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Angst essen Seele auf

Angst essen Seele auf

Ein Film von Rainer Werner Fassbinder

„Immer sagt man aber – und alles bleibt beim Alten.“

„Denken macht traurig.“

Eines der wohl bekanntesten und auch zentralsten Werke des deutschen Regisseurs Rainer Werner Fassbinder scheint „Angst essen Seele auf“ zu sein; ein Film, der sich mit der Thematik der Toleranz und Angst vor Fremdem in der BRD der siebziger Jahre beschäftigt und in diversen Filmkritiken hoch gelobt wird.

Als Emmi Kurowski (Brigitte Mira), eine verwitwete Putzfrau im Alter zwischen sechzig und siebzig Jahren, eines Abends ein Lokal betritt, das die Stammkneipe marokkanischer Gastarbeiter zu sein scheint, verändert sich ihr Leben. Der zwanzig Jahre jüngere Ali (El Hedi ben Salem) fordert sie in gebrochenem Deutsch zum Tanzen auf, begleitet sie schließlich nach Hause, wartet in ihrer Wohnung das Ende des Regens ab und bleibt letztendlich über Nacht…
Emmi und Ali verlieben sich ineinander und beschließen ziemlich schnell, zu heiraten. Ab diesem tag aber wird ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt. Emmi wird von ihren Kolleginnen geschnitten, von ihren Kinder verabscheut und von ihren Nachbarinnen gemobbt. Ali wiederum wird ausgenutzt und wie ein Objekt behandelt. Schließlich eskaliert die Situation und Ali muss nicht nur um seine Ehe, sondern auch um seine Gesundheit fürchten.

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Diese Geschichte ist sicherlich starker Tobak, wenn man bedenkt, dass der Film aus den siebziger Jahren stand, als Aufgeschlossenheit und Integration kaum zu den täglichen Werten der Menschen gehörten. Vielmehr hatte man vor allem Angst, was man nicht kannte, suhlte sich in Vorurteilen und versuchte Zugehörigkeit über Herkunft und "Rasse" zu definieren.

Diese Problematik verarbeitet Rainer Werner Fassbinder auf eine anrührende und zugleich tragische Art und Weise. Emmi ist allein und sehnt sich nach Zuneigung – und verliebt sich ausgerechnet in einen Mann, der ihr Sohn sein könnte. Das allein schon reicht für einen Skandal. Dass ihr Auserwählter aber auch noch Ausländer und zudem farbig ist, führt schließlich zur völligen Missgunst der Gesellschaft und dem Ausschluss aus dieser.

Die beiden Hauptdarsteller gehen in ihrer Rolle voll auf. Brigitte Mira spielt unglaublich gefühlvoll, ohne dass ihr Verhalten dabei zu aufgesetzt wirken könnte. Sie spielt die Rolle der Emmi sehr authentisch und macht aus ihr einen unbedingten Sympathieträger, obwohl es gerade beim jüngeren Publikum kaum Identifikationspotential geben dürfte. El Hedi ben Salem, übrigens jahrelang fester Freund von Regisseur Rainer Werner Fassbinder, verkörpert gut den in sich gekehrten, einsamen Gastarbeiter, dessen Familie über ganz Afrika verstreut zu sein scheint und der in Deutschland zwar Arbeit, aber kein erfülltes Leben hat.
Leider aber kann man nicht allen Schauspielern dieses Films eine gute Leistung nachsagen. Oft wirken Handlungen und Dialoge sehr gestelzt und einfach zu aufgesetzt. Wenn Emmi und Ali in eine Bar gehen und von allen beobachtet werden, bekommt das der Zuschauer mit einem riesigen Zaunpfahl ins Blickfeld gedonnert. Es wird nicht einfach hinter vorgehaltener Hand getuschelt und verstohlene Blicke gesendet – das ganze geht auch auffälliger. So stehen beispielsweise alle Beschäftigten eines Biergarten in Reih und Glied bewegungslos nebeneinander und starren das ungleiche Paar unverfroren an, was sehr unglaubwürdig herüberkommt.
Ein Stilmittel Fassbinders scheint zu sein, dass Personen zum Ende einer Szene in ihrer Haltung verharren und dass dann einige Sekunden abgewartet wird, bis die nächste Szene aufblendet. Auch dies wirkt sehr gestellt. So legt sich Ali beim Fremdgehen mit einer Barfrau einfach auf seine Geliebte – und hält inne, bis nach einer Weile die Szene abgeblendet wird. Da sind Kommentare wie „Ist der Typ auf ihr eingeschlafen, oder was?“ leider kaum vermeidbar.

