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Kick-Ass

Kick-Ass

Ein Film von Matthew Vaughn

 von Asokan Nirmalarajah

Kick-Ass (2010), die mit reichlich Internet-Hype antizipierte und bereits von einigen Kritikern mit Vorschusslorbeeren versehene Realverfilmung des gleichnamigen Comics von Autor Mark Millar und Illustrator John Romita, Jr., steht am Ende eines Jahrzehnts, in dem sich der Superheldenfilm endlich als ein ebenso profitables wie respektables Filmgenre etablieren konnte. Ohne frühe Genre-Maßstäbe setzenden, wenn auch inzwischen mitunter etwas verstaubten Kultfilmen wie Superman (1978) oder Batman (1989) ihre Bedeutung absprechen zu wollen, muss man doch feststellen, dass der phänomenale Siegeszug des Genres in den 2000er Jahren erst mit dem Überraschungserfolg von Bryan Singers X-Men (2000) begann. Auf das bemerkenswert sensible Außenseiterdrama über die gesellschaftliche Diskriminierung von Mutanten (als Metapher für alle realen Minderheitsgruppen, die für ihre Menschenrechte kämpfen müssen) folgte dann im Schatten von 9/11 Sam Raimis patriotisch ausgerichtetes, allerlei Einspielrekorde brechendes Coming-of-Drama Spider-Man (2002), von dem sich selbst die Kritiker begeistert zeigten. Die Hollywood-Studios reagierten schnell und produzierten in den letzten zehn Jahren nicht nur Filme über bereits sehr populäre Figuren wie Hulk (2003), Fantastic Four (2005) oder Iron
Man
(2008), sondern auch über weniger bekannte Comic-Helden wie Daredevil (2003), Hellboy (2004) und Ghost Rider (2007). Die eindrucksvolle Palette reicht dabei von Filmen mit unfreiwillig komischem Trash-Appeal (Catwoman, 2004) bis hin zu Filmen mit schwindelerregenden Arthouse-Ambitionen (Watchmen, 2009), vom Teenfilm (Sky High, 2005) bis zur Romantic Comedy (My Super Ex-Girlfriend, 2009), von bunter Familienunterhaltung (The Incredibles, 2004) bis hin zu düsterer Sozialkritik (The Dark Knight, 2008). Kick-Ass, eine alberne, auf substanzlose Coolness getrimmte Actionkomödie mit parodistischen Zügen, präsentiert uns nun einen unfreiwillig komischen, inkompetenten Superhelden für die YouTube-Generation, der zwar weder über besondere Superkräfte, noch irgendwelche Fähigkeiten verfügt, aber sich dennoch dafür entscheidet, eine Antwort auf die Frage zu finden, die wir uns wohl alle schon einmal gestellt haben: "Warum hat noch niemand versucht, ein Superheld zu sein?"
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Dass sich gerade ein durchschnittlicher, nicht sonderlich populärer Teenager wie Dave Lizewski (Aaron Johnson) diese Frage ernsthaft stellt, mag nicht verwundern. Ist doch sein Leben als gänzlich unspektakulär, ja geradezu trist zu bezeichnen: ein allein erziehender, abwesender Vater, zwei zynische Freunde, die ihn ständig aufziehen, eine arrogante Highschool-Schönheit (Lyndsy Fonseca), die er nur aus der Ferne bewundern darf, und der adoleszente Hang dazu, alles als Masturbationsvorlage zu missbrauchen, von seiner üppigen Lehrerin bis hin zu Bildern aus dem Internet. Als Superheld erhofft er sich – wie schon viele jugendliche Protagonisten vor ihm – eine neue, stabilere Identität. Doch als begeisterter Comic-Leser müsste Dave eigentlich wissen, dass Superhelden hinter ihrer glamourösen, hypervirilen Fassade zu den depressivsten und unglücklichsten Figuren amerikanischer Populärkultur gehören. In seiner Naivität und Langeweile sucht er aber lieber das gefährliche Abenteuer im Kostüm. So besteht seine Vorbereitung auf den ersten Einsatz als selbsternannter ‚Kick-Ass’ auch nur darin, sich einen grünen Schwimmanzug mit Maske überzuziehen und mit zwei Schlagstöcken auf Straßenkriminelle loszugehen. Nach einigen Rückschlägen wird er zufällig bei einem Kampf gefilmt, auf YouTube gestellt und so zu einem Medienphänomen. Diese neue Prominenz zieht aber nicht nur andere, fähigere Superhelden in Form von Big Daddy (Nicolas Cage) und seiner Tochter Hit-Girl (Chloe Moretz) und den tollpatschigen, aber mit kostspieligeren Gadgets ausgestatteten Red Mist (Christopher Mintz-Please) an, sondern auch den skrupellosen Gangsterboss Frank D’Amico (Mark Strong), dem die neue Flut an Gesetzeshütern mehr als ärgerlich ist…
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Bemerkenswert an dem 70 Millionen Dollar teuren Projekt und bezeichnend für die aktuelle und in absehbarer Zeit nicht abzureißende Popularität des Superheldengenres ist, dass die Filmrechte zu dem insgesamt acht Hefte umfassenden ersten Teil des Comics bereits vor seiner Veröffentlichung verkauft wurden. So entstand der Film nahezu parallel zum Comic und orientiert sich auch sehr eng an der Vorlage. Die wenigen Änderungen, die er in Narration und Figurenzeichnung vornimmt, tragen jedoch maßgeblich dazu bei, dass der Film weder an den ungleich brutaleren und subversiveren Comic heranreicht, noch als ein eigenständiges, in sich kohärentes Werk überzeugen kann. Es beginnt eigentlich schon damit, dass der Film wie der Comic mit einer parodistischen Dekonstruktion der bekannten Superheldengeschichte kokettiert, aber anders als der Comic letztlich doch nichts anderes erzählt als den spektakulären Reifungsprozess eines jungen Mannes, der am Ende all das kriegt, was er am Anfang nicht hatte. Der Comic beginnt und endet in dieser Beziehung ungleich nüchterner, zynischer und damit auch seinem Credo gerecht ‚realistischer’. Kick-Ass spielt als Comic in einer Welt, in der es keine Helden mehr gibt, sondern nur noch Spinner, die für ein wenig Nervenkitzel bereit sind, zu sterben. Kick-Ass als Film ist zu sehr von der amerikanischen Idee geprägt, dass sich Heldentaten letztlich immer auszahlen.

