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Weil es Dich gibt

Weil es Dich gibt

Ein Film von Peter Chelsom

„Maybe we're lying here because you don't wanna be standing somewhere else.“


Ein Mann trifft eine Frau. Dies ist nichts Neues in der Welt des Films, ebenso in der unsrigen Welt. Meistens ergeben sich diese Situationen aus vorgeschalteter Eigeninitiative, die in der heutigen Zeit nicht selten den Möglichkeiten der multimedialen, weltweiten Vernetzung entspringt. Doch auch die altmodische Art des Kennenlernens, das spontane Ansprechen in einer Bar beispielsweise, soll hier nicht ungenannt bleiben. Ein flüchtiger Blick etwa, der mehr sagt, als es tausend Worte je könnten, lässt das Gegenüber bestenfalls allen Mut zusammennehmen, denn was hat man schon groß zu verlieren?


Wenn sich aus solch einer flüchtigen Bekanntschaft mehr entwickelt als nur Freundschaft, wird recht häufig das Schicksal als Erklärungsgrund bemüht, jene höhere Macht, die ohne Zutun des Menschen das Leben jedes Einzelnen nachhaltig beeinflussen soll.


Doch nicht jeder glaubt an das Schicksal. Vor allem der Umstand, dass alles ohne unser Zutun geschieht und wir im Grunde nur Marionetten in einem großen Spiel sein sollen, bei dem die Würfel schon längst gefallen sind, gefällt nicht jedem. Vielfach fällt in diesem Zusammenhang deshalb der Name der sogenannten Serendipität. Dieses nebulös klingende Etwas von einer Wortschöpfung bezeichnet ihrem Wortlaut nach nichts anderes als eine zufällige Fügung, die einen vorbereiteten Geist beg
ünstigt, also unter anderem den eifrigen Forscher, der schließlich etwas gänzlich Anderes als das ursprünglich Gesuchte zu Tage fördert. So entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen beispielsweise die Röntgenstrahlung, als er fluoreszierendes Licht beim Betrieb der Kathodenstrahlröhre beobachtete. Weitergefasst lässt sich die Serendipität gemeinhin als „glücklicher Zufall“ umschreiben, von dem im folgenden nun die Rede sein soll.


Sara Thomas (Kate Beckinsale, „Van Helsing“ [2004], „Motel“ [2007]) und Jonathan Trager (John Cusack, „Stand By Me - Das Geheimnis eines Sommers“ [1986], „The Contract“ [2006]), beide in glücklichen Beziehungen, sehen sich zum ersten Mal in ihrem Leben, als sie beide beim Weihnachtseinkauf in New York zufällig dieselben Handschuhe erwerben möchten. Jon überlässt der hübschen jungen Frau kurzerhand das letzte Paar Handschuhe, bittet sie aber gewissermaßen als kleine Gegenleistung darum, ihn auf einen Kaffee zu begleiten. Während die beiden ins Gespräch kommen, verstreichen allmählich die Stunden, wird es später Nachmittag, bis sich der Abend schließlich anschickt, seine Schicht anzutreten. Und so kommt der Punkt, da sich Jon und Sara – die sich trotz der Tatsache, dass sie jeweils vergeben sind, immer mehr ineinander zu verlieben drohen – wieder trennen müssen, um in ihr jeweiliges Leben zurückzukehren. Jon möchte Sara unbedingt wiedersehen und bittet daher um ihre Anschrift und Telefonnummer, was diese jedoch mit Hinweis darauf ablehnt, dass das Schicksal über sie beide entscheiden sollte. Kurzerhand lässt sie Jon seine Telefonnummer auf einen 5-Dollar-Schein schreiben, mit dem sie eine Rolle Pfefferminz kauft, während sie selbst ihre Daten in ein Exemplar des Buches „Die Liebe in Zeiten der Cholera“ schreibt, welches sie sodann in einem Second-Hand-Laden verkauft. Nur dann, so Sara, wenn beide diese Gegenstände wiederfinden, steht unmissverständlich fest, dass sie beide füreinander bestimmt sind. So trennen sich ihre Wege. Aber das Schicksal (?) hat erst gerade angefangen, Schicksal zu spielen.


