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Schön, nackt und liebestoll

Schön, nackt und liebestoll

Ein Film von Roberto Bianchi Montero

„Schön, nackt und liebestoll“? Ja, es ist wieder Bahnhofskinozeit bei Mann beisst Film. Erneut wird es dank der Italian Genre Cinema Collection aus dem Hause Camera Obscura (die uns ja auch schon Horror-Sex im Nachtexpress bescherten) ziemlich schmuddelig, diesmal mit einem quasi waschechten Giallo, der sich nicht nur bei der Gestaltung des Killers von Mario Bavas Genrevater Blutige Seide bedient, sondern noch ein derart unglaubliches Ende auffährt, dass man nur so mit den Ohren schlackern kann. Wir haben es also weniger mit einem künstlerisch hochwertigen Giallo eines Dario Argento zu tun, sondern vielmehr mit einem Sleazefest wie etwa The Sister of Ursula oder Orgie des Todes. Insofern bleibt zu sagen: anschnallen, Zimmer abdunkeln und schonmal die Dusche im Anschluss daran bereithalten: es ist Zeit für „Schön, nackt und liebestoll“!

In einer nicht näher bezeichneten Stadt geht ein Mörder um. Sein Modus Operandi: schöne und vor allem untreue Ehefrauen werden mit einem Messer getötet. Anschließend drapiert er Beweisfotos ihrer Untreue neben den Leichen. Die Angst geht in der gehobenen, weiblichen Gesellschaft um – wer ist die nächste? Kommissar Capuana versucht den geheimnisvollen Mörder zu erwischen, b
evor es weitere Tote gibt. Doch ist seine Frau ihm überhaupt treu? Und wie soll er einen Killer schnappen, der scheinbar die perfekten Verbrechen begeht und keinerlei Spuren hinterlässt? Er hofft auf einen Fehler des Mörders, um dann auf seine Spur zu kommen...

An dieser Stelle doch gleich einmal ein Wort zur vorliegenden Fassung und damit auch zur Obskurität des Streifens: die Hauptrolle spielt der mehrfache Hitchcock-Darsteller Farley Granger! In Amerika wurde der Film dann auch eine zeitlang beworben als der Hardcore-Porno mit Granger. Wie kommts? Nunja, die US-Fassung trug den Titel „Penetration“, und ein mehr oder minder findiger Produzent ließ dann für diese harte Pornoszenen mit Harry Reems und anderen nachdrehen, um sie dann in den laufenden Film zu schneiden – natürlich alles ohne die Beteiligung von Granger, der diese Fassung dann auch mit erfolgreicher Klage vom US-Markt verschwinden ließ. Obwohl diese Fassung „offiziell“ auf dem europäischen Markt also noch erhältlich ist, konnte Camera Obscura „nur“ die normale Fassung des Films veröffentlichen, auch aus lizenzrechtlichen Gründen. Was aber eigentlich dann doch auch gar nicht so schlimm ist, da die Hardcore-Inserts wie gesagt nie vom Film beabsichtigt waren und somit die vorliegende DVD als ungeschnitten gelten kann.
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Der Film selbst ist zwar wie erwähnt keine große Kunst, kann aber als Sleazefilm schwer unterhalten und wird kaum langweilig. Quasi immer passiert etwas, und falls mal Leerlauf eintritt, bemüht sich Regisseur Montero möglichst schnell um eine Nacktszene des überzeugenden Damencasts. Eben jener Einsatz von nackter Haut ist zwar äußerst selbstzweckhaft, aber mindestens ebenso erfreulich, wenn man sich mal die namhafte Besetzungsliste anschaut: Sylva Koscina, Annabella Incontrera, Femi Benussi, Krista Nell und nicht zuletzt die wunderschöne Susan Scott aka Nieves Navarro erfreuen die Augen des männlichen Zuschauers! Ebenso erfreulich, und für einen Film der so derart die niederen Instinkte anspricht eigentlich fast schon zu toll ist sowohl der Soundtrack als auch die Kameraarbeit. Die Musikuntermalung von Giorgio Gaslini ist mit ihrer Mischung aus Easy-Listening und Jazz-Klängen wirklich ganz großer Sport – schade dass der DVD keine Soundtrack-CD beiliegt. Die Kameraarbeit im Gegensatz ist zwar weniger verspielt als etwa bei den Argentofilmen und auch nicht so bunt beleuchtet wie bei Bava, aber durch die immer wieder geschickt eingesetzten Farbtupfer als Highlights etwa in Rot gelingen ein paar tolle Bilder. Und der Zeitlupenshot am Strand ist einfach unglaublich gelungen.

