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Tagebuch eines Skandals

Tagebuch eines Skandals

Ein Film von Richard Eyre

Barbara Covett ist eine einsame und verhärmte alte Frau, die an einer englischen Schule unterrichtet und voll Bitterkeit und Pessimismus auf ihre Außenwelt blickt. Außer ihrer Katze hat sie niemanden, der ihrem deprimierenden Leben einen Sinn geben könnte. Seit geraumer Zeit schon hat sie sich mit ihrem sinnleeren und frustrierenden Leben abgefunden, als ihr die junge und attraktive Kunstlehrerin Sheba Hart, welche durch ihr dynamisches Auftreten sofort sämtliche Lehrer und Schüler für sich gewinnen kann, begegnet.
Barbara betrachtet die anziehende Frau zunächst mit Neid und Faszination, möchte die junge Familienmutter näher kennen lernen und macht erste Annäherungsversuche. Doch Sheba hütet ein Geheimnis: die hübsche Lehrerin hat eine leidenschaftliche sexuelle Affäre mit einem gut aussehenden und frühreifen Schüler, der gerade einmal 15 Lenze zählt. Dieses Verhältnis könnte Sheba Kopf und Kragen kosten und sie hinter Gitter bringen.
Barbara setzt Sheba nun unter großen Druck. Über die Drohung das unmoralische und illegale Geheimnis auszupacken möchte sie sich in ihrer Einsamkeit die Zuneigung und Freundschaft der hinreißenden Frau erzwingen. Infolgedessen entwickelt sich ein immer größeres Verhältnis emotionaler Abhängigkeit. Als Barbaras geliebte Katze stirbt, und Sheba, weil sie die Schulaufführung ihres am Down-Syndrom leidenden Sohnes besuchen will, nicht für die Trauernde da sein kann, sinnt die verbitterte alte Jungfer auf Rache und bringt damit den Ste
in ins Rollen. Die Situation eskaliert!
Tagebuch eines SkandalsTagebuch eines SkandalsTagebuch eines Skandals
Basierend auf dem 2003 erschienenen Roman Zoë Hellers „What Was She Thinking: Notes on a Scandal“, der zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Man Booker Prize für englische Literatur erhielt, erzählt die in London und Umgebung gedrehte Literaturverfilmung das tiefe Abhängigkeitsverhältnis und die Hassliebe zweier Frauen, die einander völlig ausgeliefert sind, und thematisiert damit die komplizierten und ambivalenten Verhältnisse, die für so viele zwischenmenschliche Beziehungen (welcher Form auch immer) kennzeichnend sind und unser aller Leben so schwer machen können.

Es ist nicht nur Sheba, die auf Barbaras Gunst angewiesen ist, Barbara selbst ist beinahe noch abhängiger von der Beziehung zu der Kunstlehrerin, als diese von ihr.
Judi Dench, die für diese Rolle eine Oscar Nominierung in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ erhielt, weiß die tragische Filmfigur überzeugend zu mimen. Wie Sheba wird auch der Zuseher Barbara sowohl für ihre boshafte Berechnung und Manipulation hassen, als auch für ihre Angst vor dem Verlassen-Sein und der sozialen Isolation bedauern, ja sogar Verständnis für manche ihrer Verhaltensweisen aufbringen.
Denn Barbara, die Sheba in ihrem Tagebuch verachtend als ein „Es“ beschreibt und sie dennoch liebt, ist kein schlechter Mensch. Vielmehr haben sich ihre hohen Lebenserwartungen nicht erfüllt und sie neigt dazu ihre Mitmenschen vollkommen und ganz besitzen und vereinnahmen zu wollen, weshalb sie keine Freunde hat und völlig auf sich alleingestellt dahinvegetiert. Obwohl in einer Szene - Barbara möchte Sheba sinnlich streicheln und blickt ihr in den Ausschnitt - unterdrückte homoerotische Neigungen angedeutet werden, steckt der alte, kurz vor der Pensionierung stehende Schülerschreck vielmehr im tiefen Dilemma des krampfhaften Bedürfnisses nach emotionaler Nähe und möchte um jeden Preis geliebt werden. In ihrem Wahn bildet Barbara sich sogar ein, dass alles zu Shebas Bestem geschehe, und dass sie die junge Frau von ihrem schrecklichen Ehemann und ihren widerlichen Kindern befreien und retten müsse.
Cate Blanchett, als beste Nebendarstellerin ebenfalls für den Oscar vorgeschlagen, spielt wieder einmal überragend. Mit viel Talent und Einfühlvermögen stellt die Aktrice die sensible Sheba dar und lässt uns mit ihr in dieser teuflischen Situation mitfühlen und mitleiden. Denn es ist für den Zuseher nachvollziehbar, dass sie mit dem adretten und schmeichelhaften Minderjährigen, gespielt von Newcomer Andrew Simpson, ein Verhältnis eingeht, welches sie so schnell nicht mehr lösen kann und das sie zerstören wird.

Der Theaterregisseurs Richard Eyre, der in „Iris“ (2001) und „Stage Beauty“ (2004) bereits seine filmischen Qualitäten unter Beweis stellen konnte, erweist sich in dieser britischen Filmproduktion als eine gute Wahl. Zusammen mit Drehbuchautor Patrick Marber macht er dem Publikum ohne zu moralisieren und über die Akteure zu urteilen Handlungsweisen, Konflikte und Fehlverhalten der Charaktere glaubhaft. „Tagebuch eines Skandals“ wirkt trotz seines schwarzen britischen Humors und Barbaras zynisch-bösen Kommentaren und Tagebuchauszügen, die das Kinopublikum immer wieder zum schmunzeln bringen, authentisch, die Charaktere nie überzeichnet und die Dramaturgie sehr realitätsnah.

