Filmkritiken - von Independent bis Hollywood
 
2004 Filmkritiken | 10452 Personen | 3321 Kommentare  
 
Bitte wählen Sie

Email

Passwort


Passwort vergessen

> Neu anmelden


Auch interessant



Chronicle - Wozu bist Du fähig?
von Josh Trank




Meist gelesen¹

1. 
Ant-Man and the Wasp  

2. 
Interstellar  

3. 
Black Panther  

4. 
Familiye  

5. 
Red Sparrow  

6. 
Das Zeiträtsel  

7. 
Drag Me to Hell  

8. 
Thor: Tag der Entscheidung  

9. 
Bernard and Huey  

10. 
Avengers: Infinity War  
¹ gilt für den aktuellen Monat

Casinos im Film
  FILMSUCHE
  Sie sind hier: Filmkritiken > Stanley Kubrick > Eyes Wide Shut
Eyes Wide Shut RSS 1.0


Eyes Wide Shut

Eyes Wide Shut

Ein Film von Stanley Kubrick

Am 7. März 1999 starb einer der bedeutendsten Regisseure unserer Zeit.
Stanley Kubrick war ein Genie seiner Zunft und zeichnete sich unter anderem für Meilensteine der Filmgeschichte wie „2001 – Odyssee im Weltraum“ (1968), „Uhrwerk Orange“ (1971) oder „Full Metal Jacket“ (1987) verantwortlich. Da er wie besessen an einem einzelnen Werk feilte bis dieses endlich die von ihm angestrebte Perfektion erreicht hatte, konnte die reine Drehzeit schon mal 17 Monate und der Raum bis zum nächsten Projekt 12 Jahre betragen.

Dieser Umstand trieb dann auch sowohl die Produktionsstudios sowie die beteiligten Schauspieler, die über diesen Zeitraum keine weiteren Rollenangebote annehmen konnten, vollkommen in den Wahnsinn, da Kubrick eben dazu neigte auch nach Abschluss der offiziellen Dreharbeiten weitere Nachdrehs anzuordnen. Dass die Creme de la Creme des Filmgeschäfts trotzdem immer wieder Schlange stand um mit dem exzentrischen Regisseur zusammenzuarbeiten, lag daran dass man sich sicher sein konnte an einem weiteren filmischen Meisterwerk mitgewirkt zu haben.

„Eyes Wide Shut“ stellt den letzten Film in Stanley Kubricks Leben dar, er wurde vier Tage vor dessen Tod im Alter von 71 Jahren beendet. Der Regisseur strebte das Projekt, welches auf Arthur Schnitzlers 1926 erschienener „Traumnovelle“ basiert, bereits seit über 30 Jahren an, wobei die erste K
lappe der Dreharbeiten erst im November 1996 fiel.
Bereits zu Beginn verlässt der ursprünglich als Victor Ziegler vorgesehene Harvey Keitel aufgrund von Differenzen zwischen ihm und Kubrick das Projekt und wird von dem Schauspieler und Regisseur Sydney Pollack („Tootsie“, „Jenseits von Afrika“, „Die Firma“) ersetzt. Auch die Darstellerin der Marion Nathanson, Jennifer Jason Leigh, schmeisst letztendlich das Handtuch, da sie nicht bereit gewesen ist aufgrund von weiteren Nachdrehs ihre Rolle in dem David Cronenberg-Film „eXistenZ“ aufzugeben. Ihren Part übernahm dann die Schwedin Marie Richardson.
Am Ende beliefen sich die Dreharbeiten zu „Eyes Wide Shut“ auf stolze 17 Monate, was einen Rekord in der Filmgeschichte darstellte.
Eyes Wide ShutEyes Wide ShutEyes Wide Shut
Eigentlich könnte man ein ganzes Buch zu jedem einzelnen Aspekt des Films (Dreharbeiten, Handlung, Farben, Musik etc.) verfassen. Kubrick hat natürlich wieder sämtliche Register seines Könnens gezogen und dem hungrigen Zuschauer einen wahrhaften Brocken von absolut zeitloser Eleganz serviert, der die Leute auch in vielen Jahren noch faszinieren wird.
Im Gegensatz zu Schnitzlers Vorlage, hat Kubrick die Geschichte vom Wien der 20er Jahre ins heutige New York verlegt.

