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Die letzten Sieben

Die letzten Sieben

Ein Film von Roger Corman

Mit wahrlich großen Schritten nähern wie uns dem Ende: dem Ende der Welt und dem Ende der „Galerie des Grauens“ aus dem Hause Anolis; denn schon steht Teil 9 der zehnteiligen Reihe auf dem Programm! „Die letzten Sieben“ aka „Day the World ended“ (um die Kurve zum Einstieg der Rezension wieder zu bekommen) markiert nicht nur einen der wenigen Post-Apocalyptic-Streifen der damaligen Zeit – verwunderlich, dass die Billigfilmer dieses Sujet nicht mehr beackerten, scheint es doch recht dankbar für Filme mit minimalem Aufwand – sondern auch eine weitere, frühe Regiearbeit von Filmlegende Roger Corman, der in der Reihe ja schon mit „Das Vermächtnis des Professor Bondi“ zu Ehren kam.

Das Ende ist gekommen: die Welt wurde atomar verstrahlt, die Menschheit scheint ausgelöscht. In einem versteckt liegenden Tal samt Farmhaus versammeln sich die letzten Überlebenden der Apokalypse und versuchen sich an dem letzten Fünkchen Hoffnung festzuhalten – gibt es noch woanders Menschen? Strategisch günstig liegt das Haus in einem Talkessel, der durch bleihaltige Berge weitgehend von der Radioaktivität abgeschirmt ist (fragt mich nicht) und voraussehender Weise hat der ehemalige US-Militär Jim Maddison Vorräte und technisches Equipment angeschafft, um nach dem Atomkrieg überleben zu können. Zusammen mit seiner Tochter Louise nimmt er weitere Menschen auf: Ruby und Tony, ein eher zwielichtiges Pärchen,
Pete und Diablo, ein alter Goldgräber und sein Esel, sowie Rick und Radek; ersterer ein Mann der Tat und Geologe, letzterer leider schon schwer verstrahlt. Zu allem Überfluss muss sich die Gruppe nicht nur mit zuneige gehenden Vorräten und inneren Konflikten auseinandersetzen, auch irgendetwas Unheimliches streift durch die Berge und nähert sich immer weiter dem Haus...

Der Film ist natürlich AIP-like sehr übersichtlich budgetiert. Es gibt ungefähr drei Schauplätze (das Haus, der See, die Berge), so dass kaum von Abwechslung gesprochen kann. Ebenso habe ich arg den Eindruck gewonnen, dass das Innere des Hauses nur ein Studio ist, was durch sehr peinliche Vorhänge vor allen Fenstern und Türen zu kaschieren versucht wird – schwer zu erklären, wirkt aber auch sehr billig. Das größte Problem des geringen Budgets liegt aber woanders: man sollte tunlichst keinen Endzeitheuler mit reichlich Monster-Mayhem erwarten! Vielmehr entpuppt sich „Die letzten Sieben“ als Kammerspiel, fast schon als postapokalyptische Seifenoper, das sein Monster erst ungefähr in den letzten 10 Minuten den Bildschirm betreten lässt. Insofern sollte man natürlich auch seine Erwartungen an den Film drastisch ändern – er ist bei weitem nicht so spektakulär, wie er gerne wäre. Praktisch sitzen die Protagonisten meistens in unterschiedlicher Zusammensetzung im Wohnzimmer herum und reden über Alltagsproblemchen; fetzig ist das nicht unbedingt, was sicherlich ebenfalls dem Budget geschuldet ist, auch wenn das für Corman-Verhältnisse mit knapp 96.000 $ nichtmal so niedrig war.
Die letzten SiebenDie letzten SiebenDie letzten Sieben
Eigentlich fand ich den Film erstens relativ schwach, zweitens ziemlich langweilig, und drittens wirklich doof. Doch nach zweiter Sichtung muss ich zugeben: Atmosphäre hat der szeneweise durchaus! Der Einstieg ist zwar etwas holprig (die letzten Sieben versammeln sich halt in dem Haus, was dazu führt, dass ständig neue Leute durch die Tür treten, was dramaturgisch äußerst rumpelig wirkt), aber gerade wenn man beispielsweise die Spiele im Fallout-Universum kennt, fühlt man sich manchmal regelrecht heimisch. Die Umwelt beschränkt sich zwar auf Nebelschwaden in der Kiesgrube, aber zusammen mit dem Fifties-Style und der Schwarz-Weiß-Fotografie wirkt die Illusion der zerstörten Erde durchaus überzeugend. Ganz stark ist die Szene, als dann ein weiterer Überlebender stark verstrahlt die Berge hinunterkommt, was durch den erweiterten Scope für noch mehr Atmosphäre sorgt; ebenso, als Ruby sich an ihr vorheriges Leben als Tänzerin erinnert und in Tränen ausbricht. Diese Szene leidet nur unter dem – nennen wir es „übersichtlichem“ - Schauspieltalent der Darstellerin. Für ein paar Schlaglöcher der Dramaturgie sorgen auch einige Zeitsprünge, die dem Zuschauer nicht etwa über Texttafeln mitgeteilt werden, sondern nur aus dem Kontext erschließbar sind, etwa wenn gesagt wird, dass die Vorräte zuneige gehen.

