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von Rodrigo Cortés




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The Divide

The Divide

Ein Film von Xavier Gens

Im Christentum wird die Hölle meist bildlich als ein brennendes Inferno dargestellt.



In Xavier Gens' deprimierendem Endzeit-Thriller „The Divide“ flüchten die Bewohner eines Hochhauses panisch vor den Explosionen, die erbarmungslos den Weltuntergang ankündigen.

Sie stürzen in Scharen die Treppe hinab, um sich vor dem Chaos doch noch irgendwie retten zu können.
Und einige von ihnen finden sich schließlich in der trügerischen Sicherheit eines finsteren Bunkers wieder.

Ohne dies vorher geahnt zu haben, erleben sie nun dort das wahre Fegefeuer - in einem ähnlichen Schreckensszenario, wie es bereits Jean-Paul Sartre in seinem Drama „Geschlossene Gesellschaft“ zur Sprache gebracht hat:
„Die Hölle, das sind die anderen.“
Die Überlebenden der Katastrophe, das sind der raubeinige Hausmeister Mickey (Michael Biehn, „Terminator“), welcher den Zufluchtsort errichtet hat, das Pärchen Eva (Lauren German, „Hostel 2“) und Sam (Iván González), die Halbbrüder Josh (Milo Ventimiglia, „Heroes“) und Adrien (Ashton Holmes, „Der eisige Tod“), Joshs vorlauter Kumpel Bobby (Michael Eklund), die Mutter Marilyn (Rosanna Arquette, „Pulp Fiction“) und ihre kleine Tochter Wendy (Abbey Thickson) sowie der misstrauische Delvin (Courtney B. Vance, „D-Tox - Im Auge der Angst“).

Die Stimmung unter den sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten ist trotz ausreichender Versorgung gereizt. Verständlich.
Sie kennen sich nicht wirklich - wissen nicht, wie sie ihr Gegenüber einzuschätzen haben.
Und sie haben keine Ahnung, was mit der Welt da draußen geschehen ist.
Was würden sie sehen, wenn sie einen Blick aus dem abgesicherten Gewölbe hinaus wagen?

Als nach einigen ersten Anfeindungen plötzlich die massive Tür des Bunkers von einem mysteriösen Trupp in Schutzanzügen aufgebrochen wird und die Unbekannten Marilyn brutal ihr verschüchtertes Kind aus den Armen reißen, ändet sich die Situation schlagartig.
Gemeinsam gelingt es der Gruppe, einige der Angreifer zu töten und den Rest in die Flucht zu schlagen.
Um aber das junge Mädchen aus deren Händen zu befreien, muss sich eine Person einen der Anzüge überstreifen und einen Schritt in das Ungewisse riskieren.
Der hitzköpfige Josh meldet sich freiwillig...

„The Divide“, eine deutsch/US-amerikanisch/kanadische Ko-Produktion, gehört wohl zweifellos zu den zynischsten Filmen, die man in diesem Jahr auf der großen Leinwand erleben kann.
Wenn man gerade denkt, dass bereits die Spitze der Grausamkeiten erreicht ist, schaufelt Regisseur Gens einen weiteren Haufen Erde und Dreck auf sein Massengrab.
Das hier ist der Zerfall der Zivilisation in seiner pursten und hoffnungslosesten Form.
Ein blutroter, apokalyptischer Sonnenuntergang, der mit seiner albtraumhaften Ästhetik die Grenze zum Horrorfilm überschreitet.

Auch die einzelnen Charaktere mutieren letztlich, infolge der radioaktiven Strahlung, welche ganz langsam in den Bunker kriecht, und aufgrund des rücksichtslosen Machtkampfes untereinander, innerlich und äußerlich zu etwas Monströsem.
Die Qualen, die sie sich im Verlauf der Geschichte physisch zufügen (Mord, Vergewaltigung, Verstümmelung), sind schockierend.
Noch schlimmer ist jedoch die psychische Folter, welche später in der klaustrophobischen Enge stattfindet.

Als ein Beispiel soll eine äußerst sarkastische Partie Wahrheit oder Pflicht angeführt werden.
Wie würde man sich unter solch wenig spaßigen Optionen, wie einen abgetrennten Finger zu essen, halb verfaulte Leichen zu entsorgen oder seinem Partner, welcher inzwischen schon sämtliche menschliche Würde abgelegt hat, seine Gefühle zu beichten, wohl entscheiden?
Man bedenke, dass es keine Fluchtmöglichkeit aus dem Spiel gibt.

