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Tokyo Godfathers

Tokyo Godfathers

Ein Film von Satoshi Kon

Der weihnachtliche Animationsfilm ist fast so alt wie das Genre selbst. Kaum verwunderlich, denn gerade durch die Kunst der Animation gelingt es auf eine bezaubernd virtuose Art und Weise, eine stimmige Geschichte zu erzählen. Der Weihnachtszauber wird mittels knallbunten Bildern mit einer spielenden Leichtigkeit transportiert und zelebriert. Tokyo Godfathers, ist ein Film, der ganz klar auch zu den Vertretern des bildgewaltigen Zeichentrickzaubers zählt. Der einzige Unterschied, während bei Disney & Co die wunderbarsten Kreaturen und Wesen zum Leben erweckt werden, bleibt Satoshi Kons Weihnachts-Odyssee immer auf dem Boden der Tatsachen. Der Schauplatz ist das Tokyo der Neuzeit, unsere Protagonisten sind drei grundverschiedene Obdachlose, und die Story dreht sich um ein verstoßenes Baby. Es mag vielleicht an dieser wahnwitzigen Kombination aus bitterer Realität und skurriler Offenherzigkeit liegen, dass Tokyo Godfathers so gut funktioniert.

Die drei Obdachlosen Gin, Hana und Miyuki finden zu Heilig Abend mitten auf einen Müllplatz in Tokyo ein schreiendes Baby. Überrascht von ihrem seltsamen Fund, sind sie mit der Situation maßlos überfordert. Während Gin und Miyuki das Baby zur örtlichen Polizei bringen wollen, ist der Transvestit Hana überglücklich und beschließt prompt das kleine Mädchen zu adoptieren. Natürlich wird ihr bald klar, dass sie sich als Obdachlose nicht um sie kümmern kann, doch zur Polizei möchte sie trotzdem nicht gehen. Vielmehr will sie all
es daran setzten, die leibliche Mutter zu finden, um ihr die ungemütliche Frage zu stellen, wieso sie ihr Kind ausgesetzt hat.
Tokyo GodfathersTokyo GodfathersTokyo Godfathers
Eigentlich handelt es sich bei Tokyo Godfathers um das Remake des Western Klassikers Spuren im Sand (3 Godfathers). Wie es sich für einen Western gehört übernahmen im Original 3 Bankräuber die Patenschaft des verstoßenen Findelkinds.
Die universelle Geschichte des ausgesetzten Babys und deren unkonventionellen Retter weist ein zeitloses Potential auf, welches die Thematik der Heiligen Drei Könige mit der nötigen Sympathie gekonnt aufgreift. Mit einem enormen Tempo und grandios platzierten Zufällen, reißt Kon den Zuschauer ohne Vorwarnung in die knallige Millionenmetropole Tokyo. Ohne auch nur die Möglichkeit zu haben irgendwann mal Luft zu holen überschlagen sich die Ereignisse, und der Zuschauer findet sich nach nur kürzester Zeit in einer verrückt verwirrenden Reise quer durch die japanische Hauptstadt wieder. Ja, so kennen wir Satoshi Kon. Ein Mann der Extreme, der speziell im visuellen Bereich eigene starke Akzente setzt, die jeden Film von ihm einzigartig machen. Tokyo Godfathers kommt im Vergleich zu seinen anderen Werken, ruhiger und gemächlicher herüber. Trotz der knappen Spielzeit von 88 Minuten lässt er sich für seine Charaktere die nötige Zeit und erzählt die Geschichte mit einer passenden Distanz zu seinen Protagonisten. Ebenfalls gibt es keine verwirrenden Zeitsprünge oder weitere überladene Erzählebenen. So gesehen ist Tokyo Godfathers der konventionellste Teil aus Kons Kuriositätenkabinett. Und das ist auch gut so, denn gerade durch die klassische Dramaturgie und die unspektakuläre Inszenierung wird der „Geist“ der Weihnacht angebracht widergespiegelt. Im Mittelpunkt stehen nicht die blinkenden Lichter oder die lodernden Kerzen, sondern die liebevoll gezeichneten Charaktere. Drei grundverschiedenen Protagonisten, mit drei grundverschiedenen Geschichten. Diese werden mal mit gut kalkulierter Dramatik, mal mit einem genüsslichen Augenzwinkern, und mal mit purer Herzenswärme dem Zuschauer mit einem straffen, aber niemals gehetztem Tempo erzählt. Dabei erfüllt jeder Charakter seinen nötigen Part, um der Story den passenden Pep zu verleihen. Hana, als durchgedrehter aber herzensguter Transvestit, prägt sich dank ihrer exzentrischen Art am schnellsten in die Köpfe ein. Immer mit einem altklugen Spruch auf den Lippen gefällt besonders ihre angenehme Leichtfüßigkeit, mit der sie durch den Film tänzelt. Ganz im Gegenteil zu Gin, der verbitterte Einzelgänger, ist in der Regel von dem „alten Tuntenfurz“ dezent genervt. Aus seiner Vergangenheit gibt er zumindest anfänglich nicht viel Preis. Erst im Verlauf des Filmes erzählt er seine, auf den ersten Blick melodramatische, auf den zweiten Blick weitaus plausiblere Geschichte, über den Verlust von seiner Frau und seiner Tochter. Die Letzte im Obdachlosen - Bunde ist Miyuki. Eine unerfahrene Ausreißerin, die sich mit ihrem Vater zerstritten hat und aus Trotz auf die Straße gezogen ist. Jeder der drei Protagonisten wächst dem Zuschauer mit zunehmender Spieldauer immer mehr ans Herz. Das liegt zum einen an den sympathischen Animationen, und zum anderen an dem gut pointierten Drehbuch. Niemals zu sentimental, aber immer mit der passenden Eloquenz laden die Dialoge zum Schmunzeln ein, ohne dabei auf die subtile Dramatik zu vergessen. Natürlich, hier und da geht’s vielleicht ein bisschen bunt zur Sache, manchmal wirken die Auseinandersetzungen unseres Trios eine Spur zu albern und erzwungen, doch in der Regel macht die gut ausbalancierte Odyssee gehörig Spaß.
Durch die ganze Geschichte zieht sich eine Abfolge von bezaubernden Zwischenfällen, die entweder als purer Zufall abgehandelt, oder als kleine Weihnachtswunder anerkannt werden können. Diese Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen.
Tokyo GodfathersTokyo GodfathersTokyo Godfathers
Daumen hoch für Satoshi Kons Weihnachtsgeschichte. Ein wunderbar eigenständiges, modernes Märchen, welches mit skurrilen Charakteren und einer warmherzigen Geschichte aufkommt, ohne dabei in den befürchteten Weihnachtskitsch abzudriften. Das die Reise quer durch das moderne Japan auch noch verdammt viel Spaß macht, ist dabei ein positiver Nebeneffekt.