Der selbstbewusste und äußerst erfolgreiche Arzt Bill Harford (Tom Cruise, „Geboren am 4. Juli“, „Rain Man“, „Jerry Maguire“) lebt mit seiner attraktiven Frau Alice (Cruises damalige Ehefrau Nicole Kidman, „Moulin Rouge!“, „Dogville“, „Unterwegs nach Cold Mountain“) und ihrer gemeinsamen Tochter Helena (Madison Eginton) in einer üppigen Wohnung eines noblen New Yorker Stadtteils. Alles scheint perfekt zu sein, die Familie lebt im Luxus und wird regelmäßig von der dortigen High Society zu den angesehensten Feiern eingeladen.

Bills traumhafte kleine Welt gerät allerdings eines Nachts aus den Fugen als ihm Alice während eines Joints erzählt dass sie sich während eines Urlaubs unsterblich in einen anderen Mann verliebt habe und sie ihre Familie für nur eine Nacht mit diesem auf der Stelle aufgeben würde. Diese Beichte hat die Grundmauern der familiären Festung des Arztes zum einstürzen gebracht, und so macht sich der in seinem Stolz gekränkte Bill abenteuerlustig in das nächtliche New York auf. Dort lernt er die sympathische Prostituierte Domino (Vinessa Shaw, „The Hills Have Eyes“) kennen und trifft seinen alten Studienkommilitonen Nick Nightingale („Little Children“-Regisseur Todd Field), der sich seinen Lebensunterhalt inzwischen als Pianist verdient und Bill von einer obskuren Veranstaltung erzählt, auf welcher er in der Nacht noch mit verbundenen Augen Musik spielen muss. Bill ist neugierig und quetscht seinen alten Bekannten solange aus bis dieser schließlich einwilligt, ihm den Ort der geheimen Veranstaltung zu nennen.
Um überhaupt Zugang zu erhalten muss sich Harford allerdings ein Kostüm und eine Maske beschaffen, da sämtliche Anwesende dort vermummt auftauchen. Also fährt er auf dem Weg bei dem Kostümverleih des zwielichtigen Milich (Rade Serbedzija, „Snatch“, „Shooter“) vorbei, der zusätzlich scheinbar als Zuhälter seiner minderjährigen Tochter (Leelee Sobieski, „Joy Ride“) fungiert.

Bill schafft es schließlich mit Nicks Zugangspasswort auf die Veranstaltung zu gelangen und kann seinen Augen nicht trauen: Wie zu einer okkulten Orgie ertönen barocke Klänge während es wunderschöne und bis auf ihre Masken splitternackte Frauen freizügig mit den dort anwesenden verleideten Männern treiben.
Eine der Frauen kommt auf Bill zu und warnt ihn; er befände sich dort in großer Gefahr. Und schon bald wird er von einem der Anwesenden in einen großen Saal gebeten, wo er sich inmitten anderer in einen Kreis stellen muss. Der inzwischen nervöse Harford wird darauf hingewiesen dass er keine Zugangserlaubnis zu dieser Veranstaltung habe und nun eine schwerwiegende Bestrafung folgen wird. In letzter Sekunde taucht die Frau auf, die Bill schon zuvor gewarnt hat, und gibt sich an Bills Stelle als Opfer hin.

