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Nichts als die Wahrheit

Nichts als die Wahrheit

Ein Film von Rod Lurie

Rod Lurie, der bei „Nichts als die Wahrheit“ nicht nur die Regie führte, sondern den Film auch noch schrieb und produzierte, ist ja allgemein sowohl als politischer Filmemacher als auch für seine häufig starken Frauenfiguren bekannt; nicht zuletzt zeichnet er sich auch in Teilen für die Serie „Commander in Chief“ verantwortlich, die uns Geena Davis als weibliche US-Präsidentin zeigt. Somit bewegt er sich mit dem vorliegenden Film quasi auf vertrautem Terrain: ein Werk zu politischen Fragen, diesmal der Integrität des Journalismus, sowie zwei zentralen Frauenfiguren. Kate Beckinsale steht als Journalistin im Fokus des Films, und genau hier liegt auch schon ein Problem: man sollte bloß keinen hochpolitischen Thriller erwarten, der die Konflikte im Gerichtssaal austrägt. Vielmehr interessiert sich Lurie für die Menschen, die das System durchlaufen, sowie die Auswirkungen auf ihre Leben.

Die junge Journalistin Rachel Armstrong steht kurz vor der Veröffentlichung ihres eigenen Watergate-Artikels: nach einem Attentat auf den Präsidenten unternimmt Amerika Vergeltungsaktionen gegen Venezuela. Aus CIA-Kreisen erfährt sie jedoch, dass Untersuchungen ergeben haben, dass Venezuela nichts mit dem Mordversuch zu tun hat, diese Erkenntnisse von der Regierung jedoch gezielt ignoriert wurden. Am nächsten Tag erscheint ihr Artikel, der die Agentin Erica Van Doren enttarnt, deren Tochter die selbe Klasse besucht wie Rachels Sohn. Staatsanwalt Dubois stellt Armstrong vor Gericht:
sie soll ihre Quelle verraten, da es um die nationale Sicherheit sowie Geheimnisverrat geht. Rachel weigert sich, es entbrennt ein Streit um die Gesetzesauslegung und journalistische Integrität, und letztendlich wird sie solange inhaftiert, bis sie ihren Informanten verrät...

Ich wollte diesen Film wirklich mögen. Ich liebe – im weitesten Sinne – Thriller vor politischem Hintergrund. Gerade das neuere Kino, trotz der allgemein bemängelten Verflachung und CGI-Schlachten, hat einige tolle Filme hervorgebracht, die durchaus als intelligent und nachdenklich zu bezeichnen sind. Und betrachtet man nicht nur Regisseur Lurie, sondern auch noch den Cast etwas näher, wirkt der Film mehr als vielversprechend. Denn die Besetzung ist wirklich erste Sahne: Kate Beckinsale als Hauptdarstellerin darf mit wirklich vielen hervorragenden Kollegen spielen. Alan Alda als älterer Anwalt ist gleichzeitig der Mentor des jüngeren Zeitungsanwalts, gespielt von Noah Wyle; als enttarnte Agentin spielt Vera Farmiga im Film mit, der (zumindest auf dem Papier) Antagonist wird von Matt Dillon dargestellt. Dazu gesellen sich in weiteren Rollen Angela Bassett, David Schwimmer und Michael O'Neill. Beckinsale ist natürlich der Mittelpunkt der ganzen Handlung, und meistert ihre Rolle mit Erfolg; hinter dieser Frau steckt mehr als nur die Lack-und-Leder-Heroine aus „Underworld“.

Womit wir aber bei dem Problem wären, das ich mit dem Film vor allem habe: die eigentliche Hintergrundgeschichte, das politische Verbrechen, die Frage nach der nationalen Sicherheit, nach der Verantwortung des Journalismus, sowie der Regierung gegenüber ihrem Volk...all das spielt eigentlich nur die zweite Geige. Statt einem Politthriller zeichnet Lurie das Bild einer Frau, die in die Mühlen des Systems gerät und um ihre Prinzipien sowie ihre Existenz kämpft und daran fast zugrunde zu gehen scheint. Aus der scheinbar kurzen Beugehaft wird ein monate- und jahrelanges Martyrium im Gefängnis; Armstrong, ihre Familie und ihre Ehe müssen um ihr Überleben kämpfen. Auch die enttarnte Agentin Van Doren leidet unter der gesamten Situation, auch sie als Mutter einer jungen Tochter steht auf einmal vor den Scherben ihrer Existenz. Auf dieser Ebene funktioniert der Film am besten, wenn Beckinsale mit Farmiga spielen darf; beide Frauen mit berechtigtem Interesse, die soviel miteinander teilen, im Konflikt miteinander. Nur leider verkommt der Film ansonsten über weite Strecken zu recht redundantem Knast-Alltag sowie dem Kampf um den Zusammenhalt der Familie Armstrong. Sonderlich spannend ist das eigentlich nicht, selbst David Schwimmer als Rachels Ehemann (ist das ein Gag?), der seine Sache prinzipiell gut macht, ist mit der Rolle sichtlich unterfordert.

