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Wir sind keine Engel

Wir sind keine Engel

Ein Film von Michael Curtiz

“Wir sind keine Engel” von Michael Curtiz ist eine Weihnachtskomödie der anderen Art. Anfangs ein Ganovenstück, dann ein bisschen Liebestragödie und zum Schluss ein hübscher Krimi. Nach dem Bühnenstück “La cuisine des Anges” von Albert Husson ist auch die Verfilmung von 1955 ein Kammerspiel mit nur wenigen Schauplätzen, das sich auf die Dialoge und die Darsteller konzentriert. Inzwischen ist “Wir sind keine Engel” ein Weihnachtsklassiker geworden, der mit seiner hochkarätigen Besetzung immer wieder Spaß bereitet.

Weihnachten 1895. Die Teufelsinsel vor der Küste von Französisch-Guayana in Südamerika wird als Strafkolonie missbraucht. Gerade wird in Cayenne, der Hauptstadt des Übersee-Departements, nach drei von der Insel entflohenen Sträflingen gesucht.
Joseph (Humphrey Bogart), Julius (Peter Ustinov) und Albert (Aldo Ray) wollen sich nach Paris absetzen, brauchen aber, um an Bord des Schiffes zu gehen, Pässe, Geld und neue Kleidung. Sie bieten dem Kolonialwarenhändler Felix Ducotel (Leo G. Carroll) an, sein Dach zu reparieren, erhoffen sich jedoch Zugang zu Briefpapier und Geld. Während unsere drei Sträflinge – Joseph ist nur ein Betrüger, Julius und Albert haben immerhin einen Mord begangen – durch das Dachfenster lugen, wächst ihnen die Familie Ducotel ans Herz: Felix und seine Frau Amélie (Joan Bennett) lieben sich sehr, haben aber finanzielle Probleme. Felix ist zu gutmütig und zu zerstreut, um das Geschäft seines Vetters André wirtschaftlich zu fü
hren. Tochter Isabelle (Gloria Talbott) ist unsterblich in Paul, den Neffen von André, verliebt und hofft, dass auch seine Liebe durch die Distanz zwischen Cayenne und Paris nicht erloschen ist.
Ein Brief trifft ein: André und Paul befinden sich in Quarantäne im Hafen und werden am nächsten Tag bei den Ducotels eintreffen. Als Isabelle erfährt, dass Paul mit einer Anderen verlobt ist, fällt sie vor Schreck in Ohnmacht. Von diesem Moment an mischen unsere Drei kräftig im Familien- und Geschäftsleben der Ducotels mit. Immer höflich, zuvorkommend und mit den besten Manieren verkörpern sie nicht gerade die typischen Knackis. Joseph ist hervorragend im Frisieren der Buchhaltung und ein Verkaufstalent. Julius ist Safeknacker und öffnet Geldkassetten und verschlossene Türen. Albert ist ein Casanova und fühlt sich besonders Isabelle verpflichtet, ihr mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Er trägt stets einen kleinen Korb mit sich herum, in dem sich eine tödliche Viper befindet – bezeichnenderweise heißt sie Adolf.
Da unsere drei Sträflinge den Ducotels in vielerlei Hinsicht gute Dienste leisten, werden sie eingeladen, zum Weihnachtsessen zu bleiben. Stets im Hinterkopf, die Familie später auszuplündern und womöglich sogar umzubringen, übernehmen sie die Vorbereitungen für das Fest und bezaubern mit allem was dazu gehört: einem gestohlenen Weihnachtsbaum, einem gestohlenen Truthahn und den wundervollsten Blumen aus dem Garten des Gouverneurs. Als Familie Ducotel schlafen gegangen ist, tut es unseren Sträflingen doch sehr leid, gerade diesen lieben Menschen vielleicht noch mehr Kummer bereiten zu müssen.
Es klingelt. André und Paul stehen vor der Tür. Zwei arrogante Snobs, die nur ans Geld denken, nur vom Geld reden und auch sonst ziemlich hartherzig sind. Isabelle muss erfahren, dass sich Paul gegen sie entschieden hat und eine Geldheirat eingehen wird. André will sich die Jahresbücher des Ladens ansehen und Inventur machen – mit dem Ziel, Felix und seine Familie rauszuschmeißen, falls die Geschäfte nicht nach seinen Vorstellungen geführt wurden. Unseren drei Sträflingen kommen Vetter André und Paul sehr gelegen, da sie ihr Vorhaben nun auf diese beiden verlagern können. Immerhin stinken sie nach Geld, besitzen französische Pässe und tragen vornehme Anzüge. André, der alte Geizkragen, verdächtigt Albert, den kleinen Korb gestohlen zu haben und nimmt ihn in Beschlag – ungeachtet der Warnungen, dass sich darin eine Schlange befindet. André wird gebissen, läuft grün an und ist nach ein paar Minuten dahin. Als Paul am nächsten Morgen von Andrés Tod erfährt, kann er seine Trauer nur heucheln. Da er in der Erbfolge vor den Ducotels steht, wird er als Alleinerbe ein Vermögen erhalten. Paul findet die Schlange im Zimmer seines Onkels und unsere drei Sträflinge sind aufs Neue erleichtert: zum einen, weil die Schlange nun wieder in ihre Obhut genommen werden kann, zum anderen, weil auch Paul gebissen wird und in kürzester Zeit stirbt. Alle haben saubere Westen und alle bekommen, was sie verdienen.
Nach diesem turbulenten Tag sehnen sich unsere drei Sträflinge nach dem geregelten Leben und den netten Menschen im Gefängnis und kehren freiwillig zurück – mit dem Wissen, im nächsten Jahr wieder ausbrechen zu können.
Wir sind keine EngelWir sind keine EngelWir sind keine Engel
Der Film “Wir sind keine Engel” wird hauptsächlich durch seinen Wortwitz und seine Schauspieler getragen. Die Dialoge sind gefüllt mit schwarzem Humor, die einzelnen Szenen dagegen einfühlsam. Durch diesen Kontrast bekommt der Film einen ganz besonderen Reiz. Einerseits steht zwar fest, dass die Ducotels nur Mittel zum Zweck darstellen, andererseits sind unsere drei Sträflinge wirklich bemüht, ihnen zu helfen und sie zu trösten. Der Auftritt von Vetter André und Paul bedeutet auch eine emotionale Wende. Bis dahin wird eine große positive Nähe zu den Ducotels aufgebaut – dies gilt sowohl für unsere drei Sträflinge als auch für den Zuschauer. André und Paul sind jedoch so überspitzt ekelhaft, dass man sich sofort angewidert distanziert.

