Filmkritiken - von Independent bis Hollywood
 
1991 Filmkritiken | 10376 Personen | 3318 Kommentare  
 
Bitte wählen Sie

Email

Passwort


Passwort vergessen

> Neu anmelden


Auch interessant



Vampire Nation
von Jim Mickle




Meist gelesen¹

1. 
Franklyn - Die Wahrheit trägt viele Masken  

2. 
Interstellar  

3. 
Rogue One: A Star Wars Story  

4. 
Manchester by the Sea  

5. 
Mars Attacks!  

6. 
Doctor Strange  

7. 
La La Land  

8. 
Arrival  

9. 
Shutter Island  

10. 
New Moon - Biss zur Mittagsstunde  
¹ gilt für den aktuellen Monat

Casinos im Film
  FILMSUCHE
  Sie sind hier: Filmkritiken > Martin Scorsese > Shutter Island
Shutter Island RSS 1.0


Shutter Island

Shutter Island

Ein Film von Martin Scorsese

von Asokan Nirmalarajah

Niemand soll behaupten, es sei leicht, dem Titel „America’s Greatest Living Director“ jedes Mal gerecht zu werden. Martin Scorsese, dem diese Auszeichnung von Kritikern und Kollegen häufiger zugesprochen wurde als jedem anderen Regisseur seiner Generation, kann ein Lied davon singen. Hat er doch als „Auteur“, als ein Regisseur, dessen Name für eine eigenwillige Erzählart, für eine außergewöhnliche Ästhetik und für höchst ambivalente Figuren steht, das Problem, das jeder neue Film von ihm zwangsläufig in eine Reihe mit seinen früheren, mitunter zu Meisterwerken erhobenen Filmen gestellt wird. Zu Anfang seiner Karriere regten sich die Kritiker noch auf, wenn der talentierte italoamerikanische Filmemacher sich mal von seinem ethnischen Milieu entfernte und statt einen weiteren persönlichen Film über die schillernden Mean Streets (1973) zu drehen, mit Alice Doesn’t Live Here Anymore (1974) einen (allerdings sehr guten) Frauenfilm inszenierte. Oder wenn er in der schwierigsten Phase seiner Karriere statt sich seiner Faszination für selbstzerstörerische Einzelgänger zu widmen (Taxi Driver, 1976; Wie ein wilder Stier, 1980), seiner Empathie für selbstverliebte Verlier
ertypen (New York, New York, 1977; The King of Comedy, 1982) erlag. Oder wenn er später auf religiöse Selbstfindungsreisen ging (The Last Temptation of Christ, 1988; Kundun, 1997), frühere Erfolge in anderer Form wieder aufzulegen wagte (Casino, 1995; Bringing Out the Dead, 1999), das Gangstergenre im Westerngewand wiederzubeleben versuchte (Gangs of New York, 2002) oder – pfui! – ein konventionelles Biopic inszenierte (The Aviator, 2004), um sich endlich den lange vorenthaltenen Regie-Oscar zu sichern und ihn dann doch nicht zu bekommen… „Marty“ konnte es einfach niemandem recht machen, selbst wenn einige der Filme mit der Zeit rehabilitiert wurden. Auch der Oscarerfolg seines letzten Spielfilms wurde eher verhalten aufgenommen, sei doch Departed - Unter Feinden (2006), so gelungen er auch sein mag, letztlich doch nicht so gut wie Good Fellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia (1990), der von vielen für den letzten ‚authentischen’, ‚unverfälschten’ Scorsese-Film gehalten wird. Da hatte es also Shutter Island (2010), Scorseses Adaption von Dennis Lehanes gleichnamigem Bestseller-Roman, die wie jeder seiner Filme mit Spannung erwartet wurde, schon von vornherein nicht leicht. Das erklärt allerdings nicht ganz, warum der filmisch makellose, atmosphärisch dichte Psychothriller seine enorme kreative Energie geradewegs gegen die Wand fährt.
Shutter IslandShutter IslandShutter Island
Im Mittelpunkt der Geschichte steht der nervöse US-Marshal Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio spielt sich einmal mehr die Seele aus dem Leib und es schmerzt mitunter ihm dabei zuzusehen), der 1954 auf die ominöse Gefängnisinsel Shutter Island gerufen wird, um das unerklärliche Verschwinden einer Gefangenen zu untersuchen. Zusammen mit seinem neuen, weit gelasseneren Partner Chuck (Mark Ruffalo) soll Daniels aufklären, wie sich die verurteilte Kindermörderin Rachel Solando (Emily Mortimer) ungesehen aus der schwer bewachten Anstalt für geistesgestörte Gewaltverbrecher entfernen konnte. Doch weder Dr. Crawley (Ben Kingsley), der mysteriöse Leiter der Anstalt, sein zwielichtiger Oberarzt Dr. Naehring (Max von Sydow), noch das verschwiegene Personal und die anderen Patienten zeigen sich sonderlich kooperativ bei der Suche. Ein großer Sturm, der über der Insel tobt, erschwert die stockende Untersuchung der frustrierten Marshals noch um ein weiteres. Für den psychisch überforderten Daniels, der immer noch von traumatischen Bildern aus seiner Soldatenzeit im Zweiten Weltkrieg und von der tiefen Trauer um seine tote Frau Dolores (Michelle Williams) heimgesucht wird, ist es bald mehr als evident, dass hinter dem Verschwinden der Patientin eine große Verschwörung steckt…
Shutter IslandShutter IslandShutter Island

