlich mehr zu tun hat als mit billig herunter gekurbelter Massenware, worauf die Filme von D'Amato größtenteils überheblich reduziert werden. Zumeist schreiben Kritiker oder "Fans" ganz und gar an den Filmen vorbei und verstecken ihre Unlust erst gar nicht, sich überhaupt ernsthaft mit dem jeweiligen Film zu beschäftigen - anders als es beispielsweise einem Argento ergeht.

Frank (Kieran
Canter) verliert seine Verlobte, die im Krankenhaus bereits im Koma lag und einer ungeklärten Krankheit zum Opfer gefallen ist. Frank, der als Adeliger auf einem gigantischen Anwesen lebt und in seiner umfangreichen Freizeit Tierpräparationen durchführt, entführt die Leiche seiner Geliebten aus dem Grab und deponiert sie daheim. Zu seiner kaltherzig-berechnenden Haushälterin Iris pflegt Frank ein fast schon inzestuöses Verhältnis (sie sah Frank offensichtlich aufwachsen), in dem Iris die Rolle der verstorbenen Mutter einnimmt. Den Tod seiner großen Liebe kann Frank nicht verwinden, so dass er ihren Körper nach ihm vertrauten Methoden präpariert...

Zum oben erwähnten Dario Argento scheint BUIO OMEGA eine gesonderte Verbindung zu haben: Der Score stammt von der Kult-Truppe The Goblin, die noch vor Ennio Morricone die wichtigsten und elektrisierendsten Filmmusiken für Argento geschrieben haben. Sowohl die Zusammenarbeit mit diesen Haus- und Hof-Komponisten drängt einen Vergleich zu Argento schon fast auf und dieser reflexartige Vergleich könnte sogar beabsichtgt sein. Könnte man den Anfang, untermalt mit dem flirrend-beunruhigenden Titelthema, noch für eine Argento-Kopie halten, sollte sich dieser Vergleich doch spätestens relativieren wenn es um die Ästhetisierung der gezeigten Gewalt geht. Als wollte D'Amato Argentos Stil negieren, kommentieren und auf den expliziten Gore herunter brechen, fehlt den heftigen Gewalteskalationen jede entrückte Stilisierung. Wenn Frank über sein erstes Opfer herfällt, reisst er der bedauernswerten Frau mit Hilfe einer rostigen Zange kurzerhand sämtliche Fingernägel aus ihren Betten: so durchschaubar an dieser Stelle auch getrickst wird und so sehr die teils fürcherliche deutsche Synchronisation unfreiwillige Komik produziert, die fiese Wirkung verliert die sadistische Sequenz garantiert auch heute nicht.

Mehr noch zeigt sich dieser Ansatz in der legendär gewordenen Präparation, die kurz vor dem geschilderten Mord stattfindet. Frank zerlegt den Körper seiner Verlobten buchstäblich auf anatomische Weise und in konzentrierter Genauigkeit. Das Blut wird abgepumpt, eine nicht näher beschriebene Flüssigkeit wird dem toten Körper injiziert, sämtliche Organe werden entnommen. Nicht zuletzt dieser (verhältnismäßig aber wiederum eher kurzen) Szene "verdankt" BUIO OMEGA seinen noch heute ungebrochenen Kultstatus, schließlich wurde in gewohnt naiver Weise von der Verwendung echter Leichenteile gemunkelt - gegen den handfesten Skandal, den EMANUELLE IN AMERICA ausgelöst hatte, wehte allerdings nur ein lauer Wind. Für besagte Sequenz nutzte D'Amato neben professionellen Make-Up-Effekten auf solidem Niveau einige tierische Eingeweide, was dort den naturalistischen Anspruch der Wunddarstellung unterstricht. Anders als die stilistischen Überhöhungen eines Argento fasziniert D'Amato mit diesen Details nicht, er stößt ab. Vom unbeschwerten Splatter-Genuss kann keine Rede sein, wirkt die dumpfe Monotonie, die unappetitliche Offenherzigkeit jener Schlüsselszene des Films bis zum Abspann nach und trägt entscheidenden Anteil an der vorherrschenden Stimmung.

