Filmkritiken - von Independent bis Hollywood
 
2005 Filmkritiken | 10464 Personen | 3321 Kommentare  
 
Bitte wählen Sie

Email

Passwort


Passwort vergessen

> Neu anmelden


Auch interessant



Zombies
von J. S. Cardone




Meist gelesen¹

1. 
Martyrs  

2. 
Into the Wild  

3. 
Equilibrium- Killer of Emotions  

4. 
Cannibal Holocaust (Nackt und Zerfleischt)  

5. 
Pulp Fiction  

6. 
Harry Potter und der Stein der Weisen  

7. 
Metropolis 2000  

8. 
Der Pate  

9. 
Badlands - Zerschossene Träume  

10. 
Sucker Punch  
¹ gilt für den aktuellen Monat

Casinos im Film
  FILMSUCHE
  Sie sind hier: Filmkritiken > Troy Duffy > Der Blutige Pfad Gottes 2
Der Blutige Pfad Gottes 2 RSS 1.0


Der Blutige Pfad Gottes 2

Der Blutige Pfad Gottes 2

Ein Film von Troy Duffy

Die Karriere von Troy Duffy, der bereits 2003 ein hämischer Dokumentarfilm mit dem treffsicheren Titel OVERNIGHT gewidmet wurde, liest sich - kurz zusammengefasst - selbst wie ein tragikomisch-skurriler Filmstoff. Als ehemaliger Barkeeper war es Duffy gelungen, einen wahrhaften Traum zu leben. Aus dem Nichts ergab sich für ihn die Möglichkeit, einen millionenschweren Film als Debüt zu realisieren, der nach anfänglichen Schwierigkeiten auf dem Markt schnell zum Sleeper-Hit der Videotheken avancierte und noch schneller mit dem inflationär gebrauchten Label "Kultfilm" deklariert wurde. DER BLUTIGE PFAD GOTTES stand ganz in der nerdigen Tradition Tarantinos und kam als Epigone zur rechten Zeit am rechten Ort um eben ein dickes Stück vom Kuchen abzubekommen. Troy Duffy feierte sich selbst als neues Wunderkind, verscherzte es sich mit diversen Produzenten und hatte vom finanziellen Erfolg seines Films so gut wie nichts. Ganze zehn Jahre hat es gedauert bis Duffy das im direkten Anschluss zum Vorgänger angekündigte Sequel auf die Beine stellen konnte - in der Zwischenzeit hat er keinen einzigen Film realisiert und sich zum Gespött der Industrie gemacht.

Die MacManus Brüder (Sean Patrick Flanery, Norman Reedus) haben sich nach ihrem spektakulären letzten Coup (der das Ende des Erstlings markierte) nach Irland zurück gezogen um dort gemeinsam mit ihrem Vater ein stilles Hirtenleben zu führen. Jahrelang passiert nichts, bis ein Pfarrer vor der Tür steht und schlechte na
chrichten aus der ehemaligen heimat Boston bringt: Ein Geistlicher wurde ermordet, bei seiner Hinrichtung wurde der MacManus-Stil kopiert. In den Medien spekuliert man bereits über eine mögliche Rückkehr der bibelfesten Scharfrichter, die Polizei befürchtet ähnliches. Sexy Special Agent Eunice Bloom (Julie Benz) zeigt den lokalen Bullen, wie man Investigativarbeit möglichst cool angeht und sobald die irischen Brüder die Stadtgrenze passiert haben, reiht sich ein wahnwitziges Blutbad an das nächste.