Zunächst als ein durchaus aussichtsreicher Oscar-Kandidat des letzten Jahres gehandelt, wurde der Starttermin von Shutter Island von Paramount Pictures überraschend von Oktober 2009 auf Februar 2010 verschoben. Diese Art von Startschwierigkeiten war noch nie ein gutes Zeichen für die Qualität eines Films und signalisiert in der Regel eine Unsicherheit des Studios hinsichtlich des Erfolgspotentials eines Films, selbst wenn ein anderer Grund wie ökonomische Erwägungen angegeben wird. Im Nachhinein war es sicherlich die richtige Entscheidung, denn Shutter Island ist kein Film, der die Konventionen seines nicht sonderlich hoch angesehenen Genres so übersteigt, dass sich die Kritiker mit Lobeshymnen überschlagen hätten, wie noch bei den letzten zwei, mit dem Oscar für den besten Film prämierten Genrefilmen Departed - Unter Feinden und No Country for Old Men (2007). Trotz der namhaften Besetzung, der umwerfenden Kameraarbeit von Robert Richardson, der opulenten Ausstattung und Scorseses Fähigkeit, aus jeder detailverliebten Szene das Maximum an Atmosphäre herauszuholen, hätte sich die Academy wohl eher schwer getan mit diesem biederen Thriller im Gothic-Stil, der zu gleichen Teilen Mindfuck, Psychodrama, Mystery, Krimi, Film Noir und Horrorfilm und vor allem auch souverän in die Handlung eingebundenes Zitatenkino ist. Ein besonders gelungener Film ist er aber leider nicht.
Shutter IslandShutter IslandShutter Island

Shutter Island funktioniert wie Martin Scorseses ähnlich hysterisches, aber um Längen unterhaltsameres Noir-Remake Kap der Angst von 1991 als ein in jeder Beziehung – ob nun Handlung, Figuren, Ausstattung, Kamera, Beleuchtung, Schnitt, Musik – überspitzter In-Your-Face-Thriller, der allerdings zur falschen Zeit, im falschen Format, vom falschen Regisseur inszeniert wurde. Lehanes bereits leicht antiquierte, nicht sonderlich originelle Romanvorlage hätte eigentlich von einem findigen B-Movie-Regisseur wie Mark Robson oder Jacques Tourneur verfilmt werden müssen, die in den 1940er Jahren für die RKO-Studios unter der Leitung von Val Lewton eine Reihe von recht unsinnigen, aber atmosphärisch dichten und faszinierend grotesken Low-Budget-Horrorfilmen in gruseligem Schwarzweiß inszenierten (z.B.: Cat People, 1942; I Walked with a Zombie, 1999). Scorsese ist sich dieser filmischen Traditionslinien natürlich mehr als bewusst und spielt mit seinen imposanten Bildern auch bewusst auf Klassiker wie Mark Robsons The Ghost Ship (1943) an. Scorsese weiß wie er einen hanebüchenen, berechenbaren Stoff wie Shutter Island effektiv zu inszenieren hat, nur leider kann auch der Meisterregisseur nichts an dem langweiligen, sich äußerst schleppend fortbewegenden und dabei komplett berechenbaren Drehbuch von Laeta Kalogridis ändern. Die erfrischende Inszenierungswut Scorseses, die in den bildgewaltigen Träumen von Teddy Daniels mitunter surreale Höhen erreicht, verläuft sich in einem Plot, dessen signifikanten Wendungen man schon nach den ersten zehn Minuten voraussehen kann. Die famose Darstellerriege langweilt sich in langen expositorischen Dialogen. Und der lange nur moderat interessierte Zuschauer kann über die bemühten Versuche, Spannung zu erzeugen, nur amüsiert den Kopf schütteln.

Shutter Island will ein erfrischend altmodischer Gruselfilm mit psychologischer Tiefe sein, und erreicht dieses Ziel zumindest in seiner eindrucksvoll opulenten, schlafwandlerisch perfekten Optik. Man muss ihn allerdings nicht erst mit dem generell imposanten Oeuvre Martin Scorseses vergleichen, um in ihm einen eher durchwachsenen, mittelmäßigen Thriller, einen der weniger interessanten Fehlgriffe des Meisterregisseurs zu erkennen.

Eine Rezension von Asokan Nirmalarajah
(21. Februar 2010)
    Shutter Island bei ebay.de ersteigern


Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

Daten zum Film
Shutter Island USA 2010
Regie Martin Scorsese Drehbuch Laeta Kalogridis, nach dem gleichnamigen Roman von Dennis Lehane
Produktion Paramount Pictures Kamera Robert Richardson
Darsteller Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Ben Kingsley, Max von Sydow, Michelle Williams, Elias Koteas, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine
Länge 138 FSK 16
http://www.shutterisland.com/
Kinostart: 25.02.2010
Kommentare zu dieser Kritik
Flo TEAM sagte am 21.02.2010 um 14:30 Uhr