Interessant dabei ist wie sowohl Comic als auch Film die Geschichte eines ‚realen’ Superhelden erzählen wollen, sich dann aber in absurde Komik, groteske Karikaturen und immer phantastischere Situationen bewegen. Was dem Comic dabei jedoch gelingt und dem Film völlig misslingt ist die Gratwanderung zwischen den disparaten Elementen seiner Geschichte. Während der Comic souverän zwischen extremer Gewalt, albernem Slapstick und schwermütigem Superhelden-Pathos schalten konnte, hat der Film große Probleme, die Komik und Absurdität seiner künstlichen Welt mit seinen abrupten Gewaltexzessen und sentimentalen Momenten zu vermählen. Kick-Ass war ein Comic, der keiner sein wollte und doch gerade die medialen Besonderheiten des Comics zelebrierte. Der Film will lieber ein effektvoller Film-Comic sein als das selbstreflexive Spiel mit den Superheldenfilm-Konventionen ernsthaft zu betreiben. Vaughn, der mit seinem stilsicheren Regiedebüt Layer Cake (2004) einen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte und sich mit seinem überfrachteten Märchen Stardust (2007) etwas übernommen hatte, findet leider selten den richtigen Ton für seinen sehr lebendigen, aber dramaturgisch ziellos dahindümpelnden Film, der leider einige der wenigen Überraschungen und Mysterien der Vorlage zugunsten platter Komik und einer durchgängig unterforderten Besetzung verschenkt.
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Die bereits sehr dünne Handlung und die schablonenhaften Figuren der Vorlage findet man auch im Film, selbst wenn sie durch die Persönlichkeit der Schauspieler jeweils um eine – oft deplatzierte – ironische bis clowneske Note erweitert wurden. Aaron Johnson kann in der Rolle des drahtigen, drolligen Möchtegernhelden überzeugen. Nicolas Cage hingegen legt den ominösen Big Daddy der Vorlage als flache Batman/Adam West-Persiflage an und der für sein intelligentes, subtiles Spiel bekannte Mark Strong (Body of Lies, 2008) ist sichtlich unterfordert in der Rolle des ständig zu Wutanfällen neigenden Bösewichts. Besonders problematisch – vor allem für den Jugendschutz – ist allerdings die zur Drehzeit zwölfjährige Chloe Moretz als Hit-Girl. Was im Comic noch ein cleveres Spiel mit Genre-Erwartungen war, entpuppt sich im Film als ein flacher, provokanter Gimmick: ein kleines Mädchen, das fluchend und mit Kussmund die Glieder ihrer Kontrahenten in aufwendig choreographierten Actionszenen zerstückelt. Man kann sich zwar – wie damals bei Linda Blair, als sie als 14jährige in The Exorcist (1974) die Masturbation mit einem Kruzifix simulieren musste – darüber wundern, ob diese Art potentiell traumatisierender Dreharbeiten für ein kleines Mädchen angebracht wäre. Schlimmer ist aber, dass es sich dabei um einen Einfall handelt, der sich im Film viel schneller abnutzt als im Comic.

