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Deadpool

Deadpool

Ein Film von Tim Miller


AUS DEM LEBEN (K)EINES SUPERHELDEN


Wie, zum Teufel, bin ich nur zu meinem eigenen Film gekommen?! Ich frage es mich nun mittlerweile jeden gottverdammten Tag. Ja, erwidere ich missmutig und blicke mich genervt vom Badezimmerspiegel aus an, das tust du in der Tat, du Hanswurst. Einen Moment später ziehe ich mir Glassplitter aus der Hand, nun wissend, dass Zwiegespräche am frühen Morgen, noch dazu im hackedichten Zustand und zu allem Überfluss mit sich selbst, vielleicht nicht gerade im Badezimmer geführt werden sollten. Denn eines ist sicher: als persönlichkeitsgestörter (Hey, rufe ich mir selbst zu, du redest hier immerhin von mir, äh, uns! Und übrigens: Geteiltes Leid und so!), durchgeknallter und in jeglicher Hinsicht unzurechnungsfähiger Kostümträger im geldgeilen Dienste einer Multimillionen-Dollar-Comicschmiede (Das wird ja immer besser!) gehe ich nicht gerade als jedermanns Liebling durch, mit dem man respektive frau gerne einen gemütlichen Kinoabend verbringt. Aber Gemütlichkeit liegt ja irgendwie im Auge des Betrachters, und der Film ist im Ganzen schon verdammt gut geworden, wie wir neidlos anerkennen müssen. Muss am gutaussehenden Hauptdarsteller liegen. Danke. Bitte, gern.


Doch erstmal ist es nun vorbei mit der Bauchbepinselei. Denn meine Geschichte, die das Drehbuch des nach mir benannten Films inspirierte, ist nichts für schwache Nerven. Sorry, aber das Leben ist e
ben kein Wunschkonzert. Und so schleicht sich auch in das meinige eine gehörige Menge Tragik ein, die ihr wahrscheinlich nicht mal eurem größten Feind wünschen würdet. Doch ihr seid nicht ich, und ich bin viele. Diese versuchen nun also schon seit Längerem, sich an die Fersen eines britischen Drecksacks namens Francis zu heften, der mir einst versprach, mich von meinem tödlichen Krebsleiden zu erlösen. Pusteblume. Stattdessen quälte und folterte er mich und ließ mich zu einem von Krebsgeschwüren und Narben verunstalteten, schlecht gelaunten, armen Schweinehund mutieren, der nun aber immerhin über Selbstheilungskräfte verfügte, welche jede Eidechse vor Scham in die hinterste Ecke der berühmten Schäm-Dich-Treppe verbannen würden. Klar, dass da bei mir irgendwann der Geduldsfaden reißt, denn sonderlich hoch war meine Toleranzgrenze sowieso noch nie angesiedelt. Und da sage mal einer, psychopathische Antihelden hätten die Fähigkeit zur Einsicht verloren...


Ja, mein Leben (und das im Film) gleicht einem echten Horrorfilm, der mich selbst manchmal noch gruselt. Du erschreckst dich ja auch vor dir selbst, erwidere ich kleinlaut. Was eine glatte Lüge ist, denn im Grunde bin ich absolut furchtlos. Und hemmungslos. Vielleicht auch noch erbarmungslos. Ach, eigentlich so gut wie alles, was auf -los endet und mir positiv zum maskierten Gesicht steht. Und genauso komme ich auch im Film rüber. Viele Freunde hat mir das bisher nicht beschert, aber hey, man kann nicht alles haben. Zumindest zwei X-Men kreuzen im Laufe des Films meine Wege, und auch wenn ich mich und wir uns fragen, wieso sich nicht mehr von den Mutanten auf dem riesigen Schulgelände von Professor Charles Xavier tummeln, so muss doch gesagt werden, dass diese zwei Gesellen mir richtig ans Herz gewachsen sind. Deadpool teams up with Colossus and Negasonic Teenage Warhead hört sich aber auch echt cool an, oder nicht? Ja, finden wir auch, sage ich. Zu schade nur, dass der Beiname "Captain" schon vergeben war. Mist.

