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True North - Der letzte Fang

True North - Der letzte Fang

Ein Film von Steve Hudson

von Asokan Nirmalarajah

Liberale, humanistische und durchaus progressive Dramen über die missliche Situation sozial benachteiligter Minoritäten wie Steve Hudsons True North (2006, dt. Titel: True North – Der letzte Fang) haben für gewöhnlich das Problem, dass sie vornehmlich von weißen Protagonisten handeln, die ob der Ungerechtigkeit gegenüber anderen ethnischen Gruppen Schuldgefühle entwickeln und sich im Laufe der Geschichte zur Rettung derselben durchringen müssen. Die Minoritäten selbst bleiben passive, zumeist weibliche Opferfiguren, die auf die Rettung durch gute weiße Männer von anderen, bösen weißen Männern warten. Diese Opferfiguren sind sogar oft so eindimensional gezeichnet und auf ihre narrative Funktion als Grund der Wandlung der weißen Protagonisten reduziert, dass man ihre Rollen genauso gut mit einem Rudel hilfloser, gutgläubig dreinblickender Dackelwelpen hätte besetzen können. Dass True North in dieselbe Kategorie fällt wie Antirassismusfilme mit weißen Helden wie Alan Parkers Mississippi Burning (1988) und Richard Attenboroughs Cry Freedom (1987) ist umso ärgerlicher, da der auf schonungslosen Realismus bedachte Film mit drei der ausdrucksstarksten schottischen Schauspieler der letzten Jahre besetzt ist.
True North - Der letzte FangTrue North - Der letzte FangTrue North - Der letzte Fang
Peter Mullan (My Name Is Joe, 1998), Martin Compston (Sweet Sixteen, 2002) und Gary Lewis(Ae Fond Kiss…, 2004), die allesamt schon in Ken Loach-Filmen glänzen durften, und Steven Robertson spielen hier die Crew eines heruntergekommenen schottischen Fischdampfers. Sean (Compston) und sein Vater (Lewis) liegen sich in den Haaren über ihre finanzielle Zukunft, da sie wieder einmal nicht genug gefangen haben, um die Rate für den Fischkutter zahlen zu können, während der lebenslustige Riley (Mullan) sich nach ihrer Ankunft in Ostende in einem lokalen Freudenhaus vergnügt. Als Riley auf seiner Rückkehr zum Boot Zeuge wird, wie Sean eine Fracht von zwanzig illegalen chinesischen Einwanderern auf dem Kutter versteckt, um sie nach Schottland zu schmuggeln, ist er erst entsetzt, willigt aber ein, um einen Teil der Transfersumme zu erhalten. Die Anwesenheit der Migranten wird vor Seans Vater und dem Schiffskoch (Robertson) bestmöglich geheim gehalten, doch ein kleines chinesisches Mädchen (Angel Li), das sich von der Gruppe getrennt hat und sich im Maschinenraum versteckt, droht alles auffliegen zu lassen…
True North - Der letzte FangTrue North - Der letzte FangTrue North - Der letzte Fang
True North kann aus vielerlei Sicht punkten. Zunächst wäre da das intensive Spiel der Riege schottischer Ausnahmemimen: Abgesehen davon dass man im englischen Original nur jedes zweite Wort verstehen kann, nimmt man Mullan, Compston und Lewis vorbehaltlos ab, dass sie ihr ganzes Leben auf hoher See verbracht haben. Die Gewissensbisse, die vor allem Riley entwickelt angesichts der Tatsache, dass er regelmäßig den Eimer entleeren muss, den die Migranten als Toilette benutzen müssen, und hilflos mit ansehen muss, wie sie im Frachtraum frieren und einige sogar erkranken, werden von Mullan gewohnt überzeugend vermittelt. Robertson bewährt sich auch überraschend gut als sexuell verwirrter Schiffskoch, der sich von Rileys Sexeskapaden und Pornofaszination gestört fühlt. Auch die kleine Angel Li überzeugt in einer Rolle, in der sie nicht mehr zu tun hat als hilflos oder verstört zu gucken. Hark Bohm gibt einen effektiven Gastauftritt als sonderbar herzlicher Menschenschmuggler und Lewis und Compston sagen wie gewohnt mehr mit einem Blick als mit tausend Worten.
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Auch die Verortung der Geschichte auf einem klaustrophobischen Fischkutter und der nüchterne Realismus und die düstere Atmosphäre, in der die Geschichte erzählt wird, helfen dem Film oft über das klischeehafte Drehbuch hinweg. Das Problem ist aber die Geschichte selbst: So sehr man an der Wandlung dieser Figuren auch interessiert sein mag, sie bleiben nach der ersten halben Stunde schablonenhaft und uninteressant. Dies liegt vor allem an dem schwachen mittleren Drittel des Films, in der wenig Interessantes passiert, bis sich die kraftlose Geschichte zu seinem berechenbar tragischen Ende steigert. Die moralischen Selbstzweifel der Protagonisten bleiben leider ebenso oberflächlich wie die Zeichnung der chinesischen Migranten, die in Form eines kleines hilfsbedürftigen Mädchens zudem noch effeminiert und infantilisiert werden. Das Ende des Films, das dem Mädchen dann auch noch eine Form von finalem Triumph anzudichten versucht, kann einen dann auch nicht viel mehr verärgern. Manchmal reichen gute Absichten einfach nicht aus...

Der Film ist auf DVD von FilmConfect Home Entertainment GmbH erhältlich.

Eine Rezension von Asokan Nirmalarajah
(12. Juli 2009)
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Daten zum Film
True North - Der letzte Fang GB, Irland, D 2006
(True North)
Regie Steve Hudson Drehbuch Steve Hudson
Produktion Ariel Films Kamera Peter Robertson
Darsteller Peter Mullan, Gary Lewis, Martin Compston
Länge 96 FSK 12
http://www.truenorth-film.com/
Filmmusik Edmund Butt
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