Auffällig ist die wenig pompöse Darstellung im Film, der zudem keinerlei musikalische Szenenuntermalung aufweist. Sicher ist dies ein Stilmittel, um nicht von de wahren Handlung und den Dialogen abzulenken, was sehr gut zu „Angst essen Seele auf“ passen zu scheint, denn immerhin geht es hierbei um eine ernste und reale Problematik, der es keiner künstlichen Untermalung bedarf, um erschreckend zu sein und nachdenklich zu stimmen.

Alles in allem ist die Geschichte vielleicht ein Meilenstein, an der Umsetzung aber hingegen mangelt es an mancher Stelle. Das zum Teil sehr schlechte Spiel der Darsteller und die seltsame Szenenauflösung wirken unfreiwillig komisch und sind eben viel zu holprig. Die Story und die beiden Hauptdarsteller aber gleichen das zumeist aus und machen den Film in jedem Fall dennoch sehr sehenswert.

Eine Rezension von Anja Strilek
(18. Juni 2007)
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Daten zum Film
Angst essen Seele auf BRD 1974
(Angst essen Seele auf)
Regie Rainer Werner Fassbinder Drehbuch Rainer Werner Fassbinder
Produktion Rainer Werner Fassbinder
Darsteller Margit Symo, Doris Mattes, Gusti Kreissl, Anita Bucher, Elma Karlowa, Irm Hermann, Barbara Valentin, El Hedi Ben Salem, Brigitte Mira, Katharine Herberg
Länge 89 min FSK 16
Filmmusik Rainer Werner Fassbinder
Kommentare zu dieser Kritik
a.miko TEAM sagte am 24.10.2007 um 19:30 Uhr

Ich habe mir ANGST ESSEN SEELE AUF gestern das erste Mal angesehen. Nach DIE EHE DER MARIA BRAUN ist dies der zweite Rainer Werner Fassbinder-Film den ich bis jetzt gesehen habe. Ich bin also kein Experte, möchte aber dennoch ein paar Worte schreiben. Zunächst würde es mich interessieren, was ANGST ESSEN SEELE AUF zu einem zentralen und wichtigen Werk Fassbinders macht – diese Aussage verfolgst du leider nicht weiter in deiner Rezension. Ich muss zugeben, dass ich von deiner Kritik auch ein wenig enttäuscht war und mich an vielen Stellen über deine Ausführungen gewundert habe bzw. sie - nachdem ich den Film gesehen selbst habe - nicht nachvollziehen konnte. Du deutest an vielen Stellen deiner Rezension auf Aspekte hin, die du nicht weiter ausführst.

ANGST ESSEN SEELE AUF ist in der Tat ein sehr ruhiger und schlicht – fast schon minimalistisch - inszenierter Film, der sich sehr viel Zeit für das bloße Erzählen und auch (visuelle) Zeigen der Geschichte lässt. Ich wage einmal zu behaupten, dass die langen Einstellungen, die du als „seltsame Szenenauflösung“ bezeichnest, von Fassbinder nicht ohne Grund verwendet worden sind. An dieser Stelle wäre es vielleicht angebracht gewesen sich zu fragen, warum der Regisseur gewisse Szenen in eben dieser Art und Weise gedreht hat, anstatt dem Film mangelhafte Umsetzung vorzuwerfen. Es erscheint fast schon nachlässig eine Szene nur oberflächlich, d.h. lediglich das bloße Bildgeschehen zu betrachten. Dies betrifft z.B. die von dir angesprochene Szene im Biergarten, die Fassbinder übrigens außerordentlich gut gelungen ist. Diese Szene ist zum einen ein Wendepunkt im Film. Zum anderen ist sie überzeichnet und offensichtlich symbolisch zu verstehen. Zudem ist vielmehr Ausdruck einer ganzen Reihe von Gefühlen. Hier zeigt sich auch Fassbinders enge Verbindung zum Theater.

