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Watchmen - Die Wächter

Watchmen - Die Wächter

Ein Film von Zack Snyder

„The Times They Are A'Changin”

- Bob Dylan


„Quis custodiet ipsos custodes?“ („Who watches the Watchmen?“)

- Juvenal aus seiner Satire VI (Vers 347)



1986 erschien mit „Watchmen“ eine der besten – wenn nicht sogar die beste – Graphic Novels bis dato.
Zunächst in den USA über „DC Comics“ als zwölfteilige Comic-Reihe veröffentlicht, gehört das von Dave Gibbons gezeichnete und von Alan Moore („From Hell“, „V wie Vendetta“) geschriebene, extrem komplexe Werk zu den von Presse und Fans am meisten gefeierten Geschichten, die sich mit dem Thema „Superhelden“ auseinandergesetzt haben.
2005 ist „Watchmen“ vom New Yorker „Time Magazine“ sogar als einziger Comic in die Liste der 100 besten Romane seit 1923 aufgenommen worden – das ist schon eine Leistung!
Watchmen - Die WächterWatchmen - Die WächterWatchmen - Die Wächter
Natürlich lockt der Erfolg einer potentiellen Vorlage recht schnell sämtliche Produzenten von Hollywoods Großstudios aus den Löchern hervor, um, mit dicken Scheckheften bewaffnet, die Film-Rechte zu dem betreffenden Stoff zu ergattern.
Seit Ende der ´80er ist die Story schließlich von Studio zu Studio und von Regisseur zu Regisseur gereicht worden, allerdings ohne Resultat.
Erst ist „Brazil“-Regisseur Terry Gilliam für die Umsetzung des Drehbuchs von Sam Hamm („Batman“) im Gespräch gewesen. Allerdings lehnte dieser „Watchmen“ schließlich aufgrund des unbefriedigenden Skripts ab und fügte an, dass er die Geschichte nur in einer fünfstündigen Miniserie aufarbeiten würde.
Auch Verhandlungen mit Paul Greengrass („Flug 93“, „Das Bourne Ultimatum“) haben letztendlich zu keinem fruchtbaren Ergebnis geführt.
Als die Rechte schließlich auf den Tischen der „Warner Bros.“-Studios gelandet sind, haben diese vorerst mit dem visionären Darren Aronofsky („Requiem for a Dream“, „The Wrestler“) auf dem Regiestuhl geliebäugelt – bis es zu Komplikationen bei dem gemeinsamen Projekt „The Fountain“ (2006) kam, und auf eine zweite Zusammenarbeit erstmal verzichtet wurde.

Nach zwei Dekaden soll dann aber das fast Undenkbare doch geschehen:
„Watchmen“ erblickt unter der Regie von Zack Snyder („Dawn of the Dead“, „300“) endlich das Licht der weltweiten Leinwände.
Was nun durch die Kollaboration der Studios „Warner Bros.“ und „Paramount“ auf die Beine gestemmt worden ist, wäre aber diesmal fast aus einem anderen Grund gescheitert. So scheint der Kauf der Filmrechte im Laufe der Jahre ein wenig undurchsichtig geworden zu sein, so dass „Warner Bros.“ von „Twentieth Century Fox“, die sich tatsächlich als Teil-Besitzer des „Watchmen“-Universums herausgestellt haben, kurz vor dem Start erfolgreich verklagt wurden. Leider konnte die Klage zuerst nicht mit einer finanziellen Einigung abgehandelt werden, weshalb es kurze Zeit so aussah, als ob es der fertige Film es nun doch nicht in die Kinos schaffen wird – zum Glück haben sich die beiden Parteien dann nochmal an einen Tisch gesetzt und die unangenehme Situation bereinigt, so dass man sich hierzulande ab dem 05.03.2009 selbst ein Bild der fleischgewordenen „Wächter“ machen darf…


„The world will look up and shout "Save us!"... And I'll whisper "No."”