Sehr gelungener Text! :-)
Asokan TEAM sagte am 21.02.2010 um 14:40 Uhr

merci beaucoup :-)
Bastian TEAM sagte am 26.02.2010 um 02:48 Uhr

Also ich muss ja sagen, dass ich SHUTTER ISLAND um Längen besser als DEPARTED fand...auf mich wirkte der Vorgänger immer eher wie eine Pflichtübung für Scorsese, während ich dieses Mal das Gefühl hatte, dass der Regisseur hier einfach mal Lust gehabt hat, einen waschechten, düsteren Psycho-Horror-Stoff im Noir-Gewand zu inszenieren. Ich möchte hier jetzt nicht auf Einzelheiten eingehen, und im Prinzip ist ja in der Rezension schon alles ausführlich erwähnt. Natürlich bietet die Story nichts bahnbrechend Neues, aber sie war zumindest so verschlungen, dass ich tatsächlich des Öfteren an meiner Theorie der Auflösung gezweifelt habe (obwohl es sich dann am Ende doch mehr oder weniger in der Form so herausgestellt hat).
Kleiner SPOILER:
Besonders gut hat mir übrigens gefallen, dass Scorsese einen in gewisser Weise gleich zu Beginn mit einer winzigen Kleinigkeit vor den Kopf stösst, welche aber wahrscheinlich nicht wenige Kinogänger in den folgenden Minuten zunächst wieder vergessen werden (ich habe sie auch vorerst wieder als "unwichtig" abgetan).
Ende SPOILER
Dass Scorsese ja ein großer Fan des Horror-Genres ist, ist wohl auch kein großes Geheimnis (stammt er doch aus der Roger Corman-Schule und hat seinem Mentor bereits in HEXENKESSEL mit einer Vorführung von dessen GRAB DES GRAUENS Tribut gezollt). Abgesehen davon, dass er sich in jüngsten Interviews als Bewunderer von vor allem Mario Bavas BLACK SABBATH geoutet hat, lassen sich in SHUTTER ISLAND auch an allen Ecken und Enden Zitate (SHINING, VERTIGO...) ausmachen, über die man sich als Genre-Freund natürlich freut.

Schade finde ich es schon, dass SHUTTER ISLAND insgesamt alle Academy Award-Chancen entzogen wurden...auch wenn der Film vielleicht nicht unbedingt den Geschmack dort treffen würde, so ist zumindest die Kameraarbeit von Robert Richardson in diesem Jahr mit die Beste, die man auf der großen Leinwand erleben durfte.

Schon eigenartig, dass die Awards-Aufstockung auf 10 Kandidaten ausgerechnet in einem Jahr stattfindet, in dem vergleichsweise schwache Filme (zumindest die letzten 2 Jahre waren da schon ansprechender) in der Auswahl sind. AVATAR als "bester Film" wäre für mich ein absoluter Witz (gegen die optische Wirkung in 3D will ich damit gar nichts sagen) - bisher heisst mein Wunschkandidat A SERIOUS MAN...aber das gehört hier ja auch irgendwie gar nicht hin;-)
Asokan TEAM sagte am 26.02.2010 um 17:25 Uhr

Wie man den unausgegorenen Genrebrei "Shutter Island" um Längen besser finden kann als den konventionellen, aber sehr gelungenen Crime-Thriller "The Departed" geht mir nicht ganz auf, aber jeder wie er will. ;-) Und Zitate sind ja ganz nett, aber ich habe einfach ein Problem damit, wenn ein Film nur Zitatenkino bleibt und dabei vergißt, auch eine gute Geschichte zu erzählen. Was interessiert es mich, ob die Szene, in der Teddy zum Schluss die Treppen hinaufsteigt so gedreht und geschnitten ist wie die Szene aus "The Red Shoes", in der die Ballerina die Treppen hinabstieg? Das mag ja ganz hübsch sein, um den steigenden Wahn beider Figuren zu illustrieren, aber zu dem Zeitpunkt ist man daran ja schon gar nicht mehr interessiert.

Mein Oscar-Wunschkandidat ist übrigens ebenfalls "A Serious Man", auch wenn das unwahrscheinlich ist und hier gar nicht hingehört... :-)
Bastian TEAM sagte am 27.02.2010 um 14:08 Uhr

Nun, ein Grund könnte auch einfach schonmal darin liegen, dass DEPARTED in seinen besten Szenen relativ stumpf von INFERNAL AFFAIRS remaket ist...der Rest sind dann infantiles Rumgepöbel von Alec Baldwin, F-Wort-Salven von Marky Mark und ein Jack Nicholson, der zwar nie wirklich schlecht ist, aber hier einfach den Autopiloten durchstartet.

Ich denke, viele haben von SHUTTER ISLAND inhaltlich zu viel erwartet (wie gesagt, ich bin mit dem Dargebotenen sehr zufrieden)...ich möchte auch gar nicht bahaupten, dass er Scorseses Bester ist (ist für mich mit viel Abstand TAXI DRIVER), aber zumindest umsetzungstechnisch schlägst er die meisten der Vorgänger locker.

Als reines Zitatekino möchte ich ihn übrigens auch nicht stehenlassen, ich meinte nur, dass die vorhandenen Anspielungen (zumindest auf mich) eher positiv als negativ wirken & auch nicht verhindern, dass Leute, die die Originalstreifen nicht kennen, weniger Freude an SHUTTER ISLAND haben als mit der Kenntnis.

