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Shining

Shining

Ein Film von Stanley Kubrick

„In meinem Film gibt es keine sich von selbst öffnenden, knarrenden Türen, keine Gerippe, die aus Schränken fallen..., keine überlangen Schatten oder andere melodramatische Horroreffekte. Der Film erzählt ganz einfach die Geschichte einer Familie, die langsam in den Wahnsinn treibt.“ (Stanley Kubrick in einem Interview der Cinema zu seiner Adaption des Stephen King Romans)
Stanley Kubricks „Shining“ macht mir auch heute noch Spaß. Ein Horrorfilm, der alles hat: Atmosphäre, überzeugende Schauspieler, fantastische Musik und einen guten Regisseur, der alles richtig zusammenfügt.


Jack Torrance (Jack Nicholson) übernimmt eine Stelle als Hausmeister in dem abgelegenen Overlook Hotel in den Bergen von Colorado, welches er außerhalb der Saison gut durch den Winter bringen soll. Die einzigen Menschen, die er während dieser Zeit um sich hat, sind seine Frau Wendy (Shelley Duvall) und sein Sohn Danny (Danny Lloyd). Schnell wird klar, dass mit dem Hotel was nicht stimmt. Beim Vorstellungsgespräch macht der Hotelchef Ullman (Barry Nelson) Jack auf einen Vorfall aufmerksam, der sich 1970 im Hotel ereignet hat. Der damalige Hausmeister Delbert Grady (Philip Stone) hatte vermutlich einen durch die Einsamkeit bedingten Nervenzusammenbruch und darauf hin seine Zwillingstöchter, seine Frau und sich selbst brutal ermordet. Jack Torrance lässt sich davon nicht beeindrucken. Ihm kommt die Einsamkeit gerade recht, da er viel Ruhe braucht um seinen Roman schreiben zu kö
nnen. Sohn Danny hat stattdessen schon vor dem Aufbruch ins Hotel eine düstere Vorahnung. Er verfügt über eine übersinnliche Fähigkeit, die ihm in Form einer inneren Stimme, die er Toni nennt, Dinge zeigt, die bereits geschehen sind oder noch geschehen werden. Im Hotel angekommen lernt Danny den Küchenchef Dick (Scatman Crothers) kennen, der ebenfalls diese Fähigkeit hat und sie auch sehr schnell in Danny erkennt. Dick nennt diese Fähigkeit das Shining. In einem Gespräch warnt er Danny eindringlich vor bestimmten Orten des Hotels, vor allem vor dem Zimmer 237. Danny hat von Anfang an immer wieder Visionen von den Zwillingsmädchen und davon was damals mit ihnen passierte. Nach den ersten Wochen im Hotel, einsam, eingeschneit und völlig von der Außenwelt abgeschnitten, fängt Jack an sich zu verändern. Er wirkt resigniert, apathisch und reagiert immer aggressiver, vor allem auf seine Frau. Schließlich fängt er auch an zu halluzinieren. Er schüttet dem imaginierten Barkeeper Lloyd (Joe Turkel) sein Herz aus und hat ein sehr intensives Gespräch mit dem Kellner, der sich als Delbert Grady herausstellt und der Jack rät seiner Familie eine Lektion zu erteilen. Jack verfällt immer mehr dem Wahnsinn und ist irgendwann soweit seine Familie töten zu wollen. Wendy versucht trotz ihrer Panik nicht die Nerven zu verlieren und sich und ihren Sohn zu retten. Dafür gilt es einem axtschwingenden Ehemann und einem das Böse beherbergenden Hotel zu entkommen. Zwei Umstände helfen ihr dabei: Erstens das perfekte Timing des Küchenchefs Dick, der scheinbar telepathisch von Danny „gerufen“ den weiten Weg zurück ins Hotel auf sich nimmt, weil er sich Sorgen macht und dies schließlich mit dem Leben bezahlt. Zweitens die Geistesgegenwart ihres Sohnes, der, obwohl ihn sein Vater mit einer Axt verfolgt, die Nerven behält und Jack in eine eisige Falle lockt.