Der verstörte Arzt kehrt wieder nach Hause zurück. Er kann diese Nacht nicht aus seinem Kopf verdrängen und stellt nun weitere Nachforschungen an. Dabei stellt er fest dass sein Freund Nick Nightingale scheinbar spurlos verschwunden ist…
Eyes Wide ShutEyes Wide ShutEyes Wide Shut
Was Stanley Kubrick dem Zuschauer da vorsetzt ist ein zutiefst mystischer Trip durch das verbotene Reich der menschlichen Lust. Der intelligente aber ursprünglich aufgrund seines chronischen Familienglücks recht naive Arzt entdeckt auf seiner Odyssee durch die dunklen Strassen der Großstadt Dinge, die ihn zutiefst erschüttern und ihn letztendlich wieder in die Arme seiner Familie treiben. Durch das Geständnis seiner Frau wird er verleitet, auf die Suche nach etwas anderem, vielleicht einer anderen Liebe, zu gehen, aber auf seiner Reise findet er keine Wärme oder Zuneigung sondern oftmals nur Schein und Dekadenz.
Das alles wird vom großen Meister Kubrick kongenial in Szene gesetzt. Der gesamte Film verläuft in einem sehr langsamen und hypnotisch wirkenden Tempo, das sich aber nicht ermüdend auswirkt, sondern dabei hilft sich als Zuschauer in die traumhafte Szenerie einzufinden. Auch die Farben des Films sind einfach atemberaubend, da sie aus jeder Einstellung das Maximum an Atmosphäre herausholen.

Natürlich stellen die Schauspieler das Herzstück von „Eyes Wide Shut“ dar, und besser als in diesem Film hat man Tom Cruise und Nicole Kidman nie gesehen. Man merkt förmlich dass die beiden ihre Rollen nicht spielen sondern leben. Nicht ohne Grund geben die beiden an dass die intensiven Dreharbeiten schon damals fast ihre Ehe, die inzwischen beendet ist, zerstört hätten. Der Film wühlt unter der Oberfläche und zeigt neben ästhetischen nackten Frauenkörpern auch den Dreck, der hinter verschlossen Türen liegt oder sich unter der menschlichen Hirnrinde abspielt. Er ist einerseits sinnlich und verspielt und andererseits düster und abstoßend.

Wie es der Titel „Eyes Wide Shut“ schon ausdrückt geht es hier nicht unbedingt um den Vorgang des Sehens mit den Augen sondern um das In-sich-kehren und auch das Träumen. So kann z.B. Bill die gebeichtete Fantasie seiner Frau nicht abschütteln und sieht sie ständig vor seinem geistigen Auge mit dem anderen Mann.

Man könnte wie schon erwähnt ganze Bücher mit Interpretationen von Stanley Kubricks letztem Streich füllen, doch das würde den Rahmen hier eindeutig sprengen.
Mit diesem Film hat eines der letzten großen Regiegenies uns ein vollendetes Werk hinterlassen, das auch in Zukunft Menschen zum Staunen, Denken und Fühlen anregen wird!

Eine Rezension von Bastian G.
(29. Mai 2007)
Eyes Wide Shut bei Amazon.de kaufen    Eyes Wide Shut bei ebay.de ersteigern


Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

Daten zum Film
Eyes Wide Shut USA, Großbritannien 1999
(Eyes Wide Shut)
Regie Stanley Kubrick Drehbuch Stanley Kubrick & Frederic Raphael, basierend auf Arthur Schnitzlers "Traumnovelle"
Produktion Warner Bros., Pole Star, Hobby Films Kamera Larry Smith
Darsteller Vinessa Shaw, Leelee Sobieski, Rade Serbedzija, Todd Field, Jackie Sawiris, Sydney Pollack, Nicole Kidman, Tom Cruise, Madison Eginton
Länge 159 min. FSK ab 16 Jahren
http://eyeswideshut.warnerbros.com/
Filmmusik Jocelyn Pook
Kommentare zu dieser Kritik
Jeannette TEAM sagte am 29.05.2007 um 21:38 Uhr