Das ist umso mehr Schade, dass der Film in den Gerichtsszenen, in denen es wirklich um die oben erwähnten Themen geht, tatsächlich fesseln kann. Die aufgeworfenen Fragen sind äußerst interessant, eine „Lösung“ scheint es dafür nicht wirklich zu geben. Daher kann Matt Dillons Charakter auch kaum als echter Antagonist bezeichnet werden: er kämpft zwar mit juristischen Mitteln gegen Rachel Armstrong bzw. versucht sie dazu zu bekommen, ihre Quelle zu verraten, doch macht er dies aus berechtigtem Interesse; die Enttarnung von CIA-Agenten ist eine Straftat, und die Dimension des Falles ist auch enorm. Dillon erledigt seinen Job ganz hevorragend, er wirkt angemessen sympathisch und wie ein netter Kerl, der Rachel aber trotzdem mehrere Male gehörig in die Pfanne haut. Diese Szenen kommen allerdings für meinen Geschmack zu wenig vor, gerade auch weil Rachel eigentlich kein wirklich interessanter Charakter ist: als Mutter eines Sohnes, die sich in der Schule engagiert während sie beruflich als Journalistin (im Verlauf des Films) beinahe den Pullitzer gewinnt, während ihr Ehemann im Vororthäuschen erfolgreich Romane schreibt...ja, wirklich tief oder mit Schatten- bzw. zumindest grauen Seiten ist diese Figur nicht ausgestattet. Doch wenn dann Alan Alda als Anwalt vor dem Obersten Gerichtshof eine Rede zum Verhältnis von Medien und dem Staat hält, verzeiht man dem Film seine Fokussierung auf den Weg Rachels durch das Rechtssystem und kann das Potential der Geschichte erahnen.

Insofern agieren die Figuren eigentlich alle aus nachvollziehbaren Motiven. Bei kaum einer kann man sagen, dass diese unsympathisch oder unverständlich wären. Lange Zeit fragt man sich zwar, warum Rachel dies alles auf sich nimmt, aber immer wieder bietet der Film Antworten darauf, die über „weil sie so integer ist“ hinausgehen. Die ganze Schwierigkeit der Problematik wird verständlich dargestellt; und das sogar ohne dass Autor Lurie eine allzu offensichtliche Meinung durchdrücken will, sieht man von der Rede Aldas ab. Demgegenüber darf aber auch Staatsanwalt Dubois seine Sicht der Dinge darstellen. Ausgewogen bleibt es also, die letztendliche Antwort darf der Zuschauer selbst vornehmen; er wird gezwungen, sich zu dieser Frage zu positionieren und bekommt eben kaum eine Lösung vorgekaut.

Das ist alles relativ Geschmackssache. Das, was der Film macht, macht er ziemlich hervorragend; nur ist dies leider nicht das, was ich mir von ihm gewünscht oder erwartet habe. Insofern ist es daher ziemlich schwierig, dem Film eine abschließende Wertung zu geben. Er liegt wohl irgendwo zwischen 4 und 5 Sternen. Ich entscheide mich für die bessere Note, da er wie gesagt das Drama hinter dem Politthriller sehr gut gestaltet, und auch in den wenigen Gerichtsszenen fesseln kann. An dieser Stelle dann auch wieder vielen Dank an Ascot Elite für die Bereitstellung der ebenfalls empfehlenswerten DVD!

Angemerkt sei hier aber noch ein dicker Nachteil des Films – zumindest habe ich dies so empfunden: er schickt seine Heldin durch eine Tortur, da sie sich standhaft weigert, ihre Quelle zu verraten. Und was macht der Film? Genau das Gegenteil! Am Ende enthült er uns Rachels Quelle. Er führt die ganze Fragestellung insofern auf gewisse Weise ad absurdum, da er dem Zuschauer damit ein Wissen anbietet, das seine Protagonisten bis auf Rachel nicht haben. Nun kann das Publikum selbst entscheiden: Ist diese Quelle wirklich so schützenswert? Wäre diese Quelle nicht bereit dazu, sich zu outen? Diese Fragen wurden im Film angerissen, aber nicht beantwortet, da nur Rachel (nichtmal das Publikum, eben bis zum Ende) den oder die InformantIn kennen – abgesehen davon, dass diese Ende zwar noch weitere Aspekte hinzufügt, aber ebenso enorme Probleme für die ganze Geschichte aufwirft, die aber aus Spoilergründen hier natürlich nicht erläutert werden sollen.

Eine Diskussion darüber wäre in den Kommentaren oder im Forum ganz hervorragend aufgehoben. Sehenswert ist der Film daher auf jeden Fall.

Eine Rezension von David Kugler
(01. Februar 2010)
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Daten zum Film
Nichts als die Wahrheit USA 2008
(Nothing but the Truth)
Regie Rod Lurie Drehbuch Rod Lurie
Produktion Battleplan Productions, Yari Film Group (YFG) Kamera Alik Sakharov
Darsteller Kate Beckinsale, Vera Farmiga, Alan Alda, Matt Dillon, David Schwimmer, Noah Wyle, Angela Bassett, Michael O'Neill
Länge 107:02 FSK 12
Filmmusik Larry Groupé
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