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von Frank Tashlin




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The Artist RSS 1.0


The Artist

The Artist

Ein Film von Michel Hazanavicius

Psst!
An dieser Stelle wird mal nicht gesprochen.

Der französische Regisseur Michel Hazanavicius, zuvor nur bekannt durch seine Agentenfilm-Parodien OSS 117, nimmt mit seiner neuen Arbeit „The Artist“ die Kino-Welt im stummen (und obendrein schwarz-weissen) Sturmangriff ein.

Mit bisher unter anderem drei Golden Globes (u.a. „Best Motion Picture - Comedy or Musical“), vier Critics Choice-Awards (u.a. „Best Picture“) und sieben BAFTA Film-Awards (u.a. „Best Film“) ausgezeichnet und weiterhin nominiert fĂŒr zehn Oscars (u.a. „Best Motion Picture of the Year“), stellt die französisch-belgische Independent-Produktion wohl das PhĂ€nomen der diesjĂ€hrigen Preissaison dar – und das nicht zuletzt aufgrund seiner eigentlich reichlich unpopulĂ€ren (oder besser: unzeitgemĂ€ĂŸen) Umsetzung.
The ArtistThe ArtistThe Artist
Wer schonmal an einer Kinokasse gesessen hat, wird wissen, dass schon allein die Bemerkung „Schwarz-weiss-Film“ viele engstirnige Zuschauer völlig abschreckt (da kann der Regisseur sogar Robert Rodriguez heissen); wenn man nun zusĂ€tzlich anfĂŒhrt, dass das Werk ohne Sprache prĂ€sentiert, nur von Musik begleitet, wird...wie viele werden sich dann wohl noch fĂŒr die entsprechende Vorstellung begeistern können?

Dabei macht „The Artist“ so viel richtig, was unzĂ€hlige, effektbeladene Blockbuster heutzutage gĂ€nzlich falsch anstellen:
Er unterhÀlt, indem er uns in seine Geschichte zieht, unser Interesse an dem Geschehen weckt; nicht unsere Sinne mit ohrenbetÀubendem LÀrm, bunten Zerstörungsszenarien oder hölzernen Figuren betÀubt.
Wenn Kino fĂŒr Zauber, und nicht fĂŒr Spektakel, steht, dann ist „The Artist“ Kino in seiner reinsten und schönsten Form.
Michel Hazanavicius' Arbeit ist inhaltlich eine Komödie, aber gleichzeitig auch ein Drama.
Und vor allem eine klassische Love-Story.

Im Jahre 1927 ist der Stummfilmdarsteller George Valentin (Jean Dujardin) noch ein gefeierter Hollywood-Star, dem die Frauen und Studios zu FĂŒĂŸen liegen.
Valentin ist ein Charmeur, ein Entertainer vor dem Herrn.
Wenn seine Abenteuer ĂŒber die LeinwĂ€nde flimmern und er anschließend – zusammen mit seinem treuen Hund – zum Applaus schwerelos ĂŒber die BĂŒhne tanzt, bebt das Publikum in VerzĂŒckung.

Seine grĂ¶ĂŸte Gabe ist seine FĂ€higkeit, den Menschen ein StĂŒck Freude zu vermitteln. Sein stĂ€rkster Gegner ist sein eigener Stolz, seine Sturköpfigkeit.

Nach einer Premiere lÀuft eine unbekannte Schönheit in den Prominenten.
Ein tiefer Blick in die Augen genĂŒgt – da hat zwischen den Beiden etwas Funken geschlagen. Die Zeitungen berichten. Valentins Frau Doris (Penelope Ann Miller) schaut empört von der Titelseite auf.
Seiner Verehrerin gelingt es schließlich, sich zu einem Casting durchzumogeln und als Peppy Miller (BĂ©rĂ©nice Bejo) langsam immer weiter die Karriereleiter empor zu steigen.

Ein Wandel kĂŒndigt sich an – nicht nur in Valentins Liebesleben, sondern auch in Bezug auf seine TĂ€tigkeit:
Die Talkies erhalten Einzug in Hollywoodland. Die bewegten Bilder werden nun auch sprechen können, ganz zum Leidwesen des mimisch und gestisch versierten Helden der Geschichte.
Dieser stellt sich entschieden gegen den Trend, gegen seinen Produzenten Al Zimmer (John Goodman).
The ArtistThe ArtistThe Artist
Auf eigene Faust produziert er selbst weitere Stumm-Werke – ohne Erfolg an den Kassen.