- Rorschach


Die Vorlage von Moore und Gibbons ist in den USA der ´80er Jahre angesiedelt – in einer Zeit, in welcher der Kalte Krieg und die Angst vor einem atomaren Anschlag von Seiten der Sowjetunion noch andauert.
Anders als in der Realität existieren Superhelden nicht nur in Comicbüchern, sondern haben zwei Generationen lang auch auf der Strasse für Recht und Ordnung gesorgt…bis in den ´70ern der „Keene-Erlass“ die maskierten Helden aufgrund ihres zunehmend gnadenloseren Auftretens entweder in den Ruhestand versetzte oder als Arbeiter für die Regierung abkommandierte.
Während der mit echten Superkräften ausgestattete „Dr. Manhattan“ und der brutale „Comedian“ letzteres Angebot annahmen und sich in der Forschung oder für den Geheimdienst verdient machten, zogen sich andere Kostümträger wie „Nite Owl II“ oder „Silk Spectre II“ in ein normales Leben ohne Abenteuer zurück.
Lediglich der psychotische „Rorschach“ jagt noch im Untergrund als Einzelgänger Verbrecher.
Nach dem mysteriösen Mord an dem „Comedian“ riecht „Rorschach“ ein Komplott in der modrigen Luft und versucht auf eigene Faust, die Hintergründe der Tat ans Licht zu bringen…

Bereits für frühere „Watchmen“-Filmpläne kursierten die Namen diverser großer Schauspieler herum, die in die Rollen der Charaktere schlüpfen sollten: Kevin Costner, Robin Williams, Jamie Lee Curtis, Joaquin Phoenix und Hilary Swank - um nur einige zu nennen.
Für Zack Snyders Werk hat sich das Besetzungskarussell erneut gedreht, und so sind nun Oscar-Nominee Jackie Earle Haley („Little Children“) als „Rorschach“, Patrick Wilson („Hard Candy“) als „Nite Owl II“, Billy Crudup („Big Fish - Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht“, „Almost Famous“) als „Dr. Manhattan“, Malin Akerman („Nach 7 Tagen ausgeflittert“) als „Silk Spectre II“, Matthew Goode („Match Point“) als „Ozymandias“ und „Supernatural“-Star Jeffrey Dean Morgan als der „Comedian“ auf der Leinwand zu sehen.
Watchmen - Die WächterWatchmen - Die WächterWatchmen - Die Wächter
Die große Preisfrage lautet jetzt natürlich: Haben es Regisseur und Darsteller zusammen geschafft, die aus der Vorlage bekannte Welt auch auf die Leinwand zu transportieren, oder leidet der Film womöglich doch unter den für eine Kinoauswertung nötigen Änderungen und Kürzungen?

Holen wir für die Antwort doch etwas weiter aus und ziehen die Schöpfer der Graphic Novel hinzu. Da wäre ja auf der einen Seite der Zeichner Dave Gibbons, der sich bereits nach einem Setbesuch von der Detailtreue der Kulissen und Kostüme beeindruckt zeigte, und letztlich sogar ein Teaser-Plakat angefertigt hat. Auf der anderen Seite steht nun Alan Moore, der Adaptionen seiner Werke a priori ablehnt, und bereits im Vorfeld angekündigt hat, sich die Umsetzung seines Babys keinesfalls anzusehen – was man ihm nach dem sehr mittelmäßigen „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (2003) unter der Regie von Stephen Norrington zwar nicht unbedingt übel nehmen kann, man allerdings dennoch anmerken muss, dass die „From Hell“-Verfilmung (2001) der Hughes-Brothers trotz vieler Freiheiten ein ungemein starker Streifen geworden ist, der beweist, dass eine gute Moore-Comic-Adaption möglich ist…wenn man gewisse Regeln des Film-Mediums akzeptiert.

Die Wahrheit liegt also wie so oft irgendwo dazwischen – und damit sind hier die unterschiedlichen Standpunkte der Herren Gibbons und Moore gemeint. Es hängt also auch davon ab, ob man a) die Vorlage überhaupt kennt und b) in diesem Fall eine Reduzierung auf das Wesentliche toleriert.
Denn natürlich ist es auch bei einem Film mit einer stolzen Laufzeit von 163 Minuten nicht möglich, eine über 400 Seiten starke Story gänzlich abzuhandeln, ohne den Zuschauer mit Informationen völlig zu überfordern oder das Ganze eben etwas einzuschränken. Eine Alternative wäre vielleicht ein zweigeteilter Film à la „Kill Bill Vol. I & II“ gewesen, was aber ein eindeutiges Problem mit sich gebracht hätte: Schließlich wartet gerade die erste Hälfte der Graphic Novel mit extrem wenig Action auf, was bestimmt viele normale Kinogänger gelangweilt oder abgeschreckt hätte, so dass sich dann der zweite Teil in der Folge womöglich als großer Flop entpuppt, was mit Sicherheit weder im Interesse der Studios noch in dem des Regisseurs liegen dürfte.

