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Stay

Stay

Ein Film von Marc Forster

Der Mann hat es echt drauf! Erst beglückte uns der Deutsch-Schweizer Marc Forster mit dem beeindruckenden USA-Debüt „Monster’s Ball“, legte kurz darauf das großartige Drama „Wenn Träume fliegen lernen“ nach und überzeugte letztes Jahr mit einer der gelungensten, skurrilsten Komödien überhaupt: „Schräger als Fiktion“. Der Regisseur will sich anscheinend nicht auf ein Genre festlegen lassen und überrascht die Zuschauer jedes Jahr positiv aufs Neue. Vor dem Geniestreich um den Protagonisten, der erfährt, dass er eine Romanfigur ist, wandte sich Forster so etwa dem bisher fremden Genre des Psycho-Thrillers zu. Und soviel sei verraten: auch diese Reise hat es wahrlich in sich.


Henry Letham (Ryan Gosling) ist ziemlich irritiert, als er plötzlich einem ihm fremden Psychiater gegenübersitzt, war er doch bisher in der Obhut von Dr. Beth Levy (Janeane Garofalo). Die Vertretung Sam Foster (Ewan McGregor, „Big Fish“), so der Name des „Neuen“, hüllt sich seinerseits in Stillschweigen, versucht aber trotzdem, allmählich das Vertrauen „seines“ Patienten zu gewinnen. Schon bald eröffnet der junge Mann dem geschockten Seelendoktor, dass er vor hat, am Tage seines bevorstehende
n 21. Geburtstages Selbstmord zu begehen. Fast noch schlimmer als diese Aussage ist jedoch die Hilflosigkeit, mit der Foster sich nun konfrontiert sieht, denn bis zum Tag X streichen nur noch 3 Tage ins Land. So beginnt der Psychiater Nachforschungen bezüglich Henrys Vergangenheit anzustellen, um einerseits zu kapieren, was den jungen Mann zu dieser Tat treibt; andererseits erhofft sich Sam, Henry letztlich von seinem Suizid abbringen zu können. Doch je tiefer er in die Gedankenwelt und das Umfeld des zukünftigen Suizidenten eintaucht, desto mehr glaubt Sam, den Verstand zu verlieren. Plötzlich sieht er sich Personen aus Henrys Umfeld gegenüber, die eigentlich gar nicht mehr unter den Lebenden weilen dürften, wird Zeuge von seltsamen Vorhersagen Henrys, die unerwartet Wirklichkeit werden. Und allmählich droht Sam, in diesen Wirren nicht nur seinen gesunden Menschenverstand, sondern auch die Liebe zu seiner Freundin Lila (Naomi Watts) zu verlieren, der Sam vor einiger Zeit nach einem fehlgeschlagenen Selbstmordversuch das Leben gerettet hat, während unerbittlich Henrys 21. Geburtstag in greifbare Nähe rückt.


„STAY“ ist definitiv alles andere als leichte Kost. Er ist ein Film zum Entschlüsseln, zum Kombinieren, zum Nochmal-Sehen. Am ehesten vergleichbar ist er noch mit den Werken von David Lynch („Lost Highway“, „Mulholland Drive“), wenngleich der Zugang in Fosters düsterem Meisterwerk trotz der Verbindung mehrerer Erzählebenen wesentlich leichter fällt. Da wie dort wird der Zuschauer Zeuge der Geburt eines filmgewordenen Alptraums voller elektrisierender Musik und unheilschwangerer Atmosphäre, die sicherlich nicht jedermanns Geschmack ist, Aufgeschlossenen aber 90 Minuten spannende, abwechslungsreiche Unterhaltung bietet. Womit wir auch schon beim eigentlichen Thema wären: man sollte unbedingt ein gesundes Maß an Interpretationsfreudigkeit mitbringen, um den Film als das zu sehen, was er sein will – nämlich gerade kein Film für die breiten Massen. Die düstere Geschichte um den bevorstehenden Selbstmord und die Ermittlungen von Sam Foster bietet in beinahe jeder Sekunde Anhaltspunkte zum Endverständnis, welche sich allerdings erst nach mehrmaligem Sehen bemerkbar machen. Mag man sich beim ersten Sehen vor allem am Ende fragen, was das Ganze nun eigentlich sollte, wird schon bei nochmaliger Sichtung deutlich, dass Marc Forster überaus geschickt Fährten gelegt hat, wir nur nicht richtig hingesehen haben. Daher jetzt auch eine kleine Warnung: wer den Film selbst entschlüsseln möchte, sollte den nun folgenden Abschnitt bewusst überspringen und erst wieder nach der Bilderzeile weiterlesen. Nichtwissen macht den Film nämlich noch um einiges interessanter. Weiterlesen also auf eigene Gefahr.


