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Daniel, der Zauberer

Daniel, der Zauberer

Ein Film von Ulli Lommel

Was wurde nicht alles gelästert über diesen Film. Selbst in der imdb thront er seit einiger Zeit eisern auf dem Gipfel der Bottom 100 und ist somit der offiziell schlechteste Film der Welt. Oder so ähnlich. Denn, so möchte ich behaupten, der Großteil der Bewertungen wurde aus einem blind schäumenden Hass auf seinen Hauptdarsteller abgefeuert. Denn auch wenn man DANIEL DER ZAUBERER sicher nicht für einen guten Film halten muss, so ist der Hass, den er auf sich zieht nicht gerechtfertigt und der schlimmste deutsche Zelluloidunfall muss erst noch gekrönt werden. Von Peter Alexander über Rudi Carrell, Heintje oder Thomas Gottschalk und Mike Krüger ist die Auswahl in dieser Hinsicht groß. Ohne Umschweife: Ich glaube kaum, das sich unter den vielen hämischen Rezipienten des Films viele finden würden, die unvoreingenommen an ihn heran gegangen sind und ihm somit eine echte Chance gegeben haben.

Zugegeben, das mit der Unvoreingenommenheit fiel nicht leicht, war Hauptdarsteller und -figur Daniel Küblböck für eine zeitlang dauerpräsent in den Klatsch-Magazinen und der Boulevardpresse. Durch ein extravagantes, androgynes Auftreten erregte der Nachwuchssänger beim realsatirischen TV-Format "Deutschland sucht den Superstar" Aufsehen - weniger bekannt ist, das er mittlerweile einen Imagewechsel vollzogen hat und seriösere Auftritte gibt, die allerdings kein Medienecho mehr provozieren. Schlagzeilen in der Bild-Zeitung, ein Auftritt im peinlichen Dschungelcamp und Hasstirade
n aus ganz Deutschland - all die Aspekte, die die kurze Karriere Küblböcks zeichneten, fließen in den Film ein, der gerade entstand, als die Hysterie um seine Person langsam aber sicher abebbte.

DANIEL DER ZAUBERER zeigt Küblböck auf der Höhe des Erfolgs, ist aber dennoch keinesfalls ein plumpes Cash-In-Projekt. Davon zeugt schon die experimentelle Digitalvideo-Optik und die Verpflichtung zahlreicher Familienmitglieder von Cast und Crew, die als Laiendarsteller den Eindruck eines unbedarft gefilmten Homevideos noch zusätzlich bekräftigen. Natürlich ein gefundes Fressen für ein kräftiges Bashing, was aber am Ziel vollkommen vorbei schießt und die unverkennbaren Sinnebenen missachtet, die der Film zweifellos enthält. So funktionieren die ellenlangen, unübersichtlich gefilmten Konzertaufnahmen in ihrer plumpen Fülle nicht als stopfendes Material um die Handlung auf Filmlänge zu strecken sondern als Leerstellen, die bewusst viel Zeit geben um das Gesehene zu reflektieren und sich einen Eindruck von Küblböck auf der Bühne zu verschaffen. Es entsteht das Bild eines Kindes, das dem Sandkasten entrissen wurde. Ein Kind das seine Kapriolen plötzlich vor tausenden johlenden Fans aufführen darf und gemäß dem Motto seiner Herkunftsshow ein Superstar über Nacht, aus der Retorte sein muss. Eine gezüchtete Eintagsfliege, deren filmische Aufarbeitung nur in solch brüchigen Bildern ohne erkennbaren Willen zur schönen Einstellung möglich sein kann.

Küblböck oszilliert wie kaum ein zweiter zwischen erfrischendem Auftreten, das nicht eindeutig als "falsch" identifizierbar ist, und eben dem ultimativ sinnentleertem Fernsehtrash unterster Kajüte. Das der Junge wirklich zu glauben scheint, die gesichtslose Masse gebe sich aufgrund seiner Person und/oder seinem Talent so euphorisch, verleiht ihm dann schon eine tragische Dimension. Dementsprechend fühlt sich DANIEL DER ZAUBERER wie eine leere Hülle an, wie ein Film ohne jede Textur und Körperlichkeit - die Bilder wirken, als könnten sie jederzeit unter dem Druck des harten Lichteinfalls zusammenbrechen.

Küblböck selbst spielt exakt seine Bühnenpersona, die ihr oft feindlich gesinntes Umfeld mittels "Positiver Energie" (ebenfalls der Titel von Küblböcks Debütalbum) zu bekehren versteht. So auch zwei eher düster eingestellte Zeitgenossen im Teenie-Alter, die mit tatkräftiger Unterstützung eines Erwachsenen den guten Daniel um die Ecke bringen wollen - weil er einfach nervt. Bei einem seiner Auftritte wollen sie ihn erschießen und selber ins Rampenlicht kommen um ihre 15 Minuten abzugreifen . Logisch, dass der Plan zunächst scheitert und als Daniel sich bereits in den Klauen seiner Entführer befindet dauert es nicht lang, bis er fliehen kann. Doch sein verstorbener Großvater, der ihn als Geist durchs Leben begleitet und stets mit gutem Rat zur Stelle ist, lehrt ihn das urkatholische Prinzip, seinen Feind zu lieben. Nur so kann er sie endlich besiegen und zum Schluss jammen die Miesepeter zu den Konservenklängen Küblböcks und springen grenzdebil durch den heimischen Garten. Wie einfach es manchmal sein kann.

