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Der Ostfriesen-Report

Der Ostfriesen-Report

Ein Film von Walter Boos

Was musste nicht schon alles her halten als Gegenstand für die Reportfilme, die ab Ende der 60er-Jahre die deutsche Kinolandschaft überschwemmten und maßgeblich zum Aufschwung der nationalen Lichtspielhäuser beitrugen. Schulmädchen, Hausfrauen, Ehemänner,Krankenschwestern, Bademeister, Teenager und selbst Sex-Träume wurden “unter die Lupe genommen“. Das da irgendwann die Stoffe ausgehen, ist klar. Da würde es nicht wundern, das selbst die Ostfriesen ihren eigenen Report bekommen – Tatsache ist aber, das vorliegender Film nicht in diese besondere Kategorie fällt und keinen aufgesetzten dokumentarischen Charakter aufweist. Insofern umschreibt der ursprüngliche Titel O Mei haben die Ostfriesen Riesen die Intentionen des Films wesentlich umfassender und treffender, geht es doch vor allem um die Verballhornung diverser Klischeevorstellungen.

Zur Geschichte: Ein Strip-Lokal in München steht kurz vor dem Ruin. Die Besucher bleiben langsam aber sicher aus, Geschäftsführer Alois Mooser (Josef Moosholzer) weiß sich nicht mehr zu helfen und erhält zunehmenden Druck des Besitzers Jansen (Joachim Hackethal, uverkennbar durch seine massiv übergewichtige Erscheinung). Dieser will aus dem wenig rentablen Laden lieber einen Supermarkt machen, obwohl er nicht darum verlegen ist, jedem Rock hinter her zu jagen. Moosers Frau Lisa (Margot Mahler), die von ihren sexuellen Erfahrungen mit knackigen Ostfriesen schwärmt, bringt Jansen allerdings auf die Idee, Unterstützung aus
dem hohen Norden anzufangen. Der beleibte Jansen ist selbst Ostfriese und kann sich für den Gedanken begeistern – während er persönlich den Strip-Laden auf Vordermann bringen will, sollen Alois, Lisa und ein Vertrauensmann Jansens in Ostfriesland sechs schöne Mädchen anheuern. Kaum angekommen, beginnen auch bereits die erotischen Abenteuer für die kleine Gruppe...

Bemerkenswert ist neben den gut aufgelegten Schauspielern die kaum verkennbare selbstreflexive Note, mit der DER OSTFRIESEN-REPORT das Genre des bayerischen Erotikfilms noch vor dessen Zenit beobachtet und mit Bedacht kommentiert. Das Strip-Lokal kann hier exemplarisch für das Genre gewertet werden, mit dem er immerhin eine entscheidende Gemeinsamkeit hat – mit nackter Haut Geld zu verdienen. Genau wie das Kinopublikum ist aber auch die Stammkundschaft mittlerweile gelangweilt von den immer gleichen Gesichtern und Körpern und den einstudierten Vorstellungen, die mittlerweile jede Überraschung vermissen lassen. Die Lösung des Problems: Eingesessene Standards hinter sich lassen, mit Exotik und Abwechslung ausgelutschte Konzepte beleben. Nicht umsonst verlegten sich die Handlungsorte der deutschen Erotikfilme in den späten 70er-Jahren von dem heimatlichen Alm- und Dorfhintergrund bis an die Côte d’Azur (DREI LEDERHOSEN IN ST. TROPEZ, 1980) oder sogar nach Thailand (DREI BAYERN IN BANGKOK, 1976). DER OSTFRIESEN-REPORT ist einer der ersten Filme seines Genres, der konsequent diese Fish out of Water-Thematik zu nutzen versteht und ganz auf einen Kultur-Clash der skurrilen Art setzt.

Da mit Josef Moosholzer (der selten in einer Hauptrolle zu sehen ist) und Margot Mahler zwei volksnahe bayerische Schauspieler nach Ostfriesland geschickt werden, funktioniert der Film außerordentlich gut. Nicht nur aufgrund der betont traditionellen Kleidung und der bayerischen Mundart der beiden Theater- und Filmdarsteller ist ihre Fremdartigkeit in der norddeutschen Landschaft augenfällig. Das nebenbei auch Dialoghumor auf niedrigstem Niveau ertragen werden muss, ist ein mehr als verzeihliches Übel – unter anderem weil Regisseur Walter Boos (Krankenschwestern-Report) einige der albernsten und peinlichsten Sex-Szenen der Filmgeschichte aus dem Hut zaubert. Man muss es schon selbst gesehen haben, wie Moosholzer (in voller Montur und mit geschlossener Hose) über eine junge hübsche Ostfriesin (die anscheinend wirklich so freizügig sind wie ihr Ruf;) her fällt und mitten im Geschehen deren Vater den Raum betritt und sich ganz ungeniert neben die beiden schwer beschäftigten Liebenden setzt um zum lockeren Plausch anzusetzen.

Fazit: Es darf mehr erwartet werden als ein Ostfriesenwitz auf Spielfilmlänge, Walter Boos ist eine gefällige, nie langweilige und schwer amüsante Komödie gelungen, die das ostfriesische Lokalkolorit allerdings nicht halb so gut einfängt wie die Eigenheiten der bayerischen Figuren. Durch einen kurzen,nett animierten Zeichentrickvorspann betont DER OSTFRIESEN-REPORT zusätzlich seine humoristischen Absichten jenseits des Reportagestils, auf den der irreführende Titel hinweist.

Eine Rezension von Marco Siedelmann
(12. November 2009)
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Daten zum Film
Der Ostfriesen-Report Deutschland 1973
(O mei, haben die Ostfriesen Riesen)
Regie Walter Boos Drehbuch Fred Denger
Produktion Kamera Ernst W. Kalinke
Darsteller Josef Moosholzer, Margot Mahler, Karin Hoffmann, Konstantin Wecker
Länge 80 Minuten FSK ab 18
Filmmusik Max Hieber
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