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Wie ein wilder Stier

Wie ein wilder Stier

Ein Film von Martin Scorsese

Martin Scorsese und Robert De Niro sind ein eingespieltes Team. Gemeinsam drehten die beiden schon acht Filme, darunter echte Klassiker wie Taxi Driver und “GoodFellas”. Zu den größten Triumphen des Duos zählt das Boxer- Biopic “Wie ein wilder Stier” (OT: “Raging Bull”, 1980), dem die zehn Jahre zuvor erschienene Autobiografie des Mittelgewichts- Weltmeisters Jake LaMotta, der sich in den 40er und 50er Jahren am Zenit seiner Karriere befand, zugrunde liegt. Und auch mit dieser hochdramatischen, authentischen Milieuskizze landeten Scorsese und De Niro einen klaren Punktsieg.

“Raging Bull” umspannt den Zeitraum von 1941 bis 1964 und beginnt mit dem aufstrebenden, von jugendlichem Ehrgeiz erfüllten Jake LaMotta (Robert De Niro), der sich im New Yorker Stadtteil Little Italy ganz nach oben fighten will. Seit jeher war der Boxsport für ihn die einzige Chance, dem tristen Alltag zu entfliehen, denn innerhalb des Rings kann er den Aggressionen, die sich im Privatbereich aufgrund sozialer Missstände bei ihm anstauten, einfach freien Lauf lassen. Der “Stier aus der Bronx”, wie Fachleute ihn nennen, schlägt jeden Kontrahenten k. O., selbst seinem erbittertsten Widersacher und Rivalen Sugar Ray Robinson (Johnny Barnes) bietet er in drei heiß umkämpften Duellen Paroli. Durch den Erfolg wird LaMotta zwar von allen Seiten umworben, allerdings gerät er zwangsläufig auch in die Mühlen des Systems, denn gewisse dubiose
Buchmacher, die das Geschäftliche über das Sportliche zu stellen scheinen, erweisen sich alsbald als skrupellose Geldgeier.

Dass Jake LaMotta sich starrsinnig auf das Boxen fokussiert und beharrlich hofft, endlich das ganz große Los ziehen zu können, was ihm bisher versagt blieb, weil ihm Gewichtsprobleme einen Strich durch die Rechnung machten, hat zur Folge, dass sich seine instabile Persönlichkeit immer weiter in der Isolation vergräbt und stetig an Selbstbewusstsein verliert. Dieser LaMotta erinnert in einem entfernten Sinn an den hoffnungslos verlorenen Vietnamveteranen Travis Bickle aus “Taxi Driver” (zu beiden Filmen schrieb Paul Schrader das Drehbuch), der ebenfalls an seiner Einsamkeit in einer Welt, von der er sich immer mehr entfremdet, zu zerbrechen drohte. Die einzigen Bezugspersonen für LaMotta in “Raging Bull” sind seine Ehefrau Vickie (Cathy Moriarty) und sein Bruder und Manager Joey (Joe Pesci), auch wenn diese Beziehungen zwischenzeitlich fast schon auf einer rein mechanischen Ebene ablaufen und vom sportlichen Kampfgeist LaMotta`s erstickt werden. Und dennoch keimen in ihm irgendwann Eifersuchtsgefühle auf, wenn er glaubt, seine Frau gehe mit anderen Männern fremd. Er sieht plötzlich alle Fälle davonschwimmen, wollte er doch das “Eheglück” mit Vickie in ein angenehmeres Leben hinüberretten. Doch dieser Traum scheint zu zerplatzen und die Angst, sie könne ihn betrügen, weicht bald einer krankhaften Kontrollsucht, infolge derer er sie auf Schritt und Tritt verfolgt, wobei er zunehmend tyrannisch und sogar handgreiflich wird, bis Vickie sich schließlich dem Druck nicht mehr gewachsen sieht und die Beziehung in die Brüche geht.

Wie ein wilder StierWie ein wilder StierWie ein wilder Stier
Robert De Niro, der ein ganzes Jahr lang täglich mit dem echten Jake LaMotta trainiert hatte, um sich so besser auf seine Rolle vorbereiten zu können, betrieb in “Raging Bull” Method Acting am Rande des Machbaren. Für den herausfordernden Part futterte er sich innerhalb von drei Monaten satte dreißig Kilogramm Körpergewicht an, um in den Schlussszenen des Films, wenn die Figur LaMotta schließlich einen weiteren Tiefschlag erlitten hat, weil auch sein Bruder Joey sich von ihm abgewandt hat, entsprechend schwammig und verbaut auszusehen. Die Kaputtheit und die Wut und Anstrengung, die er in jeden einzelnen Kampf seines Lebens gesteckt hatte, steht dem alternden Box- Champion nach der emotionalen Tour de Force wirklich ins Gesicht geschrieben. Erstaunlich ist es dabei mal wieder zu sehen, wie eng De Niro mit seiner Rolle verwachsen ist und wie unmittelbar der Zuschauer von seiner Darstellung gepackt wird- eben nicht nur in den dialoglastigen Passagen, sondern auch in den Szenen, in denen die Fäuste fliegen. Wie sich etwa die Anspannung und Unausgeglichenheit, die LaMotta während den Kämpfen in rohe Energie umwandelt, über seinen Gegnern entlädt, ist außergewöhnlich kraftvoll dargestellt. Hier zeigt sich nochmals deutlich, dass das Leben innerhalb des Rings und jenes, welches außerhalb desselben stattfindet, nicht einfach zwei Kehrseiten einer Medaille sind, sondern die Situation im Ring die seines Privatlebens begünstigt und auch umgekehrt. Joe Pesci und Cathy Moriarty harmonieren indes perfekt mit De Niro, der selten so gut aufgelegt war wie hier (was ja auch etwas heißen soll). Interessant: Zur Erzeugung des Tons der Boxhiebe wurde das Geräusch zerplatzender Melonen und Tomaten verwendet. Die Akribie in Bezug auf technische Perfektion, mit der Scorsese und seine Crew an das Projekt herangingen, trug jedenfalls reife Früchte, so dass man es sich auch leisten konnte, die Bänder, auf denen diese speziellen Soundeffekte aufgenommen waren, nach Drehschluss wieder zu vernichten.

Bei allem Respekt vor Action- Opa Sylvester Stallone, aber: Nicht “Rocky”, sondern “Raging Bull” ist der Chef im Ring, wenn es um den ultimativen Boxerfilm geht. Wirkte Stallone`s Aufsteigermärchen trotz seiner unumstrittenen Klasse und Zeitlosigkeit noch wie ein recht naives Star- Vehikel, ist Martin Scorsese`s vorwiegend in kontrastarmem Schwarz-Weiß gehaltene Studie einer spröden Persönlichkeit so realistisch wie nur möglich und weit mehr als lediglich ein Film über den Sport des Boxens. “Raging Bull” ist Erzählkino at it`s best- ohne falsches Pathos oder sonstige überflüssige Effekthascherei.

Eine Rezension von Christopher Michels
(01. Juli 2009)
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Daten zum Film
Wie ein wilder Stier USA 1980
(Raging Bull)
Regie Martin Scorsese Drehbuch Paul Schrader, Mardik Martin
Produktion MGM Kamera Michael Chapman
Darsteller Robert De Niro, Joe Pesci, Cathy Moriarty, Johnny Barnes
Länge 124 Minuten FSK ab 16
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