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This Is England

This Is England

Ein Film von Shane Meadows

von Asokan Nirmalarajah

England, Anfang der trostlosen 80er Jahre. Während die desillusionierende Wirtschaftspolitik der Premierministerin, der „eisernen Lady“ Margaret Thatcher noch viel verspricht, aber noch zuwenig hält, tobt der Falklandkrieg zwischen Argentinien und Großbritannien um den Besitz der britischen Kolonie in den Falklandinseln im südlichen Atlantik. Der halbwüchsige, rastlose Shaun (Thomas Turgoose) muss die Folgen dieser weltgeschichtlichen Umstürze am eigenen Leib erfahren: nicht nur, dass der Zwölfjährige mit seiner Mutter in moderaten Verhältnissen leben muss, er wird von seinen Mitschülern auch wegen seiner unmodischen Klamotten gehänselt und gerät wiederholt in Prügeleien, um seinen im Falklandkonflikt gefallenen Soldatenvater vor entwürdigenden Sprüchen zu verteidigen. Mit dieser altbackenen Ausgangsprämisse vom ungeliebten und missverstandenen Außenseiter auf der Suche nach kollektivem Zuspruch und einer intakten Familieneinheit, ist Shane Meadows’ kleines, aber feines Sozialdrama über die Nöte und Freuden eines aggressiven Heranwachsenden von Anfang an in Gefahr, in Klischees abzudriften. Doch auch wenn This Is England (2006) manch plakativen Moment nicht vermeiden kann, und auch zu keinen frischen Schlüssen über soziale Dynamiken findet, so ist er doch von einer ungeschönten, authentischen Rauheit in der
Milieustudie, genuiner Wärme und Humor in der Charakterzeichnung und dem hypnotischen Spiel seiner erstklassigen, größtenteils unbekannten Besetzung gesegnet, dass er über seine Laufzeit hindurch zu fesseln vermag. Auch wenn er nur selten an die Intensität und soziologische Dichte seiner generischen Vorläufer, speziell Alan Clarkes brillanten Jugendfilmklassiker Made in Britain (1982), heranreichen kann.


Während der jugendliche Nazi-Skinhead Trevor (Tim Roth) aus Made in Britain trotz aller Bemühungen seines Sozialarbeiters und trotz behördlicher Strafmaßnahmen nicht mehr von seinem blinden Rassismus und seiner (selbst)destruktiven, antiautoritären Odyssee durch ein ruinenhaftes England abzubringen war, beginnt This Is England am Ursprung solch beängstigender Jugendgewaltkarrieren. Doch Meadows, der hier eigene Erfahrungen aus seiner Kindheit verarbeitet und die Geschichte wie so oft zuvor in seiner früheren Nachbarschaft spielen lässt, ist schnell bedacht, die pauschalisierende Gleichsetzung der englischen Skinheadkultur mit Extremismus jeglicher Art, insbesondere nationalistischem Fremdenhass, zu relativieren. Denn als Shaun eines Tages einer Gruppe verspielter Skinheads über den Weg läuft, sind das weniger rassistische Aggressoren, als ein recht sympathischer Haufen von Außenseitern, der sich unter der Leitung des besonnenen und sensiblen Woody (Joseph Gilgun) zusammengefunden hat, um ein Gemeinschaftsgefühl durch Kleidung (Ben-Sherman-Hemden, Doc-Martens-Stiefel, Blue Jeans, Hosenträger), Musik (Early Reggae, Ska) und Freizeitaktivitäten (die Demolierung verlassener Gebäude, Saufgelagen, das Rauchen illegaler Hanfprodukte) zu pflegen. So verwundert es auch nicht, dass Shauns verständnisvolle Mutter zunächst nur über die neue Kurzhaarfrisur ihres Sohnes erbost ist, und sich dann aber doch freut, daß er endlich Freunde gefunden hat.