Die hochwertige Literaturverfilmung ist ein satirisches Thriller-Drama, das seine vier Oscarnominierungen, neben Haupt- und Nebendarstellerin auch für das beste adaptierte Drehbuch und die Filmmusik von Philp Glass’, der u.a. durch seine Minimal Music und zahlreiche Scores zu Filmen wie „Candymans Fluch“ (1992), „Kundun“ (1998), „The Hours“ (2002) und „Das geheime Fenster“(2004) zu einem der großen postmodernen Komponisten unserer Zeit zählt, redlich verdient.
Tagebuch eines SkandalsTagebuch eines SkandalsTagebuch eines Skandals


Eine Rezension von Florian Friedrich
(21. Februar 2007)
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Daten zum Film
Tagebuch eines Skandals Großbritannien 2006
(Notes on a Scandal)
Regie Richard Eyre Drehbuch Patrick Marber
Produktion Robert Fox, Andrew Macdonald, Allon Reich, Scott Rudin
Darsteller Judi Dench, Cate Blanchett, Andrew Simpson, Bill Nighy
Länge 92 min FSK 12
http://www.foxfilm.at/tagebuch/
Kommentare zu dieser Kritik
Christina TEAM sagte am 16.03.2007 um 14:19 Uhr

Super Kritik! Super Film! Nur ist es eine Schande, dass Judi Dench für diese Rolle nicht den Oskar bekommen hat.
Florian TEAM sagte am 16.03.2007 um 16:04 Uhr

Danke :-)

Neulich habe ich eine interessante andere Kritik zum selben Film gelesen, welche das Ende des Films als zu unrealistisch und überzeichnet bemängelte. Für mich liegt gerade darin die Stärke von "Tagebuch eines Skandals": es mag natürlich etwas zu dick aufgetragen erscheinen wenn Sheba als Prostituierte geschminkt dem Wahnsinn nahe auf die Reporter zurennt, aber gerade diese satirischen Elemente und der böse britische Humor landen immer wieder solch grandiose Volltreffer.
Asokan TEAM sagte am 10.04.2007 um 15:27 Uhr

Durchweg grandios gespieltes, sehr intensives, emotional mitreißendes Drama, das trotz der herrlich zynischen Off-Narration der famosen Dench dennoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass es sich hier letztlich doch nur um eine TV-Film-der-Woche-Story handelt, die zwar äußerst effektiv und packend erzählt wird, aber letztlich nur eine weitere stalker-story á la "Eine verhängnisvolle Affäre" (1987) bleibt, die das alte Hollywood-Klischee der bösen Lesbe bedient. Psychologisch nuanciert, kraftvoll, aber durchweg berechenbar, ufert der Film ferner in seinem letzten, allzu hysterisch geratenen Akt etwas aus, hat aber zu dem Zeitpunkt bereits durch sein atemloses Tempo, seine allesamt faszinierenden wie abstoßenden Charaktere und der hypnotischen Musik von Glass hoch gepunktet und gewonnen. Ein kleiner, feiner Film mit groß aufspielenden Schauspielern.
Florian TEAM sagte am 10.04.2007 um 18:27 Uhr

@ Asokan: Ist Barbara überhaupt lesbisch?

Die Überzeichnung und Hysterie sind, so denke ich, ganz bewusst satirisch und sarkastisch zu verstehen.
Asokan TEAM sagte am 10.04.2007 um 20:51 Uhr

Gute Frage. Barbara würde sich wohl selbst nicht als Lesbe bezeichnen: in der Szene, in der ihre Schwester sie auf ihr früheres Opfer Jennifer anspricht, wird sie schnell defensiv. Aber auch wenn die alte Zynikerin prinzipiell nur menschliche Nähe sucht und auch davon spricht, daß die unbedachte Berührung eines Busfahrers sie mal erregt hat, so waren ihre Opfer doch stets Frauen, mit denen sie verzweifelt versucht hat, eine homosoziale, liebevolle Zweisamkeit aufzubauen, die vielleicht nicht notwendig sexueller Natur sein mag, aber ihr emotionales Interesse gilt vorwiegend doch nur Frauen.

Sarkasmus (weniger Satire) ist sicherlich in dem Ton der Off-Erzählerin Barbara zu finden, aber die eigentlichen Ereignisse, die wir nicht von Barbara vermittelt bekommen, wie etwa Shebas letzter Dialog mit ihrem Mann und ihr Ausbruch vor der Presse, sind betont realistisch präsentiert. Die Haltung der Filmemacher sehe ich nicht als sarkastisch. Barbaras bitterböse Perspektive macht die eigentlich biedere Geschichte erst so humorvoll. Die Schilderung der Affäre durch Sheba und der Film an sich ist dagegen melodramatisch und überspitzt - was aber dem Sehgenuß keinen Abbruch tut.
Florian TEAM sagte am 11.04.2007 um 00:37 Uhr

Gerade Shebas Ausbruch vor der Presse, für den sie sich wie eine Prostituierte schminkt, ist doch extrem satirisch. Ebenso der Dialog mit ihrem Mann, der sie fragt, warum sie sich auf einen Minderjährigen einlassen musste und nicht auf einen Erwachsenen, (so wie es seit Menschengedenk gut funktioniere).
Tragisch-komisch!
Asokan TEAM sagte am 11.04.2007 um 10:47 Uhr

Soweit ich das verstanden habe schminkt sich Sheba nicht FÜR die Presse, sondern schon vorher aus Langeweile, bevor sie überhaupt auf den Gedanken kommt, hinauszustürmen und der Presse zu trotzen. Auch ist der Dialog mit ihrem Mann für mich eher tragisch als komisch. Satirisch find ich das alles nicht, da hier gesellschaftliche Konventionen nicht hinterfragt, sondern eher schon forciert werden.

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