~Weihnachtsskala~ (1=niedrig/10=hoch)

Kind-in-der-Krippe-Bonus: 9 (Naja , vielleicht nicht in der Krippe, aber dafür am Müllplatz. Noch dazu ist das niedliche Baby ein ständiger Begleiter unseres kuriosen Heldentrios.)

Weihnachtswunder-Faktor: 8 (Ob nun Wunder oder Zufall sei mal dahingestellt, zumindest tut sich was im rasanten Tokyo.)

Bling-Bling-Glitzer-Anteil: 8 (Nicht ganz so psychedelisch wie Kons andere Werke, aber immer noch schön bunt.)

Ich-drink-zum-Weihnachtsfest-mal-über-den-Durst-Faktor: 9 (Zwar wird hier kein Glühwein ausgeschenkt, aber der gute Gin übertreibt es dann doch zu oft mit dem Sake.)

Eine Rezension von Stefan Hornig
(14. Dezember 2009)
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Daten zum Film
Tokyo Godfathers Japan 2003
(Tokyo Godfathers)
Regie Satoshi Kon Drehbuch Satoshi Kon, Keiko Nobumoto
Produktion Masao Maruyama, Shinichi Kobayashi, Taro Maki, Masao Takiyama
Länge 88 min FSK ab 12
http://www.sonypictures.com/homevideo/tokyogodfathers/index.html
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