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Die Unbeschwertheit dieser liebenswert heterogenen Gruppe wird jedoch jäh gestört durch die unerwartete Rückkehr von Woodys altem Freund Combo (Stephen Graham), der im Gefängnis das nationalistische, rassistische Gedankengut der „British National Front“ verinnerlicht hat und die leicht zu imponierenden Jugendlichen um Woody für seine neue Überzeugung gewinnen will. Doch während Woody sich von dieser Hassbewegung sofort lossagt und Combo meidet, verfällt neben anderen auch Shaun der leidenschaftlichen, intelligenten Rhetorik Combos, den ganz andere private (Identitäts-)Probleme plagen, die er oft in unkontrollierter Gewalt gegen Ausländer entlädt, bis seine Handlungen Woodys frühere Clique ins Chaos stürzen. Und wenn das konzeptionell etwas abgegriffene und narrativ altbackene Sozialdrama von This Is England einen zentralen Schauwert hat, dann ist es die hypnotische, unheimlich intensive Vorstellung des nur leidlich bekannten britischen Mimen Stephen Graham als ebenso attraktiver wie abstoßender Skin Combo.


Einst verheizt in einer blassen Hauptrolle in Guy Ritchies Gangsterkomödie Snatch. (2000), darf Graham hier sein enormes mimisches Spektrum ausspielen, und sowohl als beängstigender Aggressor, aber auch als von der Welt in seinen Hoffnungen verletzter Außenseiter brillieren, den weniger rassistische Gründe zur Gewalt antreiben, als fehlender emotionaler Halt bei Familie und Freunden. So ist Combos packendes Seelenleben auch beispielhaft für die ideologische Widersprüchlichkeit, in die sich die Skinheadbewegung durch ihren Fremdenhass entwickelt hat, weg vom Ausdruck einer Identitätsfindung der Arbeiterklasse hin zur Diskriminierung von Asiaten. Die Tatsache, dass es immer schon schwarze Skinheads gegeben hat, ist auch einer der wichtigen Aspekte, auf die This Is England verweist, um ein möglichst differenziertes Bild der Subkultur zu zeichnen. Die Gefahr, dass Grahams preiswürdiges Spiel die restliche Besetzung überschattet ist jedoch überraschenderweise nicht gegeben, da die Charaktere, allesamt perfekt besetzt, von einer unbekannten, aber durchweg authentischen Ansammlung wenig erfahrener Mimen lebendig verkörpert werden. Besonders Joseph Gilgun als charismatischer Woody und die große Entdeckung des Films, Thomas Turgoose als liebenswert unprätentiöser Shaun, stechen hervor, wie auch Andrew Shim als intelligenter schwarzer Skinhead Milky. Und das solide, sehr realistische Drehbuch von Meadows gibt diesen schillernden Figuren auch genug amüsante und dramatische Momente, die teils auch fabelhaft improvisiert wirken.

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Mit seinem berührenden Schlussbild, das einem nicht ganz zufrieden stellenden Ende folgt, schreibt sich This Is England in die Tradition des berühmtesten und vielleicht besten Jugendfilms der Filmgeschichte, François Truffauts Sie küssten und sie schlugen ihn (fr. Titel: Les quatre cents coups, 1959) ein, ist aber mit seiner präzisen Milieustudie englischer Verhältnisse im „Kitchen Sink"-Realismus der 50er/60er Jahre und mit seiner Geschichte über junge, gewalttätige, missverstandene Männer in der „Angry Young Man“-Tradition des britischen Films zu verorten. Die Nähe zu den Filmen von Alan Clarke und besonders Ken Loach (Kes, 1969) ist dabei auch nicht zu leugnen. Doch eins hat Meadows den berühmten Regieveteranen voraus: er bringt seinen Figuren, seien sie auch noch so irrational und gewalttätig, immer noch ein großes Maß an Wärme entgegen, ohne ihre oft schrecklichen Handlungen dabei zu verharmlosen. So ist This Is England vielleicht nur eine Fußnote in der Geschichte des Jugendfilms, aber doch eine sehr kraftvolle und sehenswerte.


Achtung! Die ansonsten solide DVD-Edition von "Ascot Elite Home Entertainment" lässt sich aufgrund eines speziellen Kopierschutzes nicht auf allen DVD-Playern fehlerfrei abspielen.

Eine Rezension von Asokan Nirmalarajah
(01. Dezember 2007)
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Daten zum Film
This Is England Großbritannien 2006
Regie Shane Meadows Drehbuch Shane Meadows
Produktion Film4
Darsteller Thomas Turgoose, Stephen Graham, Joseph Gilgun, Jo Hartley, Andrew Shim
Länge 98 FSK 12
http://www.thisisenglandmovie.co.uk/
Filmmusik Ludovico Einaudi
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