Kick-Ass ist letztlich ein enttäuschend schwacher, ständig um Kultstatus werbender Film, der eigentlich von einem Filmemacher wie Quentin Tarantino im Kill Bill-Modus hätte inszeniert werden müssen, um sein volles Potential zu entfalten. So mag der Film mit Tabubrüchen kokettieren, aber verfügt doch in keinem Moment über das dunkle Herz seiner Vorlage. In seiner jetzigen Form hat er dem Superheldengenre weder etwas Neues, noch etwas Erinnerungswertes beizusteuern, sondern macht nur mehr als deutlich, wie brillant eigentlich die Superheldenfilme von Sam Raimi und Christopher Nolan waren.

Eine Rezension von Asokan Nirmalarajah
(21. März 2010)
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Daten zum Film
Kick-Ass USA/GB 2010
Regie Matthew Vaughn Drehbuch Jane Goldman, Matthew Vaughn, basierend auf den Comics von Mark Millar
Produktion Marv Films Kamera Ben Davis
Darsteller Nicolas Cage, Mark Strong, Chloe Moretz, Aaron Johnson, Jason Flemyng
Länge 117 FSK 16
http://www.universal-pictures-international-germany.de/
Filmmusik Ilan Eshkeri, Henry Jackman
Kinostart: 15.04.2010
Kommentare zu dieser Kritik
the flower tao sagte am 27.03.2010 um 21:35 Uhr

Ich gehe noch einen Punkt weiter runter.

Wenn ein Film, noch während er auf der Leinwand flimmert, darum wirbt, doch bitte bitte gleich danach zum Kult erklärt zu werden, habe ich schon keinen Bock mehr. "Oh, schaut her, habt ihr erkannt, woher DIESE und JENE Einstellung gerade so wunderbar postmodern herzitiert sind?" - Matrix, Underworld, Watchmen, usw... na toll. Und jetzt?

Elend durchschaubar auf stylish getrimmt, hätten etwa die Actionsequenzen ohne den hippen Soundtrack (zB. The Prodigy) null Wirkung.

Und dann Hit-Girl... da drängt sich die Frage auf, was das für eine Filmwelt ist, in der kleines Mädchen a) sowas drauf und b) null Probleme mit schlichtem Massenmord hat. Würde der Film ein von Beginn an frei heraus überzeichnetes Universum herstellen, wäre das legitim und würde vermutlich ganz gut funktionieren.

Allerdings wird lange darauf hingearbeitet, eben kein solches Universum zu etablieren; sondern eine seichte Highschool-Loser-Realität - in der Bruce Lee die Hit-Girl-Choreographien sicher stemmen würde, nicht aber ein kleines Mädchen. Der ganze Highschool-Plot beisst sich mit der Big-Daddy/Hit-Girl-Erzählung, die Ebenen grätschen sich rein, das ganze Ding hat null Integrität.

Was ich aber am furchtbarsten fand, war der PERMANENTE Off-Text, der aber auch wirklich jedes selbsterklärende Bild nochmal für den besoffenen Anteil im Publikum überdeutlich machen musste. Erde an Vaughn: Kino = Bild-Erzählung. Idiot.