Zehn Jahre, zahllose Demütigungen und Zurückweisungen später, ist für Troy Duffy scheinbar irgendwann Ende der 90er die Zeit stehen geblieben. An seiner postpubertären, eitlen und ziellosen Regieführung hat sich nichts geändert. Noch immer ist es das Größte, einen Schwulenwitz nach dem anderen zu reißen, vermeintlich stylische Action in vermeintlich cleveren Rückblenden zu erzählen und pseudo-coole Trivialdialoge zu schmettern. All das, was einem reifen Filmemeacher wie Tarantino immer wieder vorgeworfen wird, lässt sich problemlos auf Troy Duffy und seinen aktuellen Film projezieren. Schon in der ersten Filmhälfte fahren sämtliche Gags - mit denen die ungemein konventionelle Handlung vollgestopft ist - gegen die Wand, provozieren nicht mehr als ein mitleidig-gequältes Lächeln und die Erinnerung an echten schwarzen Humor. Selbst in den Stunts zeigt THE BOONDOCK SAINTS 2 kein Interesse daran, neue Akzente zu setzen, was vor zehn Jahren geklappt hat wird hier gnadenlos und in aller Ausführlichkeit wiederholt. Das solche Shoot-Out-Orgien seit Jahren kein Mensch mehr sehen will, daran stört sich Duffy wenig und zelebriert seine mühseligen Schießereien ganz so, als habe er als erster Peckinpah und John Woo entdeckt.

Ganz zu schweigen davon, das der Film kein Ende nehmen will und dessen pralle zwei Stunden Laufzeit locker um ein Viertel ihrer Gesamtheit hätte erleichtert werden dürfen, ist die Besetzung mehr als misslungen. Willem Dafoe, der als einziger Darsteller das Original mit so etwas wie Charisma füllen konnte, fehlt schmerzlich und wurde notdürftig ersetzt durch Julie Benz (DEXTER) in ihrer bisher lausigsten Vorstellung. Zugegeben, Inszenierung und Charakterisierung ihrer Figur machen es für Benz absolut unmöglich, aus ihrer Rolle etwas heraus zu holen. In unerträglich ekelhafter und außerdem höchst sexistisch-misogyner Penetranz wird wirklich jeder Auftritt der blonden Darstellerin von einer lasziven, anzüglichen Musik direkt aus der Porno-Lounge-Ecke begleitet und ihre pseudo-toughe Arroganz wirkt nur noch aufgesetzter und künstlicher durch diese entsetzlich einfallslosen Stilmittel. Gleiches gilt auch für die rituellen Morde, die exakt (!) so wie im Vorgänger inszeniert sind (d.h. erst wird das Ergebnis gezeigt und anschließend der Tathergang) und nur zur Erinnerung: Das Konzept hatte sich schon dort während des Films totgelaufen.

Fazit: Wer sich mit dem faden ersten Teil anfreunden konnte und diesen eventuell sogar als Kultfilm abgefeiert hat, kann sich auch vom Nachfolger berieseln lassen, denn prinzipiell wird schlichtweg alles nochmal aufgewärmt. Erwartet man allerdings so etwas wie eine Entwicklung, sei diese nun stilistisch, inhaltlich oder ideologisch, sitzt man eindeutig im falschen Film. Vor einigen Jahren hätte mich dieses laute, "coole" und hektische Jungskino vielleicht noch etwas mehr angesprochen - 2010 empfand ich die verspätete Rückkehr der Saints als überflüssigen Krampf ohne eine einzige clevere Idee.

Eine Rezension von Marco Siedelmann
(07. März 2010)
    Der Blutige Pfad Gottes 2 bei ebay.de ersteigern


Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

Daten zum Film
Der Blutige Pfad Gottes 2 USA 2009
(Boondock Saints II: All Saints Day)
Regie Troy Duffy Drehbuch Troy Duffy
Produktion Chris Brinker, Don Carmody Kamera Miroslaw Baszak
Darsteller Sean Patrick Flanery, Norman Reedus, Billy Connolly, Julie Benz, Judd Nelson, Peter Fonda, Clifton Collins Jr.
Länge 118 Minuten FSK Keine Jugendfreigabe
Filmmusik Jeff Danna
Kommentare zu dieser Kritik
Damocles TEAM sagte am 07.03.2010 um 17:57 Uhr

Kürzlich erst einen passenden Kommentar zum Erstling gelesen:
"Zwei religiös verblendete Asis im Selbstjustizrausch. Sehr kurzweiliges Vergnügen,
nicht ohne Ironie und mit einem genialen Willem Dafoe.
Aber wie würde der Film wohl aufgenommen werden, wenn die Heiligen keine
Christen, sondern Moslems wären?"

