Filmkritiken - von Independent bis Hollywood
 
2008 Filmkritiken | 10468 Personen | 3323 Kommentare  
   
Bitte wählen Sie

Email

Passwort


Passwort vergessen

> Neu anmelden

Auch interessant



Monster┬┤s Ball
von Marc Forster




Meist gelesen¹

1. 
Cannibal Holocaust (Nackt und Zerfleischt)  

2. 
Auf der Alm da gibt's koa S├╝nd  

3. 
Martyrs  

4. 
Troll Hunter  

5. 
Supernatural  

6. 
Stand By Me - Das Geheimnis eines Sommers  

7. 
Midnighters  

8. 
Antik├Ârper  

9. 
Das Zeitr├Ątsel  

10. 
Pathology  
¹ gilt für den aktuellen Monat

  FILMSUCHE
  Sie sind hier: Filmkritiken > Oliver Stone > Wall Street
Wall Street RSS 1.0


Wall Street

Wall Street

Ein Film von Oliver Stone

Das Herzst├╝ck des Films ist eine Rede: "Gier ist gut", erkl├Ąrt der skrupellose Broker Gordon Gecko einer Versammlung von Aktion├Ąren. "Gier ist richtig. Gier funktioniert." Die Ansprache und ihr Mantra - das Feiern der Gier: Gier ist gut - bringen die Profitsucht der Achtziger, die unbarmherzige Jagd nach mehr in den Reagan-Jahren pr├Ązise auf den Punkt, aber Geckos Rede ist in ihrer Polemik so gut, da├č sie selbst den Zuseher einwickelt. Michael Douglas, der Gecko als charmanten, aalglatten, r├╝cksichtslosen und kaltherzigen Charismaten spielt, war nie besser als in diesem Film, und er nahm daf├╝r einen Oscar mit nach Hause.

Schon der Beginn von Oliver Stones WALL STREET ist b├Âsartig: Zu romantisierten Bildern des Empire State Buildings - dem protzigen Symbol des Kapitalismus - singt Frank Sinatra "Fly me to the moon / And let me play among the stars". Ein naiver Song aus den F├╝nfzigern, dessen Eingangszeilen hier das blinde Streben nach oben versinnbildlichen.

Sich unter die "Stars", die B├Ârsenlegenden, zu mischen, will auch der junge Broker Bud Fox (Charlie Sheen), dessen Hunger ihm nach monatelangen Versuchen eine F├╝nf-Minuten-Audienz bei dem ber├╝chtigsten aller Wall-Street-Haie, Gordon Gecko, verschafft. Weil Buds Vater (Martin Sheen, tats├Ąchlicher Vater von Charlie) im Vorstand einer Fluggesellschaft sitzt, kann Bud Gecko gewi
nnbringende Insiderinformationen zuspielen. Gecko - der in dem ambitionierten Jungen wohl einerseits etwas von sich selber sieht, andererseits dessen Blau├Ąugigkeit auszunutzen wei├č - nimmt Bud nach und nach in seinen inneren Kreis auf und verlangt daf├╝r von ihm, ihm mehr und mehr Insiderinformationen zu beschaffen. Das Beschaffen und Anwenden solcher Informationen ist strafbar, aber in einer Welt, in der innerhalb von Minuten Millionenprofite angeh├Ąuft oder ebenso hohe Verluste eingefahren werden k├Ânnen, ├╝berstrahlt das Versprechen jedwege Bedenken ├╝ber Illegalit├Ąt oder Fragen der Moral. Bud ist von Geckos Charisma v├Âllig geblendet - Stone zeigt uns das ├╝berdeutlich in einer Szene, in der Gecko aufsteht und Bud von (v├Âllig artifiziellem!) wei├čem Licht geblendet seine Sonnenbrille aufsetzen mu├č.

Der Bruch geschieht, als Bud Gecko die Fluggesellschaft seines Vaters verkaufen will. Buds Absichten sind nobel: Er will die Profite der Aktion├Ąre maximieren, er will die vor sich hind├╝mpelnde Fluggesellschaft weit in die schwarzen Zahlen hieven. Nach dem Kauf aber liquidiert Gecko die Firma: Er verkauft die Einzelteile und l├Âst den Pensionsfond von $75 Millionen auf.

WALL STREET ist kein einfaches Moralst├╝ck, auch wenn die Geschichte so strukturiert ist. In einer Schl├╝sselszene stellt Bud Gecko zur Rede und fragt ihn, wieviel genug ist. Gecko kann darauf nicht antworten. Seine Antworten f├╝hren das Prinzip des bodenlosen Anh├Ąufens ad absurdum: "1% der Einwohner dieses Landes besitzen ├╝ber 50% davon," erkl├Ąrt er, und f├╝hrt ein Gem├Ąlde vor, das er vor langen Jahren f├╝r $6000 gekauft hat und das jetzt das hundertfache wert ist. "Die Illusion wurde Realit├Ąt: So funktioniert der Kapitalismus." F├╝r ihn gibt es ├╝berhaupt kein Konzept von "genug" oder "nicht genug" - die Beschaffenheit der Welt rechtfertigt seine Existenz und sein Handeln; die Jagd nach noch mehr ist f├╝r ihn nur ein Spiel, ein Adrenalinkick. "Besser als Sex," erz├Ąhlt er von seinem ersten $800.000-Gesch├Ąft.

