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Nothing Personal

Nothing Personal

Ein Film von Urszula Antoniak

Einsamkeit ist ein dehnbarer Begriff. Für manche ist es das einfache Für-Sich-Sein, einige empfinden die Abwesenheit anderer Leute bereits als Einsamkeit und andere verstehen darunter die komplette Abschottung alles Gesellschaftlichen inklusive menschlicher Beziehungen. Das Themengebiet der Einsamkeit resultiert meist aus sozialen Problemen: manche Menschen wenden sich von der Gesellschaft ab, weil sie sie anwidert und nicht ihren Idealen und Standpunkten entspricht. Ein anderer Grund ist die fehlende „Begabung“, sich in das Miteinander einzufinden, sodass diese Menschen lieber nur für sich selbst leben möchten. Weiterhin gibt es Persönlichkeiten, die den Verlust eines geliebten Menschen nicht verkraften können und sich deshalb einem Leben in Einsamkeit verpflichten. Und ein Teil derjenigen, die sich zu einem Leben in Einsamkeit entschließen, sucht vielleicht einfach nur die Abwechslung vom geregelten Zivilisationsleben.
Kinematografisch wurde eine ähnliche Thematik bereits sehr überzeugend, wenn auch mit lockerem Ton, in Sean Penns Regiewerk „Into the Wild“ aufgearbeitet. Die Hauptfigur in jenem Film hatte die gesellschaftlichen Vorstellungen und Zwänge einfach nur satt und sehnte sich nach persönlicher körperlicher und geistiger Freiheit und Ungebundenheit. Die Einsamkeit spielte dort allerdings eine untergeordnete Rolle, denn die Menschen, die Aussteiger Chris in „Into the Wld“ kennenlernte, konnten allesamt ein zwischenmenschliches Verhältnis mit ihm aufbauen.
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Deutlich sperriger und weniger dem breiten Publikum verpflichtet behandelt „Nothing Personal“ das Thema Einsamkeit. Die gebürtige Polin Urszula Antoniak arbeitet in ihrem Film, den sie als Drehbuchautorin und Regisseurin in Personalunion leitete, mit einem bemerkenswert konsequenten Inszenierungsprinzip und drückt damit unterstreichend das aus, wonach sich ihre gebrochenen Charaktere sehnen: Ruhe.
Die junge Holländerin Anne (ausdrucksstark: Lotte Verbeek) hat die Nase voll vom durchschnittlichen gesellschaftlichen Leben und bricht aus in ihre innere Freiheit: sie gibt ihre Wohnung und alles, was sie hat, auf und zieht allein mit einem Rucksack mit Gepäck für die Not los, um wahllos durch Irland zu laufen. Hin und wieder trampt sie, tagsüber läuft sie durch die verregnete und nasskalt wirkende Landschaft, ernährt sich von Essensresten und nachts schläft sie in ihrem kleinen Zelt irgendwo draußen in der Wildnis, wo sie gerade müde wird. Eines Tages entdeckt sie in völliger Abgeschiedenheit das Haus eines Einsiedlers. Sie begutachtet das Haus und als Martin (von wie geschaffener Einfachheit für diese Rolle: Stephen Rea, „The Crying Game“) zurückkehrt, treffen die beiden Sonderlinge ein ungewöhnliches Abkommen: sie wird für ihn im Garten arbeiten, dafür wird er sie bezahlen, aber es gibt keine Bedingung: sie werden sich nichts Persönliches fragen oder erzählen…