D'Amato erweist gleich in mehrerlei Hinsicht als sorgfältiger Filmemacher. Dafür sprechen das geschmackvoll fotografierte Ambiente, die erdige Farbdramaturgie und die gekonnte Schauspielführung, die auch offensichtliche Schwächen der Darsteller zu meistern versteht. Selbst in der gewohnt hölzernen deutschen Synchronisation, die einige Szenen in ein unglückliches unfreiwllig komisches Licht taucht, geht die atmosphärische Dichte nicht verloren, mit der D'Amato einen seiner wohl besten Filme ausgestattet hat. Das klug konstruierte Finale stellt die Geschehnisse zudem in einen anderen Zusammenhang, der die Plotlinien verschränkt und doch auseinander driften lässt. SADO - STOß DAS TOR ZUR HÖLLE AUF (welch ein markiger, in seiner bescheuerten Verfremdung doch so ungemein adäquater Titel) funktioniert als Anti-Horrorfilm, der den Zuschauer an seine Grenzen führen und nicht mit einem wohligen Schauer verführen will. Man mag D'Amatos Film für schäbig, schlecht gealtert oder stinklangweilig halten - doch es ist nicht Aufgabe eines Regisseurs, uns nett zu unterhalten. Ich danke an dieser Stelle für einen der ungewöhnlichsten "Schocker" der an ungewöhnlichen Schockern nicht armen Filmgeschichte.

Eine Rezension von Marco Siedelmann
(06. März 2010)
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Daten zum Film
Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf Italien 1979
(Buio Omega)
Regie Joe D'Amato (= Aristide Massaccesi) Drehbuch Ottavio Fabbri, Giacomo Guerrini
Produktion Marco Rossetti Kamera Joe D'Amato
Darsteller Kieran Canter, Cinzia Monreale, Franca Stoppi, Sam Modesto, Anna Cardini
Länge 94 Minuten FSK indiziert
Filmmusik Goblin, Maurizio Guarini, Agostino Marangolo, Carlo Pennisi, Fabio Pignatelli
Kommentare zu dieser Kritik
Tubepower sagte am 06.05.2010 um 08:34 Uhr

Yes,einer der Kracher die man immer wieder ansehen kann.Dieses Ding kann man nur hassen oder mögen.Leider,der Kritiker hat Recht,ist die Synchronisation wie bei Maneater oder Absurd grausam.1981 auf dem Markt,laut Videophonecover ab 21 empfohlen,das war für diese Zeit heftig aber nicht unberechtigt.Wie viele Leute werden sich nach der "Fingernagelscene"abgewendet haben.Jeder der Horror liebt sollte in mal gesehen haben.Es gab eine tolle Ausgabe von CMV als DVD in der Glasbox und eine 500-er Auflage als LD mit roter Single des Titelsongs.Und von Emmanuelle in Amerika reden wir jetzt nicht-auf Astro uncut erschienen-die "Snuffscene"dürfte manchem wirklich den Magen umdrehen
Mario Sidelesi TEAM sagte am 11.05.2010 um 14:50 Uhr

doch, von EMANUELLE IN AMERICA werde ich schon bald reden... ;)

HorstTheHorse sagte am 25.02.2011 um 06:03 Uhr

"Der Score stammt von der Kult-Truppe The Goblin, die noch vor Ennio Morricone die wichtigsten und elektrisierendsten Filmmusiken für Argento geschrieben haben."
Diese Aussage ist falsch. The Goblin haben zum ersten Mal bei Deep Red für Argento gearbeitet, der hat aber davor bereits seine Tiertrilogie abgedreht!
Damocles TEAM sagte am 26.02.2011 um 10:23 Uhr

Ich glaube diese Aussage ist nicht notwendigerweise zeitlich gemeint, sondern will die Wichtigkeit der Soundtracks betonen. Die Formulierung ist allerdings etwas unglücklich ;)

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