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Black Mass

Black Mass

Ein Film von Scott Cooper

Sein Vorstrafenregister platzte schon zu Jugendtagen aus allen Nähten, auch Alcatraz hat er noch als Häftling von innen kennenlernen dürfen, bevor er, James J. „Whitey“ Bulger, 2011 im Alter von 81 Jahren von der Institution dingfest gemacht werden konnte, die ihm seine enorme Karriere erst ermöglicht hatte: Dem FBI. James J. Bulger, der Teufel von South Boston, gehört wohl zu den bekanntesten Syndikatsbossen, die jemals in den Vereinigten Staaten ihr liederliches Unwesen getrieben haben – Prostitution, Drogenhandel und Mord standen an der Tagesordnung. Nun bekommt der Gangster, der 1999 vom FBI in die Liste der zehn meistgesuchten Flüchtigen eingetragen wurde, unter der Regie von Scott Cooper („Auge um Auge“) ein filmisches Denkmal spendiert. „Black Mass“, so der Titel, basierend auf dem erfolgreichen Roman „Black Mass: The True Story of an Unholy Alliance Between the FBI and the Irish Mob“, führt uns nun in zwei Stunden das abscheuliche Handwerk dieses infernalischen Mannes vor Augen.

Natürlich lohnt es sich nach wie vor, diese wie elektrisch aufgeladenen Gangster-Balladen in die Kinos zu bringen, schließlich finden kraftvolle Geschichte wie diese immer Anklang bei einem großen Publikum – nicht zuletzt aus dem Grund, weil sie auf wahren Begebenheiten basieren. „Black Mass“ stellt sich von Beginn an in die Tradition des Genres, rollt die Geschichte des James J. Bulger chronologisch auf und montiert in den primären Handlungsteil, die unheilige Allianz zwischen
Bulger (Johnny Depp, „Edward mit den Scherenhänden“) und dem FBI, immer wieder Verhörszenen, die die Aussagen der ehemaligen Mitglieder von Bulgers Winter Hill Gang aufzeigen. Fein säuberlich wird der Zuschauer darauf hingewiesen, in welchem Jahr wir uns gerade befinden, während sich „Black Mass“ damit begnügt, klassische Basiskoordinaten des Gangsterkinos zu emulieren, Versatzstücke zusammenzuklauben, Stereotypen zu bedienen, Desinteresse zu schüren. Ja, „Black Mass“ ist mit Sicherheit kein schlechter Film, doch Scott Cooper schafft es nicht, den durchaus spannenden Stoff physisch oder psychisch erfahrbar zu machen.

Black MassBlack MassBlack Mass

Die antiquierte Erzählmethodik verhindert es unentwegt, „Black Mass“ mit originären Impulsen zu versorgen, stattdessen sehen wir James J. Bulger dabei zu, wie er seinem delinquenten Tun frönt, mit Mutter in der Küche Karten spielt und vom FBI als Informant eingespannt wird, was ihm die Möglichkeit gibt, sein Syndikat noch schneller auszubauen und in kürzester Zeit zum Paten aufzusteigen. Dabei verläuft sich das Narrativ in einem repetitiven Muster: Bulger veranschaulicht, welch psychopathisches Potenzial in ihm schlummert, John Connolly (Joel Edgerton, „The Great Gatsby“), ein ehemaliger Jugendfreund, der nun beim FBI tätig ist, sucht den Dialog mit Bulger und lässt sich vom markanten Charisma des Schwerverbrechers in die Schranken weisen. Wäre diese Szenenabfolge in „Black Mass“ nicht derart bieder gehandhabt worden, die Beziehung zwischen Bulger und Connolly würde eine gewisse tragische Tragweite mit sich bringen, ist Connolly doch eine Figur, die eigentlich das Richtige tun will, sich durch seine Sozialisation aber dazu gezwungen fühlt, Bündnisse aus den Knabenjahren weiterhin zu pflegen.

„Black Mass“ aber ist zu festgefahren in seinen von den unzähligen gleichartigen Vorgängern schablonierten Genreplattitüden und möchte als handwerklich durchaus solide Nummernrevue die klaren Grenzen des Sujets zu keiner Zeit transzendieren. Der einzige Grund, warum man sich „Black Mass“ zu Gemüte führen könnte, ist der Besetzungscoup, der mit Johnny Depp an vorderster Front gelandet wurde. Seinen karnevalesken Vorstellungen im „Fluch der Karibik“-Franchise und den letzten Tim-Burton-Vehikeln zeigte man sich schon lange überdrüssig. Auch in „Black Mass“ kommt Johnny Depp nicht ohne markante Maskenarbeit aus, allerdings vergraben das blasse Antlitz, die massiven Geheimratsecken, die sich bereits zur Halbglatze formiert haben, und die stahlblauen Augen, die sich bis ins Mark des Zuschauers bohren, den Superstar nicht. Depp versteht es, sein fratzenhaftes Aussehen im Zuge einer subtilen Performance zu gebrauchen und liefert endlich wieder eine pointierte Leistung, die in ihrer Intensität gerne mal einen eisigen Schauer über den Rücken jagt. Schade, dass der Film dieser darstellerischen Strahlkraft nicht im Ansatz gewachsen scheint.

Cover & Szenenbilder: © 2015 Warner Bros. Pictures

Eine Rezension von Pascal Reis
(17. Oktober 2015)
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Daten zum Film
Black Mass USA 2015
(Black Mass)
Regie Scott Cooper Drehbuch Jez Butterworth, Mark Mallouk
Produktion Cross Creek Pictures, 360 Films Kamera Masanobu Takayanagi
Darsteller Johnny Depp, Joel Edgerton, Kevin Bacon, Benedict Cumberbatch, Corey Stoll, Dakota Johnson, Peter Sarsgaard
Länge 122 Minuten FSK ab 16 Jahren
Filmmusik Junkie XL
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