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Tears for Sale (Director's Cut) RSS 1.0


Tears for Sale (Director's Cut)

Tears for Sale (Director's Cut)

Ein Film von Uros Stojanovic

Filmfeste sind eine immer wieder gerne gesehene Institution, deren Bandbreite mittlerweile ebenso weitläufig daherkommt wie der allseits bekannte Walk of Fame. Leise eingereiht in die illustre Runde, die aus solch namhaften Kandidaten wie dem Fantasy Filmfest, dem Filmfestival in Cannes oder etwa Robert Redfords Sundance besteht, hat sich vor nunmehr 17 Jahren die niedersächsische Stadt Oldenburg mit ihren 160.000 Einwohnern. Angefangen im eher kleinen Kreis entwickelte sich die Idee eines Independent-Festivals von Jahr zu Jahr fort, bis selbst Hollywood schließlich seine Blicke nach Niedersachsen richtete – eine vergleichsweise kleine Stadt hatte sich plötzlich zu einem attraktiven Austragungsort gewandelt, der nunmehr als einer der wichtigsten Befürworter des unabhängigen Kinos von der ganzen Welt wahr- und ernstgenommen wird. Welt-, Europa- und Deutschlandpremieren geben sich seitdem gegenseitig die Klinke in die Hand und lassen, jedes Jahr aufs Neue, für fünf Tage einen Hauch von Hollywood durch die Stadt wehen, die immer wieder gerne bereitwillig den obligatorischen roten Teppich für Stars, Sternchen und Zuschauer ausrollt. So auch in diesem Jahr, kurz vor der anstehenden Volljährigkeit. Die Kinderschuhe stehen bereits seit langer Zeit ausrangiert in der Ecke.


Es gibt neben der unabdingbaren Freude am bewegten Bild eigentlich nur noch ein weiteres Credo, dem sich das Oldenburger Filmfest verschrieben hat: Hollywood-Einheitsbrei
sucht man vergebens, der Blick über den Tellerrand ist das Maß aller Dinge. Ansonsten ist alles möglich, von der leisen Komödie über die zynische Polit-Satire bis hin zum waschechten Sci-Fi-Horrorstreifen – es zählt einzig die Abwechslung. Tauchen wir also mit der nun folgenden Rezension gemeinsam ein in die Welt des unabhängigen Kinos, das einem zuweilen ungewöhnliche, dabei aber immer interessante Filme präsentiert:


Es war einmal im fiktiven Serbien, kurz nach dem ersten Weltkrieg. Die beiden Schwestern Ognjenka (Sonja Kolačarić) und Boginja (Olivera Katarina) leben zusammen mit anderen Frauen in einem kleinen Bergdorf, dessen männliche Bevölkerung im Krieg gefallen ist. Übriggeblieben ist lediglich ein uralter Opa, der nun zum fraulichen Objekt der Begierde wird. Fatalerweise verursachen Ognjenka und Bogina eines Tages versehentlich den Tod des Alten – ein folgenschwerer Faux pas, den sie ihrerseits dank der aufgebrachten Meute fast mit dem Leben bezahlen. Doch das Schicksal meint es augenscheinlich noch einmal gut mit ihnen. Denn um dem drohenden Tod zu entgehen, sollen die beiden Frauen einzig und allein einen neuen Mann für die Gemeinde ausfindig machen. Ein Deal, der mangels besserer Alternative eingegangen wird. Zudem werden die Schwestern von der ansässigen Dorfhexe mit einem gemeinen Fluch belegt, der ihre Rückkehr ins Dorf forcieren und darüber hinaus eine möglicherweise geplante Flucht unterbinden soll. Und so begeben sich Ognjenka und Boginja fluchbelastet auf die abenteuerliche Suche nach einem Mann für die zurückgebliebenen Frauen, ohne zu wissen, dass sie bei ihrer Suche letztendlich erfolgreicher als gedacht sein werden. Dass damit die Probleme aber noch längst nicht ausgestanden sind, versteht sich von selbst...


„TEARS FOR SALE“, der unlängst noch teuerste serbische Film aller Zeiten, ist ein auf den ersten Blick vielleicht arg seltsam anmutendes Werk. Dieses Gefühl kommt freilich nicht von ungefähr, werden doch munter diverse Genres wild durcheinander gewürfelt. Von der Komödie über das weite Feld des Phantastischen wird nichts, aber auch gar nichts ausgespart, während sich zeitweise gar Elemente des Kriegs- respektive Historienfilms dazugesellen und, alles zusammen genommen, ein zunächst befremdlich erscheinendes Grundgerüst erschaffen, auf dem zu allem Überfluss noch Drama und der klassische Liebesfilm Platz finden. Doch der Schein trügt, denn trotz dieses monströsen Konglomerats, das das Herausbilden einer einheitlichen Genrebezeichnung zu einem Ding der Unmöglichkeit erklärt, entzieht sich der Debütfilm von Uroš Stojanović nicht etwa klassischen Sehgewohnheiten. Im Gegenteil. Die einzelnen Fragmente werden vorliegend mit viel Gespür für das richtige Timing eingesetzt und niemals zur Gänze ausgereizt. Vielmehr erfüllt jedes Teil eine gewisse, ihm zugeschriebene Aufgabe (Auflockerung, Dramatisierung), um dem Film ein nicht etwa inkohärentes, sondern einheitliches Gesamtbild zu verpassen. Hierzu bedient sich Regisseur Stojanović völlig zurecht bei Stilmitteln aus klassischen Filmvorbildern, ohne diese aber stumpf zu kopieren. Der eingestreute Humor etwa, der teils arg schwarz daherkommt, nähert sich in seiner vordergründigen Ausgelassenheit somit auch nur teilweise den Filmen von Kinofantast Jean-Pierre Jeunet an, dessen wahrlich zauberhafte Welt der Amélie im übrigen auch in optischer Hinsicht als Inspirationsquelle herangezogen werden könnte.