Was für ein fehlkonzipierter Mist...
Asokan TEAM sagte am 28.03.2010 um 00:27 Uhr

Problematisch an dem Film ist wirklich, dass er nicht den richtigen Erzählton für seine hanebüchene Geschichte findet. Ich frage mich aber angesichts der ekstatischen Vorberichte zum Film und den bislang doch sehr gnädigen bis hin zu sehr positiven Rezensionen, wie erfolgreich er dennoch bei den Fanboys und beim Publikum sein wird.
the flower tao sagte am 28.03.2010 um 20:33 Uhr

Das ist doch voll der Kult, ey. Geil, ne? Hasse gesehen, die kleine bitch da, macht die alle kalt so richtig gEil!!!!1 und dann fett ey splattert das..

Asokan TEAM sagte am 29.03.2010 um 00:10 Uhr

Hehe, ja genau so wird es sich sicherlich anhören... ;-)
travisbickle TEAM sagte am 29.03.2010 um 16:05 Uhr

Der Film ist meines Wissens nach ab 16 freigegeben, nicht - wie angegeben - ab 18!
Asokan TEAM sagte am 29.03.2010 um 16:16 Uhr

...bei den Gewaltszenen eigentlich unverantwortlich, aber wahr! Danke für die Info.
travisbickle TEAM sagte am 29.03.2010 um 16:25 Uhr

Nix zu danken. Naja, ich habe den Film noch nicht gesehen, aber neugierig bin ich schon geworden ;)
Damocles TEAM sagte am 15.04.2010 um 10:58 Uhr

Ich fand den Film schwer unterhaltsam.

Die Kritik kann ich so recht auch nicht nachvollziehen, vor allem drei Dinge stoßen mir etwas auf:
1. So substanzlos ist die Coolness nicht. Selbst der vorhandene "Sub"text, als Kick-Ass fragt, ob jemand von uns anders gehandelt hätte als der Mann am Fenster beim Überfall ist eigentlich eines der Themen, die den Film durchziehen.
2. Die Abweichungen gegenüber der Vorlage. Ich kenne diese nicht, aber gerade wenn du schreibst, das beide Projekte parallel entwickelt wurden, ist doch gerade die Abweichung die Stärke des Films. Eine 1:1 Verfilmung wäre dann ja nichts anderes als Geldschneiderei, da zwischen der Enstehung beider keinerlei Zeit vergangen ist.
3. Dem Film zu unterstellen, er hätte seine Hit-Girl-Darstellerin vielleicht traumatisert ist lächerlich. Ich weiß gar nicht wo ich da anfangen soll...normalerweise sind solche Dreharbeiten für Kinder ein Riesenspaß, die haben ja auch Einschränkungen beim Dreh. Die Gore-Effekte kommen zum Großteil wohl eh aus dem PC, und es gibt zahlreiche Horrorstreifen - auch älteren Datums, bei denen Kindern eine zentrale Rolle spielen, ohne davon psychische Schäden zu bekommen: Halloween 4 beispielsweise ließ die damals 11 jährige Danielle Harris vorm Mann mit der Maske um ihr Leben rennen.

Dass der Film vielleicht "positiver" als die Vorlage endet liegt dann halt wohl im Budget begründet: finde erstmal Produzenten die dir mit 70 Millionen Dollar als "unbekannter" Regisseur bei sowas freie Hand lassen.

Ach, und zu den Kommentaren:
So schlimm sind die Gewaltszenen auch nicht, ab 16 geht da schon in Ordnung (auch wenn man sich über 18 nicht beschweren könnte). Das liegt nicht zuletzt daran, dass gerade die größten Gewalttäter Big Daddy und Hit Girl als Fantasieelemente erkannt werden (gerade das, worüber sich die Kommentatoren so aufregen), auch wenn der Film diese als solche nicht markiert.
Und wenn ich nun als Fanboy beschimpft werde, dann ist das halt so.

