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Brazil

Brazil

Ein Film von Terry Gilliam

Sam Lowry (Jonathan Pryce) ist ein kleines Rädchen im Getriebe der alles kontrollierenden staatlichen Bürokratie. Obwohl er durch seine Mutter – einem nach plastischer Chirurgie süchtigen No-Brainer – jede Möglichkeit hätte, „Karriere“ zu machen, also zu einem etwas größeren Rädchen zu werden, will Sam nur eines: seine Ruhe haben. Einzig seine Träume, in denen er als Ikarus gegen einen übermächtigen Samurai-Riesen kämpft um eine engelsgleiche Frau aus dem Käfig der Großstadt zu retten, verraten, dass es unter Lowrys nüchterner Oberfläche bereits etwas brodelt.
Eine Fliege wird dann zum Anstoß der alles vernichtenden Spirale des Unglücks. Sie landet, von einem Bürokraten ob ihrer nervtötenden Geräuscherzeugung getötet, im Schriftsatz einer Schreibmaschine, worauf sich ein „T“ zu einem „B“ verwandelt und prompt ein Mister „Buttle“ an Stelle von „Tuttle“ arretiert und zu Tode gefoltert wird.
Lowry wird von seinem unfähigen Vorgesetzten M. Kurtzman (aufs Herrlichste zu dumm zum Sch...: Ian Holm) um Hilfe gebeten, als über Lowrys Abteilung für Archivierung eine Kostenrückerstattung von Seiten der Abteilung für Informationsextraktion an die nunmehr verwitwete Ehefrau Buttles ergeht. Aufgewühlt von der Begegnung mit Mrs. Buttle stößt Sam Lowry zu Hause auf ein Problem mit seiner Klimaanlage, das sich im Laufe der Erzählung immer weiter verselbständigt und schließlich zur Gesamtkatastrophe ebenfalls seinen Teil be
isteuert. Und so weiter.

Die Verselbständigung an sich unwichtiger Kleinigkeiten bildet überhaupt das Grundthema des Films, hauptsächlich bezogen natürlich auf die außer Kontrolle geratene Bürokratie, in der Belege für Belege ausgestellt werden müssen, die belegen, dass ein Beleg für was-auch-immer ausgestellt wurde. Dazu kommen in BRAZIL als Zugaben eine Reihe traumartiger Sequenzen, die gegen Ende mit der nicht minder abgedrehten Realität dieses Universums teilweise die Plätze tauschen, eine Liebesgeschichte, die Lowrys Traum entspringt und zumindest vorübergehend Wirklichkeit zu werden scheint, und eine Reihe fortlaufender und ungeklärter Terroranschläge, für die sich außer der Bürokratie aber niemand interessiert. Ja, und nicht zuletzt taucht auch noch der echte „Tuttle“ (Robert DeNiro) auf, ein Anarchist im besten Wortsinn, der – Revolution! – keine Belege verlangt, wenn er etwas repariert, und deshalb von Amtswegen verfolgt wird.

BRAZIL ist mit Sicherheit neben seinen vielen Arbeiten mit Monty Phyton einer der Gründe, warum das Publikum sich von Terry Gilliam etwas Abgedrehtes erwartet, das nicht blöd sondern intelligent ist. Facettenreich und verstiegen reflektiert der Regisseur über die Auswirkungen westlichen Glaubens an eine per se gute Obrigkeit, die nicht hinterfragt werden muss, und streut ganz nebenbei noch ein paar Kommentare zu Schönheitskult, Vernetztheit und Karrieredenken ein, dass einem fast schwindlig wird.
Die Story hat aufgrund der vielen Abzweigungen und Nebenstränge ihre Längen, wirkt immer wieder seltsam und verwirrend. Damit ist der Film sicherlich nichts für Popcorn-Cineasten, aber wer bildgewaltige Filme mit Anspruch mag, die auch nach über zwanzig Jahren noch zum Nachdenken anregen, dem sei BRAZIL wärmstens empfohlen.

Eine Rezension von H. Christian Haslecker
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Daten zum Film
Brazil UK 1985
Regie Terry Gilliam Drehbuch Terry Gilliam, Tom Stoppard, Charles McKewon
Produktion Embassy International Pictures
Darsteller Jonathan Pryce, Robert De Niro, Kathrine Helmond, Ian Holm