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Bel Ami

Bel Ami

Ein Film von Willi Forst

Du hast Glück bei den Frau'n / Bel ami / so viel Glück bei den Frau'n / Bel ami./ Bist nicht schön / doch charmant / bist nicht klug / doch sehr galant / bist kein Held / nur ein Mann / der gefällt. / Du verliebst jeden Tag dich auf's neu / alle küßt du und bleibst keiner treu. / Doch die Frau / die dich liebt / machst du glücklich wie noch nie - Bel ami! Bel ami! Bel ami!”

Gesungen mit leicht wehmütiger Stimme scheint dieses Liedchen wie geschrieben für George Duroy, der Hauptfigur dieses Filmes des österreichischen Regisseurs Willi Forst. „Bel Ami“ erzählt die Geschichte Duroys, eines mittellosen, durchschnittlich begabten Mannes, dem nur eines beschieden zu sein scheint: Eine unglaublich anziehende Wirkung auf Frauen. Nach einem langjährigen Militärdienst, der ihm wenig Ehren eingebracht hat, aus Marokko zurückgekehrt versucht Duroy sein Glück in Paris. Eher zufällig trifft er auf seinen alten bekannten Charles Forestier, der inzwischen Karriere als Journalist gemacht hat. Dieser lädt ihn, nicht ohne ein bisschen Selbstgefälligkeit, zu einem Dinner ein, welches Duroy die Türen zu der feinen Pariser Gesellschaft öffnet. Marokko ist in aller Munde und so findet er sogleich offene Ohren und seine Geschichte sogleich den Weg in die Zeitung. Der Artikel, der eigentlich mehr aus der Feder der hilfsbereiten Frau Forestiers stammt, findet gefallen beim Chefredakteur des Blattes und verschafft ihm eine feste Anstellung als Journalist. Duroys sorgloses und opp
ortunistisches Wesen und die Hilfe einiger Damen, die Gefallen an ihrem „Bel Ami“ gefunden haben verhelfen dem jungen Mann zu einem beispiellosen beruflichen Aufstieg. Sein Weg führt ihn über die einfache Anstellung eines Journalisten über den Posten des Chefredakteurs und der Mitgliedschaft im Parlament bis hin zum Amt des Kabinettsministers.

Die literarische Vorlage der gleichnamigen, gesellschaftskritischen Satire stammt von dem Franzosen Guy de Maupassant. Dass nun Willi Forst 1939 einen Film aus dem Stoff machte ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass die Werke Maupassants schon kurze Zeit später von den Nationalsozialisten verboten worden sind. Produziert wurde „Bel Ami“ von Forsts eigener, 1935 in Österreich gegründeten Produktionsfirma „Deutsche Forst-Filmproduktion“, was dem Regisseur zwar keine vollständige politische, jedoch eine weitgehend finanzielle Ungebundenheit sicherte. Zum Zeitpunkt der Entstehung des Filmes war Willi Forst bereits ein international angesehener Regisseur und Schauspieler. Seine filmische Karriere – zunächst nur als Schauspieler – begann 1922 mit einer Rolle in „Sodom und Gomorrha“ unter der Regie von Michael Curtiz, der seine Karriere schon bald in Hollywood fortsetzte. Forst war noch in einer Reihe weiterer Filme zu sehen, u.a. auch an der Seite von Marlene Dietrich in „Café Elektric“ (1926) von Gustav Ucicky, bevor er 1933 selbst im Regiestuhl Platz nahm. Sein erster Film, „Leise flehen meine Lieder“ – eine historische Romanze über den Komponisten Franz Schubert – war derart erfolgreich, dass er ein Jahr später für das englische Publikum unter dem Titel „The Unfinished Symphony“ neu gedreht wurde. „Leise flehen meine Lieder“ bestach durch eine eigene, filmische Ästhetik, wie sie für das Genre des so genannten „Wiener Films“ kennzeichnend werden sollte. Der „Wiener Film“ war eine filmische Strömung des österreichischen Kinos, die noch in der Stummfilmzeit in den 1920er Jahren entstand, ihren wirklichen Durchbruch allerdings erst in den Anfängen des Tonfilms fand. In den 1930er und 1940er Jahren erlebte der „Wiener Film“ seine filmische Blütezeit. Willi Forst kann zu recht als einer der wichtigsten Regisseure dieses nostalgisch anmutenden, österreichischen Genres angesehen werden und trug auch einen Großteil zu der Herausbildung dieser spezifischen, filmischen Mischung aus „Liebesfilm“, „ Komödie“, „Melodram“ und „Historienfilm“ bei.

Angelehnt an die leichte, unbekümmerte Atmosphäre seiner früheren Werke, entstand mit „Bel Ami“ eine elegante, unbeschwerte Satire, die den Ton der Romanvorlage Maupassants sehr gut einzufangen wusste. Die leicht befremdlich wirkenden Kommentare über die marokkanischen „Wilden“ sind hierbei nicht etwa der nationalsozialistischen Ideologie geschuldet, sondern spiegeln vielmehr das in dieser Zeit allgegenwärtige Gefühl zivilisatorischer Überlegenheit der Europäer – in diesem Fall der Franzosen – im kolonialen Zeitalter wider und lassen sich auch bei Maupassant finden. Ließ sich dieser Aspekt noch mit der nationalsozialistischen Agenda vereinbaren, so tat es das in diesem Film gezeigte Frauenbild nicht im Geringsten. So repräsentiert die Figur der Madeleine Forestier, die George Duroy zu Beginn der Geschichte unter ihre Fittiche nimmt, im Grunde das Gegenbild zum nationalsozialistischen Frauenbild. Sie ist eine intrigante, selbstbewusste Frau, die dank ihres scharfen Verstandes, auch in politische Alltagsdebatten journalistisch eingreift, dies jedoch stets indirekt mittels eines Mannes, den sie sich dienstbar gemacht hat. Ganz konnte sich Forst also nicht dem Zeichen seiner Zeit entziehen. Trotz dessen fiel „Bel Ami“ nicht der Zensur zum Opfer, weil er letzten Endes das lieferte, was man sich im nationalsozialistischen Deutschland kurz vor Ausbruch des Krieges von einem Film erwartete: Zerstreuung und Kurzweil ohne den ermüdenden, obligatorischen Wink mit dem propagandistischen Zaunpfahl. Für diese Zwecke gab es andere Filme. So durfte Willi Forst auch nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 und trotz Ausrichtung des österreichischen Filmmarktes auf die nationalsozialistischen Vorgaben – die von vielen österreichischen Filmschaffenden aus opportunistischen Gründen ohnehin schon seit Hitlers Machtergreifung 1933 umgesetzt worden waren – noch Filme ganz im Stil des „Wiener Films“ drehen, den er mit seinen frühen Filme so stark mitgeprägt hat. Dieser Stil und das Fehlen jeglicher nationalsozialistisch eingefärbter Untertöne machen „Bel Ami“ auch heute noch zu einer sehenswerten Adaption eines der bekanntesten Werke Maupassants.
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Eine Rezension von Anja Mikolajek
(15. September 2007)
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Daten zum Film
Bel Ami Deutschland 1939
Regie Willi Forst Drehbuch
Produktion Deutsche Forst-Filmproduktion GmbH
Darsteller Willi Forst, Olga Tschechowa, Johannes Riemann, Ilse Werner, Hilde Hildebrand, Will Dohm
Länge 94 Minuten FSK 12
Der Film ist bei Kinowelt Home Entertainment am 7.9.2007 auf DVD erschienen.
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