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von Pen-ek Ratanaruang




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Boogeyman - Der schwarze Mann

Boogeyman - Der schwarze Mann

Ein Film von Stephen T. Kay

Zahlreiche urbane Legenden und moderne Mythen ranken sich um IHN, Generationen von Eltern haben ihren unartigen Kindern mit IHM gedroht, Generationen von Kindern konnten hierauf nicht einschlafen und des Vaters Stromrechnung stieg aufgrund des Lichts, das in der Nacht eingeschaltet bleiben musste, damit sich die Kleinen nicht allzu sehr vor IHM fürchten mussten, ins Unermessliche.
Die Rede ist hier vom BOOGEYMAN!
Doch wer oder was ist jene unheimliche Gestalt überhaupt? So einfach lässt sich diese Frage gar nicht beantworten, gibt es doch viele unterschiedliche Vorstellungen vom Kinderschreck. Eines steht jedoch fest: er ist uns nicht freundlich gesinnt, verfügt über unnatürliche Kräfte und ist eine geisterhafte Präsenz, die mal im Wandschrank, mal unterm Bett, mal hinter der Türe haust oder gar mit seinen langen Fingernägeln an der Fensterscheibe kratzt und ins Haus einzudringen sucht. Als Geschöpf der Nacht bevorzugt er/es die Dunkelheit, das Licht hingegen schadet ihm und nimmt ihm seine Macht.
Das Äquivalent zum Boogeyman hierzulande ist „Der Schwarze Mann“ (vgl. auch den Untertitel des Films), eine Bezeichnung, die heute aufgrund ihrer rassistischen Konnotation umstritten ist, jedoch Jahrhunderte lang im deutschsprachigen Raum Verwendung fand. Die Farbe bezieht sich dabei weniger auf das Aussehen der Kreatur als vielmehr auf seinen Fetisch für finstere Orte und die rabenschwarze Nacht.

Das Medium Film hat den Bösewicht bereits vor g
eraumer Zeit entdeckt. In John Carpenter’s Stalker-Movie „Halloween“ wird immer wieder auf ihn verwiesen, ist doch Michael Myers nichts anderes als eine seiner Erscheinungsformen – man denke nur an die Vorliebe des voyeuristischen sich heranschleichenden Killers für Schatten, dunkle Häuser und Stromausfälle – und wird deswegen im letzten Dialog vor dem Abspann von Dr. Loomis unverblümt als „Boogeyman/Schwarzer Mann“ bezeichnet.
Aber es gibt auch Filme, die sich ganz dem Fiesling widmen und ihn bereits in ihrem Titel benennen, wie „Boogeyman“ (1980) und sein Sequel „Boogeyman 2“ (1983) sowie den hier rezensierten „Boogeyman – Der Schwarze Mann“ (2005), der allerdings weder Fortsetzung noch Remake der beiden erst Genannten darstellt.