Kick-Ass: Empfehlung!
the flower tao sagte am 15.04.2010 um 11:36 Uhr

Natürlich sind Big Daddy und Hitgirl als Fantasie-Elemente angelegt. Das ist doch gerade die Kritik: Dass die Fantasie-Elemente und die Highscool/Comedy/Loser-"Realität" sich viel zu heterogen verhalten und nie eine integere Erzählung ergeben. Die Gewalt für sich stört mich nicht, bloß ihre Selbstzweckhaftigkeit. Denn für die von dir in 1) angesprochene Thematik (Zivilcourage?) braucht es den Daddy/Girl-Subplot mit seinem Rachemotiv nicht. Ich habe nach wie vor den Eindruck, dass der Film (abgesehen vom Entertainment-Horizont, höhö) nicht ansatzweise weiss, was er erzählen soll. Als Zivilcourage-Telltale geht KICK-ASS eben dank des HitGirl-Unfugs nicht eine Sekunde lang durch.
Damocles TEAM sagte am 15.04.2010 um 12:17 Uhr

Naja, wenn man Hit Girl als zu überdreht kritisiert, kann man im gleichen Atemzug auch Dark Knight nennen. Das ist nämlich auch nicht realistischer.
the flower tao sagte am 15.04.2010 um 12:51 Uhr

Du verstehst den entscheidenden Punkt wohl nicht: Wie man DARK KNIGHT auch finden mag, der Film ist absolut wasserdicht mit der Welt, die er als Bühne für Handlung und Metatext etabliert. Der Vergleich mit Batman will mir zwar nicht einleuchten, aber wenn es schon sein muss: SIN CITY oder 300 verwenden ebenso diese überzogene Comic-Gewaltästhetik, bauen ihre Welten aber intakt drumherum auf.

Nicht HitGirl geht mir auf die Nerven, sondern HitGirl IN VERBINDUNG mit dem Hauptplot. Wenn KICK-ASS hier humorvoll kontrastieren will, kommt es zumindest nicht bei mir an - einfach, weil diese beiden innerfilmischen Realitäten sich einfach nichts zu sagen haben. Erst wird erzählt, dass Superheldentum eine Schnapsidee ist und man dafür aufs Maul kriegt - dann wird erzählt, dass man nur jung und gewaltbereit genug sein muss, um seine Feinde im Oneliner- und Kugelmeer zu ertränken. Damit ist die Haupterzählung aus den Angeln gehoben - was der Film aber nicht "zugibt". Just doesn't work.
Asokan TEAM sagte am 15.04.2010 um 14:31 Uhr

Was den Film "schwer unterhaltsam" macht, geht mir nicht ganz auf. Zu den von Damocles - Du Fanboy! ;-) - genannten Punkten:

1. Die Coolness des Films bzw. der Helden gründet ja eigentlich - wie bei allen anderen "vigilante heroes" - auf ihrer bunt ausgestalteten Selbstjustiz. Kick-Ass mag zunächst aus dem Impuls heraus handeln, anderen Leuten zu helfen, aber der Film handelt maßgeblich davon, wie cool (Big Daddy, Hit Girl) oder wie bedeppert (Kick-Ass, Red Mist) man sich dabei anstellen kann.

2. Natürlich sind Abweichungen von der Vorlage an sich kein Kritikpunkt . Es ging mir nur darum zu zeigen, wie der Film nicht das umsetzen konnte, was die Vorlage weit gekonnter umzusetzen wusste: extreme Gewalt, böser Humor und Dekonstruktion des "vigilante"-Mythos.

3. Ob die Hit-Girl-Darstellerin traumatisiert wurde oder nicht, interessiert mich weniger. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass sich manche Leute darüber aufregen werden. Schlimmer fand ich, dass diese Idee eines fluchenden, tötenden kleinen Mädchens sich recht schnell im Film abgenutzt hat.

Ach ja, und ich unterschreibe alles, was "the flower tao" zum Film geschrieben hat, vor allem: "Just doesn't work."
PapeDesChausettes sagte am 15.04.2010 um 14:37 Uhr