Nun ist aber das Zusammenstauchen der Nebenstränge lediglich für engstirnige Liebhaber der Vorlage störend – wer sich „Watchmen“ ohne Vorbehalte nähert, muss sogar zugeben, dass es sich dabei um eine der intelligentesten und besten Comic-Verfilmungen bisher handelt, die sich trotz kleinerer Schwächen auch mit dem erstklassigen „Batman“-Opus „The Dark Knight“ (2008) messen darf.
Um dann auch kurz bei den genannten Schwächen zu bleiben:
Im direkten Vergleich steht das Spiel des Gesamt-Ensembles von „Watchmen“ schon ein wenig hinter dem von Christopher Nolans Megahit zurück, was aber auch nicht sonderlich negativ auffällt, da man gerade die wohl markantesten Rollen mit fantastischen Schauspielern besetzt hat – an erster Stelle Jackie Earle Haley und Patrick Wilson, die bereits zusammen bei Todd Fields „Little Children“ (2006) zusammen vor der Kamera gestanden haben.

Schon etwas störender fallen im Film Zack Snyders typische Spielereien während der wenigen Kampfszenen auf – bereits bei dem sehr unterhaltsamen „300“ (2006) haben die ständigen Zeitlupen-Einlagen einen kontraproduktiven Effekt erzielt, und die ansonsten schweißtreibenden Schlachten in ihrer rohen Gewalt etwas abgebremst.
Da es sich hier aber um alles andere als ein Action-Spektakel handelt – obwohl man für die Kinoauswertung die Kämpfe schon ein wenig ausgebaut hat -, sei auch über dieses Manko hinweg gesehen.

Optisch kann „Watchmen“ erwartungsgemäß in jeder Hinsicht (ob auf der Erde oder auf dem Mars) überzeugen, wobei man aber zum Glück das Hauptgewicht auf das Erzählen der Geschichte gelegt hat, und die Bilder und Spezialeffekte nicht zum Selbstzweck verkommen lässt – tatsächlich hat sich das Film-Team die größte Mühe gegeben, die Comic-Stadt akribisch für die Kamera herzurichten, was nicht nur Dave Gibbons gefallen hat, sondern auch sämtliche Fans begeistern sollte.

Als musikalische Untermalung hat man sich diverse Songs aus jener Zeit herausgepickt (sogar Nena ist mit „99 Luftballons“ vertreten, was deutsche Zuschauer während der Szene etwas verwirren könnte), ansonsten kümmert sich Snyders Haus-Komponist Tyler Bates („The Devil`s Rejects“) um den manchmal knallenden und manchmal angenehm ruhigen Score...ähnlich prägnant wie bei „300“ ist die Musik aber diesmal nicht ausgefallen.
Watchmen - Die WächterWatchmen - Die WächterWatchmen - Die Wächter
Den Zuschauern, die mit der Geschichte vertraut sind und über das Fehlen oder Ändern mancher Stellen der Vorlage (das Ende ist z.B. ein wenig anders dargestellt worden, aber hinterlässt beim Publikum einen fast identischen Effekt wie bei der Leserschaft) hinwegsehen können, kann man „Watchmen“ also wärmstens empfehlen. Alle Anderen - vor allem Leute, die sich von der Beteiligung des „300“-Regisseurs angesprochen fühlen – seien ausdrücklich davor gewarnt, ein hastiges Spektakel zu erwarten.

Es handelt sich hier nicht um eine typische Comic-Verfilmung, sondern vielmehr um eine Demontierung des bekannten Superhelden-Mythos. Eine echte Identifikationsfigur fehlt dem Zuschauer zum Beispiel völlig - wenn überhaupt, würden sich da wohl am ehesten der brutale „Rorschach“ oder der Loser „Nite Owl“ eignen…einen „Batman“ oder „Superman“ sucht man im Werk zumindest vergebens.
Selbst der so gern benutzte Umhang ist einem Helden der ersten Generation zum Verhängnis geworden, da sich dieser in einer Drehtür verfing, während Verbrecher auf ihn schossen.
Vieles bei „Watchmen“ ist tiefgründig, bitter, hart und nicht oberflächlich cool.