Nicht ganz unwahr...
Mario Sidelesi TEAM sagte am 07.03.2010 um 19:06 Uhr

Ja, ich hab schon damals nicht verstanden was denn so cool und abgefahren sein soll an den beiden ach so hippen Eiferern. Hab das Original grad noch so als durchschnittlichen Tarantino-Klon in Erinnerung, eine Neusichtung würde dem Film wohl kaum gut tun nach diesem desolaten Sequel. Und islamistische Killer brauche ich erst recht nicht als Helden, wobei die Überlegung natürlich interessant ist. Ich denke einfach, in heutigen Zeiten wird christlicher Fundamentalismus eher belächelt und kann daher wertfrei durchgehen...
k. TEAM sagte am 07.03.2010 um 22:23 Uhr

Meintest du ZEHN Jahre? :)

Und: Sean Patrick Flanery sieht seltsam aus(um in der Sprache der Nerds zu bleiben: WTF?).
Mario Sidelesi TEAM sagte am 07.03.2010 um 23:02 Uhr

Joa, meinte ich... ;)

Zu Flanery: Ein Bekannter hat mir das gleiche gesagt, mir selbst ist das aber nicht aufgefallen. Wie gesagt, der erste Teil ist lang lang her und ansonsten hab ich (glaube ich zumindest) keinen weiteren Film mit ihm gesehen...
Drty_Sanchez sagte am 02.04.2010 um 00:05 Uhr

Alter...
was will man denn auch von jemandem erwarten, der "Mickys Weihnachtserzählung" vom Kommerzbomberkönig Disney als "Besinnliches Meisterwerk im kleinen Format" und Wurzelhandlungen nicht witzig findet. Hier wuchert ein gewisses revanchistisches Potetial, vermute ich, denn wenn ich 'ne Wurzelhandlung habe, habe ich echt Spass. Das mag sicherlch am Kabelfernsehen liegen, dass ich konsumiere, während mein Zahnklemptner mir in der Kauleiste rumfräst und an der mich oberflächlich anlächelnden Tante, die unter Garantie nicht wegen ihrer besonderen Leistungen während Ihrer Ausbildung zur ZTA eingestellt wurde, liegen (Querverweis zu "Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding) . Aber Hey... das ist kein Grund, sich seines selbstangedichteten itellektuelln Potentials zu entziehen, wenn ausnahmsweise mal so etwas wie ein einigermaßen gelungenes Portait von aus Ghettoisierung entstandenem Zusammenhalt und Sozialkritik genau daran ein wenig Blockbuster-Couleur bekommt. Gerade Euch hätte ich unterstellt, das Ihr zumindest in der primärrezepion feststell, dass es da Einschläge gibt.

Kurzum: Hammerfilm, super Sequel, man muss nur ein bisschen um Einwandererhintergründe Migrantenkulter in den Vereinigten Staaten wissen und auch mal eintauchen wollen und DANNNN klappt's auch mit dem Film. Oder dem Nachbarn. Wie ihr wolt, halt. Und ...hey, Mädels die suche hier bestimmt noch 'nen Nachfolger für die Visage oben links. Kloppt Euch :-D
Drty_Sanchez sagte am 02.04.2010 um 00:07 Uhr

JA, tut mir Leid, ein Glas Corbières zuviel. Nichts für ungut. Scheiss Notebook-Tastaur...
Tarantino TEAM sagte am 26.04.2010 um 14:38 Uhr

Ich persönlich fand den Film ganz ok. Muss aber zugeben, dass mir schon der erste Teil gut gefallen hat. Sicherlich sind die "Witze" übertrieben und viel schlechter als in Teil 1, jedoch möchte ich dem ganzen Film deswegen nicht den Unterhaltungswert absprechen. Eine Weiterentwicklung sieht sicherlich anders aus. Troy Duffy setzt keine neuen Akzente, das bloße Aufwärmen ist aber trotzdem durchaus unterhaltsam und mir auch noch die 4 Sterne wert.

Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

 

Impressum 




 
 
www.jeichi.com | CD-Kritiken | www.filmempfehlung.com
Horrorfilm News | Der Webvideo Markt | Kino Trailer
 
Sedo - Domains kaufen und verkaufen etracker® Web-Controlling statt Logfile-Analyse