Und wo wir schonmal bei der Dramaturgie sind: das Script ist ziemlich schwach und darüberhinaus auch noch kreuzdämlich sowie unlogisch ohne Ende. Witzigerweise ziehen unsere „Helden“ gar nicht in Erwägung mit dem Filmmonster zu „verhandeln“ bzw. in friedlicher Koexistenz zu leben. Natürlich spiegelt das wahrscheinlich die Furcht vor den Kommunisten wider, die zwei Gesellschaften die eben nicht nebeneinander existieren können, ähnlich der Truman-Doktrin. Das wäre soweit im Rahmen eines billigen Sci-Fi-Fetzers ja auch durchaus in Ordnung. Das Problem dabei: nicht nur führt der Film das Monster erst sehr spät ein, sondern von dem Vieh geht streng genommen auch keine wirkliche Gefahr aus! Das wird umso ärgerlicher, weil die Gruppe eigentlich ganz andere Probleme hat als einen Mutanten, der (züchtig bekleidete) Frauen beim Baden beobachtet! Tony etwa, der mehrere Male offen zugibt, dass er die anderen Überlebenden ermorden will und diese Pläne auch wiederholt in die Tat umzusetzen versucht. Wird er bestraft, gefesselt, getötet, nach draußen geschickt? Nein, wo kämen wir denn da hin! Am Ende bekommt er sogar eine Waffe in die Hand, was so komplett vermeidbar gewesen wäre; und wenn man ihn reinlegen wollte, hier noch ein Tipp von mir für die nächste Apokalypse: nehmt doch vorher die Kugeln aus dem Revolver, verdammte Axt!

Das ist leider sehr schade, da der Plot des Films streng genommen nirgendwo hin führt. Ebenso krude ist die Moral des Films: am Ende wird natürlich gesagt, dass die Atomenergie eine große Gefahr aber auch eine Chance ist, wenn sie friedlich genutzt wird (wir reden hier von einem Streifen aus den 50ern, da ist das noch in Ordnung). Das Problem damit: im Filmkontext funktioniert das überhaupt nicht, immerhin reden wir von einer Welt, die durch einen Atomkrieg praktisch vernichtet wurde! Dieses Statement richtet sich eindeutig an die Zuschauer und nicht an die Protagonisten im Film, was leider die Illusion zerstört und das Publikum aus der eigentlich recht guten Atmosphäre reißt.

Die gute Atmosphäre rettet dem Film also den vierten Stern, ansonsten fand ich ihn nämlich relativ schwach. Ziemlich fad, doofes Verhalten der Protagonisten (ich komm einfach nicht über den naiven Umgang mit Tony hinweg), und sehr fragmentarisch macht der Film wenig aus seinem Szenario. Was umso tragischer ist, weil er wie gesagt einer der wenigen B-Filme ist, die sich dem postapokalytpischen Szenario bedienen. Aber dafür gibt’s ja dann ein paar Jahrzehnte später den wirklich verstrahlten Kiesgruben-Kokolores italienischer Bauart von Castellari und Co. Demnächst wohl auch mal hier.

Eine Rezension von David Kugler
(27. August 2010)
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Daten zum Film
Die letzten Sieben USA 1955
(Day the World ended)
Regie Roger Corman Drehbuch Lou Rusoff
Produktion Golden State Productions Kamera Jockey Arthur Feindel
Darsteller Richard Denning, Lori Nelson, Adele Jergens, Mike Connors, Paul Birch, Raymond Hatton, Paul Dubov
Länge 75:40 FSK 16
Filmmusik Ronald Stein
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