Fazit: Zack Snyder hat nach seinen visuell brillanten aber inhaltlich platten Vorgängern einen großen Schritt in Richtung Erzähler gemacht und es geschafft, das von Gibbons und Moore erdachte Universum recht werkgetreu auf die Leinwand zu bringen – eine Leistung, die vor ihm viele hochkarätige Kollegen angestrebt, aber nie vollbracht haben.
Für die DVD-Auswertung ist übrigens eine längere Fassung geplant, die auch die aus der Graphic Novel bekannte Piraten-Nebengeschichte beinhalten soll. Vielleicht wird diese Version dann auch die letzten Nörgler überzeugen…wenn nicht, bleibt ihnen immer noch die Original-Vorlage, die eigentlich auch Pflichtprogramm für alle Fans des Films sein sollte.

Eine Rezension von Bastian G.
(10. März 2009)
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Daten zum Film
Watchmen - Die Wächter USA, Großbritannien, Kanada 2009
(Watchmen)
Regie Zack Snyder Drehbuch David Hayter & Alex Tse, basierend auf der Graphic Novel von Alan Moore & Dave Gibbons
Produktion Warner Bros. Pictures, Paramount Pictures, Legendary Pictures, DC Comics, Lawrence Gordon Productions Kamera Larry Fong
Darsteller Jackie Earle Haley, Patrick Wilson, Carla Gugino, Malin Akerman, Billy Crudup, Matthew Goode, Jeffrey Dean Morgan, Stephen McHattie, Matt Frewer, Laura Mennell
Länge 163 min. FSK ab 16 Jahren
http://www.watchmenmovie.co.uk/intl/de/
Filmmusik Tyler Bates
Deutscher Kinostart: 05.03.2009
Kommentare zu dieser Kritik
travisbickle TEAM sagte am 10.03.2009 um 18:08 Uhr

Danke für die Rezension :-) Bin sehr gespannt auf den Film!
travisbickle TEAM sagte am 07.08.2009 um 17:23 Uhr

Wow!
Habe den Film gestern gesehen und bin begeistert. Erst THE DARK KNIGHT, und nun der nächste vielschichtige und komplexe Genre-Kracher von Weltklasseformat, der auch und gerade ein erwachsenes Publikum jenseits der ganzen Comic-Nerds anspricht. Story, Charaktere (Rorschach ist genial!), Ausstattung, Optik, Action... hier stimmt einfach alles. Wenn hier draus kein Kultfilm wird, dann weiß ich es auch nicht. Zusammen mit SLUMDOG MILLIONÄR und GRAN TORINO bisher der beste Kinofilm, den ich dieses Jahr gesehen habe! Applaus!
travisbickle TEAM sagte am 03.09.2009 um 17:54 Uhr

Hab eben die DVD für nen Zehner abgegriffen und mich direkt über das riesengroße FSK-Emblem auf der Cover-Vorderseite aufgeregt. Finde, das ist für den passionierten Sammler eine Zumutung. Wenn die Prüfstelle schon meint, das Ding selbst für Blinde mit Krückstock unübersehbar vorne drauf zu klatschen, dann hätte man wenigstens ein Wendecover nehmen können, so wie bei den meisten anderen DVDs, die ich in der letzten Zeit erstanden habe. Frechheit!

Sorry, musste das mal hier rausposaunen ;-)
k. TEAM sagte am 30.11.2009 um 00:52 Uhr

Den Film habe vor ein paar Wochen gekauft - 15EUR. Wo gabs denn für weniger? Verdammt! Immer komme ich zu spät :-) Egal! Die Investition hat sich auf jeden Fall gelohnt. Mir hat der Film sehr, sehr gut gefallen.

Es gab nur zwei Sachen, die mir übel aufgestoßen haben:

der Soundtrack - eine verdammte Katastrophe! Bis auf ein, zwei Lieder passt die Untermalung kein bisschen! Was haben sich die Verantwortlichen dabei bitte gedacht - vorallem: Nena? Sollte das witzig sein? Das war es definitiv nicht - aber: ich habe dem Drang widerstanden den Film auszumachen...

und was noch? Die verdammte Sexszene zwischen Night Owl II und Silk Spector(?). Was sollte das denn bitte? Die war so unnötig wie ein Kropf.
Flo TEAM sagte am 30.11.2009 um 08:22 Uhr

Ich hoffe, du hast gleich die Director's Cut oder Ultimate Edition gekauft?

