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Heat

Heat

Ein Film von Michael Mann

Robert De Niro und Al Pacino- auf das unmittelbare Aufeinandertreffen dieser Leinwand- Giganten hatte die (Kino-) Welt lange gewartet. 1995 war es so weit: In Michael Manns Ausnahme- Thriller “Heat”, dem Remake seines eigenen TV- Krimis “Showdown in L.A.” von 1989, standen sich die beiden Größen des Filmgeschäfts endlich gegenüber- zwar spielten sie schon in “Der Pate II” (1974) zusammen, hatten aber keine gemeinsame Szene. Das Duell nun gestaltete sich so spektakulär wie möglich, doch war die Präsenz De Niros und Pacinos und deren beider außergewöhnliches Spiel gewiss nicht der einzige Grund für den heutigen Klassiker- Status von “Heat”. Michael Mann gelang eine schwermütige, unerbittlich brutale und gleichermaßen tragische Crime- Ballade von epischem Ausmaß, die durch eindrückliche Bilder und das perfekt ausgearbeitete, komplexe Drehbuch besticht, welches Mann übrigens selbst schrieb.

Der perfektionistische Gangster Neil McCauley (Robert De Niro) ist der Beste seiner Zunft. Auf ihn allein vertrauen seine Komplizen (u. a. Val Kilmer, Tom Sizemore), weil bei ihm niemals ein Coup in die Hose geht. Zu präzise ist seine Arbeit, zu durchdacht seine Pläne. Als ein Banküberfall allerdings gewaltsam aus dem Ruder läuft, heftet sich der ehrgeizige Cop Vincent Hanna (Al Pacino) an seine Fersen. Der hat einige private Probleme, die Ehe mit seiner Frau (Diane Venora) steht vor dem Aus, seine Tochter (Natalie Portman) ist selbstmordgefährdet. McCauley zu schnappen wird zu
seiner Obsession, doch in seinem ungebrochenen Willen, der fast schon an Besessenheit grenzt, erkennt er, dass er in seinem Gegner, der sich als ebenbürtig erweist, einen Bruder im Geiste gefunden hat…

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Als bekannt wurde, dass Robert De Niro und Al Pacino gemeinsam in einem Film auftreten, war das Interesse der Fans und dementsprechend die Erwartungshaltung groß. Zumal die beiden Akteure, die unbestritten zu den besten Schauspielern unserer Zeit zählen, sich als direkte Gegner- sprich Cop und Gangster- gegenüber stehen. Und tatsächlich knistert die Leinwand vom ersten Augenblick an, wenn die gegenseitige Hatz losgeht. Die erste gemeinsame Szene der beiden in “Heat” geriet zum Gourmet- Mahl für alle Cineasten: McCauley und Hanna unterhalten sich in einem Schnellimbiss über ihren jeweiligen Lebensstand, philosophieren über ihre Berufung und stellen fest, dass sie sich gar nicht so unähnlich sind, obwohl sie auf verschiedenen Seiten des Gesetzes stehen. Beide sehen ihren “Job” als schicksalhafte Obsession, die sie niemals aufgeben würden, selbst wenn ihnen “der Boden zu heiß wird”. Hanna und McCauley haben aufgrund ihrer Seelenverwandtschaft einen instinktiven Draht zueinander. Beide wissen aber auch, dass irgendwann zwangsläufig der Moment kommt, indem es heißt: Du oder Ich. Und dann “würde ich keine Sekunde zögern. Dann hättest du keine Chance, Bruder!”, so Vincent Hanna.