Naja, zumindest konnten wir uns auf A SEROIUS MAN einigen;-)
travisbickle TEAM sagte am 27.02.2010 um 20:17 Uhr

Wenn ihr schon das Thema habt: Mein Oscar-Favorit ist nach reiflicher Überlegung THE HURT LOCKER; nicht unbedingt mein Wunschkandidat, aber ich gehe davon aus, dass der Film das Rennen macht. AVATAR und A SERIOUS MAN hab ich noch nicht gesehen, mein Tipp ist also rein intuitiv.
Flo TEAM sagte am 27.02.2010 um 20:58 Uhr

Natürlich wird THE HURT LOCKER abräumen. Eigentlich gibt es keine Alternative. Ich hätte zwar ganz gerne INGLOURIOUS BASTERDS ganz vorne gesehen, gebe mich aber diesbezüglich auch mit dem goldenen Männchen für Christoph Waltz zufrieden. ;-)
travisbickle TEAM sagte am 27.02.2010 um 21:31 Uhr

Die BASTERDS sind in der Königskategorie wohl leider chancenlos, Waltz hat den Oscar aber so gut wie in der Tasche. Und dann bitte noch den Auslands-Oscar für DAS WEISSE BAND… ;-)
Anj TEAM sagte am 02.03.2010 um 18:16 Uhr

Ich sehe fast alle Punkte deiner Rezension genau anders ;-)

1. Ich fand die Romanvorlage in keiner Weise unoriginell, denn sie war von der ersten Zeile an spannend und ließ den Leser von einer Wendung und Vermutung in die nächste stolpern, bis es zum Schluss die - ja, hahnebüchende, stimmt schon - Auflösung gab. Das Buch aht mich sehr begeistert und der filmischen Umsetzung muss man zugute halten, dass sie sehr nah an dem guten literarischen Stoff bleibt.

2. Optisch fand ich den Film nicht sonderlich herasuragend. Ich mag diesen künstlichen, gefakten fanatsysyle überhaupt nicht, und bin mir nicht sicher, wie viel echte Kulisse man da wirklich verwendet hat.

3. Die Kamerafahrten fand ich zum Teil furchtbar; gern gabs ja schnelle Schwenks zwischen zwei sich unterhaltenden Personen hin und her, wie bei ienem schlechten Actionfilm. Nervig.

Die Darsteller fand ich alle sehr gut, allen voran Leonardo diCaprio, obwohl man, nachdem man einige seiner Filme gesehen hat, bemerken muss, dass er sich kaum von seinen früheren Fgurej distanziert. Man erkennt auch immer eine seiner alten Rollen in einer neuen Figur wieder, was natürlich sehr schade ist.

Spannend war es, da ich das Buch gelesen hatte und demzufolge zwar schon die Auflösung kannte, aber eben mit dem Wissen, wie es eigentlich alles gemeint ist, den Film verfolgen konnte. So wie beim zweiten mal "Saw" gucken.

Alles in allem bin ich zufrieden, obwohl ich - wie fast immer - eher das Buch empfehlen würde.
Asokan TEAM sagte am 06.03.2010 um 11:05 Uhr

Schon interessant, was man gut bzw. schlecht findet, je nachdem ob man sich den Film als Scorsese-Fan oder Fan der Romanvorlage anschaut. Zu Deinen/meinen Punkten:

zu 1. Jemand, der mit dieser Art von gothic story relativ gut vertraut ist, kann die Handlung recht schnell durchschauen, weshalb bei mir auch keine große Spannung aufkam.

zu 2. Die over-the-top-Optik orientiert sich sehr stark an den B-Movie-Horrorfilmen der 40er Jahre. Die haben damals auch fast alles im Studio gedreht, und diesen Effekt wollte Scorsese wohl auch rekreieren. In Schwarzweiß würde der Film deshalb auch genauso gut funktionieren. Das mag man nun mögen oder nicht.

zu 3. Die abrupten Kameraschwenks sind Scorsese-typischer Erzählstil, nur halt im Thriller-Modus etwas over-the-top - siehe auch: Cape Fear, 1991.

Flo TEAM sagte am 06.03.2010 um 11:23 Uhr

Um den finalen Twist zu antizipieren reicht es tatsächlich sogar, aufmerksam einen x-beliebigen Trailer zu schauen. Spannung? Doch nicht bei SHUTTER ISLAND ;-)!
Damocles TEAM sagte am 08.03.2010 um 00:01 Uhr

Aus einem anderen Forum, von mir:
Shutter Island:

Kurz: hat mich nicht umgehauen. War zwischendurch alles bisserl sehr random, Auflösung hat mich enorm an


SPOILER



The Game


SPOILER ENDE

erinnert - suspension of disbelief war da schon sehr gefordert.

Ach, richtig dämlich war dann eine Szene:

SPOILER


unsere Helden unterhalten sich in der Gruft, dass auf Shutter Island wahrscheinlich Gehirnwäscheexperimente durchgeführt werden. Das gabs schonmal, da hat man Patienten Medikamente als harmlose Zahnpasta untergeschmuggelt. Und was machen die zwei Torfnasen? SIE NEHMEN 2 MINUTEN SPÄTER DIE VERDAMMTEN ZIGARETTEN DER ANSTALT AN. ARGH!



SPOILER ENDE



Ansonsten war ganz ganz fürchterlich der Schnitt. Schaut sich sowas im fertigen Zustand niemand mehr an? Die ersten 5 Minuten waren absolult grauenhaft, ein Anschlussfehler nach dem anderen. Das hat sich zwar im Verlauf des Films gebessert, aber an manchen Stellen hats immer noch fröhlich vor sich hingerumpelt.

