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Kill the Messenger

Kill the Messenger

Ein Film von Michael Cuesta

Wie weit ist man bereit zu gehen, um die Wahrheit in die Öffentlichkeit zu tragen? So weit, dass man auch sein eigenes Leben aufs Spiel setzen würde? Viele würden diese Frage wohl verneinen, Gary Webb aber hat für die Wahrheit gekämpft, unerschütterlich auf seine moralischen Prinzipien beharrt, und wurde am Ende selbst zum größten Opfer seiner unnachgiebigen Recherchearbeit: Mit zwei Kugeln im Hinterkopf wurde der Enthüllungsjournalist der San Jose Mercury News am 10. Dezember des Jahres 2004 in seinem Haus aufgefunden – Suizid, wie der örtliche Untersuchungsrichter deklarierte, noch bevor der Tod Webbs auf Selbstmordspuren begutachtet werden konnte. Aber wie konnte es dazu kommen, dass sich Gary Webbs Einsatz für die allgemeine Informationsfreiheit einem solch verqueren Schlusspunkt ausgesetzt sehen musste? Ganz einfach: Webb hat in seinem Artikel „Dark Alliance“ ausgeschrieben, was Amerika nicht zu denken wagte – und niemals denken sollte. „Kill the Messenger“ bereitet Gary Webbs Leben und seine Verdienste nun kinotauglich auf.

Wobei „Leben“ an dieser Stelle ein etwas zu umfassendes Etikette ist, richtet sich „Kill the Messenger“ von „Homeland“-Regisseur Michael Cuesta doch ganz explizit auf den entscheidenden Wirkungszeitraum Gary Webbs (Jeremy Renner, „Tödliches Kommando“), als er einem der größten Skandale der inländischen Geheimdienstarbeit auf die Schliche gekommen ist: Durch Zufall näm
lich kommt dem investigativen Journalisten zu Ohren, dass sich hinter der Crack-Epidemie, wie sie in den 1980er Jahren unter dem Ronald-Reagan-Doktrin ins Rollen geraten ist, ein Komplott der CIA verbergen sollte, der als Iran-Contra-Affäre in die Geschichte eingehen wird. Um zu vermeiden, dass sich das lateinamerikanische Nicaragua womöglich mit einem Ostblockstaat verbündet (ganz nach dem Vorbild Kubas), schleuste der CIA nicaraguanische Hehler in die Vereinigten Staaten, die Tonnen von Kokain primär in den Ghettos von Los Angeles vertreiben sollten, um mit dem durch den Drogenhandel gebündelten Geld geheime Methoden zur Kriegsführung in Form von paramilitärischen Contra-Rebellen zu finanzieren und so wirtschaftliche Interessen der USA sicherzustellen.

Kill the MessengerKill the MessengerKill the Messenger

Der Verdacht liegt nun nahe, dass Michael Cuesta und Peter Landesman „Kill the Messenger“ auf einem nach außen gekehrten Maß an lexikalischem Wissen begründen und über 110 Minuten stocksteif durch Gerichtssäle, Verhörräume und Bürokomplexe hetzen, um den informativen Resonanzraum kläglich auszudehnen und den Zuschauer nicht mehr nur beschaulich aufzuklären, sondern auch in einer gewaltigen Daten- und Faktendichte zu übersättigen. „Kill the Messenger“ aber sucht viel mehr die narrative Symbiose aus Webbs Handeln auf politischer Ebene und den daraus resultierenden Konsequenzen im familiären Kosmos. Dass Webb in der Vergangenheit schon einmal einen Fehler gemacht hat, an den sich seine Frau Sue (Rosemarie DeWitt, „Promised Land“) im Zuge seiner zielstrebigen Ermittlungen sogleich zurückerinnert fühlt, gibt einen erneuten Anstoß für die zwischenmenschlichen Konflikte innerhalb der (auf den ersten Blick gesunden) Beziehung. Vor allem sind es nicht nur Sue und Gary, die unter dem Druck der brisanten Enthüllungen leiden, sondern auch ihre drei Kinder, die ihren in Erziehungsangelegenheiten recht lockeren Vater doch immer wie einen Heiligen verehrten.

Dass der Drogenmissbrauch unter Richard Nixon noch zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt und der Drogenkrieg als weitreichender Generalschlag verstanden wurde, klingt angesichts der fatalen Vorfälle unter Ronald Reagan wie eine besonders gallige Ausformung schicksalhafter Ironie. Wo Drogen dazumal als Missachtung von Werten verstanden wurden und Institutionen in ihren ethischen Grundsätzen untergruben, ist der Rauschgifthandel in „Kill the Messenger“ letztlich genau der Anlass anzunehmen, warum die Wahrheit nur noch zur amorphen Vokabel taugt – ausgehöhlt und unlängst zur Grauzone verkommen. Wie Gary Webb diesen zerfahrenen Umstand realisieren muss und für das Aufspüren der Drahtzieher hinter dem Guerilla-Krieg gegen Nicaragua vor allem in den einheimischen Gefilden fündig wird, stellt sein persönliches Moralbewusstsein ebenso stark auf den Prüfstand, wie es sein ältester Sohn Ian (Lucas Hedges, „Grand Budapest Hotel“) tut, der zum ersten Mal an der weißen Weste seines Vaters zweifeln muss. In „Kill the Messenger“ verknüpfen sich der politisierter Paranoia-Thriller und das innerfamiliäre Drama.

Kill the MessengerKill the MessengerKill the Messenger

Man kommt allerdings nicht umhin zu proklamieren, dass sich „Kill the Messenger“ in seinem dramaturgischen Konzept einer gewissen Formelhaftigkeit geschlagen gibt, was sich auch an den Texttafeln, die sich am Ende über den Zuschauer ergießen, exemplifiziert. Dass „Kill the Messenger“ ebenso unter den Tisch fallen lässt, dass es schon Jahre zuvor einen Artikel gegeben hat, der die präzise Untersuchungen von Ronald Reagans Contra-Unterstützung forderte, passt natürlich ins idealisierte Bild von Webb, welches der Film unerlässlich zeichnet. Und doch, auch wenn „Kill the Messenger“ nicht zur Referenz im Polit-Kino taugt, ist Michael Cuesta ein Film gelungen, der noch einmal demonstriert, wie schnell die Wahrheit doch zur leeren Worthülse verkommen kann und Fakten plötzlich auch von Vertrauten als bloße Hirngespinste denunziert werden – einfach weil es der bekömmlichere, der sensationsheischende Weg ist, den Menschen, anstatt seine Offenbarungen zu behandeln. Und darin bäumt sich ein zeitloser Diskurs auf, der „Kill the Messenger“ nicht nur interessant, sondern letzten Endes auch durchaus spannend macht.

Cover & Szenenbilder: © Bluegrass Films, The Combine.

Eine Rezension von Pascal Reis
(01. August 2015)
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Daten zum Film
Kill the Messenger USA 2014
(Kill the Messenger)
Regie Michael Cuesta Drehbuch Peter Landesman
Produktion Bluegrass Films, The Combine Kamera Sean Bobbitt
Darsteller Jeremy Renner, Rosemarie DeWitt, Barry Pepper, Mary Elizabeth Winstead, Michael K. Williams
Länge 112 Minuten FSK ab 12 Jahren
Filmmusik Nathan Johnson
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