Wie war das noch gleich? Die gute Fee aus dem Märchenbuch oder der Dschinn aus der Wunderlampe versprechen, ihrem glücklichen Gegenüber drei Wünsche zu erfüllen. Und damit kann der Spaß auch schon beginnen. Richtig? Falsch! In der Regel fängt sich der Wünschende erst einmal jede Menge Probleme ein. Denn so einfach sich das mit dem „Ich wünsche mir...“ im ersten Augenblick anhört, so schwierig ist die Sache letztendlich zu verwirklichen. Vorsicht ist geboten!
Zuallererst sollte sich der vom Schicksal (oder Zufall) Auserwählte seine Wünsche ganz genau überlegen. Immerhin stehen nur drei Versuche zur Erfüllung all seiner Träume zur Verfügung. Sie wollen also wohl bedacht durchgeführt werden. In der Regel gibt es in diesem Geschäft kein Umtauschrecht. Dabei ist auch zu beachten, dass die Wünsche so exakt wie möglich formuliert werden müssen, um das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen minimal zu halten (vor allem die seit Urzeiten im Business arbeitenden und daher mitunter gelangweilten Dschinns haben sich den Ruf erworben, ihre Meister gern mal übers Ohr zu hauen und nicht allzu genau formulierte Wünsche in einen Heidenspaß für sich selbst, aber einen riesigen Schlamassel für ihre „Arbeitgeber“ zu verwandeln).
Des Weiteren sollte sich der Wünschende über die Konsequenzen seiner veränderten Lebensumstände im Klaren sein. Plötzlicher Reichtum oder über Nacht erwachte Schönheit müssen gegenüber der Umwelt irgendwie erklärt w
erden. Je größer die Veränderung desto größer die Notwendigkeit, eine stichhaltige Geschichte zu erfinden und diese glaubhaft zu vermitteln.
Damit gebietet die Vernunft letztendlich auch, den Kreis der Eingeweihten so klein wie möglich zu halten. Ein so seltenes Geschenk birgt ein extremes Risiko, denn es kann schnell Neid und Missgunst, Intrigen und Hinterlist heraufbeschwören. Sein Vertrauen sollte der mit den Wünschen Gesegnete also nicht leichtfertig vergeben.
Obwohl sich der Titelheld in Walt Disneys Adaption der Geschichte um
"Aladdin und die Wunderlampe" zumindest einiger dieser Vorsichtmaßnahmen bewusst ist, bringen ihm seine Wünsche trotzdem jede Menge Ärger ein – ohne ein paar Holprigkeiten und unvorhergesehene Verwicklungen wäre ein Disney-Film ja auch nur halb so spaßig. Doch Aladdin ist alles andere als ein Dummkopf. Als Kind der rauen und staubigen Straßen von Agrabar weiß er genau, wie man Vorsicht und Wagemut gegeneinander abwägen und die eine oder andere List einsetzen muss, um zu überleben. Zur Seite steht ihm dabei sein Äffchen Abu, welches sich sehr schnell als treuer Freund und verlässlicher Helfer in der Not entpuppt.
Doch bald erfahren wir auch, dass selbst ein mit allen Wassern gewaschener (Über-)Lebenskünstler wie Aladdin allein durch die Anwesenheit einer exotischen Schönheit vollkommen aus dem Konzept gebracht und von allem anderen abgelenkt werden kann. Gut, immerhin müssen wir ihm zugestehen, dass er sich nicht von irgendeiner Dame verzaubern lässt, sondern für diese Aufgabe Prinzessin Jasmin, Tochter des Sultans von Agrabar höchstpersönlich, auserwählt. Jasmin fühlt sich im sprichwörtlichen Goldenen Käfig gefangen, und so entschließt sie sich kurzerhand, heimlich den Palast zu verlassen und in Verkleidung das wahre Leben auf den Straßen der Stadt kennen zu lernen. Doch als Prinzessin ist sie mit den Gepflogenheiten außerhalb der Royalen Gemächer nicht vertraut und bringt sich daher sehr schnell in große Gefahr. Gelegenheit genug für Aladdin, sich als Retter in der Not zu erweisen. Wie für einen Disney-Film nicht unüblich entkommen die beiden singend und springend der Gefahr und stellen in Aladdins Unterschlupf schließlich fest, dass sie Einiges gemeinsam haben, obwohl sie aus so unterschiedlichen Welten kommen. Letzteres wird Aladdin allerdings erst bewusst, als die Palastwache ihn auf Befehl des Großwesirs Dschafar wegen der Entführung der Prinzessin festnehmen lässt.