Den exakt gezeichneten Figuren und den vielen Nebenhandlungssträngen mit ihren zahlreichen Charakteren, die allesamt ihre Bedeutung und Wichtigkeit in der groß angelegten Geschichte haben, ist es zu verdanken, dass “Heat” über knappe drei Stunden ein konstant hohes Niveau hält. Das meisterliche Drehbuch vermittelt eine glaubhafte Dramatik, die aber nur durch großartige Schauspieler angemessen zum Ausdruck gebracht werden kann. Und so sind Al Pacino und Robert De Niro die großen Stützpfeiler des Films. Ihr Spiel besitzt Ereignischarakter. Pacino ist nicht nur der cholerische Bulle auf Verbrecherjagd, und De Niro nicht lediglich der abgebrühte Bankräuber und skrupellose Killer. Hinter den beiden durch das Gesetz getrennten Personen verbergen sich hochinteressante, komplexe Figuren, die uns unglaublich nahe erscheinen. Und so ist selbst ein De Niro mit seiner eiskalten Brutalität kein fremd erscheinender Charakter, sondern ein Mann mit menschlichen Schwächen und emotionalen Zügen. Seine Zuneigung zur Künstlerin Eady beispielsweise, mit der er sich nach Neuseeland absetzen will, wenn er dieses letzte Ding gedreht hat. Doch ein Moment der Unüberlegtheit, ein Augenblick, in dem er die Kontrolle über seinen perfekt durchkonzipierten Verbrecher- Plan verliert, weil ihn eben schlicht und ergreifend die Emotionen übermannen, bedeutet für ihn den sicheren Tod. Mit dem letzten Mord an Waingro, den er für dessen Verrat zur Rechenschaft zieht, macht er einen schwerwiegenden Fehler, der ins Verderben führt und ihn die Zukunft mit Eady kostet. Pacinos Vincent Hanna, der soeben in familiäre Abgründe schauen musste, bekommt die Gelegenheit zum Erreichen seines wohl einzigen Ziels. Diese daraus resultierende finale Sequenz nahe des Flughafen- Landeplatzes ist mit ihrer nervenzerfetzenden Spannung (auf musikalischen Score wurde hier verzichtet), der brillanten Kameraführung von Dante Spinotti und nicht zuletzt dem emotionalen Schlussbild eines der grandiosesten Finishs, die das Genre zu bieten hat.

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Aber um noch einmal auf die anderen Darsteller zurückzukommen. Denn “Heat” ist bis in die Nebenrollen fantastisch besetzt. Val Kilmer, der sich als “Doors”- Frontmann Jim Morrison ins kollektive Gedächtnis der Cineasten eingebrannt hat, begeistert in seiner Rolle als McCauleys Komplize Chris Shiherlis. Dessen Partnerin wird von der fabelhaften Ashley Judd verkörpert. Diane Venora gibt Pacinos Frau und Amy Brenneman McCauleys Geliebte Eady. In einer kleineren Rolle ist Natalie Portman als Hannas Tochter zu sehen. Die junge Aktrice aus Luc Bessons Welterfolg “Léon- Der Profi”, wo sie an der Seite von Jean Reno glänzte, beweist einmal mehr ihr beachtliches Können. Als Gangster sind des Weiteren Tom Sizemore, Kevin Gage und Danny Trejo dabei. Letzterer ist vor allem durch Robert Rodriguez` Vampir- Kulthit “From Dusk Till Dawn” berühmt geworden.

Michael Mann, der in der Folgezeit in seinen Filmen immer wieder ins Milieu der Großstadt- Kriminalität zurückkehrte, schuf mit “Heat” einen Thriller, der eigentlich in nahezu jedem Belang perfekt ist. Zwischenzeitlicher Höhepunkt der im Grunde eher ruhigen Inszenierung ist die bombastische, ausgedehnte Straßenschießerei, in der einem das Blei nur so um die Ohren fliegt. Mann setzt die kühle, neonleuchtende Optik, die hauptsächlich von einem düsteren Blau dominiert wird, in Kontrast zu der hitzigen Spannung zwischen den beiden Hauptprotagonisten und verleiht seiner Crime- Saga so eine bedrohliche Atmosphäre, die nachhaltig auf den Bertrachter einwirkt. Robert De Niro und Al Pacino, erst kürzlich wieder im von den Kritikern verrissenen “Righteous Kill- Kurzer Prozess” vor der Kamera vereint worden, sind überwältigend als ruhelose, getriebene Wölfe in der Hitze der Nacht von L.A.! Kurzum: Ein Meisterstück!

Eine Rezension von Christopher Michels
(18. Januar 2009)
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Daten zum Film
Heat USA 1995
(Heat)
Regie Michael Mann Drehbuch Michael Mann
Produktion Warner Kamera Dante Spinotti
Darsteller Al Pacino, Robert De Niro, Val Kilmer, Ashley Judd
Länge 164 Minuten FSK ab 16
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