Auf inhaltlicher Ebene hat ANGST ESSEN SEELE AUF unglaublich viel zu bieten. Fassbinder hat diesen Film als Statement gegen den (wieder?) aufblühenden Rassismus in der BRD gedreht und so kann ANGST ESSEN SEELE AUF nicht ohne den zeitgenössischen, politischen Hintergrund gesehen werden. Die im Film geschlagene Brücke zur nationalsozialistischen Vergangenheit eröffnet viel Raum für Fragen und Diskussionen. Was ist die Wurzel der Vorurteile und des Fremdenhasses? Scheinen hier Kontinuitäten zur NS-Zeit durch? Oder sind die Integrations- und Verständigungsprobleme doch woanders zu suchen? Vielleicht auf kultureller Ebene? Um nur einiges anzusprechen… Dies macht ANGST ESSEN SEELE AUF interessanterweise heute wieder hochaktuell! Deswegen hat sich mir beim Lesen deiner Rezension ein wenig der Magen umgedreht als du pauschal behauptest, Integration und Aufgeschlossenheit gehörten in den 1970er nicht zu den zentralen Werten. Mich würde interessieren, wie du zu dieser Aussage gelangt bist und in welchen Zusammenhang du sie stellst? Impliziert dies, dass es deiner Meinung nach heute in Deutschland mehr Aufgeschlossenheit und Integration gibt? Zudem wäre ich vorsichtiger bei der Verwendung des Begriffs „Rasse“. Dies würde ich für die Zeit des Nationalsozialismus durchaus unterstreichen, für die 1970er Jahre auf keinen Fall. Sich über Herkunft zu definieren scheint mir auch heute noch das übliche „Verfahren“ zu sein, wenn ich das einmal so ausdrücken darf, auch wenn die rassistisch-biologistische Komponente größtenteils weg gebrochen ist.

Gefallen hat mir an ANGST ESSEN SEELE AUF auch wie Fassbinder diese „Ausländerproblematik“ in seiner Geschichte durch verschiedene andere Ebenen ergänzt und miteinander verwoben hat. Er bleibt nicht bei dieser einen Sache stehen, sondern geht noch einen Schritt weiter und sucht zu ergründen, welche Faktoren für die Beziehung der beiden Hauptfiguren noch relevant sind. Erstens haben wir natürlich ganz klar die kulturell-gesellschaftliche Problematik, die im Film am offensichtlichsten zu Tage tritt. Zweitens die beziehungsinterne Problematik, die sich zum einem aus dem Alterunterschied der beiden ergibt, zum anderen aber auch aufgrund des unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds ergibt. Drittens bleibt noch die individuelle Problematik dieser Beziehung. Die Unsicherheit und der Unglaube (bzw. die Überraschung über die eigene Person) auf der einen Seite und der Wunsch nach Liebe und menschlicher Nähe auf der anderen Seite, damit verbunden auch die Angst das gerade Erlangte wieder zu verlieren. Diese drei Ebenen, die selbstverständlich alle in Wechselbeziehung zueinander stehen, hat Fassbinder geschickt und schnörkellos verbunden.

Dies sind nur einige Gedanken, von vielen. Ich hoffe doch, dass dieser Kommentar nicht als persönlicher Angriff, sondern als Diskussionsgrundlage verstanden wird.

Jeannette TEAM sagte am 24.10.2007 um 22:33 Uhr

Sicherlich einige gute Gedanken. Historiker sehen den Film bestimmt mit anderen Augen, als Nicht-Historiker. Den Rahmen einer Rezension würde das Ausführen dieser Aspekte in meinen Augen jedoch sprengen.
Leider ist es bei mir schon ne Weile her, dass ich den Film gesehen habe. Ich weiß aber, dass ich ihn mutig für seine Zeit fand, sowohl was die Wahl des Altersunterschieds angeht als auch die Thematisierung der Ausländerproblematik. Beidem wird heute mehr Verständnis und Aufgeschlossenheit entgegengebracht.
Ich kann mich aber auch daran erinnern, dass ich den Film hölzern fand. Bestimmt hat Fassbinder sich bei der Umsetzung etwas gedacht, aber das schützt ja nicht vor Misslingen. Der Film hat viele gute und interessante Inhalte, ich halte ihn dennoch für überschätzt.
Anj TEAM sagte am 25.10.2007 um 09:47 Uhr