DeadpoolDeadpoolDeadpool

Erwähnte ich schon, dass der mein Leben porträtierende Film einem Horrorfilm ähnelt? Einem der folterndern Sorte, in dem gerne mal Köpfe durch die Gegend fliegen, Hände abgesägt werden (Hands up!) und sich der Protagonist derartig in bester Wolverine-Manier durch Gegnerhorden pflügt, dass selbst die allessehende Kamera von Ken Seng Schaden zu nehmen droht? Ja, diese meine Biographie hält sich nicht mit Fisimatenten auf, sondern lässt das wahre Leben einem Bluthund gleich von der Leine. Das war den Sittenwächtern anscheinend zuviel, weshalb sie meinem Film kurzerhand ein R-Rating verpassten. Gut so. Denn weichgespült hätte meinereiner dann doch höchst dumm aus der Wäsche geguckt. So darf sich ausgiebigst ergötzt werden an penibelst durchchoreographiertem Gewalt-Ballett, das ich zu meiner Ehrenrettung (Als wenn du so etwas hättest.) aber nur mit den ganz bösen Buben zu tanzen pflege. Und sagen wir mal so: Ich lege durchaus eine mehr als heiße Sohle aufs Parkett, teils sogar mit dem passenden Fuß dran. Wenn schon, denn schon.


Ja, dieses ganze Hickhack (pun intended) kann einen schon verrückt machen. Aber wem sagen Sie das? Gäbe es nicht eine Konstante in meinem Leben, meine scharfe Braut Vanessa, die mich erdet, wäre ich womöglich schon längst dem Wahnsinn verfallen. Wahnsinnig romantisch, pflichte ich mir anerkennend bei, während ich ein altes Wham!-Album aus dem Schrank krame. Meine echte Schnalle, also die im echten Leben, sieht zwar besser aus als die nichtsdestotrotz höllisch scharfe Morena Baccarin aus "Stargate - Kommando SG-1" [1997-2007], aber die Szenen mit dieser unter vollstem Körpereinsatz (You know what I mean!) möchte ich als Genießer, der ich bin, dennoch nicht von der Bettkante meiner Erinnerung stoßen. Du könntest ihr zum Dank ja zumindest ein paar Blumen schicken, rufen die meisten der Stimmen in meinem Kopf gleichzeitig, und ich überlege ernsthaft, nachher im Park um die Ecke noch Gänseblümchen zu pflücken. Und entsorg auf dem Weg die toten Pflanzen vom Fensterbrett! Pff, als wenn...


Aber ich schweife ab, was angesichts der schieren Reizüberflutung, die sich dem Zuschauer während 108 Minuten feinster Kinounterhaltung in Bild und Ton darbietet (Oh ja, gerade der Score dieses XL-Junkies, der schon die letztjährige Tour der Wüstenrennmaus Max veredelte, dröhnt gar wunderprächtig, sagt meine Kopfstimme und stimmt ein Luftgitarrensolo an), durchaus im Rahmen der antizipierten Reaktion verbleibt (Ich kenn Wörter...). Generell sind alle, die es gerne härter mögen, herzlich eingeladen, mir in meine schöne, kaputte Welt zu folgen, untermalt von Soundtrack brechender Knochen, eingefangen in schönster Breitwand-Ästhetik und unterfüttert mit dem Stoff, aus dem ganz bestimmt keine Helden sind, aber immerhin tolle, billig produzierte Filme mit dem Herz am rechten Fleck (Oder war es links?). Ich darf das sagen, denn ich bin "DEADPOOL": toll, gutaussehend und ein kleines bisschen selbstverliebt. Von daher verdiene ich diesen nahezu perfekten Film mehr als jeder andere, der nicht so heißt. Aber im Vertrauen unter uns Klosterschülern: Wem erzähle ich das hier eigentlich gerade?! Und sehe ich ohne Maske wirklich wie eine grüne DC-Latrine aus? Wenn sie doch wenigstens Ryan Reynolds verpflichtet hätten. Für dieses Versäumnis hagelt es einen Punkt Abzug. Wovon eigentlich?


Cover: © 2016 Twentieth Century Fox / Szenenbilder: © 2015 Twentieth Century Fox


Eine Rezension von Stefan Rackow
(13. März 2016)
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Daten zum Film
Deadpool USA, Kanada 2016
Regie Tim Miller Drehbuch Rhett Reese, Paul Wernick basierend auf dem gleichnamigen Charakter, geschaffen von Fabian Nicieza & Rob Liefeld
Produktion u.a. Twentieth Century Fox Film Corporation Kamera Ken Seng
Darsteller Ryan Reynolds, Ed Skrein, Morena Baccarin, T.J. Miller, Brianna Hildebrand, Michael Benyaer, Karan Soni, Gina Carano, Jed Rees, Leslie Uggams, Greg LaSalle, Rob Hayter, Isaac C. Singleton Jr., Randal Reeder
Länge 108 Minuten FSK ab 16 Jahren
http://www.deadpool-derfilm.de/
Filmmusik Junkie XL (als Tom Holkenborg)
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