Eine Frage hätte ich noch:


SPOILER


Was hats mit dem Wasserglas auf sich?
Asokan TEAM sagte am 08.03.2010 um 09:23 Uhr

Diese "Anschlussfehler", z.B. wenn jemand ein Glas Wasser trinkt und in der nächsten Einstellung kein Wasser mehr drin ist, hatten m.E. ihren Sinn darin, auf die psychische Verfassung des Helden zu verweisen und dem ganzen Film noch mehr den Charakter eines Fiebertraums zu verleihen.
Damocles TEAM sagte am 08.03.2010 um 11:06 Uhr

Nein, darum gehts nicht.
In der Szene hebt sie das Glas hoch, dann wird über ihre Schulter hinweg gefilmt als sie "trinkt", aber dort hat sie kein Glas in der Hand.
Erinnert mich an die berühmte Kopf-in-der-Schachtel-Szene in Sieben. Ich zweifel momentan an meinem Verstand ob das wirklich so war, weil ich darüber überhaupt nichts finde. Aber auch meine 3 Begleitungen haben das genauso gesehen.
Asokan TEAM sagte am 08.03.2010 um 11:34 Uhr

Ob nun kein Wasser im Glas oder kein Glas in der Hand, hat den selben Effekt, nicht? Ich denke immer noch dass das seinen Sinn hatte. Und in "Sieben" hat man den Kopf in der Schachtel nie zu sehen bekommen. Morgan Freemans Reaktion darauf reichte aus.
Micha Barbarez sagte am 10.03.2010 um 10:17 Uhr

Also der Kritik kann ich ganz und gar net zustimmen. Wir haben den gestern gesehen und fanden ihn grossartig. Alles was er erreichen will, nämlich ein altmodischer Noir- Thriller mit Drama und Mystery Anklängen erreicht er doch. Der Autor dürfte über jeden Zweifel erhaben sein, seine Vorlagen zu Gone, Baby Gone und Mystic River sind zwar konventioneller, aber nicht minder gut. Shutter Island bleibt lange ein grosses Rätsel, welches am Ende komplett und überzeugend aufgelöst wird. Klar, gab es Anzeichen für die Auflösung, aber dass ist mir lieber, als wenn das Ende wie Kasperl aus der Kiste kommt und völlig unglaubwürdig ist. Oder noch schlimmer, alles offen bleibt.
Die Athmosphäre die Scorsese schafft ist grandios, die Schauspieler durch die Bank weg gut, die Musik passend und stimmungsvoll, die Ausstattung und Kameraarbeit top, was braucht es noch für einen guten Film ? Sandra Bullock bekommt für ein lächerlich belangloses Sportlerdrama den Oscar und Filme wie Shutter Island gehen leer los. Schade, aber wohl primär dem Starttermin geschuldet, ich glaube nämlich schon, dass die Academy dieses neue Meisterwerk entsprechend gewürdigt hätte.
Asokan TEAM sagte am 11.03.2010 um 12:17 Uhr

Wie man einen durchschnittlichen Film wie "Shutter Island" als Meisterwerk bezeichnen kann, geht mir nicht ganz auf. Auch nicht warum ein solider Schreiberling wie Lehane als Autor über jeden Zweifel erhaben sein soll. Die Atmosphäre des Films ist wirklich zum Schneiden dick, aber macht das die Geschichte denn sonderlich spannend? Die Akteure sind auch sehr engagiert, aber sind die Rollen nicht so schablonenhaft, dass sie nicht weit damit kommen? Die Handlung ist nicht nur berechenbar, sondern auch schleppend umgesetzt mit vielen expositorischen Sequenzen, in der Leute reden und reden und reden und immer neue Theorien aufstellen, bis man keine Lust mehr auf die Auflösung hat.

Die Oscar-Academy hätte ihn wohl doch eher ignoriert (außer vielleicht in den technischen Kategorien), weil er bei den US-Kritikern größtenteils durchgefallen ist.
HMRothe sagte am 14.03.2010 um 18:09 Uhr