Damit, dass Aufgeschlossenheit und Integration nicht zu den zentralen Werten in den 70er Jahren gehörten wollte ich sagen, dass der Film eben zu der Zeit, als er entstand, aufgrund dieser Thematik sicherlich sehr viel mehr Aufsehen erregt hat, als er es, wenn er zweitausendnochwas gedreht worden wäre, jemals würde. Ich glaube, viel weniger Leute würden sich an einem Film stoßen, wo sich eine Deutsche und ein Marokkaner ineinander verlieben, die nicht gleichalt sind. Wie skandalös wäre das heute? Gerade weil sich im Laufe der Jahre Wertewandel vollzogen haben, ist ja ANGST ESSEN SEELE AUF für die 1970er so unerwartet und eigen.

Und entschuldige, aber ich bin schon etwas genervt, wenn dud ich an dem Wort Rasse stößt. Sicherlich könnte ich es in Anführungszeichen setzen. Ich habe es ja in keiner Weise wertend verwendet und glaube, dass man sich nur daran stößt, weil es von einer deutschen Verfasserin kommt. So neutral verwendet würde man in anderen Ländern wohl nicht geraten bekommen, damit vorsichtig umzugehen.
a.miko TEAM sagte am 25.10.2007 um 11:59 Uhr

Verstehe mich nicht falsch. Mir ist schon klar, dass du mit der Verwendung des Wortes "Rsse" keinen rechtsextremen Standpunkt vertrittst. Aber du müsstest mir wirklich einmal erklären, wie man nach dem Zweiten Weltkrieg das Wort "Rasse" im Zusammenhang mit Menschen neutral verwenden kann. Da schreibst ja auch von "Zugehörigkeit über Rasse definieren"! Das im Kontext der 1970er halte ich für unhaltbar, zumindest für den Großteil der bundesrepublikanischen Bevölkerung. Hinzukommt, dass du überhaupt nicht differenzierst und ganz pauschal von "Werten der Menschen" schreibst. Welche Menschen meinst du? Etwa alle? ANGST ESSEN SEELE AUF ist ei Film der sich mit der Gastarbeiterproblematik der BRD auseinandersetzt, speziell der Situation in München. Da der Film von 1974 wäre es sicher auch einmal interessant nach der Situation in der DDR zu fragen, die mit Sicherheit nicht vergleichbar war.

Es ist mir auch klar, dass der Film, wenn er heute genauso gedreht worden wäre, weit weniger kontrovers war. Aber worauf willst du mit dieser Aussage hinaus? Filme kann man nicht aus ihrem Entstehungszusammenhang bzw. aus ihrer Entstehungszeit herausreißen, somit halte ich Überlegungen in diese Richtung für zweitrangig.

Was den von dir angesprochenen gesellschaftlichen Wertewandel angeht, so möchte ich diesen nicht generell in Abrede stellen, ich fände es lediglich angebracht diesen kritisch zu hinterfragen. Kann man wirklich von einer gewachsenen Akzeptanz vor allem gegenüber arabisch- und türkischstammigen Menschen sprechen? Auch gerade vor dem Hintergrund des 11.9. und der allgemein postulierten Terrorismusgefahr? Auch die Streitigkeiten über den EU-Beitritt der Türkei sprechen eine andere Sprache ... Dies meinte ich damit, als ich von einer hochaktuellen Problematik sprach, die natürlich zufällig ist und von Fassbinder nicht vorausgesehen werden konnte.
Jeannette TEAM sagte am 25.10.2007 um 14:06 Uhr

Ich hab kein Problem mit dem Wort "Rasse", trotz ethnologisch nicht 100% deutschem Background. Political correctness ist eine Errungenschaft, aber ein entspannter Umgang mit manch deutschem Begriff ist manchmal auch nicht falsch.
Anj TEAM sagte am 25.10.2007 um 14:59 Uhr

