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Wüstenblume

Wüstenblume

Ein Film von Sherry Hormann

Der Tag, der dein Leben verändert, kann der Tag deines größten Erfolges sein. Der Tag deines Durchbruchs; der, an dem du deiner großen Liebe zum ersten mal begegnest oder der, an dem ein dir völlig Unbekannter mehr in dir sieht, als du zu sein glaubst. Oder es ist der Tag deines größten Schmerzes, an dem dir mit einem Teil deines Körpers auch ein Stück deiner Seele genommen wird.

Der Begriff „Beschneidung“ ist irreführend, deutet er doch vor allem im Sprachgebrauch der westlichen Welt auf einen medizinischen Eingriff hin, wie er in sterilen Krankenhäusern und während einer routinierten Operation tagtäglich an Jungen und Männern durchgeführt wird. In Bezug auf Mädchen und Frauen jedoch spielt der verharmlosende Ausdruck auf ein grausames Ritual an, das traditionell mit schmutzigen Klingen auf staubigem Untergrund durchgeführt wird. Was für die „Reinheit“ des Mädchens sorgen soll, realisiert sich ironischerweise in einem Blutbad, das für das Opfer nicht selten zu Tod oder zu einem Leben mit ständigen Qualen führt. Die weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM), wie es mittlerweile passender benannt wird, wurde vor allem durch die Nomadentochter Waris Dirie bekannt, die diese Prozedur im Alter von 5 Jahren durchlitt und viele Jahre später die Gelegenheit bekam, weltweit Aufmerksamkeit auf eine genauso tief verankerte wie unmenschliche Tradition zu lenken, der nach Schätzungen der UNO täglich 6000 Mädchen zum Opfer fallen. Ihr autobiografische
s Buch „Wüstenblume“ (die deutsche Übersetzung ihres Vornamens) erschien 1997 und sollte zwölf Jahre darauf verfilmt werden.

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1965 in der somalischen Wüste als Tochter einer Nomadenfamilie geboren, soll Waris im Alter von 13 Jahren als vierte Frau an einen alten Mann zwangsverheiratet werden. Aber das Mädchen entflieht seinem Schicksal und schleppt sich tagelang durch die Wüste zur Landeshauptstadt Mogadischu, wo sie bei einer Tante unterkommt. Später wird sie von einem Onkel, der somalischer Botschafter in London ist, nach England geholt, um in seinem Haus als Dienstmädchen zu arbeiten. Aber erst Jahre später, als in Somalia der Bürgerkrieg ausbricht und ihr Onkel das Land verlassen muss, lernt Waris die Welt, die sich doch so sehr von ihrem Leben in Afrika unterscheidet, wirklich kennen. Zunächst als obdachlose Herumstreunerin in den Straßen Londons, wo sie die quirlige Verkäuferin Marilyn kennenlernt und bei der sie unterkommt. Ihre neugewonnene „Schwester“, als was sich Marilyn selbst bezeichnet, vermittelt Waris einen Job als Reinigungskraft in einem McDonald’s, wo die hübsche Frau nach einiger Zeit von einem Modefotografen entdeckt wird.

Die Lebensgeschichte von Waris Dirie ist so komplex, dass es kaum möglich ist, sie kurz zu umreißen. Viele Stationen ihres Lebens in Afrika und schließlich in London und New York spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, ihrer Persönlichkeit auf den Grund zu gehen und nachzuvollziehen, wie sie verschiedene, beeindruckende Ziele in ihrem Leben erreichte. Supermodel in New York, UN-Sonderbotschafterin, Beststellerautorin, Trägerin des World Women’s Award 2004 und weiterer Auszeichnungen und schließlich Co-Produzentin der Verfilmung ihrer eigenen Geschichte. Die Bedingungen, die erfüllt werden müssen, um dem Leben von Waris Dirie in einer zweistündigen Verfilmung gerecht zu werden, sind also mehr als hart. Was auf vielen Seiten von insgesamt vier Büchern geschrieben steht, soll nachvollziehbar auf Spielfilmlänge gebannt werden. Dass dabei der Fokus auf einen bestimmten Lebensabschnitt oder ein gewisses Erlebnis gesetzt werden muss, ist dabei wohl unvermeidlich. So konzentriert sich der Film stark auf die Modelkarriere von Waris Dirie und die anfänglichen Schwierigkeiten, die sie hatte, sich vor einer Kamera zu positionieren, auf High-Heels zu laufen oder mit einer abgelaufenen Aufenthaltserlaubnis als angehender Star die Welt zu bereisen. Dass das alles nett anzusehen ist, ist ob der bildschönen Hauptdarstellerin Liya Kebede, gebürtige Äthiopierin und internationales Starmodel, keine Frage. Leider ist die größte Stärke des Films, nämlich seine beeindruckenden Bilder, auch seine größte Schwäche. Zu sehr ruht sich „Wüstenblume“ auf der Schönheit und Wandelbarkeit seiner Hauptdarstellebrin aus. Was zunächst noch interessant anzusehen und geradezu eine Wohltat fürs Auge ist, nämlich wie sich Liya Kebede als Waris Dirie in unterschiedlichsten Positionen vor der Kamera räkelt oder in verschiedenen Kleidern über den Laufsteg schwebt, wird bald erschöpfend und oberflächlich. Immerhin ist der Tag, der ihr Leben veränderte, nicht in erster Linie der, an dem sie als Model entdeckt wurde. So wird es sogar wörtlich erzählt.