WĂ€hrend ein neuer Stern am Filmhimmel erstrahlt, droht ein ausgebrannter am Erdboden zu zerschellen...

Das, was Michel Hazanavicius mit seiner liebevollen wie detaillierten Hommage an die Stummfilm-Ära so ĂŒberaus grandios gelingt, ist, mit einfachsten Mitteln auf der emotionalen Klaviatur der Zuschauer zu spielen.
Das Heben und Senken einer Augenbraue, die VerĂ€nderung der Musik – hier findet ein stĂ€ndiger, fließender Wechsel von GefĂŒhlen und Stimmungen statt.
Tragik und Komik sind ineinander verzahnt, teilen sich harmonisch ein und dieselbe Szene.

„The Artist“ begeistert Nostalgiker, weil er den Charme der alten Klassiker nahezu perfekt reproduziert - und er gewinnt ein frisches Publikum fĂŒr sich, weil er eben das auf solch leichtfĂŒĂŸige, unverkrampfte Weise tut.
Hier wird nicht versucht, die Zuschauer durch ein kĂŒnstlerisch-verkopftes Projekt ĂŒber die AnfĂ€nge des Kinos zu belehren, sondern im Kern eine ganz einfache, greifbare Geschichte ĂŒber die Kunst und die Liebe erzĂ€hlt. Und die Liebe zur Kunst, natĂŒrlich.

Das Format des Stummfilms entpuppt sich dabei nicht als schnödes Gimmick, sondern verleiht dem Werk tatsÀchlich eine direkte, unmittelbare Kraft.
Schließlich wird hier der Inhalt nicht durch lange Dialoge gestreckt: Die einzigen verbalen Äußerungen werden in Form von Schrifttafeln kurz eingeblendet, der Rest bleibt dem intensiven, mimischen Geschick der Darsteller vorbehalten.
Der international bislang eher unbekannte Jean Dujardin als charismatischer Superstar und BĂ©rĂ©nice Bejo als sein treuer „Schutzengel“ und Retter in der Not haben sich mit ihren herausragenden Performances bereits einen festen Platz in sowohl Zuschauer- als auch Kritikerherzen erspielt.

Wenn das Werk wÀhrend einer Traumszene kurz mal aus seinem selbstgewÀhlten Korsett ausbricht, so kommt diesem Moment eine besondere Bedeutung zu.
Der KĂŒnstler spĂŒrt, wie in der technischen Revolution seine eigene AusdrucksfĂ€higkeit untergeht – von allen Seiten ersticken GerĂ€usche seine stillen Hilferufe. Selbst eine herabschwebende Feder landet mit einem unertrĂ€glichen LĂ€rm auf der Erde.
Der Gedanke an den bevorstehenden Wandel benetzt seine Stirn mit Angstschweiss.
Wird er allein mit seinem offenbar unbezwingbaren Stolz gegen die Macht der populÀren Talkies ankÀmpfen können?
Nein, denn wir kennen die Geschichte des Kinos und ahnen die Tragödie.

Doch der Film hinterlĂ€sst uns am Ende nicht mit einem pessimistischen, niedergeschmetterten Eindruck – so viel sei bereits verraten.
Das Kino erfÀhrt eine radikale, erzÀhlerische UmwÀlzung, und unser Held muss lernen, dass das Einzige, das seiner Zukunft tatsÀchlich im Weg steht, sein eigener Dickkopf ist.
The ArtistThe ArtistThe Artist
Hazanavicius' „The Artist“ ist ein kleines Zauberwerk, das seinen Zuschauern ein StĂŒck purer, sprachloser Euphorie schenkt.
Was erhofft man sich von einem angenehmen Kinobesuch mehr?