A.miko, ich finde es sehr interessant, was du gern diskuteiren würdest in Bezug auf den Film. Aber bitte halte mir nicht vor, so vieles nicht geschrieben zu haben, denn immerhin habe ich einen Film rezensiert und keine historische Ausarbeitung der Gesellschaft der 70er Jahre geschrieben. Allem, was diskutierwürdig ist, kann ja innerhalb der Kommentare Beachtung geschenkt werden.
Tine sagte am 25.10.2007 um 16:34 Uhr

Ich dachte das wäre hier ne Plattform um Filme zu rezensieren und nicht für politische Diskussionen. Man kann natürlich wie a.miko jeden kleinsten Punkt eines Filmes interpretieren, analysieren und bewerten oder man nimmt einen Film als das was er ist: einen Film. Hauptsächlich soll er doch unterhalten. Und wenn man nunmal durch einen Film nicht angemssen angesprochen wird, dann ist das eben so. Jeder kann einen Film anders empfinden. Insofern stimme ich Jeannette zu.
Ich finde es sehr schade von dir a.miko, dass du einen so ellenlangen Kommentar schreibst, der die Rezension an Länge fast übertrifft. Du kannst doch einfach sagen, dass dir der Film gefallen hat und du anderer Meinung bist und fertig. Dein umfangreiches Wissen zu den Hintergründen hat mich jedenfalls nicht interessiert und somit auch nicht beeindruckt (und ich denke das ist es, was du eigentlich erreichen wolltest).
a.miko TEAM sagte am 25.10.2007 um 19:14 Uhr

Wir scheinen hier fundamental andere Auffassungen von Phänomen "Film" zu haben. Selbstverständlich ist Film in gewisser Hinsicht auch Unterhaltung. Er ist aber in erster Linie aber auch Kunst und gesellschaftliche Ausdrucksform. Gerade Fassbinders ANGST ESSEN SEELE AUF - und vermutlich auch seine anderen Filme - ist mit Sicherheit nicht als Unterhaltung gedacht. Dieser Film ist eindeutig politisch und daher denke ich, kommt man um die hier problematisierten politischen, sozialen und kulturellen Fragen nicht herum. Fassbinder verfolgte ja eine Intention als er den Film drehte. Diese nicht zu hinterfragen bedeutet den Film nicht angemessen zu schauen. Er ist Produkt seiner Zeit und kann somit auch nur aus ihr herausgelöst betrachtet werden. Ich nehme doch mal stark an das man z.B. einen Film wie Leni Riefenstahls TRIUMPH DES WILLENS nicht zur bloßen Unterhaltung anschaut, sondern in diesem Falle schon den nationalsozialistischen Entstehungshintergrund in den Blick nehmen würde. Einen Film wie PARTY ANIMALS auf tiefere Hintergründe zu durchleuchten wäre wiederum natürlich nicht sehr ergiebig. Das ist ja bei Büchern auch nicht anders. Man würde Nicholas Sparks' WIE EIN EINZIGER TAG anders lesen als z.B. DAS KAPITAL von Karl Marx.


@Tine

Beeindrucken wollte ich niemanden mit meinem Kommentar. Es waren lediglich meine Gedanken zum Film, die ich hier hoffentlich frei äußern kann ohne dass mir irgendwelche Unterstellungen gemacht werden. Ich weiß nicht, was du dir unter einer Diskussion vorstellst, aber einfach zu sagen, ich bin anderer Meinung führt zu keinem Dialog und somit zu keiner Diskussion. Wozu soll dann die Kommentarfunktion gut sein? Zum gegenseitigen Auf-die-Schulter-Klopfen?

@Jeanette

Was den Begriff "Rasse" angeht, so hat dessen Verwendung oder Nicht-Verwendung rein gar nichts mit political correctness zu tun. Dieses Wort entspringt einem ganz bestimmten Denkschema und kann aufgrund seiner rassistisch-biologistischen Belegung heute nicht mehr einfach verwendet werden. Würdest du z.B. eine Hakenkreuz-Kette tragen und den Leuten sagen man solle die Sache doch viel entspannter sehen? So verhält es sich z.B. auch mit dem Begriff "Nigger", der ja einen ganz bestimmtes vorurteilsbeladenes Denken ausdrückt, dem zufolge dunkelhäutige Menschen minderwertig sind. Verwende ich diese Begriffe nicht, dann distanziere ich mich klar von dieser Geisteshaltung.
Jeannette TEAM sagte am 26.10.2007 um 13:14 Uhr

