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French Connection

French Connection

Ein Film von William Friedkin

Was für ein unnachgiebiger Brocken, immer noch. Und als einer der Grundpfeiler der New-Hollywood-Ära verfügt „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ auch über eine filmhistorische Signifikanz, die seine eigentliche Klasse jedoch zu keiner Zeit überbieten vermag: Hier verschmelzen Form, Inhalt und Stellenwert zu einer stählernen Allianz, die auch über 40 Jahre nach der Erstaufführung gnadenlos mitreißt. Besonders beeindruckend ist hier zu sehen, wie konkret Regisseur William Friedkin („Der Exorzist“) das Brooklyn der 1970er Jahre einfängt und ein jedes Frame wie einen vor Verkommenheit brühenden Affront gegen die allgemeinen Hochglanzvorstellungen der Metropole erscheinen lässt: Keine Einstellung geriert sich als romantisiertes Bewerbungsschreiben für den nächsten Familienurlaub, Owen Roizmans naturalistische Bilder verkünden eine immerwährende Trost- und Hoffnungslosigkeit, die man niemals mit den eigenen Augen erleben möchte. Mittendrin die Cops Jimmy „Popeye“ Doyle (Gene Hackman, „Erbarmungslos“) und Buddy „Cloudy“ Russo (Roy Scheider, „Der weiße Hai“). Und beide scheinen sie in dieser durch und durch besudelten Welt nur noch einander zu haben.

In ihrem Dezernat sind Popeye und Cloudy dafür bekannt, dass sie noch jeden Junkie, Fixer und Dealer zur Strecke gebracht haben, ein
en richtig dicken Fisch jedoch konnten sie noch nie aus den trüben Gewässern des ansässigen Sündenpfuhls ziehen. Als Popeye von einem Kontaktmann gesteckt wird, dass sich mit Alain Charnier (Fernando Rey, „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“) ein Dealer aus Marseille in Brooklyn aufhalten soll, der ein Millionengeschäft mit dem auffälligen Ganoven Boca (Tony Lo Bianco, „F.I.S.T. - Ein Mann geht seinen Weg“) abwickeln möchte, wittert der robuste Gesetzeshüter natürlich seine Chance. „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ ist indes nicht daran interessiert, die kriminalistische Arbeit seiner Hauptdarsteller durch Verklärung und Effekthascherei aufzubauschen. Stattdessen bleibt der Film durchweg bedrückend nüchtern, das Überführen des Übeltäters gleicht einem zermürbenden Geduldspiel, ständig müssen Popeye und Cloudy in der Kälte verharren und dabei zusehen, wie Charnier in einer angesehenen Einrichtung fürstlich diniert: Für die Gauner Kaviar, für den Gendarm wässrige Plörre aus dem Plastikbecher.

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„French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ baut immer wieder auf dieses herbe Kontrastieren von Popeye und Charnier, ist sich aber auch vollkommen im Klaren darüber, wie klischiert die „Weisheit“ an dieser Stelle wäre, beide Parteien auf einen Nenner zu bringen, um das altbackene Postulat freizulegen, dass sich die Kontrahenten ja eigentlich gar nicht so verschieden sind. Sie sind es, vom Scheitel bis zur Sohle. William Friedkin und Ernest Tidyman, der die gleichnamige Romanvorlage von Robin Moore adaptierte, lassen vielmehr die Trennlinien zwischen den Methoden, nicht aber zwischen den Gesinnungen verwischen: Der temperamentvolle Popeye wählt im Kampf gegen das Verbrechen unorthodox Mittel, ständig steht er unter Strom und muss seiner Frustration aus dem Stand heraus Luft machen. Dass er sich dabei auch mal zu unverhältnismäßigen Gewaltausübungen hinreißen lässt, ist keine Seltenheit und ein weiteres Indiz dafür, dass Popeye unlängst von seiner Umgebung verschlungen wurde und dementsprechend als desillusioniertes Produkt dieses desolaten Milieus zu verstehen ist: Wenn Du nur oft genug mit Hass in Berührung bekommen ist, infiziert er früher oder später auch Deine Seele.

Selbstverständlich ist „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ auch das eindringliche Charakter-Porträt eines versessenen Polizisten, der eigentlich nur das Richtige tun möchte, aber durch sein manisches Gebaren, unbedingt gewinnen zu wollen, auch mal den Blick für das Wesentliche, für das Detail, für die Antizipation verliert. Deutlich wird das in der legendären Szene, in der Charnier Popeye durch einen simplen Bauerntrick in der U-Bahn aushebelt und sich im Anschluss süffisant über das Scheitern Popeyes amüsiert - Popeye ist nicht tumb, aber Charnier ist gewiefter, weil er seine Emotionen unter Kontrolle hat und die Fassung niemals verliert. Dass man für Popeye einen Schauspieler wie Gene Hackman zur Verfügung hatte, macht sich natürlich bezahlt. Seine impulsive Performance gleicht einer Abrissbirne, die sich im regelmäßigen Turnus zur Eruption bereitmacht und alles niederringt, was sich in ihrem direkten Umfeld herumtreibt. Und doch greift dort eine gewisse Traurigkeit um Popeye, die seine Persönlichkeit und Ambition reflektorisch auf das marode Brooklyn überträgt: Angeschlagen, aber noch nicht zerrüttet genug, um vollends zusammenzufallen.

French ConnectionFrench ConnectionFrench Connection

Dieses griffige Lokal- und Zeitkolorit, mit dem sich „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ auch heute noch brüsten darf, macht diesen Klassiker des rüden Polizeifilms erst so richtig kraftvoll: Aus den Kanälen schälen sich dicke Rauchschwaden an die Oberfläche, vernebeln den Blick permanent, um den Zuschauer dann doch einsehen lassen zu müssen, dass überall nur die auslaugende Tristesse wartet. Verranzte Hinterhöfe, verschlissene Spelunken und vergessene Industrieruinen bestimmen den Handlungsraum von „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“. In beinahe dokumentarischer Authentizität führt uns William Friedkin vor der Folie eines realen Falles aus den 1960er Jahren durch diesen Betonmoloch und stampft unter dem mechanischen Gehämmer von Don Ellis ein paralysierendes Monument des 1970er-Jahre-Kinos aus dem Boden, dem man nach wie vor höchste Anerkennung zuteil werden lassen muss. Wenn man sich mal die abstruse Frage stellt, warum sich das Drehen an Originalschauplätzen so rigoros auszahlt, dann sollte man sich einfach „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ zu Gemüte führen und einsehen, dass William Friedkin hier einen virtuosen Meilenstein in Szene gegossen hat, dessen Stallgeruch noch lange in den Kleidern des Zuschauer haften bleibt.

Cover & Szenenbilder: © 20th Century Fox.

Eine Rezension von Pascal Reis
(02. August 2015)
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Daten zum Film
French Connection USA 1971
(The French Connection)
Regie William Friedkin Drehbuch Ernest Tidyman
Produktion 20th Century Fox Kamera Owen Roizman
Darsteller Gene Hackman, Roy Scheider, Fernando Rey, Tony Lo Bianco, Marcel Bozzuffi
Länge 104 Minuten FSK ab 16 Jahren
Filmmusik Don Ellis
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