Zu deinen Einwänden:

1. Erstens ist der Soundtrack ein großartiges Potpourri an Klassikern, die symbolisch grandios eingesetzt werden. Alleine die Hendrix' ALL ALONG THE WATCHTOWER und Dylans THE TIMES THEY'RE CHANGING passen wie die Faust auf's Auge. Dazu als ironische Versatzstücke Nenas LUFTBALLONS oder Cohens HALLELUJAH. Großartig!

2. Ist die Szene derart ironisch gebrochen, dass sie gleich auf zwei Ebenen wunderbar funktioniert: Als wiedergewonnener Superheldenspirit und als Anspielung auf Geschlechterikonografie. Was soll daran schlecht gewesen sein? Wenn du peinlich berührt gewesen sein solltest, dann hat die Szene in ihrem augenzwinkernden Gestus funktioniert.
k. TEAM sagte am 30.11.2009 um 08:45 Uhr

1. Sagte ich nicht, dass jedes Stück falsch gewählt ist. Tatsächlich sind die Beispiele, die du gerade genannt hast - bis auf Luftballons - gerade die, die gepasst haben(Wow, das sind es sogar 3!). Bei den restlichen dagegen schwebt über meinem Kopf nur eine Tafel, die hell leuchtet und auf der WTF? steht :-)

2. Bin ich nicht peinlich berührt gewesen. Die Szene war nur eines: sinnlos, stumpf und nicht brauchbar. Sie hat die Story kein bisschen vorangebracht. Zugegeben: das machen Dialoge bei Tarantino auch sehr selten, aber da ist es wenigstens amüsant. Hier war es einfach nur dämmlich.



Trotzdem interessante Punkte. Ich werde mir den Film demnächst mal damit im Hinterkopf anschauen. Mal sehen, ob es dann besser passt. :)
travisbickle TEAM sagte am 30.11.2009 um 17:07 Uhr

@k.: Die 10 € habe ich in der "World of Video" bezahlt! Ist zwar bloß die Single Edition, aber mir kommts sowieso nur auf den Film an!

Die Sexszene fand ich übrigens auch kein bisschen überflüssig; schließe mich da Flo an! Der Soundtrack gefiel mir so gut, dass ich ihn mir kurzzeitig sogar bestellen wollte. THE TIMES THEY`RE A CHANGING, SOUND OF SILENCE, ME AND BOBBY MCGEE: Gleich drei absolute Lieblingshits von mir sind dabei!! Und 99 LUFTBALLONS war für mich ein interessantes und belebendes Wagnis!


the flower tao sagte am 12.12.2009 um 02:19 Uhr

Na, das kann so nicht stehen bleiben. ;)

1) Der Soundtrack ist alleine in seiner Auswahl von Popsongs ein Meisterwerk, hinter dem der Orginal Score von Tyler Bates zwangsläufig zurückstehen muss. Jedes Stück unterstreicht die entsprechende Sequenz mit Biss. Eine trottelige Romanze mit NENA zu untermalen, eine triumphale Rückgewinnung von Potenz mit HALLELUJAH, dem Comic entsprechend das Crescendo mit ALL ALONG THE WATCHTOWER, das Ableben eines Mega-Arschlochs mit einem gesäuselten UNFORGETTABLE... mehr Faust-aufs-Auge geht nicht.

2) Die Sexszene hängt in ihrem Gehalt wohl von der Lesart ab. Liest man den Film als aufgeputschten Noir-Plot, hat der Owlship-Sex keine Relevanz. Dann haben aber etwa die Comedian-Rückblenden aber ebenfalls keinen Wert. Liest man den Film aber als episodisch verknüpfte Sammlung von Fallstudien im Sinne einer Dystopie und Superheldendekonstruktion, kann auf die Sexszene kaum genug hingewiesen werden.