Stanley Kubricks „Shining“ ist eine recht eigenwillige Adaption des Stephen King Romans. Kubrick setzt andere Schwerpunkte. So wird Jacks Vergangenheit als gescheiterter Lehrer, der dem Alkohol verfallen ist, lediglich angedeutet. Die deutsche Fassung ist ca. 26 min. kürzer als die US-Fassung und geht somit noch weniger auf die Vorgeschichte ein. Damit ist auch die Vorgeschichte des Hotels gemeint, das in einem Gebiet gebaut wurde, von dem einst Indianer gewaltsam vertrieben wurden. Stephen King war mit Kubricks Interpretation seiner Erzählung alles andere als zufrieden. 1997 wurde „Shining“ in den USA erneut verfilmt. Diesmal in Form einer mehrteiligen TV-Produktion, an der King selbst mitarbeitete.
„Shining“ gilt als Klassiker des modernen Horrorfilms. Ein Horrorfilm, der auf vielen Ebenen wirkt. Auf der Ebene der Kameratechnik beispielsweise durch unkonventionelle Kamerabewegungen mittels Steadicam, die auch eingesetzt wurde als Danny auf seinem Dreirad durch die Gänge des Hotels fährt. Beeindruckend sind auch die Kamerafahrten und Luftaufnahmen wie gleich zu Beginn des Films, in der die schöne, aber auch weit abgelegene Landschaft eingefangen wird, unterlegt mit bedrohlich wirkender Musik. Die Musik ist ein ganz wesentlicher Faktor des Films. Während des ganzen Films schafft sie es die unheimliche, immer bedrohender werdende Atmosphäre aufrecht zu erhalten. So werden beispielsweise herzschlagartige Töne in die Musik eingearbeitet, was sowohl einen Grusel- aber auch Spannungseffekt hat. Doch auch ohne Musik bleibt die unheimliche Atmosphäre erhalten. Beispielsweise durch bestimmte Geräusche, wie die eines draußen tobenden Sturms, das Geräusch von Dannys Dreirad, wenn er durch die Hotelgänge rollt, das unterbrochen wird sobald er über ein Stück Teppich fährt. Auch das durch die Hotelhalle schallende Geräusch eines Tennisballs, den Jack immer wieder an die Wand schmeißt hat seine Wirkung.
Kubrick teilt die Handlung im Hotel in mehrere Abschnitte ein, indem er sie immer wieder durch die plötzliche Einblendung einer Zeitangabe unterbricht. Angefangen bei „1 Monat später“, über einzelne Wochentage bis hin zur konkreten Uhrzeit wird der zeitliche Abstand der Handlung immer kürzer.
Doch alles zusammen wäre nichts ohne entsprechend gute Schauspieler. Und auch die sind gegeben. Der zwar durch Probleme in der Vergangenheit vorbelastete, aber dennoch liebevolle Ehemann und Familienvater mutiert unter dem Einfluss eines bösen Hauses zum axtschwingenden Psychopathen. Ein Figurentyp, der immer mal wieder im Horrorfilm Verwendung findet. Man denke nur an Amityville Horror (1978) oder Seven days to live (2000). Aber niemand hat diesen Rollentypus je überzeugender und angsteinflößender dargestellt als Jack Nicholson. Von Anfang an wirkt er frustriert und ein wenig gereizt. Im Laufe der Handlung zeigt er auf überzeugende Weise den Prozess des Wahnsinnigwerdens. Berühmt geworden ist die Szene in der Jack versucht die Badtür mit der Axt zu zertrümmern um seine darin eingeschlossene Frau zu ermorden. Sein Spruch „Hier ist Jacky“ (im Original: „Here is Johnny“ in Anspielung an Johnny Carson) hat Filmgeschichte geschrieben. Shelley Duvall schafft es sich in ihrer Rolle als Wendy nur soweit in ihre panische Angst hineinzusteigern, dass es nicht in komisch anmutende Hysterie ausartet. Gerade auch in der Schlüsselszene, als Wendy feststellt, dass ihr Mann monatelang immer den gleichen Satz auf seiner Schreibmaschine tippte: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen (im Original: All work and no play makes Jack a dull boy). Der kleine Danny Lloyd überzeugt ebenfalls als ruhiger, durch grausige Visionen geplagter, cleverer Junge.
Kubricks „Shining“ ist inhaltlich sehr vielschichtig und bietet reichlich Raum für Interpretationsmöglichkeiten, denn einige Fragen bleiben ungeklärt: Sind die Halluzinationen, die gegen Ende des Films selbst Wendy wahrnimmt, wirklich nur Halluzinationen oder eine Art Geistererscheinung? Schließlich kann sich Jack nur mit Hilfe von Grady aus der Vorratskammer befreien, in die ihn Wendy eingesperrt hat. Wie ist Jacks psychischer Wandel zu erklären? Und natürlich bleibt auch die Frage zu stellen, was es mit dem Foto am Schluss auf sich hat, das Jack inmitten einer Party-Gesellschaft im Overlook-Hotel am 4. Juli 1921 zeigt.
Kubrick war Perfektionist und Meister seines Fachs. Das zeigt sich auch in „Shining“. Alles ist durchdacht, sorgfältig ausgewählt und zusammengefügt. Was dabei herauskommt ist ein erstklassiger Horrorfilm, der alles hat was man zum Gruseln braucht.

Eine Rezension von Michaela Kiefer
(30. April 2007)
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Daten zum Film
Shining Großbritannien 1980
(The Shining)
Regie Stanley Kubrick Drehbuch Stanley Kubrick, Diane Johnson
Produktion Stanley Kubrick, Jan Harlan
Darsteller Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd, Scatman Crothers, Philip Stone, Joe Turkel
Länge 119 min. FSK 16
Filmmusik Wendy Carlos, Rachel Elkind, sowie Werke von Bela Bartók, György Ligeti, Krzysztof Penderecki
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