Eine Rezension von Bastian G.
(26. Februar 2012)
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Daten zum Film
The Artist Frankreich, Belgien 2011
(The Artist)
Regie Michel Hazanavicius Drehbuch Michel Hazanavicius
Produktion La Petite Reine, La Classe Américaine, JD Prod, France 3 Cinéma, Jouror Productions, uFilm, Canal+, CinéCinéma, France Télévision, Le Tax Shelter du Gouvernement Fédéral de Belgique Kamera Guillaume Schiffman
Darsteller Jean Dujardin, Bérénice Bejo, John Goodman, James Cromwell, Penelope Ann Miller, Missi Pyle, Ed Lauter, Malcolm McDowell, Beth Grant, Bitsie Tulloch, Ken Davitian, Basil Hoffman, Joel Murray, Nina Siemaszko, Hal Landon Jr., Bill Fagerbakke, Dash Pomerantz, Beau Nelson, Uggie
Länge 100 min. FSK ab 6 Jahren
http://theartist-derfilm.de/
Filmmusik Ludovic Bource
Deutscher Kinostart: 26.01.2012 / Ausgezeichnet mit 5 Oscars in den Kategorien "Achievement in Costume Design", "Achievement in Directing", "Original Score", "Performance by an Actor in a Leading Role" und "Motion Picture of the Year".
Kommentare zu dieser Kritik
travisbickle TEAM sagte am 20.03.2012 um 17:26 Uhr

FĂŒr mich persönlich war THE ARTIST eine Premiere: Mein erster Stummfilm im Kino. Und das, obwohl die Kinos in meiner Heimat und um meine Heimat herum hier und da preisgĂŒnstig Klassiker von Murnau, Lang & Co. wiederauffĂŒhren.

Der Film reproduziert auf liebe- und genussvolle Art und Weise Kamerastil, Tonfall und den expressiven Gestus in Schauspiel und Kulisse des Stummfilms, auch wenn er in Farbe gedreht und erst nachtrĂ€glich in Schwarz-Weiß konvertiert wurde. Die Darsteller gefallen: Jean Dujardin, bekannt als franzöischer Bond-Verlader, spielt mit einnehmendem Gentleman-Charme den großen Stummfilm-Star George Valentin mit dĂŒnnem Oberlippenbart, der sich auf dem absteigenden Ast wĂ€hnt, sobald sich 1927 der Tonfilm ins GeschĂ€ft hineinschleicht und schon bald - mithilfe betuchter, Zigarre rauchender Produzenten - den Stummfilm verdrĂ€ngt. Das zarte, verfĂŒhrerische PĂŒppchen Peppy Miller, gespielt von Berenice Bejo, erst durch George dazu animiert, zu einem Casting zu gehen, wird zur gwegenlĂ€ufig sich entwickelnden Figur.

THE ARTIST bietet die denkbar simpelste Handlung fĂŒr einen Stummfilm, der sich selbst, seine und die Geschichte Hollywoods feiert, ist anzusiedeln zwischen Hommage an den Stummfilm hier und Abgesang auf seinen "letzten Mohikaner" dort, lĂ€sst dabei einige Fragen offen; z.B. warum es dem verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig selbstsicheren George so schwer fĂ€llt, sich dem neuen Film-Verfahren anzupassen. Georges Leben, so scheint es auch am Essenstisch mit seiner entfremdeten Frau und seinem immer treuen Begleiter, dem Jack Russell-Terrier, der - gĂ€be es einen Oscar fĂŒr die besten Tier-Darsteller, diesen verdient hĂ€tte - ja, sein Leben ist quasi die Arbeit am Set und die Verwirklichung der in der RealitĂ€t gescheiterten TrĂ€ume im Film. Wie die Liebe zum angestammten Kulturgut sich aber letzten Endes an den Rande der Existenzangst und darĂŒber hinaus entwickeln kann, bleibt etwas schleierhaft.

Die Schlusssequenz - Achtung SPOILER! - ist daher nur logisch: Als George das Drehbuch des Produzenten zugeschickt und doch noch die Rolle in Peppys Film erhÀlt, und die beiden einen satten Tanz aufs Parkett legen, ist George im Tonfilm angekommen - und siehe da: die Darsteller können nun auch in der sich dem Zuschauer bietenden Film-RealitÀt sprechen.

Alles in allem bleibt ein Film, der dieses Jahr gesehen werden sollte. Den Oscar in der Königskategorie hÀtte ich dieses Jahr, ohne zu zögern, an DRIVE vergeben. Aber der war ja leider noch nicht mal nominiert...

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