Während Jasmin untröstlich über den vermeintlichen Tod Aladdins ist, der wegen dieses Verbrechens enthauptet worden sein soll, findet sich unser Held in einem ganz und gar unvorhergesehenen Szenario wieder. Denn Dschafar, der ein wenig in der Kunst der Magie bewandert ist, hat in Aladdin jenen „ungeschliffenen Diamanten“ gefunden, dem erlaubt ist, gefahrlos eine in der Wüste versteckte Zauberhöhle zu betreten und die dort verborgene Wunderlampe an sich zu nehmen. Natürlich beabsichtigt Dschafar, diese Lampe für sich selbst in Besitz zu nehmen und mit der Macht des Lampengeistes die Herrschaft über Agrabar an sich zu reißen. Doch dieser Plan geht nicht ganz auf, und so findet sich Aladdin plötzlich mit der Gelegenheit beschenkt, mit den drei vom Dschinni versprochenen Wünschen all seine Träume zu erfüllen. Doch wie bereits oben besprochen birgt das Wünschen so manch unangenehme Überraschung mit sich, und außerdem ist da ja noch Dschafar, der sich nicht so schnell geschlagen gibt und nun erfüllt von Rachegelüsten und unterstützt vom ebenso hinterhältigen Papagei Jago daran arbeitet, seine eigenen Pläne doch noch erfolgreich in die Tat umzusetzen...
"ALADDIN" ist eine mehr als witzige, spannende und gefühlvolle Umsetzung des altbekannten Stoffes aus den
"Geschichten aus 1001 Nacht". Im gewohnt schwungvollen Disney-Stil werden die wunderbar erdachten Charaktere in Szene gesetzt: Aladdin, der „ungeschliffene Diamant“, wagemutig, oftmals etwas voreilig, aber mit dem Herzen auf dem rechten Fleck; Jasmin, sanft und grazil auf der einen Seite, mutig und entschlossen auf der anderen; Abu, übermutig, verspielt und immer im entscheidenden Moment zur Stelle; der Sultan, herzensgut, ein wenig naiv, ein großer Herrscher, aber im Herzen noch immer ein kleiner Junge; Dschafar, hinterlistig, arrogant und nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht; Jago, Dschafars tierischer Berater, den Kopf voller schändlicher Ideen und den Schnabel voller Gemeinheiten. Sie alle tragen ihren Teil zum gelungenen Gesamtbild des Films bei. Doch eine Figur stiehlt allen anderen fast die Show und unterhält die großen und kleinen Zuschauer gleichermaßen: der himmelblaue, kaum still schwebende, ständig quasselnde, Alles und Jeden imitierende Dschinni. Ein Großteil des herausragenden Unterhaltungswertes dieser Figur ist der phantastischen Synchronisation durch
Robin Williams bzw. dessen deutsche Stimme, jener von
Peer Augustinski, zuzuschreiben – spritzig, immer wieder überraschend und derart temporeich, dass man bei Zuhören und Zusehen mitunter fast selbst das Atmen vergisst. Damit ist der Dschinni allein schon Garant für jede Menge Spaß.
Doch selbstverständlich wäre der Film nur mit dieser Figur bei Weitem nicht komplett. Erst das Zusammenspiel aller Charaktere in einer wendungsreichen Geschichte sowie deren gelungene zeichnerische und teils tricktechnische Umsetzung, unterstützt durch großartige Gesangsparts (wobei vor allem
„Ein Traum wird wahr“ sowohl in der Filmfassung als auch in der offiziellen Soundtrack-Version
„A Whole New World“, gesungen von Céline Dion und Peabo Bryson, als geradezu zauberhafte Komposition hervorsticht), machen aus
"ALADDIN" ein unterhaltsames Abenteuer für Groß und Klein und damit zu einem wahren Disney-Meisterwerk.