Inszenatorisch herrscht aber leider nicht nur eitel Sonnenschein. Montero ist dann halt doch eher Handwerker und weniger Künstler, so dass vieles rein zweckmäßig erscheint und auch die Narration etwas auf der Stelle tritt. Die eigentliche Auflösung des Geschehens geht für Giallo-Verhältnisse in Ordnung, kann aber auch nicht unbedingt überraschen. Dies vor allem, weil Montero quasi keinerlei echte rote Heringe legt, die den Zuschauer auf eine falsche Spur bringen. Einzig nennenswert hierbei ist der nekrophile Pathologenassistent (ja, auch so etwas fährt der Streifen auf), der aber aus zwei pragmatischen Gründen wegfällt: erstens braucht er niemanden töten, da ihm die Leichen ohnehin „geliefert“ werden, zweitens wird er als so derart offensichtlich verdächtig porträtiert, dass er es schlicht nicht sein kann. Dies mündet in absurde Szenen, wenn etwa Inspektor Capuana ihn zu Hause besucht, und dieser schnell noch ein Klappmesser versteckt, was natürlich überhaupt nichts zur Sache tut. Auch sonst ist das Miträtseln mehr ein Ausschlussverfahren der einzelnen Personen, da uns wie gesagt kaum ein wirklich Verdächtiger präsentiert wird. Bei der Darstellung des Killers zitiert der Film natürlich „Blutige Seide“, und ändert nur die Farbe der Strumpfmaske über dem Gesicht.

Auch bei der Erarbeitung der Auflösung rumpelt „Schön, nackt und liebestoll“ etwas vor sich hin. Die ausschlaggebende Szene, ein Telefonat, ist duchaus packend und intensiv, nur wie Inspektor Capuana daraus dann die Identität des Killers ableitet wirkt doch sehr konstruiert. Der eigentliche Showdown, der hier natürlich nicht gespoilert wird, ist dafür selbst für Sleazeverhältnisse besonders speziell. Man möge sich diesen einfach mal auf der Zunge zergehen lassen und mit den filmintern bisher dargelegten Moralvorstellungen vergleichen: brrrr, mich schüttelt es. Ansonsten ist der Aufbau des Films ganz klassisch gialloesk: der Film besteht aus einzelnen Akten, die ihr Ende mit einer Gewalttat finden. Diese funktionieren ganz gut, aber so manch isoliert stehende Spannungsszene mag nicht so recht fesseln. Da befindet sich die einzige Zeugin eines Mordes allein in einem Aufzug, als ein Mann mit schwarzem Mantel und Hut diesen betritt. Nur regt diese Szene leider mehr zum Schmunzeln an, da die Inszenierung und das Gesicht des „Killers“ so unglaublich sind, dass man sofort weiß, dass da nichts passieren wird (abgesehen davon landet dieser Handlungsstrang sowieso irgendwie im Nirgendwo. Gut, der Killer wurde beobachtet und müsste nun eine "Unschuldige" umbringen, aber daraus macht der Film rein gar nichts.).

Insofern ist „Schön, nackt und liebestoll“ zwar kein Must-See des italienischen Krimis, aber die 5 Sterne verdient er sich im Vergleich zu anderen Sleazegialli dann doch (wenn auch mit Tendenz nach unten). Er macht das meiste sehr gut, der Soundtrack und einige Bilder sind Klasse, und die ganze Angelegenheit ist so derart schmierig, dass zumindest im Gegensatz zu „Horror-Sex im Nachtexpress“ kaum Langeweile aufkommen mag. Und die unglaublich geschmacklose deutsche Synchronisation tut den Rest!

Eine Rezension von David Kugler
(16. Mai 2010)
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Daten zum Film
Schön, nackt und liebestoll Italien 1972
(Rivelazioni di un maniaco sesuale al cappo della squadra mobile)
Regie Roberto Bianchi Montero Drehbuch Luigi Angelo, Roberto Bianchi Montero, Italo Fasan
Produktion Produzioni Cinematografiche Romane (P.C.R.) Kamera Fausto Rossi
Darsteller Farley Granger, Sylva Koscina, Silvano Tranquilli, Annabella Incontrera, Chris Avram, Femi Benussi, Krista Nell, Nieves Navarro, Susan Scott, Luciano Rossi
Länge 96:42 FSK
Filmmusik Giorgio Gaslini
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