Denn dort wird ein zentrales Thema auf den Punkt gebracht: Was ist aus der Potenz des Superhelden geworden? Nite Owl II steht für den ausgeträumten Superhelden-Entwurf. Er ist ein Batman mit Potenzproblem. Er hat eine so gewaltige Angst vor der Welt - inklusive seines eigenen Kostüms - dass er sexuell versagt. Erst durch die Rückversicherung seiner Rolle - seiner Fähigkeit, der überwältigenden Welt die Stirn zu bieten - wird überhaupt erst wieder eine Erektion möglich. Und wie bitterböse dieser vermeintliche Triumph gebrochen wird: Durch einen Feuerwehrjob mit Kaffe-Runde als Finale stellt er sich wieder unter Beweis vor sich selbst. Jemanden besiegen, sich einer großen Bedrohung entgegenstellen - das war hier nicht nötig. Aufgepeitscht vom Adrenalin-Rausch eines ganz und gar gewöhnlichen Rettungseinsatz bauscht sich sein Selbstbild wieder auf, gewinnt an Potenz - und kann die scharfe Sau flachlegen. "Ich kann wieder, ganz ohne Viagra - Hallelujah (-> Soundtrack)"... was für eine knallharte Dekonstruktion einer fragwürdigen Superheldenikonographie. Eine sinnlose Szene? Wenn man den Film auf intellektuellem Autopilot schaut, dann sicher...
k. TEAM sagte am 14.12.2009 um 17:00 Uhr

Die Erklärung leuchtet mir durchaus ein. Aber sie ändert absolut nichts daran, dass ich die Szene überflüßig und störend fand und finde.

Gibt es die Szene eigentlich auch in dem Comic? Das wäre mal interessant zu erfahren.
Bastian TEAM sagte am 14.12.2009 um 17:10 Uhr

Ja, gibt es.
Flo TEAM sagte am 14.12.2009 um 17:36 Uhr

Wenn dir die Erklärung einleuchtet, weshalb dann trotzdem auf der Meinung beharren, die Szene sei überflüssig? Sie ist nunmal das pointierte Finale eines Figurencrescendos und lässt die beiden letzten Endes in Archie in der Luft hängen, um sie als Figuren nicht dramaturgisch in der Luft hängen zu lassen. :-)

Aber um noch einmal etwas nachzuhaken: Hat dir die Szene ästhetisch einfach nicht zugesagt? Das könnte ich - als männlicher Zuschauer - beispielsweise absolut nicht nachvollziehen. Was bleibt? Die Inszenierung? Ironisch stilisiert bis zur Perfektion: das Fluggerät als Männlichkeitssymbol, das das erste Mal nach Jahren wieder aus dem Keller darf. Pointiertere Symbolik wirst du kaum finden. Bliebe dann nur noch die persönliche Abneigung, die einfach nicht zu erklären ist. Dem Film (und dem Comic) als solchem ist das nicht vorzuwerfen!
k. TEAM sagte am 14.12.2009 um 18:26 Uhr

Pass auf. Dass mir die Erklärung einleuchtet, heißt nicht, dass ich mich nicht von dieser Szene gestört fühlen kann oder darf. Ich habe einfach eine Abneigung gegen diese Art der Darstellung.

Außerdem: ich habe nicht gesagt, dass ich WATCHMEN scheiße finde. Wenn ich mich richtig erinnere, war sogar das Gegenteil der Fall. Dass mich dieses oder jenes stört, ist doch legitim, denke ich. Oder hoffe ich zumindest.

Auf mich hatte die Szene jedenfalls nicht die Wirkung, die wohl von Zack Snyder angedacht war, also ist er entweder ein Versager oder ich habe nicht richtig aufgepasst.
Bastian TEAM sagte am 14.12.2009 um 19:12 Uhr

Nicht schlecht. Ein Film, der "nicht scheiße" ist, gedreht von einem Versager:-D Sehr gut.
k. TEAM sagte am 14.12.2009 um 19:19 Uhr

Da fällt mir spontan Plan 9 from outer Space ein. :D
Bastian TEAM sagte am 14.12.2009 um 19:24 Uhr

Naja. Dieser Vergleich...ich weiss ja nicht...
k. TEAM sagte am 14.12.2009 um 19:34 Uhr

Der war auch nicht ganz ernst gemeint. Deswegen der Smiley. Vielleicht sollte ich mal Sprachschule machen, irgendwie reden wir aneinander vorbei, wa? ;)
Zombie-mower TEAM sagte am 20.02.2010 um 19:32 Uhr

"Watchmen" ist ein Höllenritt von einem Film - visueller Augenschmaus und intellektuelles Bonbon in Hinsicht der vielschichtigen, cleveren und gesellschaftskritischen Geschichte.

