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I, Frankenstein RSS 1.0


I, Frankenstein

I, Frankenstein

Ein Film von Stuart Beattie

Was haben die Autoren Bram Stoker und Mary Shelley mit dem 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln, gemein? Sie mussten (Gott sei Dank!) nicht mehr miterleben, wie ihre erschaffenen Figuren respektive sie selbst in diversen Filmbeiträgen der Neuzeit teilweise gehörig durch den Trash-Wolf gedreht wurden. Dabei würde uns ihr heutiges Urteil angesichts der zuweilen doch sehr freien Interpretation ihrer Taten und Werke selbstverständlich äußerst brennend interessieren. Aber sei es drum: Nachdem ein australischer Dr. Gabriel Van Helsing 2004 neben Graf Dracula auch einen computeranimierten Dr. Jekyll zur Strecke bringen und Lincoln jüngst als Vampirjäger unzählige Vampire meucheln durfte, ist es im Jahre 2014 nun eben an Frankensteins Monster höchstselbst, in einer dystopischen Filmversion der Neuzeit gehörig auf dämonische Dämomenbrut einzudreschen. Einfälle gibt's, die gibt's eigentlich gar nicht.


Etwas ausführlicher: Basierend auf der gleichnamigen Graphic Novel des Schauspielers Kevin Grevioux („Underworld“ [2003]), erzählt der Film die Geschichte von Frankensteins Monster (Aaron Eckhart), das 200 Jahre nach seiner Erschaffung zusammen mit dem Gargoyle-Orden gegen eine Übermacht von Dämonen ankämpft, die die Erde unterjochen wollen. Der dämonische Anführer Naberius (Bill Nighy) tüftelt derweil als Mensch getarnt an einem Projekt, das schlussendlich den Erfolg der Weltherrschaft herbeiführen soll. Die für ihn arbeitende Wissenschaf
tlerin Terra (Yvonne Strahovski) durchschaut jedoch die finsteren Pläne ihres Chefs und gerät damit ungewollt ins Fadenkreuz der dämonischen Fieslinge. Nur Frankensteins Monster, das mittlerweile Adam heißt, kann das Unheil jetzt noch abwenden. Mit Erfolg?


Es hätte so schön werden können, doch was Regisseur und Drehbuchautor Stuart Beattie (Regiedebüt: „Tomorrow, When the War Began“ [2010]) letzten Endes in seinem erst zweiten Langfilm fabriziert, ist zweifelsohne erstaunlich. Gehen wir gar nicht einmal auf die wiederholt gänzlich unnötige 3D-Konvertierung ein und lassen auch ruhig vorerst die recht redundanten Effektesequenzen außen vor. Konzentrieren wir uns stattdessen lieber auf den Kern des 90-minütigen Geschehens, der sich grob auf Folgendes herunterbrechen lässt: Menschelndes Monster kämpft gegen zähnefletschende Dämonen. Dass dies weder sonderlich anspruchsvoll noch tiefsinnig passiert, sollte eigentlich jedem im Vorfeld klar sein. Aber der Vollständigkeit halber sei ruhig noch hinzugefügt, dass es wirklich um nichts Anderes als den üblichen Kampf Gut (Frankensteins Monster) gegen Böse (Naberius mitsamt seinem Gefolge) geht. Wäre das Ganze wenigstens halbwegs ansprechend inszeniert und würde man etwas Herzblut in den einzelnen Szenen erkennen – die Sache wäre wahrscheinlich halb so wild und bestenfalls ein spaßiges Trash-Filmchen für zwischendurch, das sich vor seinem großen Film-Vorbild „Van Helsing“ verneigt. Doch während Letzterer irgendwie noch so doof war, dass sich hier und da gesunde Erheiterung breitmachte, bleibt Beatties Frankenstein-Mär stets grimmig-ernst, was den vermeintlichen Spaß allzu schnell der Lächerlichkeit preisgibt.