Nach dem optisch ansprechenden, aber inhaltlich stumpfen Exploitation-Knüppel „Frontier(s)“ und der Hollywood-Bruchlandung „Hitman“ (beide 2007) beeindruckt der Franzose Xavier Gens dieses Mal mit seiner extrem kraftvollen Arbeit nachhaltig.
Seinem Titel Rechnung tragend, wird „The Divide“, wie die Reaktionen auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest gezeigt haben, sein Publikum allerdings auch in zwei Lager spalten.
The DivideThe DivideThe Divide
Ob und wie man mit dem Werk zurechtkommt, hängt im Prinzip von zwei Fragen ab:
1.) Kann man das hier dargestellte, zutiefst pessimistische Gesellschaftsbild akzeptieren?
2.) Wie gefallen einem die von dem Autoren-Duo Karl Mueller und Eron Sheean entwickelten Charaktere, und kann man deren Entwicklung im Verlauf der Story nachvollziehen?

Zu Punkt 2.) sei bereits angemerkt, dass eine wirklich sympathische Identifikationsfigur in der Tat fehlt.
Am ehesten bietet sich für diese wohl noch die attraktive Eva an, mit der man zu Beginn die Aussicht auf die nukleäre Vernichtung teilt.
Der von Michael Biehn etwas überzogen gespielte, reichlich entgeisterte Retter Mickey ist zwar die Person, die der unfreiwilligen Gemeinschaft noch einen gewissen Halt und Führung vermittelt - dennoch mag man ihm nicht so recht trauen.
Es beschleicht einen das ungute Gefühl, dass er jederzeit über Leichen gehen würde, um seine festen Regeln zu verteidigen.

Für einen Augenblick wird uns hier sogar ein vermeintlicher Held präsentiert.
Doch „The Divide“ ist ganz entschieden keine saubere Heldenstory:
Das Furchtbarste, was einem selbstlosen Vorhaben entgegenprallen kann, ist wohl die nüchterne Erkenntnis, an der betreffenden Situation nichts verändern zu können. Etwas Grauenvolles wie gelähmt hinnehmen zu müssen.
Solch eine Erfahrung kann einen Menschen zerstören.

Interessant ist in dem Film auch die Konstellation der Charaktere.
Fast jeder Protagonist scheint seinen persönlichen Antagonisten zu haben.
Würde man beispielsweise versuchen, die Gruppe als ein vierarmiges Fabelwesen zu skizzieren, so würde Eva dessen Kopf bilden, während Sam und der ruhige Adrien als Rumpf zunächst unscheinbar um die Gunst der Frau konkurrieren.
Dann wären da die nach Macht greifenden Arme:
Zunächst natürlich in Gestalt von Mickey, der erbittert mit Delvin um seine Position streitet.
Aber auch Josh und Bobby haben Ambitionen, ähnlich wie in William Goldings Roman „Herr der Fliegen“, die Herrschaft über diese kleine Welt zu erlangen. Und wer an der Spitze steht, braucht schließlich niemanden neben sich. Nur brave Gefolgschaft.
Die Beine würden in diesem Konstrukt nun noch von Marilyn und ihrer Tochter gebildet werden.
Und wie bereits erwähnt, gerät die Ordnung der Figuren dann auch völlig ins Wanken, als das Kind verschleppt wird und damit ein wichtiger Pfeiler bricht.

Gens bietet den Zuschauern in seinem ungemütlichen Keller keine Kerzen an, um ihnen die zunehmende Dunkelheit erträglicher zu machen.
Möglicherweise sind die anfänglichen Raketeneinschäge sogar noch die angenehmere Alternative gegenüber der hässlichen Entmenschlichung, welcher man später beiwohnt.
Eine symbolische Blumenwiese gibt es in der letzten Einstellung nicht zu sehen.

Das Werk ist übrigens bewusst in chronologischer Reihenfolge abgedreht worden. Am Set hat ein Ernährungsberater dafür gesorgt, dass die Schauspieler dem ausgemergelten Zustand ihrer Rolle entsprechen.
Der Aufwand hat sich gelohnt: Das von Laurent Barès („Inside“) stilvoll eingefangene, kompromiss- und trostlose Endzeit-Szenario brennt sich absolut gnadenlos in den Zuschauer-Köpfen fest.
The DivideThe DivideThe Divide
Ohne Frage ist „The Divide“ sehr hart. Aber etwas anderes hätte hier auch nicht gepasst.

Eine Rezension von Bastian G.
(04. September 2011)
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Daten zum Film
The Divide Deutschland, USA, Kanada 2011
(The Divide)
Regie Xavier Gens Drehbuch Karl Mueller & Eron Sheean
Produktion Instinctive Film, Preferred Content, BR Group, Ink Connection, Julijette Kamera Laurent Barès
Darsteller Lauren German, Milo Ventimiglia, Michael Biehn, Michael Eklund, Rosanna Arquette, Courtney B. Vance, Ashton Holmes, Iván González, Jennifer Blanc, Peter Stormare, Abbey Thickson
Länge 108 min. FSK ab 18 Jahren
http://www.thedividethemovie.com/
Filmmusik Jean-Pierre Taieb
Der Film wurde im Rahmen des "Fantasy-Filmfests 2011" in der englischen OV vorgeführt!
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