Vielleicht habe ich die Kritik dann nicht richtig verstanden. Political correctness im Sinne von Antidiskriminierung umfasst die Ablehnung bestimmter Worte, die eine bestimmte Färbung haben, so z.B. "Rasse".
Für mich nehmen die Bezeichnung "Nigger" und das Tragen von Hakenkreuzen einen ganz anderen Grad der Diskriminierung ein. Der Vergleich erscheint mir zu dick aufgetragen.
Ausschlaggebend ist doch letztendlich, wie Menschen bestimmte Worte empfinden. Je nach Background wird dies unterschiedlich ausfallen.
Die Verwendung von "Rasse" in dieser Rezension ist - wie Anja auch noch einmal betont hat - völlig neutral gemeint und so kam es bei mir auch an.
Tine sagte am 26.10.2007 um 14:58 Uhr

Ein Kommentar ist dazu gut, um seine Meinung preiszugeben und keine eigene Abhandlung zu verfassen. Glaubst du ernsthaft, dass ein vernünftiger Dialog zustande kommt, wenn man erstmal nen ewig langen Kommentar lesen muss. Nee, weil das nämlich keinen so detailliert interessiert. Aber mach ruhig weiter so, wenn es dir Spaß macht, aber überleg auch was du so schreibst!
Genzel TEAM sagte am 26.10.2007 um 15:09 Uhr

Genaugenommen interessieren mich lange, detaillierte Kommentare viel mehr als solche, in denen steht, daß lange, detaillierte Kommentare keinen interessieren.
Tine sagte am 26.10.2007 um 15:20 Uhr

Und warum antwortest du auf a.mikos Kommentar dann nichts? Es geht hier schließlich um die These, ob lange Kommentare den Dialog entstehen lassen. Insofern ist dein Kommentar ja genauso nutzlos wie meiner, oder?
a.miko TEAM sagte am 26.10.2007 um 15:33 Uhr

Es geht ja nie um die Länge eines Beitrags, sondern um den Inhalt. Wenn ich etwas zu sagen haben und dies weiter ausführen mus, um es verständlich und vor allem vollständig zu machen, dann muss ich so lange schreiben bis ich fertig bin. Das kann man nicht mit Längenvorgaben beschränken!
Tine sagte am 26.10.2007 um 15:46 Uhr

Macht das, wenn du meinst, dass dadurch ein Dialog zustande kommt...
Genzel TEAM sagte am 26.10.2007 um 18:38 Uhr

Ein Gespräch mit a.miko habe ich persönlich geführt, außerhalb dieser Website. Auch ohne salbungsvolle Worte meinerseits unter ihrem Kommentar finde ich, daß ihre Gedanken hier wertvoll sind und den ursprünglichen Text bereichern. Mein Kommentar war ein Protest gegen die pauschale Aussage, das unter den Text geschriebene würde hier niemanden interessieren. Daß er dich nicht interessiert, hast du klargemacht, aber warum sprichst du für den Rest der Welt?
Jeannette TEAM sagte am 26.10.2007 um 22:31 Uhr

Wäre es ok, wenn wir wieder auf die sachliche Ebene zurückkehren? Der Ton fast aller Beiträge zu diesem Film sind irgendwie latent gereizt. Ich finde es sehr schade, wenn interessante Gedanken durch Angriffslustigkeit überschattet werden.
schlaubi TEAM sagte am 27.10.2007 um 12:35 Uhr

Also ganz sachlich - das Wort "Rasse" ist negativ besetzt, denn es impliziert Ungleichheit zwischen Menschen verschiedener Herkunft. Wenn das Wort verwendet wird löst es negative Assoziationen aus - Assoziationen an den Nationalsozialismus. Der Nationalsozialismus ist deutsche und österreichische Geschichte. Deshalb sollten gerade wir unsere Geschichte kennen. Deshalb sollten wir auch wissen mit welcher Bedeutung gewisse Ausdrücke besetzt sind und genau wegen dieser Bedeutungen vorsichtig mit diesen Ausdrücken umgehen. Da geht es nämlich eher weniger darum, wie neutral es gemeint war, sondern wie es ankommt, verstanden und aufgefasst wird.