Mir gefiel besonders die Herangehensweise über die Charakterzeichnungen die Narration in Schwung zu bringen.
Großartig die Idee mit der Ermordung des sarkastischen Antihelden "Comedian" zu beginnen (der Fenstersturz hat mich auch sehr stark an "The Matrix relaoded" erinnert).

Die ganze Plotentwicklung setzt auch relativ spät an, nach dem Verscheiden von dem "Comedian", den Flashbacks von dessen Superheldenkollegen und den Ermittlungen von Rorschach.
Auf diese Weise hat bisher keine Comicverfilmung eine Story angepackt. Respekt!

Die großen Stärken von "Watchmen" sind meiner Meinung nach die akribisch gezeichneten, überzeugenden Charaktere (besonders die "Comedian", "Rorschach" und "Dan"-Darsteller sind brillant - echtes Method-Acting). Überzeugt haben mich auch die visuellen Stilmittel von Snyder - nicht zu sehr actionlastig und cgi-verspielt wie "300" und definitiv nicht zum größten Teil ein Eigenzweck der Stilisierung wie "Sin City". Die Action, Wendungen, Tragödien und Nachstellungen sind wichtige Zutaten, um die Story voran zu bringen.

Sehr gut heraus gearbeitet ist auch die homo-homini-lupus-est-Kritik heraus gearbeitet; die Wesensart des Menschen ist die größte Massenvernichtungswache auf dem blauen Planeten. Schön herausarbeitet und auf den Punkt gebracht. Insofern fand ich auch den Schluss sehr befriedigend.
Gefallen hat mir auch die Andeutung der Bedrohung Nationalsozialismus als Folge von extremen Mitteln, die Erde zu säubern. Mutig und schön inszeniert.

Zwei Kritikpunkte habe ich dennoch anzuführen: erstens die Musiktitelwahl ist teilweise eine Katastrophe (die genannte Nena-Peinlichkeit, das "Reifeprüfung"-Plagiat "Sound of Silence" und "Halleluja"); sicher als Selbstironie gemeint, dennoch peinlich - ich hab teilweise schon "Mad World" erwartet; das ging nach hinten los.

Der zweite Ausrutscher ist für mich der Charakter der Miss Jupiter II - welch ein negativer Kontrast zur eleganten, charismatischen Mama Sally Jupiter, die den Flair der film-noir-femme-fatale zu verköpern verstanden hat!!!
Eigentlich alles rund um Miss Jupiter junior ist eine Katastrophe; ihre naive und unbeholfene Art - in den Fights stolpert sie von einer peinliche Choreographie zur nächsten (Vergleiche mit Alice Silverstone alias "Batgirl" drängen sich auf), ihre Darstellung ist einfach ärgerlich dumm und die Zwiegespaltenheit zwischen Dr Manhatten und Nite Owl II kaufte ich ihr nicht ab.

Gut dass die männlichen Figuren - allen voran Rorschach, Entertainer, Dan Dreiberg, Dr Manhatten und der Bösewicht Adrian Veidt - die wenigen Mängel in den Schatten stellen.

Mein Fazit: komplexe, vielschichte Story, brillante, gut getimte und auf die Laufzeit perfekt verteilte Action und erfrischender Sarkasmus fern von dem amerikanischen Pathos machen "Watchmen" zu einem Meisterwerk, das für mich selbst "The Dark Knight" übertrumpft.

Nur Sam Raimis "Darkman" hat für mich eine höhre Attraktion als "Watchmen", aber das eher aus der nostalgischen Liebe zum old-school-style :-)
Zombie-mower TEAM sagte am 20.02.2010 um 19:35 Uhr

...ein Mysterium bleibt für mich dennoch ungelöst: was hatte Rorschachs sackähnliche Maske eigentlich für einen Zweck (sobald diese ihm runter gerissen wurde, empfand er eine unstillbare Begierde, sein "Gesicht" wieder zurück zu bekommen).

Dieses Rätsel wird wahrscheinlich im Comic aufgelöst, in der Kinoversion gab es jedenfalls keine Hinweise :-(
k. TEAM sagte am 21.02.2010 um 17:21 Uhr

Rorschach definiert sich über sein Vorgehen und seine Maske. Durch den Mord an dem Mädchen bekommt er quasi selbst einen Knacks, der Walter Kovacs - Rorschachs bürgerliche Identität - auslöscht. Die Maske ist seine Idendität. Im Grunde tauscht er die Rollen: ist er als Walter Kovacs unterwegst, dann ist er getarnt, mit der Maske dagegen ist er "normal".