Sämtliche vorigen Kommentare erwähnen mit keinem Wort die eigentliche Dimension des Films - es handelt sich hier um einen Film über Kriegs-Traumata! Hallo! Habt ihr alle bei den Weltkriegsszenen gerade in der Chips-Tüte gewühlt? Insbesondere Asokan Nirmalarajah hat leider den Film überhaupt nicht kapiert - schon der erste Satz des Versuchs, den Plot zu schildern, misslingt grandios. Eigentlich sollte ein Rezensent doch in der Lage sein, anzugeben, wie die Hauptfigur heisst: Der von diCaprio gespielte US-Marshal heisst eben nicht Teddy Edwards, sondern Edward Laedes.
Also noch mal von vorn: Ein junger GI kommt nach dem Krieg nach Hause und versucht krampfhaft, ein "normales" US-Mittelstandsleben durchzuziehen. Er wird Marshal, heiratet, das Paar bekommt drei Kinder. (All das erfährt der Zuschauer erst im Nachhinein, aber nichtsdestotrotz ist das der wahre Plot). Seine Kriegserlebnisse lassen ihn aber nicht los, er war bei der Befreiung des KZ Dachau dabei und wird sowohl von den schrecklichen Bildern als auch von Schuldgefühlen gemartert. Er verbringt immer weniger Zeit zu Hause und beginnt zu trinken. Seine Frau zerbricht an der Situation und beginnt, erste Symptome einer Psychose zu zeigen, die sie ihrem Mann auch mitteilt ("Sie sagte, sie habe ein Insekt in ihrem Kopf, das sie langsam verrückt macht.") Laedes ist aber nicht in der Lage, darauf zu reagieren. Selbst als seine Frau die gemeinsame Wohnung anzündet und nur durch ein Wunder niemand verletzt wird, versucht Laedes weiterhin, die Fassade aufrechtzuerhalten und klammert sich an Äusserlichkeiten: sie beziehen ein Reihenhaus mit kleinem Teich und Laedes hofft, damit wird alles gut. Die Verdrängung beginnt aber auch bei ihm erste Risse zu verursachen - er klagt sich selbst an als Schuldigen an dem Wohnungsbrand und beginnt, sich von seinem wahren Ich zu distanzieren, das fortan als "der Hausmeister Laedes" (der den Brand verursacht hat) als häßliche narbenentstellte Fratze in seinen Alpträumen auftaucht. Schliesslich wird seine Frau offen psychotisch und ermordet die Kinder. Laedes findet sie und es wird ihm bei ihrem Vorschlag, die Kinder zu waschen und an den Tisch zu setzen - "sie können doch unsere Puppen sein" - schlagartig klar, dass sein ganzes Leben nach dem Krieg nur eine Fassade war. Daran zerbricht auch seine Psyche endgültig. Er erschiesst seine Frau, die fortan auch in seinen Halluzinationen auftaucht. Er wird in Asheville eingeliefert als der 67. Patient und baut sich eine Wahn-Identität als Teddy Edwards auf, der nie Kinder hatte und weiterhin ein "normales" Leben als US-Marshal führt.
Worin besteht nun das Faszinierende des Films? Gerade darin, dass der Zuschauer bis zur Schlussszene in die Lage versetzt wird, diCaprios Wahnidentität für plausibel zu halten. (der Rezensent sogar noch nach Ende des Films...)Die US-Realität der 50er Jahre wird aus der Sicht eines Wahnsinnigen so geschildert, dass man durchaus geneigt ist, ihn für den einzigen Normalen und alle anderen für verrückt zu halten. Folgerichtig äussern auch einige der anderen Patienten, dass sie gar nicht mehr in das "normale Leben" mit Wasserstoffbomben und "Bomben, die auf einen Schlag ganze Städte zerstören können", zurückkehren möchten.
Ich halte den Film für grossartig, er knüpft an "Einer flog über das Kuckucksnest" gleichberechtigt an. Kleinere Schnitzer (wie die Aufschrift "Arbeit macht frei", die nicht am Eingang des KZ Dachau, sondern von Auschwitz stand) sind da nebensächlich.
Flo TEAM sagte am 14.03.2010 um 18:17 Uhr

Diese moralisch brisante Dimension nivelliert ja nun auch sofort alles was Asokan zu bemängeln hatte. Aber ohne gleich sarkastisch werden zu wollen: Inwiefern verändert die Erwähnung dieses (reichlich unoriginellen) Motivs die hier ausgeführte Argumentation? Außerdem möchte ich an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen. Ein derart massiver Spoiler gehört entweder unterlassen oder zumindest angekündigt. Ein weiterer Grund, warum es nur plausibel ist, dass der Rezensent diesen Aspekt in seiner Kritik nicht ein einziges Mal erwähnt hat.
HMRothe sagte am 14.03.2010 um 18:47 Uhr

Sorry, das Nicht-Ankündigen des "spoilers" geschah nicht böswillig sondern aus Unkenntnis. Übrigens, was ist ein "spoiler"? (Dachte immer, das sind so Dinger die sich die Manta-Fahrer ans Auto kleben)
Damocles TEAM sagte am 14.03.2010 um 19:22 Uhr

"Spoiler" kommt aus dem Englischen "to spoil" = "verderben".

Ein Spoiler warnt also den Leser davor, dass die folgenden Aussagen wohl den Filmgenuss verderben können.
Anj TEAM sagte am 14.03.2010 um 20:59 Uhr

Ich denke, wer so gar nichts über einen Film erfahren will, den er noch nicht gesehen hat, darf keine so lange Rezension lesen. In so einem ausführlichen Text ist es fast unausweichlich, in irgendeiner Art und Weise zu spoilern... schließlich muss man seine Kritikpunkte mit Informationen unterlegen. Dennoch finde ich die inhaltliche Zusammenfassung von Asokan sehr viel passender. Er erzählt zwar nicht, was "eigentlich" passiert, aber schildert eben die Situation, die Ausgangslage der Handlung, ohne diese von hinten aufzurollen und komplett aufzudecken. Das ist auch nicht Aufgabe einer Inhaltsangabe. Ich habe es noch nie bemerkt, dass Inhaltsangaben (in Rezensionen, auf DVD-Rückseiten, in Artikeln...) die Auflösung, also das "eigentliche, wahre" Geschehen aufdecken, sondern eben, wie Asokan es hier getan hat, die Ausgangssituation, den Konflikt, um den sich der Film dreht, bis dem Zuschauer zum Schluss eine Lösung präsentiert wird, die aber wiederum in der Inhaltsangabe nicht verraten werden sollte.
An "Einer flog über das Kuckucksnest" kommt "Shutter Island" meiner Meinung nach bei weitem nicht heran.