Doch nun zur Story des Horrorspaß, die sich aus althergebrachten Schauermotiven zusammensetzt: Der kleine Timm liegt während einer stürmischen Gewitternacht ängstlich in seinem Bett und fürchtet sich zu Tode. In seiner Phantasie kreiert er den „Boogeyman“, ein dunkles, böses Wesen, das sich in Wandschränken besonders behaglich zu fühlen scheint und sich immer nur dann daraus hervorwagt, wenn man gerade nicht hinsieht.
Da nützt es nichts, wenn Timms Vater dem Jungen versichert, dass weder unter dem Bett noch im Schrank jemand sei, was er Timm auch prompt zu demonstrieren versucht. Doch diesmal irrt der Vater. Plötzlich wird er von einer finsteren Gestalt in eine andere Dimension gezogen und bleibt für immer verschollen.
Viele Jahre später ist Timm von den schrecklichen Erlebnissen seiner Kindheit und dem unerklärlichen Verlust seines Vaters noch immer zutiefst traumatisiert. Obwohl ihm eingetrichtert wurde, der Vater sei davongelaufen und seine kindliche Phantasie habe sich damals die Sache mit dem „Schwarzen Mann“ lediglich ersonnen, um den Verlust besser zu verkraften, hat Timm nach wie vor panische Angst vor der Dunkelheit. Nachdem seine Mutter gestorben ist, kehrt der junge Mann in das verlassene alte Holzhaus seiner Kindheit, in dem einst alles seinen Anfang nahm, zurück, um sich dort endlich seinen Ängsten und dem personifizierten Bösen zu stellen.
Boogeyman - Der schwarze MannBoogeyman - Der schwarze MannBoogeyman - Der schwarze Mann
Gespielt wird der verwahrloste Protagonist von Eine-Himmlische-Familie-Beau Barry Watson. Wer jetzt genervt die Augen verdreht soll beruhigt sein, denn der Schauspieler wirkt in dieser Rolle sehr überzeugend und ist im Vergleich zur flachen Serienfigur kaum wieder zu erkennen. Als Timm wirkt er allemal authentisch, und ist daher die ideale Identifikationsfigur, von welcher das Gruselmovie durchaus profitiert.
Der gezeichnete Jugendliche ist nicht nur aufgrund seiner schrecklichen Erlebnisse ein sehr tragischer Charakter, sondern auch weil ihm niemand Glauben schenken will und er immer mehr an seiner Einsamkeit zu zerbrechen droht. Wir alle kennen das hilflose Gefühl unserer Kindheit, wenn wir uns vor etwas fürchteten und die Erwachsenen uns nicht ernst nahmen oder noch schlimmer, sich gar darüber lustig machten.
Es ist vollkommen unwichtig ob Timms Boogeyman real ist oder nicht. Da er so fest an ihn glaubt, ist er für ihn auf alle Fälle absolute Wirklichkeit. Die ganzen klugen Weisheiten und Ratschläge seines sozialen Umfelds nützen ihm wenig, immerhin vermögen eine reiche Vorstellungskraft und heftige Panikattacken die Ratio mit Links zu besiegen. Jeder, der über eine lebendige Phantasie verfügt, wird wissen wovon ich spreche.
An Timms Seite stehen zwei sehr unterschiedliche Frauen. Die handelnden Akteure befinden sich zunächst in einer seltsamen Dreiecksbeziehung, wenn auch Liebe, Eifersucht und rivalisierende Spannungen (dem Drehbuch sei Dank!) keinen großen Stellenwert im Geschehen einnehmen.
Da wäre einmal Timms Freundin Jessica, gestylt, hübsch, blond und noch dazu aus einer streng republikanischen Familie kommend, die zwar treu zu ihrem Freund steht, ihn jedoch nicht verstehen kann und ihm nicht glauben will. Aus diesem Grund wird sie auch vom Buhmann geholt und verschwindet spurlos. Für das Script ist dies kein großer Verlust, wirkt ihr Charakter doch seicht und klischeebehaftet und ist somit entbehrlich. Zudem ebnet ihr Dahinscheiden den Weg für eine andere (es wäre schließlich nicht korrekt, würde sich der brave Protagonist mit zwei Mädels gleichzeitig allzu gut verstehen), nämlich Timms Ex-Freundin Kate.
Diese wirkt sowohl in Auftreten als auch in Sachen Modestil alternativ und kommt aus ärmeren sozialen Verhältnissen. Obwohl sie Timm, den sie noch immer liebt, als verrückt abstempelt und ihm rät, ärztliche Hilfe aufzusuchen, stellt sie sich schließlich dem Kampf gegen den Schrecken aus dem Schrank und kommt mit dem nackten Leben davon.

„Boogeyman“ ist ein Horrorfilm, den man aufgrund seiner Elemente, Strukturen und Dramaturgie als zutiefst „klassisch“ bezeichnen kann. Er möchte weder originell noch anspruchsvoll sein sondern lediglich sein Publikum beunruhigen und möglichst oft erschrecken. Das Drehbuch wählt indes eine wesentlich geschicktere Vorgehensweise, als das im thematisch sehr ähnlichen „Der Fluch von Darkness Falls“ (2003), der seine Monstrum, die böse Zahnfee, viel zu früh zeigte und mit überzogenen Actionfeuerwerken die anfängliche Spannung und Atmosphäre zerstörte, der Fall war.
Im hier rezensierten Film wird der Unhold erst im großen Finale enthüllt und darf sein computergeneriertes Gesicht zeigen. Zuvor kann der Zuseher die angedeutete Gestalt nie wirklich erkennen. Vielmehr verbirgt sich das Grauen gleich unseren Kindheitsängsten im Dunkeln und entzieht sich damit unserer Wahrnehmung, um sofort zuzuschlagen, sobald wir uns in Sicherheit wiegen.
Dabei wird mit konventionellen Stilmitteln, wie einfallsreichen, schnellen Kamerafahrten, interessanten Montagen und schrägen Perspektiven, die den Traum- bzw. Alptraumcharakter der Story gut einfangen, und den Zuseher schwindelig werden lassen, sodass er jegliche Orientierung zu verlieren droht, gearbeitet, welche ihre Wirkung nicht verfehlen. Eine schummrige Beleuchtung und die farblose und verwaschene Optik tragen ihr Übriges bei, um perfekte Gruselstimmung zu erzeugen. Tolle Sets wie z.B. das alte Landhaus im Nirgendwo, das durch endlose Flure, mahagonifarbene Holzvertäfelungen und viele Ecken, Schrankwände und Türen, die in schwärzeste Dunkelheit führen, Spukschlosscharakter besitzt, machen „Boogeyman“ zu einer rasanten Geisterbahnfahrt, die man des Angst- und Gruselfaktors wegen am besten nach Mitternacht konsumieren sollte.
Aber Vorsicht: die Lautstärke nicht zu laut aufdrehen, denn der Sound ist geradezu überwältigend!! Ständig knarrt, ächzt und poltert es bedrohlich auf allen Surround-Kanälen, ein Sprechchor flüsternder Stimmen warnt „He’s comming“ und bitterböse Tiefbassattacken heben einen förmlich aus dem Sofa und schlagen immer wieder beunruhigend in der Magengegend ein, weshalb das Filmchen ohne gut ausgestattetes Heimkino nur halb so gut rüberkommt.
Der Shocker liefert damit den visuellen und akustischen Overkill, beansprucht unsere Wahrnehmung aufs Äußerste, verwirrt den Zuseher und macht zugleich mit seinen vielen Schreckmomenten unheimlich Spaß, sodass man sich nach dem Filmgenuss aufgrund der wohligen Schauder und des damit einhergehenden hohen Adrenalinpegels so richtig euphorisch fühlt.