Schön, dass ich nicht der einzige Mensch bin, der nichts mit dem Soundtrack anfangen konnte - trotzdem mehrmaligem Sehen! Allerdings: im Hinterkopf immer die Kommentare hier gehabt. Auf der Ebene betrachtet, muss ich sagen, ist es wirklich nicht so schlimm.
Zombie-mower TEAM sagte am 21.02.2010 um 17:31 Uhr

danke für die nachvollziehbare Erklärung, k.
Was für ein toller Einfall - eine traumatische Erfahrung als Ursache zu nehmen für den inneren seelischen Verfall und die Vertauschung von realer und pseudonymer Existenz
das macht den Rorschach-Charakter noch interessanter, eigentlich ist er der am schönsten gezeichnete aus ausgebaute Charakter (zuerst bleibt er immer im Hintergrund und hat kaum Einfluss auf die Entwicklungen - ein Beobachter und vorsichtiger Schnüffler - zum Schluss wird er zu einer wahren Antriebskraft, die Szenen im Gefängnis sind ja mitunter die stärksten Szenen des Films, Rorschach wird zu dem letzten Werter der unkorrupten moralischen Instanz!)

und ja, sein One-liner, nachdem er einen Hinterhalt von den Gefängnisinsassen und Massenmördern vereitelt halt, ist ja wahnsinnig cool:
"Ich glaub ihr habt das falsch verstanden. Nicht ich bin eingesperrt mit euch, sondern ihr seid engesperrt mit mir!"
travisbickle TEAM sagte am 22.02.2010 um 16:12 Uhr

Danke auch, k.! Ich wollte die Beantwortung der Frage gestern schon übernehmen, doch mein Text war nach dem Eintragen plötzlich verschwunden und da hatte ich keinen Bock, alles noch mal zu schreiben.

Aber warum können bloß so wenige hier etwas mit dem Soundtrack anfangen!?...
k. TEAM sagte am 23.02.2010 um 11:10 Uhr

Wenn dir die Rorschach- und Dan Schauspieler gefallen - sie heißen übrigens Jackie Earle Haley und Patrick Wilson -, dann riskier mal einen Blick und schau dir Little Children an. Das ist zwar ein vollkommen anderes Genre, aber es ist ein fantastischer Film,Zombie-mower.

Ohne jetzt fies werden zu wollen, travisbickle, aber eine gute Freundin von mir hätte jetzt "Schicksal" gesagt ;-) Aber mal ernsthaft: ich weiß es nicht. Wenn Snyder mit dem Soundtrack tatsächlich die Wirkung erzielen wollte, die ihr rausgearbeitet habt, dann hat er es nicht besonders gut gemacht: die einen verstehen es, die anderen nicht. Vielleicht sind wir auch einfach bei manchen Liedern voreingenommen.
Zombie-mower TEAM sagte am 23.02.2010 um 13:18 Uhr

ich kenne "Little Childeren" und so sehr mir der Anfang und die Exposition (der gesellschaftskritische Teil sowie der Kinder-Spielplatz als Ort von entscheidenden Wendungen) gefallen hat, hat mir die routinierte Abrundung der Geschichte und diese massentaugliche Inszenierung in der letzten Hälfte überhaupt nicht zu gesagt.

Am besten fand ich von "Little Children" den Jackie Earl Haley als verpönten Pedophilen und die Darstellung seines Schicksals wirklich berührend.

Naja, und von Kate Winslet bin ich seit "Heavenly Creatures" eh ein großer Fan, soviel hat sie nicht falsch machen können - die Sezszene mit Patrick Wilson war dann auch nicht ohne.

Doch insgesamt war ich eher enttäuscht, besonders der Schluss mit dem Skateboard war ja lächerlich...
travisbickle TEAM sagte am 23.02.2010 um 16:02 Uhr

@k.: Na gut, lassen wir es mal so stehen ;-)
Stefan R. TEAM sagte am 03.07.2011 um 19:33 Uhr

Free-TV-Premiere heute um 22.05 Uhr auf ProSieben.

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