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Paper Moon

Paper Moon

Ein Film von Peter Bogdanovich

1960er Jahre: Das Fernsehen hat das Kino abgelöst, die mächtigen Filmstudios in den USA setzen alles auf ein Ross – und verlieren. Sie machen mit ihren Monumentalstreifen große Verluste und das Starsystem des Golden Age hat ausgedient. Hollywood steckt in der Krise. Neue Ideen sind gefragt, neue Regisseure und neue Gesichter. Die Ära des New Hollywood beginnt.
Peter Bogdanovich zählt zu den wichtigsten Filmemachern dieser Zeit. Ihre Filmsprache war völlig neuartig: die Hauptfiguren sind Außenseiter und keine Helden mehr, die Geschichten handeln von Sinn- und Werteverlust, der Staat wird als korrupt dargestellt und der “American Dream” als Lüge entlarvt. Drehorte waren Originalschauplätze, um die Realität deutlicher abzubilden und sich vom künstlichen Studiobau zu distanzieren. Mit dem Roadmovie “Paper Moon” nach dem Roman “Addie Pray” von Joe David Brown schuf Bogdanovich ein Meisterwerk, das diese Elemente auf höchstem Niveau vereint.

Zeit der Weltwirtschaftskrise und Franklin Roosevelts: Moze Pray (Ryan O`Neal) schlägt sich als Schwindler und Trickbetrüger durchs Leben. Als er in Kansas einen kurzen Zwischenstop zur Beerdigung einer Freundin einlegt, wird ihm Addie (Tatum O`Neal), die 9-jährige Tochter der Verstorbenen, aufgeschwatzt. Moze soll sie nach Missouri zu ihrer Tante bringen. Er erpresst 200 Dollar Schadensersatz für Addie, deren Mutter bei einem nicht selbstverschuldeten Autounfall ums Leben kam. Anstatt Addie das Geld zu geben, behält er
es für sich. Addie hat jedoch mitbekommen, dass es ihr Geld ist und will von nun an Moze erst wieder verlassen, nachdem er ihr diese Summe ausbezahlt hat.
Moze merkt, dass er mit Addie als Komplizin ein besseres Geschäft macht und bietet ihr die Zusammenarbeit an. Addie übernimmt die Rolle des süßen Töchterchens mit Schleife im Haar. Die Betrügerei klappt wunderbar bis Moze sich in die Tänzerin und Edelnutte Trixie (Madeline Kahn) verliebt. Er ist ihr hörig, gibt viel Geld aus und hat nur noch Augen für sie. Das passt Addie natürlich überhaupt nicht. Trixies Zofe Imogene (P.J. Johnson) und Addie freunden sich an. Addie erfährt, dass Moze nur ausgenommen werden soll, Trixie ihm aber nicht treu bleiben würde. Um ihm die Augen zu öffnen und ihn zurückzugewinnen, startet sie erfolgreich eine Intrige mit Imogenes Hilfe. Moze findet Trixie mit einem anderen im Bett und verlässt sie auf der Stelle.
Wieder zu Zweit unterwegs werden ihre Geschäfte riskanter. Sie betrügen einen Alkoholschmuggler, der unglücklicherweise der Bruder des Sheriffs ist. Vom Sheriff verfolgt erreichen sie die Staatsgrenze von Missouri, wo dessen Einflussgebiet endet. Moze glaubt vorschnell, entkommen zu sein, aber der Sheriff und seine Gehilfen sind seiner Spur gefolgt. Sie verprügeln ihn und nehmen ihm das gesamte Geld ab.
Addie wird bei ihrer Tante abgesetzt. Ein nettes, gepflegtes Leben erwartet sie hier. Moze macht sich allein wieder auf den Weg. Als er nach ein paar Minuten eine Pause einlegt, sieht er im Rückspiegel ein kleines Mädchen angelaufen kommen: “ Du schuldest mir immer noch 200 Dollar!”
Paper MoonPaper MoonPaper Moon
Die Filme des New Hollywood sind gekennzeichnet durch die persönliche Note des Regisseurs – ähnlich dem Autorenkino in Europa. Bogdanovich konnte also seinen Einfluss in allen Bereichen geltend machen: er wählte die Schauspieler, er bestimmte den Look, er ließ das Drehbuch umschreiben und setzte die Musik nach seinem Geschmack.

Mit der Besetzung des Gaunerpärchens gelang Bogdanovich ein kleiner Geniestreich: Tochter und Vater O`Neal. Er als abgebrühter Trickbetrüger, der von der Hand in den Mund lebt und von dem der Zuschauer bis zuletzt nicht weiß, ob er der Vater der kleinen Addie ist oder nicht. Sie als eigensinniges und schlaues Waisenkind, das mit Herz und Verstand Geschäfte macht. Um die verantwortungsbewussten und besorgten Zuschauer unter uns zu beruhigen, sollte erwähnt werden, dass die 9-jährige Tatum O`Neal keine echten nikotinhaltigen, sondern aus Salatblättern gerollte Zigaretten paffte. Für ihre Gesamtleistung wurde sie 1974 mit dem Oscar als “Beste Nebendarstellerin” geehrt. Auch Madeline Kahn, die bereits in Bogdanovichs “What`s up, Doc?” die Filmpartnerin von Ryan O`Neal war, wurde für ihre Rolle als Trixie nominiert.
Paper MoonPaper MoonPaper Moon
Um seinem Film den Look der 30er Jahre zu verpassen, entschied sich Bogdanovich dafür, auf Schwarz-Weiß-Film zu drehen. Auf Anraten von Orson Welles setzte Kameramann Laszlo Kovacs (der durch “Easy Rider” unsterblich wurde) Grün- und Rotfilter ein, um stärkere Kontraste zu erhalten. “Paper Moon” zeichnet sich auch durch eine durchgehend große Tiefenschärfe aus, wofür viel Licht benötigt wird. Typisch für Bogdanovich sind auch die langen Einstellungen ohne Schnitt. Dies verlangt den Schauspielern und dem gesamten Team höchste Konzentration ab, da sonst von vorne begonnen werden muss.

Der Titel des Bestsellers “Addie Pray” sagte Bogdanovich nicht zu und er ließ sich von Songs aus den 30er Jahren inspirieren. Darunter fand sich das Lied “It`s Only A Paper Moon”, das Namenspate für seinen Film stand. Um nun diesen Titel rechtfertigen zu können, wurde eine Szene mit einem eigens dafür angefertigten Papier-Mond als Hintergrundkulisse eingebaut.

Bemerkenswert an Bogdanovichs Arbeit ist die Haltung zu den Scores, also zur Filmmusik. Um Authenzität zu schaffen und den Zuschauer nicht in eine bestimmte Richtung zu lenken, wird nur Musik im Film eingesetzt (z.B. wenn Addie Radio hört oder auf dem Rummelplatz spazieren geht). O-Töne und größtenteils nicht nachsynchronisierte Stimmen bilden die einzige Geräuschkulisse.

Zusatz-Info zur DVD: Das Cover der DVD ist auf den ersten Blick irreführend, da es in Farbe gehalten ist. Bis auf den sehr interessanten Audiokommentar des Regisseurs gibt es keine Specials. Die DVD kostet ca. 10 Euro, ein für diesen großartigen Film mehr als angemessener Preis.

Eine Rezension von Jeannette Armborst
(23. März 2007)
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Daten zum Film
Paper Moon USA 1973
Regie Peter Bogdanovich Drehbuch
Produktion
Darsteller Ryan O'Neal, Tatum O'Neal, Madeline Kahn, P. J. Johnson
Länge ca. 102 Min. FSK freigegeben ab 12 Jahren
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