Übrigens: Es müsste eine ganze Masse an Bildmaterial gefälscht sein, wenn am Tor zum KZ Dachau nicht "Arbeit macht frei" gestanden hätte...
Micha Barbarez sagte am 14.03.2010 um 21:20 Uhr

da jetzt hier eh fröhlich gespoilert mal in die Runde gefragt, gibt es jemanden der das Ende so verstanden hat, dass Leo net verückt ist und keine Wahnvorstellungen hat, sondern von der Anstaltsleitung reingelegt wurde ?
Für mich ist eigentlich klar, dass er Patient ist, kein Zweifel. Aber wie passt dann das Gespräch in der Höhle mit der geflohenen Ärztin in den Plot ? Gab es das in der Realität nicht, oder war sie eingeweiht mitzuspielen ?
Anj TEAM sagte am 14.03.2010 um 21:28 Uhr

Hab ich mich auch gefragt. Ich glaube, das hat er sich eingebildet... oder so...
Asokan TEAM sagte am 14.03.2010 um 23:34 Uhr

Meine Güte, geht hier aber die Post ab! Ist ja fast so schlimm wie im Film selbst. :-D

Wie schon ganz richtig festgestellt wurde, HMRothe, ist die Inhaltsangabe nur dazu da, die Prämisse des Films vorzustellen und sie nicht komplett mit allen Deutungsansätzen auszustellen. Für spoiler-geladene Diskussionen dieser Art ist eigentlich das Forum gedacht. Oder halt einen dicken SPOILER vor den Kommentar stellen.

Warum die doch so wichtige Soldatenvergangenheit der Hauptfigur also in der Kritik nur am Rande erwähnt wird, sollte mehr als offensichtlich sein. Ich habe den Film also schon "verstanden". Mein Problem war nur, dass ich ihn schon nach einer halben Stunde Laufzeit verstanden hatte. ;-) Nur war ich nett genug, den "Filmgenuss" für meine Leser nicht zu spoilen. Selbst wenn der Text lang ist, so finden sich keine Sachen drin, die nicht schon im Trailer zu sehen wären... die Länge ergibt sich vielmehr aus der Diskussion über den Film.

Und nur weil der Film in einer Anstalt spielt, hat er nicht gleich etwas mit "Einer flog übers Kuckucksnest" zu tun. Das wäre, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen... oder halt einen mittelmäßigen mit einem grandiosen Film. :-)
mücke sagte am 25.03.2010 um 14:05 Uhr

Aber war diese Huldigung von netten, mittelmäßigen Filmen nicht sowieso ein Markenzeichen des "Kinojahrs 2009".

Megaknaller gab es kaum, aber ein paar wenige, richtig gute Filme. Die konnte man aber an der Hand abzählen. Der Rest war Durchschnitt oder total verkorkster Unsinn. Das war im Sommer bei District 9 so, das ist im Winter/Neujahr bei Shutter Island so.

In jedem anderem Jahr mit mehr Knallern wären diese Filme völlig untergegangen, was jetzt aber nicht heißen soll, dass Shutter Island nicht zu empfehlen wäre. Er ist nur einfach nicht besonders großartig und meilenweit davon entfernt ein Meilenstein zu sein.

Mitte 2010 wird sich keiner mehr an Shutter Island erinnern, oder erinnert sich jetzt noch einer an "2012"? Der war nicht mal für die visuellen Effekte nominiert, für die er damals noch hochgelobt wurde...
Asokan TEAM sagte am 27.03.2010 um 18:34 Uhr

"Aber war diese Huldigung von netten, mittelmäßigen Filmen nicht sowieso ein Markenzeichen des 'Kinojahrs 2009'."

Amen.
the flower tao sagte am 27.03.2010 um 21:16 Uhr

Ups, ich gehöre gleichzeitig zum Pro- und Contra-Lager... anstrengend. ;)

Ich stimme dir zu, Asokan, dass die enorm durchschaubare Story mit ihrer viel zu überdeutlichen Ausleuchtung durch die Dialoge wirklich nicht bei der Stange hält. Manchmal fühlte ich mich dann doch etwas für blöd verkauft, weil längst offensichtliche Plotpunkte bis zum Exzess zwischen den Figuren ausdiskutiert wurden.

SPOILER ->

Was ich aber hochinteressant fand: Die genaue Natur der Dachau-Erinnerungen blieb offen. Außer, ich habe etwas nicht mitbekommen. Klar, die ErinnerungsBILDER waren völlig überhöht (die herumfliegenden Blätter; der Frost und Schnee im tatsächlich im Frühling befreiten KZ). Das würde heissen, dass die ganze Erinnerung Teil der Kompensationsphantasie bezüglich seiner Familiengeschichte war. Die Idee, dass er aber schon in Dachau war, bloß dass sich die Kompensationsphantasie in die "richtige" Erinnerung eingefressen hat.

Das wäre jetzt auch nicht grade psychologisch bahnbrechende Figurenzeichnung, würde aber die für mich wirklich interessante Frage nach der genauen Bruchstelle zwischen Erinnerung/Kompensation/aktueller Realität mit sich bringen. Erinnert mich angenehm an SILENT HILL 2 (der Serienteil, der statt dieses Gans-Mist hätte von einem guten Regisseur/Autor hätte verfilmt werden sollen).

Die over-the-top/pulp/whatever-Inszenierung fand ich außerdem mit ihrem gewagten Balance-Akt auf der Trash-Grenze unglaublich spaßig und atmosphärisch.