“Wir sind keine Engel” ist brillant besetzt. Allein die Darstellung von Humphrey Bogart ist unbedingt sehenswert, da er für seine Kultfiguren des Film Noirs berühmt ist und kaum Komödien gedreht hat. Dies ist einer seiner letzten Filme, da er zwei Jahre später seinem Krebsleiden unterliegt. Seine Zusammenarbeit mit Regisseur Curtiz ist legendär, vor allem durch den Filmklassiker “Casablanca” (1942). Seine Gefängnis-Kumpel Peter Ustinov und Aldo Ray machen übrigens genauso viel Spaß. Besonders Ustinov passt mit seinem verschmitzten, lausbubenhaften Ausdruck perfekt. Auch Leo G. Carroll ist sehr gut besetzt und spielt den verwirrten, gutmütigen und ehrlichen Familienvater wirklich überzeugend.
Und um es nicht zu verschweigen: die Damen der Familie Ducotel sind wahre Schönheiten – von innen und außen. Isabelle ist in ihrer Naivität und Schüchternheit einfach reizend. Ihre Mutter ist elegant, hat Stil und besitzt eine Lebenshaltung, die von Liebe zu ihrem Mann und ihrer Tochter geprägt ist. Beide sehen hinreißend aus und tragen den ganzen Film über wundervolle Kleider, die sie auch zu tragen wissen und ständig wechseln. Nicht nur die ausgeprägten Farben des Technicolor-Style der 50er Jahre, sondern auch das Kostümbild und die Ausstattung bieten also etwas fürs Auge.

“Wir sind keine Engel” wurde unter dem gleichen Titel von Neil Jordan im Jahre 1989 mit Robert De Niro und Sean Penn verfilmt. Bis auf die Story von entflohenen Sträflingen hat der Film jedoch nichts mehr mit dem Bühnenstück oder der Originalverfilmung gemeinsam. De Niro und Penn versuchen sich als Geistliche durchzuschlagen (wer will, könnte hier mit viel gutem Willen immerhin den gleichen christlichen Background erkennen) – das Weihnachtsflair und der ursprüngliche Dialogwitz wurden nicht übernommen. Auch der japanische Regisseur Takashi Miike soll seinen Film “Oretachi wa tenshi ja nai” (1993) an das Bühnenstück angelehnt haben. Es ist ratsam, diese Filme losgelöst vom Original zu betrachten, denn trotz des Namens sind sie kein Remake, sondern eigenständige Werke.

Weihnachtsskala

Besinnlichkeitsfaktor: mittel, zur inneren Ruhe kommt man nicht, da das Lachen zu sehr ablenkt und am Ende ja auch jemand stirbt

Schnee-Anteil: null, da die Handlung nach Südamerika gelegt wurde und die Damen in schönen Sommerkleidern herumlaufen

Weihnachts-Deko: super, mittendrin wird alles festlich geschmückt und schön gefeiert

Sing-along-Faktor: eigentlich ganz gut, da das Lied “Sentimental Moments” ein fieser Ohrwurm ist

Familientauglichkeit: Für die ganz Kleinen nicht optimal, weil der Humor zu schwarz und der Film sehr dialoglastig ist. Für die Älteren aber absolut geeignet.

Kultpotential / Klassiker: besser gehts nicht

Eine Rezension von Jeannette Armborst
(05. Dezember 2007)
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Daten zum Film
Wir sind keine Engel USA 1955
(We´re no angels)
Regie Michael Curtiz Drehbuch
Produktion
Darsteller Humphrey Bogart, Peter Ustinov, Aldo Ray, Leo G. Carroll, Joan Bennett, Gloria Talbott
Länge ca. 102 Min. FSK freigegeben ab 12 Jahren (diese Bewertung erscheint für heutige Verhältnisse sehr streng)
Filmmusik Frederick Hollander
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