Was für eine unglaubliche, dabei jedoch völlig auf Prunk verzichtende Bildersprache Antoniak in ihrem Film verwendet, ist kaum in Worte zu fassen. Ab dem ersten Moment wird die Melancholie deutlich, die beide Hauptfiguren kennzeichnet und die der Grundton des ruhigen Films ist. Die gewollte grobe Körnung des Bildes erzielt vielerlei Effekte: sie lässt die Landschaft noch rauer, die Atmosphäre noch unbequemer und die gemeinsamen Szenen der beiden noch intensiver wirken. Der auffällige Blick fürs Detail, den die Kamera hat, ist repräsentativ für die Empfindungen der Charaktere, im Besonderen von Anne. Ihr Ausbruch zur inneren Freiheit ist genau das, was sie wollte und das wird auch durch die sensible Kamera deutlich. Ein ganz deutlicher Fokus auf kleine Dinge, wie das immer wiederkehrende Bild von Händen, die durch die feuchte Erde und die Wurzeln Gartenpflanzen gleiten, zeigt, dass Anne gefunden hat, was sie gesucht hat. Die Natur repräsentiert hier die Freiheit und wie könnte ein freiheitssuchender Mensch wie Anne der Natur näher sein, als mit den eigenen Händen in der Erde zu wühlen?
Dieses Bild des in-die-Erde-Eintauchens kommt in Variationen vermehrt im Film vor und ist daher ein zentrales Symbol im Film. Ebenso verhält es sich mit Gegenständen: sei es etwas einfach Gekochtes, ein gedeckter Tisch oder ein beschlagenes Fenster – beim Gekochten fokussiert man zwei brodelnde Kartoffeln, beim Tisch einen einzelnen Teller oder beim beschlagenen Fenster einige Wassertröpfchen. Diese wunderbare Detailverliebtheit steht dem Film hervorragend zu Gesicht.
Was den Film auch trotz seiner Einfachheit so überwältigend macht, ist seine fast schon hypnotische Ausrichtung auf Ruhe. Selbst der eigene Stilbruch ist stilistisch clever angelegt, wenn in der einzig lauten Szene des Films, ein Barbesuch der beiden, eine wunderbar trostlose Szene auf einer einsamen Straßen entgegengesetzt wird. Die Gegensätze zwischen lautem, gesellschaftlichem Leben, welchem beide entfliehen, und dem ruhigen, schwermütigen Leben, das beide führen wollen, wird somit sehr deutlich. Das Motiv der Geschichte wird formal so hervorragend umgesetzt, dass jeder geneigte Zuschauer die Worte Stress oder Hektik für eine kleine Filmlänge lang aus seinem Wortschatz verbannen kann. Und so einen Film muss man einfach ins Herz schließen.
In selbiges schließt man, dem wunderbaren Drehbuch sei Dank, auch die beiden Hauptfiguren. Obwohl man nichts von ihnen weiß, sind sie dem Zuschauer auf Anhieb zumindest nicht unsympathisch. Der Verlauf der Geschichte jedoch kontrastiert mit dem Titel und der inhaltsrelevanten Vereinbarung der beiden, sich nichts Persönliches mitzuteilen. Durch ihr Handeln, ihren Ausdruck des Fühlens und ihre ausgesprochenen Gedanken sowie durch die Art ihres Habitus geben sie, vor allem für die Zuschauer, mehr von sich preis, als es gewöhnliche Rückblenden je in diesem Umfang könnten. Martins verletzte Seele findet Ausdruck in seiner peniblen Ordnung im Haus und im sinnierenden Verhalten: Stephen Rea stellt ihn mit liebenswerter Alltäglichkeit als Jemanden dar, der morgens vor dem Aufstehen noch im Bett liegt und Löcher in die Luft starrt, der beim Essen nur Ruhe genießt und dabei aus dem manchmal beschlagenen Fenster blickt – und der dem „Gast“ mehr als einmal die gutgemeinte Hand reicht. Seine Hilfsbereitschaft und sein interessantes Wesen machen es leicht, seiner Entwicklung mit Interesse zu folgen und wenn er mit Anne alltägliche Momente jenseits aller Konventionen erlebt und dabei aus seinem Leben erzählt, möchte man nichts anderes tun, als ihm einfach nur zuzuhören.

Nothing PersonalNothing PersonalNothing Personal

Während Martin bereits älter ist und eine gewisse Routine an den Tag legt, scheint sich die junge Anne noch nicht so Recht in ihrer Situation zurecht zu finden. Zwar meistert sie alle Hürden, die so ein Leben in der Wildnis mit sich bringt, aber ihre völlige Unnahbarkeit und ihre plötzlich heraussprudelnden Aktionen machen sie anfangs wenig einschätzbar. Wenn sie z.B. auf ihrem Trip in ein Haus kommt, das Schlafzimmer betritt, sich entblößt und sich nackt in dem Bett windet, um danach aufzustehen und wieder zu gehen (vorerst…), ist das eine so rätselhafte wie polyvalente Szene, deren Deutung und Einordnung jeder für sich vornehmen kann.
Generell arbeitet der Film viel mit Suggestivszenen; viele Bilder sind mehrfach deutbar, auch wenn sie oft einen Leitgedanken vorgeben, den man annehmen muss, um dann seine eigenen Gedankengänge einbringen zu können. Hierin liegt auch eine verborgene oder zumindest nicht aufdringlich inszenierte Stärke des Films: dem Zuschauer in vielen Szenen selbst zu überlassen, wie er denken kann, ohne, dass diese Denkweisen ins Abstrakte abdriften können, ist eine Eigenschaft, die man heute in vielen Filmen vergeblich sucht und schon allein dafür ist man diesem kleinen Filmjuwel dankbar.
„Nothing Personal“ ist ein kleiner Film voller Untiefen an menschlichen Emotionen und Sehnsüchten. Ein wohltuender Film, dessen Ruhe angenehm, inhaltliche Stärke bewundernswert und tiefe menschliche Gefühlsspirale wunderbar ist.
Schön, stark, schwermütig.

Eine Rezension von Sebastian Walther
(21. April 2010)
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Daten zum Film
Nothing Personal Irland/USA/Niederlande 2009
(Nothing Personal)
Regie Urszula Antoniak Drehbuch Urszula Antoniak
Produktion Edwin van Meurs, Reinier Selen Kamera Daniël Bouquet
Darsteller Lotte Verbeek, Stephen Rea
Länge 85 Minuten FSK 6
http://www.nothingpersonalthemovie.com/
Filmmusik Ethan Rose
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