Ich find ja leider, dass Tom Cruise DIE Fehlbesetzung schlechthin ist ;-( Kommt total unsouverän rüber, der Bub. Das Buch ist um Klassen besser.
Jeannette TEAM sagte am 29.05.2007 um 21:40 Uhr

Nee, hab mich vertan, gib noch nen Punktabzug...
schlaubi TEAM sagte am 31.05.2007 um 18:16 Uhr

Unsouverän? Also unsouverän ist der AC Milan wenn er eine Drei-Null Pausenführung gegen Liverpool noch herschenkt, aber Tom Cruise?
Und das Buch - wenn du die "Traumnovelle" von Arthur Schnitzler meinst und nicht das Drehbuch - ist genauso gut, die einzigen Unterschiede sind, dass es in Wien und in einer andern Epoche spielt, aber sonst kann ich da keinen elementaren Unterschied sehen.
Was ich interessant finde - Sigmund Freud und Arthur Schnitzler waren ja Bekannte, Freunde, was auch immer. Jedenfalls hat jeder den jeweils anderen für seine Arbeit sehr bewundert. Freud hat angeblich mal gesagt, er und Schnitzler behandeln die gleichen Themen, nur machts der eine in der Wissenschaft und der Andere in der Literatur.
Zombie-mower TEAM sagte am 03.06.2007 um 14:31 Uhr

Danke für dieses beeindruckende Einfangen eines traumhaften Films.
Stanley Kubrick kann für seine filmischen Beiträge meiner Meinung nach nicht hoch genug geschätzt werden.

Wenn man von seinen 16 Filmen Killer's Kiss von 1955 als den wahren ersten Spielfilm, nach vier filmischen Experimenten, betrachtet, so hat Kubrick (der Name ist von polnischem Ursprung) 12 Filme realisiert. Und es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass er ausnahmslos 12 Meisterwerke in einer Reihe geschaffen hat.

Umso bedauerlicher ist, dass der parallel zu den Dreharbeiten von "Eyes Wide Shut" geplante Film "A.I. - Artificial Intelligence" letztendlich von Spielberg vollendet wurde, welcher trotz Bemühen den unverkennbaren Kubrick-Stil nicht visualisieren konnte.

Auch hatte Kubrick sein Leben lang die Verfilmung von Napoleon im Hinterkopf gehabt, dessen Inszenierung durch den Konkurrenz-Film "Waterloo" vereitelt wurde. Kein Studio wollte damals das Wagnis auf sich nehmen, einen weiteren Napoleon Film zu finanzieren.

Die Zeit war Stanley Kubricks ärgster Gegenspieler.
Flo TEAM sagte am 13.11.2009 um 11:05 Uhr

Schnitzlers Traumnovelle ist bereits gegen die Psychoanalyse gerichtet und keinesfalls ausschließlich davon fasziniert. Kubrick radikalisiert diesen Ansatz dann nochmals: Begehren ist gesellschaftlich praktikabel gemacht und eben nicht in die Person selbst verlagert. Bills Katharsis folgt dann auch nicht aus einem Selbstfindungsprozess, sondern pragmatisch, so wie seine Frau Alice die ganze Zeit jenen abgeklärten Pragmatismus verkörpert. Die Ereignisse passieren tatsächlich, was Kubrick durch die Auflösung in der Figur des Victor plausibilisiert. Ich finde jedenfalls keinen Anhaltspunkt in Eyes Wide Shut der eine psychoanalytische Lesart stützen würde. Bill ist geradezu Relikt des psychologischen Subjekts, das völlig hilflos durch eine Gesellschaftspraxis geschleust wird, in der es keine Lösung durch Einkehr findet.

Wertung natürlich sonnenklare 6/6!

Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

 

Impressum 




 
 
www.jeichi.com | CD-Kritiken | www.filmempfehlung.com
Horrorfilm News | Der Webvideo Markt | Kino Trailer
 
Sedo - Domains kaufen und verkaufen etracker® Web-Controlling statt Logfile-Analyse