Mittlerweile ist sich auch der Großteil der Welt einig, dass es keine Menschenrassen gibt.

Der Satz in der Rezension, in dem "Rasse" vorkommt, hätte auch ohne das Wort seinen Punkt gemacht. Die Aussage wäre allein mit dem Bezug auf die Herkunft bzw. eventuell mit einem zusätzlichen Bezug auf die Hautfarbe auch getroffen worden.

Film in erster Linie als Unterhaltung zu betrachten, greift zu kurz und wird den Ansprüchen und Ideen vieler Filmemmacher nicht gerecht.

Zum Schluss noch ganz sachlich - zu sagen, jemand würde das Entstehen eines Dialogs unterbinden, indem sie ihre Meinung sagt, also quasi spricht, ist unlogisch.
Und einerseits zu sagen, man wolle einen Dialog und andererseits jemand anderen zu erklären, nicht zu reden, weil's eh keinen interessiert, ist, sagen wir mal, nicht durchdacht.
Florian TEAM sagte am 27.10.2007 um 13:24 Uhr

Mich hat einmal ein Professor an der Uni nach der Korrektur einer Arbeit darauf hingewiesen, das Wort "Rasse" nur unter Anführungszeichen zu schreiben.

Ist natürlich immer eine Frage, wieweit man politisch korrekt sein möchte, aber hier auf der Homepage würde ich es auch unter "..." setzen, einfauch auch deswegen, um uns unangreifbar gegenüber falschen Vorwürfen von Außen zu machen und Missverständnissen entgegenzuwirken.
Jeannette TEAM sagte am 27.10.2007 um 14:43 Uhr

Unter diesem Gesichtspunkt finde ich Anführungszeichen auch gut.
Anj TEAM sagte am 27.10.2007 um 22:34 Uhr

Das war auch meine erste Idee, als ich noch einmal darüber nachgedacht habe (siehe meinen ersten Kommentar). Deswegen habe ich das auch mal korrigiert und nun steht es in Anführungszeichen da. Meinem Gefühl nach passt das so auch viel besser und da kann ich wohl nur noch entschuldigend sagen, dass ich das wohl eher hätte erkennen müssen.
BerberBoy sagte am 15.02.2009 um 01:05 Uhr

Na dann gute Nacht- wenn jemand einem Fassbinder genauso
viele Punkte gibt wie dem Zeichentrickfilm " Mila Superstar " ?
Kann wirkliche Kunstwerke mit überhaupt mit Punkten, Sternen
oder Smileys bewerten eher nicht- wenn doch dann nur Maximum.

Ich will nicht die volle Breitseite geben, da ich hier neu bin- deswegen belasse ich es auch bei folgender Aussage an die Rezensentin: Bitte weiter nur MainstreamHollywood Filme bewerten
und Filme für Heranwachsende- und bitte bitte kein alten Meister mehr schänden- Gott vergelts dir
Bastian TEAM sagte am 15.02.2009 um 01:43 Uhr

Ist es schon so weit, dass Gottes Strafe über Filmkritiker heraufbeschworen wird? Ich hab den Film nicht gesehen, allerdings auch noch keinen so dämlichen Kommentar gelesen.

Gute Nacht...mit dem Kreuz unterm Kissen und Gottes Segen in der Matschbirne!
BerberBoy sagte am 15.02.2009 um 14:17 Uhr

Es tut mir leid, wenn du Verständnisprobleme mit der von
mir verwendeten deutschen Sprache hast-
in meiner Aussage ist keine Rede von Strafe,
Buße oder sonst etwas-
vielleicht solltest du mal nachschlagen, was die Redewendung
" Gott vergelts " eigentlich bedeutet ?!
und die Rezension war nun mal wirklich ein Witz-
a.miko TEAM sagte am 15.02.2009 um 20:10 Uhr

Ich muss zugeben, ich finde diesen Film ebenfalls sehr gut. Doch nur weil dieser Film zu den Klassikern gehoert und von Fassbinder ist, muss man ihn nicht moegen und es gibt eine Reihe Filmrezenten, die diesen Film ebenfalls mittelmaessig bewerten. Und ihre Bewertung auch begruenden koennen. Hinzukommt, dass man Sternchenwertung vielleicht ein wenig irre fuehren kann. Es ist schwer ein Drama mit einer Komoedie, einem Actionfilm oder eben einem Anime zu vergleichen, weil diese Genre unterschiedlichen "Regeln" folgen. In ihren Genres koennen diese Filme durchaus herausragend sein, und die entsprechende Wertung verdienen.