So bruchstückhaft und dahingeworfen wie das hier klingt ist es dann auch im fertigen (?) Film erzählt, der sich einen Dreck schert um die logische Herleitung eines Konfliktes und im krassen Gegensatz zu ernst gemeinten Auto-Biopics, wie sie uns 50 Cent, Eminem oder Bushido kredenzt haben, versucht DANIEL DER ZAUBERER wenigstens nicht, den Mythos als Wahrheit zu verkaufen. Das Unwirkliche hebt er zusätzlich hervor, indem Küblböck gleich von seinem toten Opa begleitet wird und zudem selbst über eine Art Superkraft zu verfügen scheint. Daniels Unfähigkeit, diese Kraft zu kontrollieren steht programmatisch für das neue Star-Bild, welches der Film zeichnet.

Das die Küblbock-Hasser (bei konkreten Mordfantasien ist ja von bloßer Gegnerschaft nicht zu reden und selbst im wahren Leben hat der junge Mann Morddrohungen erhalten - manche Leute haben echt Probleme) im Handumdrehen von Daniels positiver Energie erfasst werden und all ihre Vorurteile über Bord werfen ist die wohl dreisteste Provokation, die sich der Film leistet. Sie erinnert dabei den vor Wut bereits tobenden Daniel-Hasser daran, dass er sich samt seiner aufgeblasenen und niemals echt gefühlten Emotion auf dem selben Niveau befindet wie die Massen unreifer Kids, die ihren neuen "Star" abfeiert, ganz gleich welcher ihnen aufgetischt wird. Denn auch der Spott schmiert bekanntlich die Maschine der Bohlens dieser Welt, immer noch ist jede Publicity gute Publicity.

Als Regisseur taugt Ulli Lommel wohl wirklich nicht viel, inszenatorische Feinheiten sind ihm fremd. Umso näher liegt ihm die Übertreibung, der maßlose Kitsch, der Verzicht auf eine ausgestellte Selbstironie. Und kurioserweise verkehren sich die meisten Defizite Lommels hier auf wundersame Weise in ihr Gegenteil, scheint Lommels Beschränktheit doch optimal um den naiven Idealismus der Geschichte mit einem echten Understatement zu unterfüttern. Überhaupt mag man von Lommel halten was auch immer man will - so weltfremd wird er nicht sein, all diese Aspekte nicht erkannt zu haben. Ist ja nicht sein Erstlingswerk. Und ja, dann meint der Film es wirklich ernst, wenn er dazu aufruft, einfach mal nett zueinander zu sein, miteinander zu spielen und jeden überflüssigen Ballast über Bord zu werfen. Das ist wohl gleichermaßen herzensgut wie auch rammbescheuert. Lässt sich etwas schöneres über einen Kitschfilm sagen?

Ich mochte den Film. Sein Ruf hat es mir aber auch wirklich leicht gemacht zu sympathisieren und vielleicht etwas aufmerksamer nach Intentionen und Qualitäten zu suchen als so mancher Zuschauer, der wohl in der Regel nur auf bierselige Verreißerei in gehässiger Runde aus ist. Oder aber Daniels positive Energie hat auch mich gepackt?!

Eine Rezension von Marco Siedelmann
(03. Juli 2010)
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Daten zum Film
Daniel, der Zauberer Deutschland 2004
(Daniel, der Zauberer)
Regie Ulli Lommel Drehbuch Ulli Lommel
Produktion Peter Schamoni, Rudolf Waldemar Brem, Loy W. Arnold, Pia Yvonne Woods Kamera Manuel Lommel
Darsteller Daniel Küblböck, Ulli Lommel
Länge 81 Minuten FSK ab 6
Filmmusik Robert Schulze
Kommentare zu dieser Kritik
Samara sagte am 03.07.2010 um 06:47 Uhr

ich habe den film selbst nie gesehen, aber auch noch nie eine so unaufgeregte, ausführliche und sachliche kritik darüber gelesen! ^^

Mario Sidelesi TEAM sagte am 03.07.2010 um 11:40 Uhr

danke, das war mein ziel... :)
travisbickle TEAM sagte am 03.07.2010 um 19:29 Uhr

Mm... ich hoffe, der Kollege ist mir nicht böse, wenn ich trotzdem keine Lust verspüre, mir einen 90-minütigen Spielfilm über diesen die Nerven aufs Übelste strapazierenden Paradiesvogel anzuschauen, der schrecklicher und schiefer klingt als jede Vuvuzela. Dann lieber das Argentinien-Spiel von heute in Endlosschleife ;-)
Mario Sidelesi TEAM sagte am 07.07.2010 um 10:54 Uhr

Kann ich natürlich gut verstehen denn eine Herausforderung ist es schon - und Küblböck ist hier natürlich alles andere als ein guter Schauspieler. Nur ist das in diesem Fall eben von Vorteil.

Die WM fliegt übrigens an mir vorbei während ich noch mehr Filme schaue als sonst... ;)

travisbickle TEAM sagte am 07.07.2010 um 14:04 Uhr

Da verpasst du aber was, weil wir nämlich am Sonntag Weltmeister werden :-) ;-)
Aber ehrlich: Sollte dieser Fall wirklich eintreffen, bin ich so happy, dass ich mir vielleicht doch mal "Daniel, der Zauberer" antue!!^^
Samara sagte am 07.07.2010 um 19:27 Uhr

:D jo, dann guck ich ihn auch.
travisbickle TEAM sagte am 08.07.2010 um 15:11 Uhr

Nun ja, da war einmal mehr der Wunsch Vater des Gedanken :_-(

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