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The Witch

The Witch

Ein Film von Robert Eggers

Diverse Festivals haben „The Witch“ bereits mit Lorbeeren des Lobes honoriert und Regisseur Robert Eggers ohne falsche Scham zur Zukunft des Horrorfilms erhoben. Dieser Überschwang scheint inzwischen Gang und Gäbe zu sein, denn im annualen Turnus darf sich inzwischen immer wieder ein neuer Filmemacher mit dieser schmeichelhaften Superlative eindecken: Im letzten Jahr war es David Robert Mitchell, der mit seiner Slasher-Paraphase „It Follows“ für Aufsehen sorgte, während zuvor beispielsweise ein Adam Wingard den Genre-Enthusiasten mit dem wunderbaren „Youre Next“ in Ekstase versetzte. Kurios erscheint es anhand dieser Befunde, dass es doch tatsächlich noch Menschen gibt, die postulieren, dass der Horrorfilm die 1990er Jahre nicht überlebt hätte – ähnlich dem Western, als wären „The Hateful Eight“ oder „Bone Tomahawk“ niemals entstanden. Nun allerdings ist der Fokus auf Robert Eggers gerichtet, der sich in der Pflicht sieht, den rigorosen Lobhudeleien mit „The Witch“ bestmöglich gerecht zu werden.

Der erste Trailer von „The Witch“, der sich übrigens zu den besten der letzten Jahre zählen darf, versprach ein höchstgradig intensives Schauermär, welches sich dem heutigen Horror-Usus diametral entgegenstellt und nicht auf den schnellen Schock, sondern auf eine ausgeklügelte Atmosphäre setzt. Und dieses Versprechen löst Robert Eggers übe
r die gut 90-minütige Laufzeit ein, wenn er den Zuschauer in das historische Neuengland des puritanischen Jahres 1630 entführt und ungemein kontemplativ eine Geschichte über eine siebenköpfige Familie anstimmt, die ihre Heimat verlassen hat, um an neuen Ufern ihrem Glauben an Gott ohne Kompromisse frönen zu dürfen. Den vermeintlichen Schrecken, der von der titelgebende Hexe ausgeht, hält Eggers sodann auch nicht lange hinter dem Berge und zeigt nach gut zehn Minuten bereits, wie der Säugling der Familie vom Succubus entführt und rituell „verarbeitet“ wird. „The Witch“ geht es also nicht darum, Zweifel an der Präsenz der gespenstischen Gestalt aus dem Wald zu schüren, Eggers hingegen denkt in eine andere Richtung.

Sicher ist es ein plakatives Stilmittel, wenn die Kamera von Jarin Blaschke im Frontal-Zoom langsam auf den Waldrand zufährt und dazu entsetzliche Streicher die Audioebene zum Zerbersten bringen, im Großen und Ganzen widerstrebt es der Natur von „The Witch“ allerdings, sich Klischees hinzugeben, was Eggers daran manifestiert, dass er in erster Linie ein Peroid Picture entworfen hat, welches mit einem detailbesessenen Realismus gesattelt die zeitgenössischen Gegebenheiten rekonstruiert. Die Familie hat ihr Leben vollends dem Wort Gottes verschrieben, was, analog zur ruralen Umgebung, den innerfamiliären Kosmos zum hermetischen Resonanzraum definiert, aus dem man nur mit dem Einsatz größtmöglicher Gewalt ausbrechen kann – also dem Bruch mit Gott. Die pubertierende Thomasin (Anya Taylor-Joy), die älteste Tochter und Quasi-Protagonistin von „The Witch“, wird zum Dreh- und Angelpunkt der Erzählung. Eggers nutzt ihre Figur als Katalysator und Ventil, um den Gedankenstrom, der das in entsättigten Farben gehaltene Ambiente ummantelt, tiefgreifend zu elektrisieren.

The WitchThe WitchThe Witch

Es mutet fast ausschließlich etwas krampfhaft an, die Fusion von Arthouse und Genre unter einen Deckel zu bekommen, was man zuletzt auch an „Ich seh, Ich seh“ von Veronika Franz und Severin Fiala gut beobachten konnte. „The Witch“ ergeht es da durchaus ähnlich, er ist zu angestrengt in seinem ambitiösen Gebaren, was zur Folge hat, dass dem verkopften Film oftmals die Luft zum Atmen fehlt. Robert Eggers aber lässt keine Skepsis an seinem Konzept zu und destilliert aus der Verschränkung von neuenglischer Folklore und dicht inszeniertem, von Märchen-Insignien und historischen Bezügen durchgehend flankiertem Schauerstück eine Vielfalt an thematischen Querverbindungen: Tatsächlich verbirgt sich in „The Witch“ ein Film, der symbolträchtig und referenziell (von Michael Haneke bis Lars von Trier lassen sich einige Inspirationsquellen ausfindig machen) über Glaubenssysteme, ritualisierte Erziehungsideale, Emanzipation, sexuelles Erwachen und die Befreiung von Körper und Geist sinniert. Die Abkehr von Traditionen muss hier jedenfalls nicht das Ende bedeuten, was das Holzhammerfinale idiotensicher untermauert.

Cover & Szenenbilder: © A24 2015

Eine Rezension von Pascal Reis
(23. Mai 2016)
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Daten zum Film
The Witch USA, CA 2015
(The Witch)
Regie Robert Eggers Drehbuch Robert Eggers
Produktion Parts and Labor, Rooks Nest Entertainment, RT Features Kamera Jarin Blaschke
Darsteller Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie, Harvey Scrimshaw, Ellie Grainger
Länge 93 Minuten FSK ab 16 Jahren
Filmmusik Mark Korven
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