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Und das ist das zweite Problem von der Verfilmung „Wüstenblume“. Manchmal erweckt der Film den Eindruck, das er nicht weiß, wo er eigentlich hin will. Zwar werden Ausschnitte aus Waris’ Leben gezeigt, die durchaus interessant sind; ein klarer Spannungsaufbau ist hierbei aber nicht zu finden. Das bestimmendste Element ihres Lebens, nämlich die Genitalverstümmelung, die sie als kleines Mädchen erfuhr, wird zwar angesprochen und spielt in einigen Szenen eine tragende Rolle. Allerdings geht dieses Ereignis im Vergleich zu der Modelkarriere im Film doch sehr unter. Wenn am Ende des Films noch einmal erschreckende Informationen über den aktuellen Stand über das Thema FGM eingeblendet werden, bekommt man doch das Gefühl, dass eben dieses das eigentliche Hauptthema des Films sein sollte. Für ein Drama gehen hier zu viele Szenen in Lächerlichkeit und Witz unter. Was man stark vermisst sind mehr Szenen aus Waris’ Leben als Kind in der Nomadenfamilie, welches sie immerhin die ersten 13 Jahre ihres Lebens prägte.

Die darstellerischen Leistungen von Liya Kebede und Sally Hawkins, die ihre „Schwester“ Marilyn spielt, sind durchaus gut. Wer jedoch Sally Hawkins zuvor schon in „Happy-Go-Lucky“ gesehen hat, fühlt sich vor allem während der lustigen Momente des Films in einem Déjà-vu gefangen. Die Rolle der Ulknudel Poppy ist eins zu eins auf die Rolle der Marilyn übertragbar, zumindest, wie schon beschrieben, während ihrer locker-witzigen Szenen. Eine Leistung darf man den beiden Hauptdarstellerinnen aber nicht absprechen und das ist die, die sie während der wohl bewegendsten Szene des Films zeigen. Als die beiden jungen Frauen Waris und Marilyn herausfinden, was sie körperlich so sehr voneinander unterscheidet, ist die Stimmung angespannt und verzweifelt, und das ganz ohne großen Ausbruch. Minutenlang stehen beide nur – am Boden zerstört – voreinander, zitternd vor Schock und mit Tränen in den Augen. Hier schafft es Liya Kebede durch ihr intensives Spiel, den Zuschauer vollkommen zu packen. Waris spricht zwar aus, dass die Verstümmelung ihrer Genitalien doch ganz normal für eine Frau sei, realisiert aber im selben Augenblick, dass diese alte und alltägliche Tradition, die sie für gegeben hinnahm, doch etwas ganz furchtbares und Sinnloses zu sein scheint. Diese gegensätzlichen Gefühle und die Verzweiflung, die sich gleichzeitig bei beiden Frauen offenbart, ohne dass sie groß über das Thema reden, ist mehr als erschütternd. Und dies ist einer der wenigen Momente, die den Film zu einem Drama machen, denn nichts anderes als schockierend und schonungslos sind Eigenschaften, die beim Umgang mit einem solchen Thema hervorkommen sollten.

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Letztlich ist eine besondere Qualität dem Film sicherlich nicht abzusprechen. Wundervolle Bilder, mitreißende Musik und ein Stab von markanten, guten Darstellern und Darstellerinnen machen ihn nicht nur unterhaltsam, sondern eben auch anrührend. Allerdings ist es schade, dass so viel nennenswertes nur angekratzt wird und so viel Oberflächliches seine volle Bandbreite entfaltet. Eine Fokusverschiebung mehr in Richtung stilles Drama als buntschillerndes Abenteuer hätte „Wüstenblume“ sicherlich zu mehr Tiefe verholfen.

Eine Rezension von Anja Strilek
(30. August 2009)
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Daten zum Film
Wüstenblume Deutschland, Österreich, Frankreich 2009
(Desert Flower)
Regie Sherry Hormann Drehbuch Sherry Hormann
Produktion Peter Herrmann Kamera Ken Kelsch
Darsteller Liya Kebede, Sally Hawkins, Timothy Spall, Juliet Stevenson, Craig Parkinson, Anthony Mackie, Meera Syal, Soraya Omar-Scego
Länge 120 min FSK
Filmmusik Martin Todsharow
Kommentare zu dieser Kritik
Stefan R. TEAM sagte am 30.08.2009 um 18:32 Uhr

Regisseurin Sherry Hormann wird den Film nur wenige Tage nach seiner Welturaufführung in Venedig am 16. September um 19.30 Uhr höchstselbst im Oldenburgischen Staatstheater vorstellen.

WÜSTENBLUME markiert gleichzeitig den Eröffnungsfilm des diesjährigen Oldenburger Filmfests (16. - 20.September).

Quelle: http://www.filmfest-oldenburg.de/news/

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