Vaughn macht nix anderes als Sam Raimi im ersten Spiderman. Bis zum Spinnenbiss ist das Setting des ersten Spiderman Teils ähnlich wie die, wie du es nennst, Highscool/Comedy/Loser-"Realität" bei Kick-Ass.
Raimi gibt diese Ebene jedoch zugunsten der ab dann beginnenden Comic Inszenierung auf. Ähnlich, wenn auch umgekehrt, macht es Tarantino bei Kill-Bill. Ist der Film im ersten Teil noch Larger than Life inszeniert so ist es der 2.Teil der, natürlich nur verglichen mit dem Vorgänger, erdgebundender ist. (Darum erhält "The Bride" ja auch ihren Namen erst im 2.Teil)
Vaughn lässt diese beiden Ebenen aber nun parallel zueinander ablaufen was ganz hervorragend funktioniert. Es ist der ständige Wechsel zwischen den Genres (Drama, Action, High-School Komödie) und der Tonlage die den Film so ungewöhnlich macht. Eben wird das Vigilantentum noch dekonstruiert um es im nächsten Moment geradezu abzufeiern.
Das nicht goutieren zu können hat bei dir eventuell mit festgefahrenen Erwartungen an das Genre zu tun oder falschen Erwartungen die der Trailer geweckt hat.
the flower tao sagte am 15.04.2010 um 15:06 Uhr

Du sagst es doch schon selbst: Die Ebenen verlaufen parallel. Und befruchten sich dabei nicht. Mal wird das Vigilantentum dekonstruiert, dann wieder abgefeiert. Das meine ich mit inkonsistent und heterogen. Ich sehe nicht, wo wir uns widersprechen. Ich finde sogar, dass diese Konstruktion gut aufgehen kann, beispielsweise in WATCHMEN (ätsch, Asokan ;) ). Da wird die Selbstjustiz zwar durch Snyders groteske Überästhetisierung "abgefeiert" - nicht aber der Gewaltakt selbst liegt hier im Fadenkreuz, sondern die Seelenlandschaft dahinter. Die Verschmelzung der beiden Ebenen funktioniert blendend, etwa wenn Nite Owl II eben durch den Akt des sich selber als Vigilant abfeierns beim Rorschach-prison-break seine Impotenz und Existenzangst zu kompensieren versucht. Genau DIESER kluge Schulterschluss zwischen Ästhetisierung und Dekonstruktion gelingt KICK-ASS nicht eine Sekunde lang.
Asokan TEAM sagte am 15.04.2010 um 16:33 Uhr

Auch wenn ich von dem etwas durchwachsenen WATCHMEN nicht so begeistert war wie Jan, äh, ich mein the-flower-tao, hatte Snyders Film - natürlich nicht zuletzt dank der grandiosen Vorlage - weit mehr Substanz als der federleichte KICK-ASS. Und in der Tat gelang WATCHMEN der Balanceakt zwischen Stilisierung und Kritik weit überzeugender als KICK-ASS, der im Vergleich nur poppig-banal ist.

Damocles TEAM sagte am 20.04.2010 um 18:33 Uhr

Hier mal zwei interessante Videoreviews zu dem Film, von Leuten die ich für ziemlich kompetent halte (auch wenn ich nicht immer mit ihnen überein stimme):
http://spoonyexperiment.com/2010/04/20/vlog-4-20-10-the-cageathon/
Spoony geht vor allem auf die Unterschiede zum Comic ein.

http://thecinemasnob.com/2010/04/16/kick-ass-review.aspx
Snob spricht auch kurz über die Verquickung des Kick-Ass und Hit-Girl Handlungsstrang.
Hawk sagte am 04.05.2010 um 19:56 Uhr

Also diese Kritik ist sehr schlecht argumente aufzugreifen , mit denen ich einfach net einverstanden bin. z.b. die sache mit der gewalt . ich zitiere:

>Die wenigen Änderungen, die er in Narration und Figurenzeichnung vornimmt, tragen jedoch maßgeblich dazu bei, dass der Film weder an den ungleich brutaleren und subversiveren Comic heranreicht, noch als ein eigenständiges, in sich kohärentes Werk überzeugen kann.<

ich mein wenn der typ so scharf ist auf brutale und perversen szenen, dann soll er sich doch ein paar perverse videoes aus dem internet runterladen wenn ihn das befriedigt.

der film hat zugenüge angedeutet was es präsentieren will.

viel zu viel heinein interpretiert.der film und der comic haben eine einfache und nicht komplizierte botschaft .keine großen wendungen keine tiefsinnigen bedeutungen, kein dramatischer held. diese review wird viel zu viel reininterpretiert. und ich bezweifel sehr stark das der typ diesen comic gelesen hat.
Asokan TEAM sagte am 05.05.2010 um 16:00 Uhr