Bud steht gewisserma├čen zwischen zwei Vaterfiguren: Dem verf├╝hrerischen Gecko als Mentor auf der einen Seite, seinem richtigen Vater auf der anderen. "Ich gehe nicht mir einer Hure ins Bett und wache auch nicht neben einer Hure auf," erkl├Ąrt letzterer. Buds Vater hat ein Wertesystem, das nicht der Profitmaximierung als oberstem Prinzip untersteht, und findet es wichtig, etwas zu erschaffen, als nur mit dem Tun anderer Leute eigenen Profit zu machen. W├Ąhrend aber die Dialektik zwischen beiden eindeutig scheint, tritt Gecko immer als der interessante, faszinierende Anf├╝hrer auf, w├Ąhrend Buds Vater mit seiner Fluglinie wie ein Nebengedanke wirkt: Geckos Verf├╝hrung macht Spa├č, sie wickelt auch uns ein und scheint nur in ihrer Unbegrenztheit oder in ihrer v├Âlligen Unmoral verwerflich zu sein - nicht in ihrem grundlegenden Ansatz.

Es gibt noch eine dritte Vaterfigur im Film: Ein alter Broker namens Lou Mannheim (Hal Holbrook), der Bud manchmal beiseite nimmt und versucht, ihm warnende Worte mitzugeben. Mannheims Weisheiten scheinen aufgesetzt, fehl am Platze, aber das ist nur ein weiterer Beweis daf├╝r, wie perfekt uns Gecko verf├╝hrt: Die Worte der Vernunft erscheinen hier wie Anachronismen. "Der Charakter eines Menschen ist es, der ihn davor bewahrt, in den Abgrund zu fallen, in den er blickt," erkl├Ąrt Mannheim (nicht in diesem exakten Wortlaut), aber Bud versteht nicht, was er meint. Mannheim repr├Ąsentiert zudem Stones eigenen Vater, der als Broker an der Wall Street t├Ątig war und wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten von der Gier ├╝berholt wurde. Der Film ist Stones verstorbenem Vater gewidmet.

WALL STREET funktioniert in all seinen Elementen: Stones Regie und Kameraf├╝hrung ist v├Âllig ruhelos, wie die Figuren immer angetrieben, weiter zu hetzen. Michael Douglas - seinerzeit noch als Produzent erfolgreicher als als Schauspieler - spielt Gecko so ├╝berzeugend, da├č die Rolle f├╝r ihn karrierebestimmend wurde. Das reale Vater-Sohn-Verh├Ąltnis zwischen Charlie und Martin Sheen gibt ihren gemeinsamen Szenen im Film zus├Ątzliches Gewicht. Vielleicht ist Charlie Sheen kein Schauspieler von Weltklasse, aber seine gewisse Naivit├Ąt einserseits und seine unbedingte Entschlossenheit anderseits lassen Bud Fox absolut glaubw├╝rdig erscheinen. In Nebenrollen sind Charakterdarsteller wie James Spader, Terence Stamp, John C. McGinley und Sean Young zu sehen.

Die Frauenfiguren sind - wie so oft bei Stone - zweitrangig, aber ihre wenig Eindruck hinterlassende Pr├Ąsenz pa├čt zu dieser testosterongesteurten Welt, in der die Frauen entweder als kurze Vergn├╝gung oder als langfristigere Einrichtungsgegenst├Ąnde verstanden werden. Daryl Hannah taucht als Innendekorateurin in Buds Leben auf, aber sie verl├Ą├čt es spurlos wieder, als er sich mit Gecko ├╝berwirft: Sie will kein Leben, in dem man nicht mehr weiter nach oben streben kann.

Man mu├č kein B├Ârsenkenner sein, um die Handlung des Films zu verstehen. Die Details m├Âgen f├╝r den Laien verwirrend sein - das Geschehen an der B├Ârse wirkt absolut authentisch - aber die Motivationen und Ziele sind immer klar. Die Gier scheint durch alles hindurch. Und Stone predigt nicht, sondern f├╝hrt uns in eine Welt, die selbst uns als Zuseher manipuliert: Wir sehen Buds L├Ąuterung, das Ende seiner Wall-Street-Karriere, aber Geckos Bestrafung bleibt offen. Seine Welt wird weiter bestehen, und sie fasziniert uns nach wie vor.

Eine Rezension von Christian Genzel
Wall Street bei Amazon.de kaufen    Wall Street bei ebay.de ersteigern


Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

Daten zum Film
Wall Street USA 1987
(Wall Street)
Regie Oliver Stone Drehbuch Stanley Weiser, Oliver Stone
Produktion 20th Century Fox
Darsteller Michael Douglas, Charlie Sheen, Daryl Hannah, James Spader, Hal Holbrook
Länge 121 FSK 12
Kommentare zu dieser Kritik
schlaubi TEAM sagte am 18.01.2007 um 13:12 Uhr

Mann, ewig nicht gesehen, den Film. Sehr sch├Ân eingefangen, muss ich sagen. Hab richtig Lust jetzt, ihn mir wieder einmal anzusehen.
Pet sagte am 28.11.2011 um 21:08 Uhr

Guter Film mit Michael Dougles , hab fr├╝her
fast alle folgen gesehn Stra├čen von
San Franzisko eine Krimiserie der Partner war
Karl Malden das kam nach Kojek (Telly Sawallas).


Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

 

Impressum