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Gangs of New York

Gangs of New York

Ein Film von Martin Scorsese

Als Kind muss der junge Amsterdam Vallon (Leonardo DiCaprio) mitansehen, wie in der Straßenschlacht um die Vorherrschaft im New Yorker Bezirk der Five Points sein Vater, der „Priester“ (Liam Neeson) und Anführer der irischen Dead Rabbits von Bill „The Butcher“ Cutting (Daniel Day-Lewis), dem brutalen Oberhaupt der Amerikan Natives, getötet wird und damit die irische Bevölkerung in Knechtschaft unter die sogenannten „Eingeborenen“ gerät.
Jahre später kehrt der nunmehr erwachsene Amsterdam unerkannt in die Five Points zurück, um am Mörder seines Vaters blutige Rache zu nehmen. Doch während er sich in Cutters Nähe einschmeichelt, um ihn später in aller Öffentlichkeit zu töten, entsteht ein Nahverhältnis zwischen den beiden, das zumindest auf Bill Cutters Seite dem zwischen Vater und Sohn sehr nahe kommt.
An jenem Tag, an dem die Natives ihren Sieg über die Dead Rabbits feiern, wird Amsterdams wahre Identität als Sohn des Priesters dem „Butcher“ offenbart und dieser kommt dem geplanten Mordanschlag zuvor. Er verschont Amsterdam aber, aus Abscheu und Wut über die hinterhältig geplante Tat.

Ein gewöhnlicher Film hätte an dieser Stelle wahrscheinlich den Helden über das Böse siegen lassen und den Zuschauer mit einem angenehmen Abspann zum Abschied verwöhnt. Dieses Epos aber geht jetzt erst richtig los.

Anstatt sich zurückzuziehen beginnt Amsterdam, gestärkt durch seine Niederlage gegen den „Butcher“, die in immer größeren Einwanderermassen
nach New York strömenden Iren um sich zu scharen und die Dead Rabbits wieder auferstehen zu lassen. Bills Versuche, die Five Points in seinem eisernen Griff zu behalten, werden immer blutiger und brutaler. Amsterdam gewinnt als Anführer der irischen Einwanderer plötzlich auch noch politisches Gewicht. Als der bald gewählte irische Scheriff von Bill eigenhändig und öffentlich erschlagen wird, fordert Amsterdam ihn zu einem Straßenkampf nach den alten Kampfesregeln heraus, um seinen Widersacher endgültig auszulöschen.
Inzwischen aber hat ein Problem ganz anderer Größenordnung sich langsam aber stetig an die Oberfläche des filmischen Bewusstseins gedrängt: Für den im Inneren des Landes tobenden Amerikanischen Bürgerkrieg werden die Armen aus den Städte rekrutiert, die es sich nicht leisten können, sich frei zu kaufen.
Just in dem Moment, als nun Amsterdam Valen und Bill Cutting einander zur alles entscheidenden Schlacht gegenüber treten, bricht in ganz New York der Mob gegen Polizei, Oberschicht und Militär einen Aufstand vom Zaun, der die Stadt ins Chaos stürzt.
Immer noch verfolgen Amsterdam und Bill ihren eigenen Krieg, die Fronten stehen einander gegenüber, bereit zuzuschlagen, als plötzlich die in New York vor Anker liegenden Kriegsschiffe das Feuer auf die sich im kompletten Aufruhr befindliche Stadt eröffnen.

Regisseur Martin Scorsese hat die Geschichte des jungen Wilden, der um jeden Preis sein Ziel, seine Rache verfolgt, bis zu diesem Punkt in einer wahrhaft epischen Breite und Länge aufgebaut. Er erzählt eine Geschichte voller abgründigem Hass, triebgesteuert und animalisch. Das Gesetz ist in dieser Zeit keinen Cent wert, Politik ist das Recht des Stärkeren, und der Wohlhabendere ist immer der Stärkere. All das ist bis zu diesem Punkt klar und sichtbar.

Und dann löst sich die persönliche Vendetta mit einem Schlag in Staub und Rauch auf. Die beiden Kontrahenden bekämpfen einander in der Verwirrung des Kanonenkugelhagels und unter den Schüssen des vorrückenden Militärs immer noch, doch als Valen seinen Erzfeind schließlich tötet, ist diese Tat vollkommen sinnlos vor dem Hintergrund der neuen Entwicklungen.

Das Schlussbild mitsamt Valens Erzähler-Kommentar macht noch einmal deutlich, was wir in diesem Meisterwerk eben zu sehen bekommen haben. Gemeinsam mit seiner Liebsten (Cameron Diaz als Jenny Everdeane) blickt er von Brooklyn aus auf das zerbombte Manhatten zurück, betrachtet die Gräber von Bill Cutter und seinem Vater nebeneinander zu seinen Füßen, und bemerkt: „Sie werden die Stadt wieder aufbauen. Und es wird sein, als wären wir überhaupt nie hier gewesen.“ Dann werden die beiden transparent, lösen er sich auf und im Hintergrund verwandelt sich die Skyline der Stadt durch einer Zeitreise, bis sie so aussieht wie heute (noch mit den Twintowers).

So mitreißend und vor allem durch die explizite Darstellung von Gewalt emotional dieser Film auch ist, der Regissseur hält bis zuletzt mit dem zurück, was er eigentlich sagen will. Der Film ist ein Lehrstück amerikanischer Geschichte, er zeigt die Verhältnisse in der Einwandererstadt New York zur Zeit des Bürgerkriegs historisch so exakt wie möglich nach. Doch vor allem ist es ein Film über die Vergänglichkeit des Menschen und über die Unbeständigkeit seiner Werke.
Einzig die Performance von Daniel Day-Lewis als Bill „The Butcher“ Cutter spießt sich etwas mit dieser Grundbotschaft – sein überragendes Spiel scheint ein Monument für die Ewigkeit zu sein.


Eine Rezension von H. Christian Haslecker
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Daten zum Film
Gangs of New York USA, Deutschland, Italien, Niederlande, UK 2002
Regie Martin Scorsese Drehbuch Jay Cocks, Steven Zaillian, Kenneth Lonergan
Produktion Miramax Films
Darsteller Leonardo DiCaprio, Daniel Day-Lewis, Cameron Diaz
Länge 167 FSK 16
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