Autsch! Gleich soviele Frontalschläge in einem Kommentar! Was tun? Versuchen wir mal Diplomatie, statt auf den Angriff mit einem Gegenangriff zu reagieren. Zu den Kritikpunkten, die ich in etwa aus dem Geschriebenen entziffern konnte:

1. Comic wie Film sind recht brutal. Der Comic ist noch etwas expliziter, aber nicht die Gewaltdarstellungen an sich waren so toll im Comic - schon eher abstoßend und schockierend - , sondern wie sie im Comic - anders als im "hey-guckt-mal-wie-cool-hier-gestorben-wird"-Film - genutzt wurden, um mit den mitunter glamourösen Gewaltdarstellungen anderer Comics zu brechen und damit das Superheldenenre leicht zu subvertieren. Im Film war von dieser Idee nicht mehr viel übrig.

2. Was der Film "präsentieren will" ist irrelevant für den Kritiker bzw. den Interpreten. Über die Intentionen der Macher kann man immer nur mutmaßen. Sicher ist nur: Ein Film macht seinem Publikum Bedeutungsangebote. Es liegt dann am jeweiligen Zuschauer, wie er den Film auslegt. Jemand, der noch nie einen Superheldenfilm gesehen hat, wird KICK-ASS zum Beispiel anders rezipieren als jemand, der mit den Konventionen des Genres gut vertraut ist.

3. Man kann in einen Film nie "zuviel hineininterpretieren". Ein Film ist - wie jeder andere kulturelle Text - offen für eine Vielzahl an Interpretationen. Wem das zu intellektuell ist, der sollte aufhören, Kritiken von hauptberuflichen Filmwissenschaftlern zu lesen.

4. Und ja, ich habe den Comic gelesen. Und ja, er ist besser als der Film.
Hawk sagte am 06.05.2010 um 03:14 Uhr

Hier eine geistreiche antwort zu deinen lehrreichen, selbstbeweihräucherten dogmen der Filmkultur, die dir ewigen ruhm als filmwissenschaftler versprechen.mancher wissenschaftler werden als experten in ihrem gebiet bezeichnet, die manchmal zu überheblichkeit , dann einbildung, dann arroganz und schließlich zur phase der ignoranz führt.du befindest dich im vorletzten teil. und dem kann man nur mit ner priese polemik begegnen.

ich spreche dir nicht die sprachliche kompetenz ab , die du verwendest um deine teilweise nicht nachvollziehbaren argumentationen schön zu reden.ich spreche dir nur die kompetenz ab, vergleiche zwischen vorlage und film zu ziehen.manche filmkritiker wissen das Filme anders funktionieren als comics und sind sehr vorsichtig mit der verwendung von vergleichen . besonders dann, wenn diese person behaupten ,dass eine wär besser als das andere.

nicht desto trotz haben comic und film was gemein. und das ist die handlung ,um es kurz und schmerzlos zu machen. bring ich nur ein bsp. was den rest erklären sollte um es zu verstehen was gemeint ist.

wenn du den comic gelesen hast , dann sieh dir bitte nochmal die letzten seiten des comics nach dem blutbad an und rufe dir die bilder im film noch mal ins gedächtnis.der comic babbt einfach infos am ende an um dinge im nachhinein zu erklären die während der ganzen handlung nicht eingebaut worden sind.das scheint mir weniger durchdacht sondern eher spontan auf zeitdruck hinzugefügt. der film aber gliedert gut in logischen zusammenhängen , dass letztendlich einen schönen roten faden durch die ganze geschichte ergibt und nicht darin endet das der fanboy eines vaters namens Big daddy aus langeweile und aus liebe zu comics die heldennummer abgezogen hat >wie im comic geschildert<.was für eine jämmerlicher und irrationaler gedanke ,der die ganze handlung im nachhinein unglaubwürdig erscheinen lässt.

und das war nur ein bsp. was die handlung zwischen comic und film betrifft.

ich hoffe das du in naher zukunft eine gewissen kritikfähigkeit entwickelst um daraus zu lernen und nicht auf jeden kritikpunkt rumeierst um dein ego zu bewahren < wie ich in deinen vorangegangenen posts lesen durfte>.denn wie hat laotse gesagt. der unterlegene ist der klügere

Mein name ist hawk und bin 16 jahre alt.behaltet mich in erinnerung. peace
Asokan TEAM sagte am 06.05.2010 um 09:05 Uhr

Ich finde ja passionierte 16jährige Filmfans prinzipiell toll. War ja selbst mal einer. Nur warum gleich immer so aggressiv sein? Darf man nicht mal anderer Meinung sein?