Peter Chelsom, der unter anderem 1998 mit „The Mighty“ eine wunderbar feinfühlige und letzten Endes zu Tränen rührende Geschichte inszeniert hat, widmet sich in „WEIL ES DICH GIBT“ („Serendipity“) einem nur auf den ersten Blick ausgelutschten Thema. Die Geschichte zweier Menschen, die sich treffen und sofort ineinander verlieben, erscheint zwar altbekannt, ist aber vorliegend in der Lage, der schon so häufig bemühten Standard-Romantik-Komödie einige neue, interessante Aspekte abzugewinnen. So steht die Person der Sara für all jene unter uns, die noch nicht so recht ihrem Herzen vertrauen möchten, sondern lieber höhere Kräfte walten lassen, um kein Chaos in das ansonsten geregelte Leben zu bringen. Jon hingegen, der von Anfang an hin und weg ist von seiner bildhübschen Bekanntschaft, verkörpert diejenigen, die die Liebe als etwas nicht Beeinflussbares hinnehmen. Wenn es passiert, passiert es einfach. Die Stimme des Herzens leitet uns. Im Hinblick auf Zufall und Schicksal liefert Chelsoms romantische Komödie also zunächst einmal zwei gänzlich verschiedene Sichtweisen auf das wohl am häufigsten verwendete Filmthema: die Liebe. Hieraus bezieht der Film, der ansonsten brav alteingefahrenen und bewährten Spuren folgt, zu einem großen Teil seinen Reiz, dem sowohl Männer als auch Frauen verfallen können.


Doch der Hauptgrund für das Gelingen des Films sind ohne Zweifel die beiden Hauptdarsteller, zwischen denen die Chemie einfach stimmt. Wer erkennt, dass Liebe manchmal auch weh tun kann, spricht Jon und Sara keine Sympathiepunkte ab, wenn ihre gewissermaßen „betrogenen“ Partner zum ersten Mal auf der Leinwand erscheinen. Zu allem Überfluss werden diese nämlich von John Corbett und Bridget Moynahan als richtig nette, liebenswürdige Menschen ohne Ecken und Kanten dargestellt. Die Liebe geht mitunter eben seltsame, verschlungene Wege, bei denen nicht immer alle freudestrahlend zurückbleiben. Traurig, aber wahr. Wahr und vor allem wichtig. Denn mit diesem gesunden Anteil an Ernst überspielt „WEIL ES DICH GIBT“ den ein oder anderen kitschigen Moment, den es eigentlich gar nicht gebraucht hätte, um zu erzählen, was erzählt werden sollte. Das, was den Film im Endeffekt von sonstigen gleichgelagerten Produktionen abhebt, kann nämlich sowieso nicht in auch noch so schönen Bildern eingefangen werden. Die Hauptaussage erschließt sich vielmehr erst, wenn man sich fragt, warum der Film auf deutsch so heißt, wie er heißt.


Wer versucht, Zufall und Schicksal hinsichtlich Liebesglück in Einklang zu bringen, gerät mitunter nicht selten in Abgrenzungsschwierigkeiten. Manche Menschen nehmen daher einfach das Gegebene hin, ohne es zu hinterfragen. Dabei ist die Antwort auf die Frage, warum sich zwei Menschen einfach finden, ohne wirklich gesucht zu haben, und fortan glücklich sind, so naheliegend wie einleuchtend. Lassen wir das Schicksal und die im Film teilweise etwas konstruiert wirkenden Zufälle einmal komplett außen vor und malen uns hypothetisch aus, dass Sara und Jon eines Tages Hand in Hand spazieren gehen. Sie sieht ihn plötzlich lächelnd an und fragt: „Glaubst du, es war Schicksal, dass wir nun zusammen sind?“ – Jon überlegt einen Moment, blickt nach oben und sagt schließlich mit ruhiger, sanfter Stimme: „Nein, nicht das Schicksal war verantwortlich. Du warst es, Sara. Du allein. Wir zwei sind zusammen, weil es dich gibt.“


Kein Zufall also, kein Schicksal, sondern eine zu greifende Tatsache. Und die vielleicht schönste Liebeserklärung, die man seinem Partner überhaupt machen kann. Nicht nur zu Weihnachten.



Eine Rezension von Stefan Rackow
(24. April 2008)
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Daten zum Film
Weil es Dich gibt USA 2001
(Serendipity)
Regie Peter Chelsom Drehbuch Marc Klein
Produktion Miramax Films / Tapestry Films / Simon Fields Productions Kamera John de Borman
Darsteller John Cusack, Kate Beckinsale, Jeremy Piven, Bridget Moynahan, John Corbett, Eugene Levy
Länge 87 Minuten FSK ohne Altersbeschränkung
Filmmusik Alan Silvestri
Kommentare zu dieser Kritik
Renee TEAM sagte am 25.04.2008 um 20:50 Uhr