Damit haben wir der Comicverfilmung eigentlich bereits den Todesstoß versetzt. Denn spaßiger Trash ist das eine, offensichtlicher Trash, der sich mit Händen, Füßen, Klauen und Zähnen dagegen wehrt, ebendieses zu sein, das andere. Wenn Dämonenführer Naberius beginnt, shakespearisch zu schwadronieren und Adam Frankenstein vor der großen Schlacht das obligatorische „This ends tonight“ verlautbart, dann registriert man das größte Problem des gesamten Films: Nicht der Kampf gegen Dämonen im Film, sondern der Kampf mit sich selbst ist die größte Herausforderung, an der die Comicadaption „I, FRANKENSTEIN“ wiederholt scheitert. Schnell wird allzu deutlich, dass die Umsetzung, die nicht nur von ihrer Optik her verstärkt an den 11 Jahre alten Vampiractioner „Underworld“ erinnert (in dem Kevin Grevioux und Bill Nighy interessanterweise ebenfalls zusammenwirkten), nur ein lieblos aus filmischen Leichenteilen zusammengeschusteres Flickwerk darstellt, bei dem die groben Nähte nicht so recht halten wollen. Damit alles nicht bereits vor dem erlösenden Abspann auseinanderfällt, dehnt Beattie von Anfang an jeden noch so knappen Kampf ins Unermessliche, indem er wieder und wieder das Stilmittel der Zeitlupe bemüht. Dass diese bemüht-repetitive Vorgehensweise, anders etwa als beim Action-Virtuosen John Woo („Im Körper des Feindes - Face/Off“ [1997]), irgendwann nur noch stört, liegt auf der Hand. Man vermisst eigentlich nur noch die weißen Tauben, die durchs Bild flattern. Hier stellen nun eben fliegende, computeranimierte Gargoyles ihre Pendants dar, die genau genommen auch nicht viel gefährlicher wirken.


Die vorhersehbare Geschichte wankt bis zuletzt wie ein Untoter von einem Genre-Klischee zum nächsten, während Dämonen weiterhin gänzlich ungeniert bedeutungsschwangere Reden schwingen und Frankensteins Monster Adam selbst in zusammengeflicktem Zustand mit seinem durchtrainierten Körper so manchen Bodybuilder alt aussehen lässt – was soll man dazu noch groß sagen? Wahrscheinlich, dass die Leichenfledderei in diesem Fall recht ergiebig gewesen zu sein scheint. Nur: Was nützt diese physische Kraft, wenn sie in den dank der Zeitlupe wohl langsamsten Actionsequenzen des noch jungen Jahres 2014 so wirkungsvoll bleibt wie eine Herzmassage am toten Objekt? Konterkariert wird das gerade in den „Action“-Sequenzen fragwürdige Vergnügen durch einen gnaden- wie hemmungslos auf die Gehörgänge einpeitschenden Film-Score, der als reines Gedröhne naturgemäß wenig Variationen bietet und im Grunde nur permanent das jüngste Gericht heraufbeschwört. Es macht einfach keinen Spaß, und irgendwann keimt im Rezipienten der leise Verdacht, dass Aaron Eckhart („Thank You For Smoking“ [2005]) nur deshalb so grimmig durch die Gegend läuft, weil er von einem gar fiesen Tinnitus geplagt wird.


Was verbleibt also, wenn die gezeigte Action nicht funktionieren will, Ironie zum Fremdwort verkommt und eine Geschichte so scham- wie harmlos von anderen Genrevertretern kopiert, ohne auch nur ein wenig Eigenständigkeit zu präsentieren? Es ist die vielfach bemühte, hier aber leider absolut zutreffende Erkenntnis, dass manche Dinge dann eben doch nur auf dem Papier funktionieren. Quod erat demonstrandum. Dass dem so ist, wussten wahrscheinlich schon Bram Stoker und Mary Shelley. Und wir fragen uns, warum es im vorliegenden Fall nicht beim bloßen Comic bleiben konnte...


Fazit: Ein Film, der Stephen Sommers' „Van Helsing“ wie eine Opernverfilmung aussehen lässt. Komplett spaßbefreit und sich in seiner eigentlich wunderbar-trashigen Prämisse viel zu ernst nehmend, ist „I, FRANKENSTEIN“ nicht mehr als hochbudgetierte Lächerlichkeit, die sich trotz 90 Minuten Laufzeit zu allem Überfluss auch noch elend hinzieht. Mit diesem klinisch toten Vertreter eines Films hat sich Aaron Eckhart wahrlich keinen Gefallen getan. Da rettet auch eine Reanimierung nichts mehr.


Eine Rezension von Stefan Rackow
(17. Januar 2014)
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Daten zum Film
I, Frankenstein USA, Australien 2014
Regie Stuart Beattie Drehbuch Stuart Beattie Screen Story Kevin Grevioux, Stuart Beattie Comicvorlage Kevin Grevioux
Produktion Hopscotch Features / Lakeshore Entertainment Kamera Ross Emery
Darsteller Aaron Eckhart, Bill Nighy, Yvonne Strahovski, Miranda Otto, Jai Courtney, Caitlin Stasey, Socratis Otto, Samantha Reed, Chris Pang, Goran D. Kleut, Angela Kennedy, Deniz Akdeniz, Kevin Grevioux, Aden Young, Virginie Le Brun
Länge 93 Minuten FSK ab 12 Jahren
Filmmusik Reinhold Heil, Johnny Klimek
Bundesweiter Kinostart: 23.01.2014
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