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Sicko

Sicko

Ein Film von Michael Moore

von Asokan Nirmalarajah

Michael Moore Hates America – so der kontroverse Titel eines 2004 veröffentlichten, aber kaum gesehenen kleinen Dokumentarfilms, in der sich ein Filmnovize namens Michael Wilson aufmacht, Michael Moore wegen dessen ständiger Kritik an den Vereinigten Staaten von Amerika zur Rede zu stellen. So unnötig provozierend dieser Titel auch sein mag – der Film an sich ist weit differenzierter und klüger –, zeigt er uns doch daß Michael Moore nicht überall, und besonders nicht in Amerika, auf Akzeptanz trifft. Was nicht bloß an der satirisch verpackten, aber stets patriotisch formulierten Amerikakritik liegt, an der Moore besonders auch hierzulande in Form von satirischen Büchern und vor allem mit zornigen Dokumentarfilmen sehr kräftig verdient. Seit seinem ersten Achtungserfolg Roger & Me (1989) ist der rundliche Kappenträger mit dem bebrillten Babygesicht nämlich indes so weit gekommen, daß er jetzt derjenige ist, der Interviews mit konträr Denkenden aus dem Weg geht, die ihm allesamt – leider oft auch zu Recht – simplifizierende Oberflächlichkeit, Manipulation und Vorspielen von Fakten und erzwungene Polarisierung von Standpunkten vorwerfen. Das macht seine clever und unterhaltsam inszenierten Filme nicht minder sehenswert, aber doch problematisch in der Rubrik Dokumentarfilm. Der Begriff Essay-Film trifft
es da eher.


Auch Moores fünfter Essay-Film Sicko (2007) ist ein dezidiert subjektiver Beitrag zu einem kontroversen Thema, der jedoch wieder mit selektiven Beobachtungen und sich zurecht gestutzten Tatsachen arbeitet, um eine klare, kaum differenzierte Aussage zu treffen. Diese ist in diesem Fall folgende: das amerikanische Gesundheitssystem taugt nichts. Das ist uns nicht neu, wird aber in Moores gewohnt gewieftem Werk mit dem filmischen Schlaghammer wiederholt herausgestellt, erst recht im prekären Vergleich zu den nicht privatisierten, sozialen Gesundheitswesen von Großbritannien, Frankreich, Kanada (scheinbar Moores bevorzugte Nation, um die Fehler Amerikas vorzuführen), und sogar Kuba. 50 Millionen Amerikaner seien nicht versichert, und diejenigen, die es sind, werden häufig auch Opfer von skrupelloser Bürokratie und inhumanen Betrugsversuchen der Krankenversicherungen, die immer nur am Profit interessiert sind, und dafür auch den Tod ihrer Patienten hinnehmen, oder gar nicht erst potentielle Krankenfälle in ihre Obhut aufnehmen. Mit der gewohnt emotionalen Mischung aus Entsetzen und Sarkasmus notiert Moore Dutzende von solchen Fällen, die er den Film hindurch klug einzustreuen weiß.

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Zwischendurch beleuchtet der hier mal ohne Bart erscheinende Michael Moore grob zusammenfassend und gewohnt unterhaltsam die zuweilen turbulente Geschichte des amerikanischen Gesundheitssystems in ihrer heutigen Form, von ihren Anfängen als skrupellose Geschäftsidee unter US-Präsident Richard Nixon bis hin zu den vergeblichen Versuchen der früheren First Lady Hillary Clinton die allgemeine Krankenversicherung einzuführen. Und wieder mal verortet Moore die Schuldigen unter den einflußreichen Lobbyisten, die Politikerkampagnen finanzieren und so das lukrative Geschäft mit den überteuerten Medikamenten und den Versicherungsbeiträgen weiter voran treiben. Darunter müssen dann US-Bürger leiden, die es sich trotz Versicherung nicht leisten können, abgesägte Finger anzunähen, oder für die Chemotherapie aufzukommen, oder eine lebensrettende, zeitig zu erledigende Operation für den Familienvater zu stemmen.


Mit solch unfassbaren Schicksalen ist sich Moore der Anteilnahme und des berechtigten Zorns seines Publikums stets sicher, und vermag gar noch die Kurbel der Entrüstung weiter anzudrehen, indem er diese Fälle mit ähnlichen aus Kanada, Kuba oder Europa vergleicht. All das bringt Moore stets unterhaltsam, aufrüttelnd und mit viel Herz an den Zuschauer, doch die Objektivität einer Dokumentation ist nicht gegeben, wenn Moore sich zum Protagonisten seines eigenen Films macht und wie ein bedepperter Schuljunge durch die Welt reist. Dieser steht dann mit unfaßbarem und unverständlichem Staunen vor besseren Gesundheitssystemen, zeigt auf sie und fragt, warum die Amerikaner das nicht hinkriegen. Die Gesundheitswesen der anderen Länder werden vergleichsweise kaum so gründlich untersucht wie das amerikanische, und Michael Moore kommt somit zu allzu pauschalisierenden Ansichten: die Franzosen haben’s besser, weil sie ständig demonstrieren, die Engländer, weil sie nach dem zweiten Weltkrieg zusammenhielten und sozialer wurden, wie Amerika es nach 9/11 hätte tun sollen, - und Kanada hat’s wohl so gut, weil Moore scheinbar immer nur in die gleiche Gegend fährt. Das ist fast schon lachhafter Agitprop, wenn er dabei nicht so liebenswert einfältig und amüsant wäre.

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Viel anders ist auch Moores wohl provokanteste Aktion nicht zu bezeichnen: er schnappt sich ein paar freiwillige 9/11-Helfer und fährt mit dem Boot nach Guantanamo Bay, um die gleiche Krankenpflege einzuklagen, die seinen Freunden in Amerika verwehrt wurde, aber den vermeintlichen Terroristen im Gefängnislager zuteil wird. Das Leid dieser Patienten, ihre Entrüstung darüber, daß Medikamente in Kuba viel weniger kosten als in Amerika, ihre anschließende Behandlung in einem sonderbar traumhaften Hospital in Kuba, ihr Besuch bei einer dortigen Feuerwehrwache – all das ist ergreifend, was keiner leugnet, doch Moores Funktionalisierung dieser Momente für seinen Zweck hinterläßt einen faden Nachgeschmack; erst recht die finale Erwähnung einer anonymen, wohltätigen Tat für seinen ärgsten Internetkritiker, das er im nachhinein nur orchestriert zu haben scheint, um ein Ende für seinen Film zu finden, welches wiederum klug und anrührend und witzig ist.


Haßt Michael Moore Amerika? Nicht wirklich. Hat er ein gutes Herz und ist Sicko – nach dem Oscar-Erfolg Bowling for Columbine (2002) über die Waffenkultur Amerikas und dem Kassenhit Fahrenheit 9/11 (2004) über den Irak-Krieg schon der dritte Film von ihm, der zu den kommerziell erfolgreichsten Dokumentarfilmen aller Zeiten zählt – trotz einiger bedenklicher Momente ein wichtiger, notwendiger Film, speziell für Amerika?


Ja.

Eine Rezension von Asokan Nirmalarajah
(10. November 2007)
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Daten zum Film
Sicko USA 2007
Regie Michael Moore Drehbuch Michael Moore
Produktion Lionsgate
Darsteller Michael Moore
Länge 123 FSK 6
http://www.sicko-themovie.com/
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