Filmkritiken - von Independent bis Hollywood
 
2008 Filmkritiken | 10468 Personen | 3323 Kommentare  
   
Bitte wählen Sie

Email

Passwort


Passwort vergessen

> Neu anmelden

Auch interessant



Cargo
von Ivan Engler, Ralph Etter




Meist gelesen¹

1. 
Auf der Alm da gibt's koa Sünd  

2. 
Cannibal Holocaust (Nackt und Zerfleischt)  

3. 
Martyrs  

4. 
Troll Hunter  

5. 
Supernatural  

6. 
Antikörper  

7. 
Das Zeiträtsel  

8. 
Midnighters  

9. 
Stand By Me - Das Geheimnis eines Sommers  

10. 
Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All  
¹ gilt für den aktuellen Monat

  FILMSUCHE
  Sie sind hier: Filmkritiken > Mark Dippé > Frankenfish
Frankenfish RSS 1.0


Frankenfish

Frankenfish

Ein Film von Mark Dippé

Man nehme eine genmanipulierte Tierart, ordentliche Portionen an Mutation, ein bis zwei stylische Helden und zwei große Hände voll nerviger, dümmlicher und skrupelloser Nebendarsteller und schon hat man die perfekte und altbekannte Mischung für einen Tierhorrorfilm der herkömmlichen Art. Da lässt sich auch „Frankenfish“ problemlos einordnen, der sich ganz genau an das Grundrezept hält und mit keinerlei innovativen Ideen aufwartet. Was gibt es also diesmal? Eine im Labor genmanipulierte Schlangenart, die dem in Asien und Afrika beheimateten Schlangenkopffisch ähnelt, entflieht aus ihrem Gefängnis, einem porösen Motorboot, und versetzt fortan als Fisch, der sowohl im Wasser als auch an Land atmen kann, die Bewohner im Sumpfgebiet von Louisiana in Angst und Schrecken. Schon bald wird in regelmäßigen Abständen die Gruppe rund um Gerichtsmediziner Sam (Tory Kittles) und Biologin Mary (China Chow) auf blutrünstige Weise dezimiert und die einzige Fluchtmöglichkeit, nämlich die umliegenden Boote, zerstört. Na dann – fröhliches um-die-Wette-schwimmen!

Der Titel hält, was er verspricht. „Frankenfish“ ist nicht nur ungewollt komisch, sondern auch noch dümmlich, langweilig und abstoßend. Das fängt – wie sollte es auch anders sein? – sogleich in der ersten Szene an, als ein Fischer von seinem Boot plumpst, von irgendetwas im Wasser angegriffen wird, ein zartes und total unmotiviertes „Hilfe“ hervorbringt und kurz darauf eine anständi
ge drei-Eimer-Portion Blut aufblubbert. Das soll wohl mitreißend sein, ist aber bis auf die netten Naturaufnahmen ringsum nicht sonderlich spektakulär.

FrankenfishFrankenfishFrankenfish
…und es geht vielfältig weiter. Biologin Mary wechselt innerhalb der ersten fünf Minuten ihres Auftritts dreimal das Outfit und einmal die Frisur und nach schon einer Minute Spielzeit sieht man sie im buntgeblümten, knappen Triangel-Bikinitop und enger weißer Hose. Dies scheinen zwar nicht die richtigen Klamotten für ein Sumpfgebiet zu sein, wo es in der modderigen Umgebung vor piekenden Insekten nur so wimmeln sollte, aber wahrscheinlich sind sie der einzige Grund, der den Zuschauer vorm Bildschirm hält. Nach weniger als 20 Minuten gibt es dann als weitere Belohnung dafür, dass man es so lange ausgehalten hat, das erste Paar nackter Brüste zu sehen, zu denen sich weitere drei Minuten später auch eine passende Oralsexszene gesellt. Genauso ansprechend geht es dann mit Einladungen zum (gleich-)geschlechtlichen Verkehr, ein paar Todesopfern und kunterbunten Pseudoweisheiten ala „Es ist ein Fleischfresser“ weiter. Zwischendurch tauchen dann auch noch ein paar böse Chinesen auf, die irgendwie für die Mutiererei der fiesen Fischschlange verantwortlich zu sein scheinen und unser Sumpfvölkchen zusätzlich mit Schusswaffen bedrohen.

Man ahnt es sicher schon – der Film weiß einfach nicht, wo er hinwill. Eigentlich als Bio-Horror gedacht gleitet er doch zu oft ins pornografische, übersinnliche und in billig blutige Goreszenen ab, nimmt somit aus jedem erdenklichen Genre das schlechteste mit und vereint alles zu einem Mischmasch aus Sushi und Schlangeneintopf. Was das nun eigentlich sein soll? Genau – keine Ahnung.

FrankenfishFrankenfishFrankenfish
Neben der nicht wirklich existierenden und dennoch miesen Story sind sowohl die Darsteller als auch die Figuren, die sie verkörpern, unglaubwürdig, unsympathisch und alles andere als humorvoll. Man fühlt mit niemandem wirklich mit, kann sich mit keinem identifizieren und fragt sich eigentlich nur, warum es nur die hässlicheren Schauspieler sind, die sich ausziehen dürfen und wieso man die Krabbel- und Fressszenen des Frankenfischs so überaus niedlich findet, wo sie einem doch Angst einjagen sollten.

Der Unterhaltungswert von „Frankenfish“ hört auf, sobald der lustige Titel nach den ersten paar Sekunden wieder abgeblendet wird und fängt erst wieder an, wenn der Abspann vorbei ist und man wieder im DVD-Menü landet, um der eigentümlichen Musikuntermalung zu lauschen, die eigentlich auch langweilig wäre, würde nicht in einer Endlosschleife ein Mann angstvoll losschreien. Darüber kann man dann wieder lachen und somit zaubert einem „Frankenfish“ statt einer angstverzerrten Fratze ein arrogantes Lächeln ins Gesicht, wenn man sich zum wiederholten Mal fragt, warum solche Filme eigentlich produziert werden.