Zudem waere es fuer die Rezensentin hilfreicher, wenn du deine Kritik ein wenig genau ausfuehren wuerdest, anstatt nur zu schreiben, die Rezension "sei ein Witz". Damit ist ihr wenig geholfen.
Bastian TEAM sagte am 16.02.2009 um 01:00 Uhr

Ja, deutsche Sprache, schwere Sprache! Zum Glück gibts Wikipedia:

"Heute wird Vergeltung meist als Strafe mit dem Charakter der Sühne – auch der Rache – verstanden."

Leider scheint dein Witz nirgendwo Früchte getragen zu haben und jetzt ist gut.
BerberBoy sagte am 16.02.2009 um 12:15 Uhr

Das ist kein Witz, sondern eine Redewendung, wenn du schon grundlos andere member wie ich einen darstelle, anpflaumst, solltest du die Größe haben, die eigene Unkenntnis, ob der Weisheiten und Volkssagen des Südens einzugestehen
und nicht irgendwie drumherum reden.

gott vergelts . ist eine feststehende Dankesformel der
süddeutschen Hemisphere, beim nächsten Mal erst
genau lesen, anschließend die Contenance verlieren
und erst dann auf die Barrikaden gehen.


http://de.wikipedia.org/wiki/Vergelt's_Gott

Ich finde übrigens den Film sehr gut und haben mich daran
ergötzet, weiß nicht, ob das jetzt so ersichtlich war ?
Bastian TEAM sagte am 16.02.2009 um 12:21 Uhr

Ja, aber jetzt reichts mit Weisheiten und Volkssagen, ich komme hier auch niemandem mit dem Plattdeutsch meiner Oma und erwarte dass man das in diesem Jahrhundert versteht. Also gibts diesen ausdruck irgendwo auf der Alm, ich stelle mich in die Ecke, schäme mich ne Runde, und ihr diskutiert weiter über den "Witz" der Rezension. Abgemacht?
Anj TEAM sagte am 17.02.2009 um 11:50 Uhr

Berberboy, ich denke, man sollte nicht nur auf die Sternchenwertungen gucken und damit allein die Filme vergleichen. Zur genaueren Information steht ja unter den Sternchen auch immer noch ein bisschen Text ;-) "Mila Superstar" ist eine japanische Mädchensportanimeserie (kein Hollywood Mainstream FILM) - also wohl eher nicht zur Gegenüberstellung mit "Angst essen Seele auf" geeignet. Davon abgesehen halte ich es auch für falsch, einen Film oder eine Serie nur deswegen abzuwerten, weil sie animiert ist.

Ich bewerte Filme nicht danach, wer sie gemacht hat und dass sie überall als Klassiker verschrien sind. Wäre ja so, als wenn man sich eine hässliche Markenjeans kauft und sie allein wegen der Marke trotzdem unglaublich schön findet.

Ich denke, ich habe in meiner Rezension deutlich gemacht, welche Punkte mir an "Angst essen Seele auf" nicht gefallen haben. Dass diese Punkte eben von anderen als nicht so schlimm oder auch überhaupt nicht als Mängel wahrgenommen werden, kann ich gut nachvollziehen. Das ist eben die Subjektivität, der man unterliegt, wenn man entscheiden muss, ob einem was gefällt oder nicht. Mir haben eben bestimmte Sachen nicht gefallen, weshalb ich den Film nicht mit 6 Sternchen bewerte.
Aber es ist ja auch nicht so, als hätte ich den Film komplett abgewertet oder nichts lobenswertes gefunden. Er rangiert eben bei mir nur im guten Mittelfeld (und wie a.miko schon meinte, ist meine Meinung da ja nun auch keine Seltenheit).


Deiner Bitte, "weiterhin" nur Hollywood-Mainstream-Filme zu rezensieren, kann ich aber leider nicht nachgehen. Da müsste ich zu viele bereits bestehende Rezensionen wieder löschen ;-)


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