Tut mir leid, wenn ich den Eindruck eines "lehrreichen", "selbstbeweihräuchernden" Filmspezis bei Dir erweckt habe (übrigens mag ich das zweite Wort, habe es damals auch oft benutzt). Ich glaube das kommt davon, wenn man den Film als Film ernst nimmt und nicht bloß als nette Unterhaltung.

Wie mir scheint, hast Du den Comic auch gelesen, drum ab dieser Stelle für alle anderen: !!!SPOILER!!!

Natürlich sind Comic und Film trotz einiger formaler und narrativer Ähnlichkeiten nicht dasselbe. Da hast Du absolut recht. Interessant ist, dass Du im Fall von KICK-ASS vor allem das Ende ansprichst. Die Wendung im Comic, dass Big Daddy sich seine ganze Motivation letztlich nur ausgedacht hat, haben schon viele vor Dir stark kritisiert. Nur fand ich, dass dieser böser Twist besser in das Programm des Comics als Abgesang auf Comic-Helden und ihre halbherzigen Rechtfertigungen für Selbstjustiz gepasst hat. Mit dieser Info wurde ja auch der übergroße Big Daddy im Nachhinein auf eine Stufe mit dem kleinen Kick-Ass gebracht, der eigentlich auch nur aus Langeweile zum "Superhelden" wurde (auch wenn er selbst behauptet, er würde es tun, um Leuten zu helfen).

Und empfandst Du es nicht als ärgerlich, dass eine der wenigen Überraschungen des Comics - Red Mist ist in Wahrheit der Sohn des Mafiabosses! - im Film nicht so umgesetzt wurde. Und vor allem dass anders als im Comic Kick-Ass am Ende alle seine Ziele erreicht und auch noch die Freundin abbekommt, die er die ganze Zeit haben wollte? Im Comic wird er von ihr verlassen und er bleibt verbittert zurück. Was auch besser in das ganze Konzept der Geschichte eines Losers passt, der auch als maskierter Rächer ein Loser bleibt. Meinst Du nicht?

!!!ENDE SPOILER!!!

Aber was habe ich schon zu sagen. Du solltest Dich weiterhin so begeistert für Film interessieren! Nur vielleicht etwas mehr aufpassen, dass man sich nicht zu sehr im Ton vergreift. Ach ja, und: peace zurück! Oder was die jungen Leute von heute sonst so sagen. ;-)
travisbickle TEAM sagte am 17.09.2010 um 16:58 Uhr

Ich will mich kurz fassen: Natürlich will man hier auf Gedeih und Verderb provozieren, und die Tiefe und Bedeutung von THE DARK KNIGHT und Konsorten erreicht der Film auch zu keiner Sekunde, doch MIR hat "Kick-Ass" uneingeschränkt Fun gemacht. Straight, cool, hip und ohne lästigen Nebenhandlungsballast. Die im Vergleich zum düsteren, ernst gemeinten WATCHMEN etwas andere Superhelden-Dekonstruktion im Umhang eines Coming-of-Agers. Dazu Aaron Johnson als verklemmtem Highschool-Loser, "Superbad"-Nerd Christopher Mintz-Plasse und natürlich Chloe Moretz, die für mich schon der heimliche Star in 500 DAYS OF SUMMER war, als 11-jähriger Kino-Tabubrecher Hit-Girl, der nunmal einfach grandios in Szene gesetzt wird. Sorry, aber kann Damocles nur zustimmen: Schwer unterhaltsam, das Teil!!
travisbickle TEAM sagte am 17.09.2010 um 17:04 Uhr

Ich möchte noch anmerken, dass ich nicht alle Kommentare von euch gelesen habe, mich aber ganz besonders über die Punktevergabe des ersten Schreiberlings gewundert habe, der den Film mit einem mickrigen Sternchen abgefrühstückt hat. Das leuchtet mir nicht ganz ein, aber egal...

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