Bei mir kommen Rationalität und Träumerei in einer seltsamen Mischung zusammen. So denke ich zwar oft, dass so mancher "Zufall" vielleicht doch mehr als das ist, aber gleichzeitg widerstrebt es mir, an ein sogenanntes Schicksal zu glauben, das uns jegliche Entscheidungsfreiheit abspricht. Daher gefällt mir die ungewöhnliche Verbindung beider Ideen in diesem Film, und ganz besonders gefällt mir die Schlussfolgerung der Rezension. Wundervolles Schlusswort! :-)

Einer Bewertung des Films enthalte ich mich augenblicklich jedoch, da es zu lange her ist, dass ich den Film gesehen hab.
Conan der Bibliothekar TEAM sagte am 18.07.2008 um 16:54 Uhr

Was mir an diesem Film schon immer aufgefallen war, nicht negativ, aber doch etwas bitter, das war - wie du ja schon geschrieben hast - die Tatsache, dass es sich bei den beiden Partnern von Jon und Sarah um nette Menschen handelt. So manch anderer Regisseur hätte hier mit Sicherheit zwei Charaktäre präsentiert, die so unmöglich und unsympathisch rüber kommen, dass sich der Zuschauer herbeisehnt, dass die beiden endlich zusammen finden und die anderen endlich abschießen. Aber dem ist ja nun mal nicht so.

Ich fand das damals, als ich den Film das erste Mal sah, schon sehr ... wie soll ich sagen, ein bisschen brutal. Vor allem die Geschichte mit Jon und seiner Partnerin: in der letzten gemeinsamen Szene sagt sie ihm, die sie ihn liebt und braucht. Im selben Atemzug gibt sie ihm die Ausgabe von "Liebe in Zeiten der Cholera", wo Sarah vor vielen Jahren ihre Telefonnummer hineinschrieb. Sie schenkt es ihm, weil er immer, wie die beiden an einem Bücherstand vorbeigehen, eine Ausgabe davon in die Hände nimmt. (Wer kann schon ahnen, dass die 'Nebenbuhlerin' da lauert...)

Und Jon hat nichts besseres zu tun als sich sofort in den Wagen zu setzen und sie anzurufen.

Zum Schluss finden sich dann Jon und Sarah, und die anderen beiden sind einfach so abserviert. Wir erfahren nicht, wie es ihnen geht, was in ihnen vorgeht. Die beiden Figuren sind einfach weg, verschwinden mir nichts dir nichts vom Schirm. ABSERVIERT sagt man dazu. Also ich finde das schon sehr brutal.

Ist das nun authentisch bzw. realistisch? Bestimmt sogar. Wie du schon schreibst, Liebe kann weh tun. Dann sind das aber sehr herbe Töne in einem Weihnachtsfilm, der sehr auf Romantik und Zuckerguss-Vorweihnachts-Gefühlsduseligkeit angelegt ist.

Ach ja, rein handwerklich ist es schon ein netter Film. Und Jeremy Piven ist super.
Renee TEAM sagte am 15.03.2009 um 13:55 Uhr

Habe den Film kürzlich noch einmal gesehen und lasse mich zu einem weiteren Kommentar hinreißen.

Die Sache mit den Partnern sehe ich weniger tragisch. Erstens macht es die Liebesgeschichte zwischen Jon und Sarah umso eindringlicher, wenn sie dafür eine (scheinbar) intakte Beziehung aufgeben. Wären beide in grauenvollen Beziehungen gefangen, hätte man ihr Zueinanderfinden auch mit einem Schulter zucken und einem "Naja, konnte für sie ja nur eine Verbesserung sein" abtun können. Wenn an der aktuellen Beziehung nichts mehr dran ist, ist die Aufgabe derer und Hinwendung zu einer Neuen einfach nicht sonderlich spannend.
Zweitens sind die Parnter zwar zugegeben sehr sympathisch, aber keineswegs perfekt. Sara muss hinter der Musiker-Karriere ihres Freundes zurückstehen, während Jon seiner Freundin kaum richtig aufzufallen scheint (wenn ich mich richtig erinner, lobt sie einen neuen Haarschnitt, den er nie bekommen hat). So vollkommen sind diese Beziehungen also nicht.
Und dass die Partner schließlich ohne Sang und Klang aus der Geschichte verschwinden, ist durchaus realistisch. Abgesehen davon wurden ja die Geschichten von Jon und Sarah erzählt, und nicht die der übrigen Menschen in ihrem Leben. Also bleibt der Film auch nur bei diesen Figuren und folgt nicht dem Schicksalsverlauf jeder im Film auftauchenden Person.

Schlussendlich ist "Weil es Dich gibt" einfach niedlich, romantisch, herzerwärmend. Prima Unterhaltung für einen Abend zu zweit.

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