Doch Vergleiche anzustellen ist müßig. Vor allem läuft man Gefahr, einem an sich guten Film vorschnell seine Eigenständigkeit abzusprechen, was vor allem im Falle von „TEARS FOR SALE“ völlig ungerechtfertigt wäre. Wie der Film es schafft, reale Fakten (1. Weltkrieg) dergestalt mit fantastischen Elementen (Geister) anzureichern, dass man sie ohne Zögern als gegeben hinnimmt, verdient nämlich vollsten Respekt. Das Gelingen dürfen sich hier die bereits im Vorfeld offengelegten Karten auf die Kappe schreiben. Denn wenn man die Intention des Films in der allzu deutlichen Allegorie auf die mittel- und unmittelbaren Leiden des Krieges sieht, ist es plötzlich selbstverständlich, dass man sich die Geliebten, die im Krieg gefallen sind, einfach mit etwas Magie und „Spider Brandy“ (bitte wörtlich nehmen!) zumindest für ein paar Momente des halluzinatorischen Glücks zurückholen kann. Dieser toll gefilmte, innerhalb von wenigen Minuten vollzogene Traumtanz mit Geisterwesen, die sich danach wieder sang- und klanglos auflösen, ist die schlichte Bildwerdung einer noch nicht vollzogenen Vergangenheitsbewältigung. Die Geister mögen zwar scheinbar verschwinden – der Schmerz aber bleibt.


Schmerz, den zum Schluss selbst der erweckte Geist von Ognjenkas und Boginjas Großmutter unerträglich findet, und Geister sind eigentlich wenig empfindsam. Was in dieser Welt (und zu dieser Zeit) zählt, sind echte Tränen, resultierend aus Empfindungen für eine Person, die man liebt. Eine Erfahrung, die den beiden Schwestern, welche als Klageweiber ihre Tränen verkaufen, bisher noch verwehrt geblieben ist. Wie die anderen Frauen sind auch sie Gefangene in einer bedrückenden Realität, die im alltäglichen Stäbchenziehen um das traurige Los, auf dem verminten Traubenfeld sein Sammelglück zu probieren, ihren zweifelhaften Höhepunkt findet. Ist ein Leben lebenswert, wenn man jederzeit damit rechnen muss, in die Luft zu fliegen? Zugegeben ist dies bereits fast schon zu viel Holzhammer, doch legt sich so zumindest der Kern der Geschichte mehr als deutlich offen. Selbige mag zwar viele Register ziehen, dabei aber lediglich eines voll ausspielen: das menschliche Drama hinter alledem. „TEARS FOR SALE“ handelt im Grunde einzig und allein von der Suche nach einem besseren Leben in wortwörtlich ungeliebten Zeiten. Kann die Liebe helfen, den grauen Schleier des Krieges fortzuwischen und die Grenze zwischen Verankerung in alten Mythen und den Neuerungen der Zeit zumindest einen Spalt breit zu öffnen? Eine definitive Antwort präsentiert uns der Film nicht, liefert uns aber zum Schluss immerhin Bilder opulenter Schönheit, die uns (fast schon reizüberflutend) in Erinnerung rufen, wie wichtig es manchmal ist, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. „These tears aren’t for sale anymore“, heißt es da, während die Kamera in geradezu ergötzender Weise die Stadt Belgrad einfängt, das farbenfrohe, pulsierende Gegenstück zum kleinen, farblos-unscheinbaren Dorf, in dem alles seinen Anfang nahm.


Leider will sich die ein oder andere ausschweifend-detailliert zelebrierte Sex-Szene nicht so recht in den Gesamtkontext einfügen, was den an sich guten Gesamteindruck des Filmes etwas trübt. Übrig bleibt – abgesehen von einigen weiteren Längen – nichtsdestotrotz ein überdurchschnittliches Filmerlebnis der etwas anderen Art, das visuell wie auch inhaltlich ansprechend von menschlichen Schicksalen berichtet und sich dabei durchaus wie ein fantastisches, teils amüsantes Märchen für Erwachsene geriert.


Fazit: Spannend, witzig, intelligent und irgendwie anders: Debütant Uroš Stojanović hat sich mit seinen „TEARS FOR SALE“ wirklich Aufmerksamkeit verdient.



Eine Rezension von Stefan Rackow
(20. September 2010)
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Daten zum Film
Tears for Sale (Director's Cut) Serbien 2008
(Carlston za Ognjenku [AT: Charleston & Vendetta / Funeral Brides])
Regie Uros Stojanovic Drehbuch Uroš Stojanović, Aleksandar Radivojevic, Batrić Nenezić
Produktion Blue Pen / Intermedia Network / MEGA1FILM Kamera Bojana Andrić, Dragan Đorđević, Nenad Vasić
Darsteller Katarina Radivojević, Sonja Kolačarić, Olivera Katarina, Stefan Kapičić, Nenad Jezdić
Länge 100 Minuten / 85 Minuten (ursprüngliche Schnittfassung) FSK noch nicht bekannt
http://www.bluepen.net/
Filmmusik Shigeru Umebayashi
War während seiner Entstehungsphase mit einem geschätzten Budget von weit über 4 Mio. € der teuerste serbische Film aller Zeiten. Doch bereits im folgenden Jahr ging dieser Titel an den 5 Mio. € teuren "St. George Shoots the Dragon".
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