Es liegt einem am Ende auf der Zunge, und doch weiß man nicht so recht, ob alles letztlich Sinn macht. Ja, wir scheinen einen Traum gesehen zu haben, eine Art Nahtoderfahrung von Henry, in der Elemente der Wirklichkeit traumgemäß mit fiktionalen Momenten und unverarbeiteten Gedanken zu einem unausgegorenen Mischmasch verquickt wurden. Alle Personen, die wir am Ende des Films sehen, tauchen in dieser Vision in irgendeiner Form auf, machten zunächst dort aber keinen Sinn. Sam Foster, in der Vorstellung Henrys noch Psychiater, ist dies in der Wirklichkeit (?) nicht, ebenso wenig sind er und Lila schon ein Paar. Vielmehr lernen sie sich erst am Ende des Film kennen, wenngleich einige geschickt eingestreute Gedanken- und Erinnerungsblitze verdeutlichen, dass dies vielleicht doch nicht das erste Treffen der beiden ist. Absicht? Verschiedene Handlungsebenen? Bisweilen wird gar die Ansicht vertreten, Sam und Henry seien in der Vision eine Person, was erklären würde, warum Lila an einer Stelle des Films Sam mit dem Namen „Henry“ ruft, nur um dies unmittelbar darauf zu negieren. Doch wie so häufig ist auch dies nur eine Meinung von vielen, die dem Umstand Rechnung trägt, dass wir es hier allem Anschein nach wirklich mit einem Traum zu tun haben. Und Traumdeuterei ist nun mal eine Kunst für sich. Henry/Sam transferiert einfach all das, was er vor seinem Tod im Dämmerzustand wahrnimmt (den vor ihm hockenden Sam mit kurzen Hosenbeinen zum Beispiel), in diese „Zwischenwelt“ zwischen Leben und Tod, angereichert mit dem Gedanken, dass er von seinem Vater nie verstanden wurde. Heraus kommt die zunächst mysteriös erscheinende Rahmenhandlung des Films, welche aber allmählich Gestalt annimmt und den Zuschauer nicht gänzlich verwundert zurücklässt. Irgendwie macht vieles Sinn, aber auch nicht. Ein seltsames Gefühl, das einen beschleicht, freilich. Aber David Lynch-Fans sind nichts anderes gewohnt.


Nun holen wir auch wieder diejenigen ins Boot, die sich den Spaß am Interpretieren nicht nehmen lassen wollten. Denn bei aller Raffinesse hinsichtlich der vielschichtigen Geschichte bietet der Film den wohl gelungensten Schnitt der letzten Jahre, der gekonnt die Grenzen zwischen Realität und Fiktion durchschneidet. Unscheinbare Elemente blenden plötzlich über in den Mittelpunkt des Geschehens, führen dem Zuschauer in immer atemberaubender werdenden Bildkompositionen vor Augen, was wichtig ist, ohne allzu offensichtlich den Holzhammer zu bemühen, während im Hintergrund der unbeschreiblich gute, unvergleichlich hypnotische Score von „Asche & Spencer“ sein Übriges tut, zur grandiosen Atmosphäre dieses düsteren Trips beizutragen. Das Spiel der Hauptcharaktere, allen voran Ewan McGregor, der hier eine seiner besten Leistungen seit langem darbietet, überzeugt schließlich auf ganzer Linie und lässt „STAY“ im Zusammenspiel mit allen anderen Faktoren zu einem schwer zu beschreibenden modernen Klassiker werden, der sicherlich die Massen spalten wird. Sehr gute fünf Sterne von mir für einen der originellsten Filme der letzten Jahre, der haarscharf an der Bestnote kratzt, aufgrund des nicht leichten Zugangs und der zutiefst bedrückenden Atmosphäre aber ein paar Abzüge in der B-Note kassiert. Man darf gespannt sein, wie sich Marc Forsters Talent als visionärer Regisseur auf den bevorstehenden, neuen Bond-Film „James Bond 007 - Ein Quantum Trost“ [2008] mit Daniel Craig auswirkt. Eines ist fast schon sicher: auch hier steht wieder etwas Besonderes ins Haus. Stay tuned.

Eine Rezension von Stefan Rackow
(18. Oktober 2007)
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Daten zum Film
Stay USA 2005
(Stay)
Regie Marc Forster Drehbuch David Benioff
Produktion Bill Carraro, Guymon Casady, Eric Kopeloff, Tom Lassally, Arnon Milchan Kamera Roberto Schaefer
Darsteller Ewan McGregor, Ryan Gosling, Kate Burton, Naomi Watts, Elizabeth Reaser, Bob Hoskins, Janeane Garofalo, B. D. Wong
Länge 98 Minuten FSK ab 12 Jahren
http://www.stay-der-film.de/
Filmmusik Asche & Spencer
Kommentare zu dieser Kritik
Zombie-mower TEAM sagte am 21.10.2007 um 03:13 Uhr

technisch ist "Stay" allemal großartig, innovativ gefilmt und düster in der Optik
doch inhaltlich fand ich ihn viel zu konstruiert und konfus, am Schluss dann doch irgendwie unbefriedigend und zu künstlich;
David Lynchs' Stil sehe ich vielmehr im Grotesken und stilischem Sarkasmus, der sich in den größtenteils surrealen Bildern äußert - bei "Stay" war eben die Auflösung und die teilweise durchschimmernde zweite Welt verzwickt. Also für meinen Geschmack einfach zu viel CGI, das den Film nur unnatürlich machte.
Ewan McGregor spielt aber solide wie immer, vielleicht nen Tick zu seriös. Doch bei den Problemen, die sein Charakter hat, verwundert es mich nicht.

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