Ich würde den Film um Welten nicht als Meisterwerk bezeichnen. Aber sympathisch war er mir auf jeden Fall!
the flower tao sagte am 27.03.2010 um 22:00 Uhr

Ich habe grade den SPIEGEL-Text zu SHUTTER ISLAND gelesen und die haben extra eine Korrektur drin, dass es Ende April in Dachau wohl doch geschneit hat. Mag sein... von komplett schockgefrosteten Leichenbergen, wie sie in Scorseses bewusst überhöhter Bildkomposition auftauchen (zusammen mit besagten fliegenden Blättern, der Mahler-LP usw.) müsste ich aber nochmals überzeugt werden - für die Lesart der Flashbacks dürfte die Korrektur wenig entscheidend sein.
Asokan TEAM sagte am 28.03.2010 um 00:22 Uhr

SPOILER

Was den Film in der Tat interessant macht - und ja, ich finde ihn wie viele Filme, denen ich dieselbe Wertung gegeben habe, interessant, nur halt nicht wirklich gelungen - ist die Frage wo Traum aufhört und Realität anfängt. Natürlich wird am Ende fast alles aufgelöst und für den Zuschauer ausbuchstabiert, aber da die Bilder durchgehend subjektiv aufgeladen bleiben - die KZ-Erinnerungsbilder waren in der Tat over-the-top, aber in ihrer ganzen Hyperbolik grandios inszeniert - weiß man nicht ganz, welcher Instanz man am Ende nun glauben soll. Ich vermute mal, dass die Hauptfigur schon in Dachau war, aber dass das andere, persönliche Trauma seiner Familie daheim in den USA von dem 'weniger' verstörenden Trauma aus dem Ausland verdrängt/überlagert wurde. So konnte er immer noch Schuldgefühle dafür empfinden, dass er nichts mehr für die Opfer tun konnte, aber sich etwas mehr davon distanzieren, indem er aus den Opfern in seinem Kopf Juden machte. Das würde aus dem Film dann noch eine implizite Kritik an amerikanischer Heile-Welt-Ideologie machen.
Jeannette TEAM sagte am 03.10.2010 um 00:57 Uhr

Uns hat der Film nicht gefallen. Ich finde ihn sehr plump, nicht raffiniert und lange Zeit langweilig. Die Musik, die Bilder, alles typisch und schon oft gehört und gesehen. Das Ende ist für mich offen und nicht eindeutig, was mich allerdings sehr stört. Das beste sind noch die Schauspieler, obwohl die weiblichen Rollen eindeutig zu kurz kommen. Ich kann diesen Film nicht empfehlen.
Zombie-mower TEAM sagte am 15.01.2011 um 05:44 Uhr

möchte meine Meinung diesem Sammelbecken nicht vorenthalten:

also zu Scorsese's Vorgängern: "The Departed" sticht für mich von allen seinen Filmen nach dem Jahrtausendwechsel aufgrund der authentisch-realistischen old-school Machart hervor (das Endresultat erinnert sehr an die Meilensteine wie "Casino" und "Good Fellas"); dass es sich um ein Remake eines asiatischen Films handelt wunderte mich schon lang nicht mehr, da in Hollywood mittlerweile alles recyclet wird, was in Japan, China und Thailand an der Kino-Kasse funktioniert hat;
ich bezieh mich primär auf den Regiestil und die Gesamtwirkung des Films als Beurteilungskriterien;

"The Aviator" fand ich sehr intensiv, atmosphärisch dicht, sehr gut gespielt und ähnlich nihilistisch wie Scorsese mit seinem neo-realistischen Stil bekannt geworden ist; sein Gespür für die Inszenierung der Schauspieler ist einfach vorbildlich (Di Cabrio und Cate Blanchett seien hier beispiel angeführt) und den meisten heutzutage noch aktiven Regisseuren weit voraus; der Schluss enttäuscht nur;

zu dem letzten Werk "Shutter Island":
ich war beeindruckt von der bedrückenden Noir-Atmosphäre, dem authentischen Retro-Setting, der herausragenden schauspielerischen Leistung, den tollen Cameo-Auftritten bekannter alter Hasen aus dem Schauspielgewerben (große Verbeugung vor Max von Sydow und Ben Kingsley) und natürlich den genialen Scorsese-typischen Kameraarbeit-Einsätze;

nun aber die Kritik: aber der Hälfte des Films beginnt er einfach zu nerven; es wurde zu viel an Expositionen und Genre-Überquerungen gewagt; was noch an Symbiose funktioniert - Psycho-Thriller und Horror - wurde weit breitgetreten mit dem Drama-Teil mit traumatischen Exkursen in die Vergangenheit des Helden und der Who-Dunit oder Krimielemente, bzw Survival-Elementen; was soll das?
was dem Film an Hauptmerkmal aufgedrückt wird und zum Schluss am nachhallendsten verbleibt ist der mind-fuck; das an der Nase herumführen; was in "A Beautiful Mind" funktionierte (da der Film ein virtuoses, pures Psycho-Drama ist), geht in "Shutter Island" komplett schief;
Erwartungen wurden gebrochen und der Zuschauer verwirrt zurück gelassen - das ist nicht der Sorsese den ich kenne und immer hoch gepriesen habe;

"Shutter Island" bleibt für mich einer der sinnlosesten High-Budget Beiträge für die Großleinwand, der sich auch noch kommerziell prostituiert hat...
lediglich stilistisch mag Shutter Island einen gewißen Unterhaltungswert und Purheit erreichen.
P.S.: "Avatar" - der Referenzfilm zu "Shutter Island" - hat in den hier zur Beurteilungsgrundlage vorgesetzten Kriterien alles richtig gemacht, ist konsequent durchgehalten und erreicht einen genialen Mittelwert zwischen Unterhaltung und Gesellschaftskritik

Kommentar schreiben | Einem Freund empfehlen

 

Impressum 




 
 
www.jeichi.com | CD-Kritiken | www.filmempfehlung.com
Horrorfilm News | Der Webvideo Markt | Kino Trailer
 
Sedo - Domains kaufen und verkaufen etracker® Web-Controlling statt Logfile-Analyse