Erst wenn der Protagonist sich seinen Ängsten stellt und seiner Flucht damit ein Ende setzt, sieht auch das Publikum den Widersacher. Gleichsam wie Timm, der in seiner Wut für all das, was er ihm genommen, den „Schwarzen Mann“ nun endlich als die Ängste seiner Kindheit zu dekonstruieren vermag, und alles, was ihm zuvor solch gewaltige Furcht einjagte, zerstört, findet nun auch der Zuschauer den Boogeyman nicht mehr unheimlich, sondern in seinem CGI-Aussehen, das an eine üble Promenadenmischung aus Freddy Krueger und der Kreatur aus „Jeepers Creepers – Es ist angerichtet“ (2001) erinnert, eher plump und lachhaft.
Ob die Macher diese Demaskierung und Banalisierung des Unheimlichen intendiert haben, wage ich in Frage zu stellen; wahrscheinlich wollte man zum Schluss nur möglichst viel Spektakel liefern. Betrachtet man den Show-Down aber unter dem oben beschriebenen Aspekt, funktionieren Plot und Story (ungewollt) gut.
Dass das, wovor wir uns am meisten fürchten, durch unsere Negativ-Energie Gestalt annimmt ist zwar nicht neu (vgl. Stephen Kings Roman „Es“, oder „Wes Craven’s New Nightmare“ [1994]), bleibt allerdings immer wieder ein sehr beunruhigender Gedankengang.
Ein Pluspunkt von „Boogeyman“ dabei ist, dass man nach dem Ansehen im Unklaren gelassen wird, ob der Bösewicht nun tatsächlich existierte oder ob sich alles nur in der Phantasie und in den Träumen der Betroffenen, die sich gegenseitig in ihrer Hysterie ansteckten, abspielte. Hier vermischen sich Vorstellungskraft und Realität und lassen damit vieles offen, wie z.B. die Frage, was denn nun mit den Opfern des Butzemanns passiert ist, und ungelöst.

FAZIT: Mag der Schluss auch zu schnell erzählt und mit fragwürdigen FX überladen sein, garantiert der Horrorstreifen trotz allem einen Furcht erregenden Filmgenuss mit staubiger Gothic-Atmosphäre und beweist wieder einmal, dass Spannung vollkommen ohne Blut auskommt. „Boogeyman“ gelingt es ohne Gore den Zuseher, welcher erst gegen Ende wieder aus der vermeintlichen Sicherheit der Kuscheldecke hervorzukriechen wagt, von Anfang mitzunehmen.
Mit seiner Reise durch unheimliche Traumwelten, Tagträume, verschiedene Dimensionen, Türen, die an einen anderen Ort führen und Rückblicke, nicht zu vergessen mit dem Auftritt der unschuldigen Kinder und Opfer aus dem Jenseits (sie sehen mit ihren bläulichen Verfärbungen wie die Schlumpf-Zombies aus Romeros „Zombie“ [1978] aus) wird das Publikum nicht nur gekonnt verwirrt sondern fühlt sich zudem auf sehr nostalgische Weise in die „Nightmare on Elm Street“-Reihe (1984-1994) hineinversetzt, die ebenfalls mit ihren phantastischen und irrealen Konzepten begeisterte.

Nach „Boogeyman“ bin ich nur froh, dass ich keinen Wandschrank in meinem Zimmer mein Eigen nenne (wenn auch ich mich während des Ansehens immer wieder dabei ertappte, ängstlich in die dunklen Ecken meines Heimkinos zu spähen). Für alle, die dies tun: Licht aus und schlaft gut!
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Eine Rezension von Florian Friedrich
(28. März 2007)
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Daten zum Film
Boogeyman - Der schwarze Mann Deutschland, Neuseeland, USA 2005
(Boogeyman)
Regie Stephen T. Kay Drehbuch Eric Kripke, Juliet Snowden, Stiles White
Produktion Sam Raimi, Robert G. Tapert
Darsteller Barry Watson, Emily Deschanel, Skye McCole Bartusiak, Tory Mussett, Andrew Glover
Länge 89 min FSK 16
http://www.boogeyman-film.de/
Kommentare zu dieser Kritik
Renee TEAM sagte am 28.03.2007 um 21:04 Uhr

Insgesamt war der Film gar nicht schlecht. Von Barry Watson, den ich bisher auch nur aus "Eine Himmlische Familie" kannte, war ich positiv überrascht und der Gruselfaktor war während des Films größtenteils auch recht hoch. Aber leider gab es zwischendurch ein paar Längen und den Schluss fand ich nicht wirklich gelungen und eher unbefriedigend.

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