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Verlorene Liebesmüh'

Verlorene Liebesmüh'

Ein Film von Kenneth Branagh

Shakespeare als Musical? Was hat sich Kenneth Branagh wohl dabei gedacht? „Good Ol’ Britain’s“ Vorzeigebarden ausstaffiert in einem der wenigen kulturellen Errungenschaften, die uns Amerika zu bieten hat? Warum nicht. In den letzten Jahren gab es wenige erfolgreiche Musicals im Kino zu bewundern, ausgenommen vielleicht Rob Marshalls Chicago. Die Zeiten, in denen Musicals noch Scharen von Besuchen in die Kinos zogen und Fred Astaire mit Ginger Rogers über die Leinwand tanzte darf man getrost der Kinogeschichte zurechnen. Seit den 1940ern ging es mit dem Musical auf der Kinoleinwand nur noch bergab. Sie teuer und aufwendig in der Produktion und zu wenig Erfolg an den Kassen. In dieser Hinsicht brachte Verlorene Liebesmüh’ keine Wende. Mit einem Einspielergebnis von weniger als $300.00 war der Film sogar ein ausgesprochener Flop. Schade eigentlich, denn das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Verlorene Liebesmüh’ ist nun mehr der vierte Film in Kenneth Branaghs Shakespeare-Reihe für faule Leser. Und man kann nur noch einmal sagen, was schon so viele gesagt haben. Branagh kennt seinen Shakespeare. Selbst neben Schauspiellegende Laurence Olivier macht er noch eine gute Figur. Er begann seine Filmkarriere mit Shakespeare und es wäre nicht verwunderlich, wenn er sie auch mit einem Shakespeare beenden würde. Nach mehreren kleineren TV-Auftritten und ein paar Shakespeare-Aufführungen auf der Bühne gab Branagh sein Regiedebüt 1989 mit der Shakespeare-Adaption von
Heinrich V. (Henry V.). Ein schweres Unterfangen, das ihm jedoch viel Kritikerlob und sogar 3 Oskarnominierungen einbrachte. Nach so viel positiver Rückmeldung konnte es nur eine Frage der Zeit sein bis Branaghs nächstes Shakespeare-Projekt folgen musste. Es wurde Viel Lärm um Nichts, gefolgt von einer monumentalen Vier-Stunden-Adaption von Hamlet, was ihm den endgültigen Vergleich mit Laurence Olivier einbrachte.
Nach einer vierjährigen Regie- und Shakespearepause auf der Leinwand kam 2000 mit Love’s Labour’s Lost endlich der nächste und bis heute letzte Shakespearefilm Branaghs in die Kinos.

Mit Verlorene Liebesmüh’ wagte sich Branagh erstmals an eines der weniger bekannten Stücke Shakespeares. Als eines der ersten Stücke des Barden schien es auch unter Liebhabern und Experten wenig Popularität zu genießen. Nach Shakespeares Tod im Jahre 1616 wurde das Stück bis 1939 nicht wieder aufgeführt. Auch danach wurde es eher selten aus der Schublade hervorgeholt. Stücke, wie Hamlet, Othello, Richard III oder Romeo und Julia versprachen weitaus mehr Erfolg und Dramatik. Verlorene Liebesmüh’ erscheint im Vergleich zu dem guten alten Klassikern eher als eine Art „Shakespeare Light“, spickt mit viel Slapstick und Liebesgeplänkel. Die Geschichte ist schnell erzählt.

Der König von Navarra ist fest entschlossen sich drei Jahre dem wissenschaftlichen Studium zu widmen und dies ohne jegliche störende Faktoren. Spaß, Luxus und allem voran Frauen sind am Hof strengstens verboten. Ihm zur Seite stehen drei getreue Mitstreiter: Longaville, Dumain und Biron. Denen in Euphorie und Zuversicht unterschriebenen Schwüren prophezeit Biron wohl wissend ein unvermeidliches Scheitern. Diese Prophezeiung erfüllt sich für die vier Philosophen auf Zeit schneller als gedacht.
All die guten Vorsätze scheinen wie weggeflogen, als die Prinzessin von Frankreich mit ihren drei Hofdamen zu Besuch im Palast des Königs kommt. Aus den geschäftlichen Angelegenheiten werden schnelle heimliche Liebeleien, die die vier Männer gegenseitig voneinander zu verbergen suchen.
Verlorene LiebesmühVerlorene LiebesmühVerlorene Liebesmüh
Was anfangs wenig nach einem Shakespeare anmutet, entpuppt sich nachher umso mehr als schwerverdauliche literarische Kost. Die verwendete Sprache ist selbst für Shakespeare sehr altmodisch und anspruchsvoll. Das komplette Stück erscheint dem Leser wie ein großes Wortspiel, versetzt mit Anspielungen auf griechische Mythologie und zeitgenössisches Geschehen. Dass einige Protagonisten in dem Stück auch noch Französisch und Latein sprechen erscheint Angesicht dessen nur noch nebensächlich.
Da Branagh sich bekanntlich gegen eine Modernisierung der Sprache in Shakespearestücken ausspricht, sind die Dialoge des Films dem Originaltext entnommen. Dies soll nicht von Sehen abschrecken, denn der Film enthält nur etwa 25-30% des ursprünglichen Textes.
Die ausgelassenen Textpassagen wurden durch zehn klassische Musicalsongs aus den 1930er und 1940er ersetzt. So hören sind unter anderem musikalische Leckerbissen wie „There’s No Business Like Showbusiness“ von Irving Berlin, „I Get A Kick Out Of You“ von Cole Porter oder „The Way Look Tonight“ von Jerome Kern.
Die Songs reihen sich dabei wunderbar in die Atmosphäre des Films ein und ersetzen obendrein die ausgesparten Textpassagen auch inhaltlich, zumindest in ihrer Quintessenz. Für den Zuschauer ergibt sich dadurch ein kurzweiliger und nett anzusehender tänzerischer Nebeneffekt. Mit Ausnahme von Nathan Lane und Adrian Lester besteht die gesamte Besetzung, Branagh mit eingeschlossen, aus Tanz- und Gesangsdebütanten. Branagh wählte absichtlich keine professionellen Sänger und Tänzer, sondern engagierte nach eigenen Angaben lieber erprobte Schauspieler. Diese wären eher fähig, die Hintergründe des Stückes und die Eigenschaften und Facetten ihrer Charaktere zu verstehen. Recht sollte er behalten. Trotz einiger sichtbarer, aber verzeihlicher tänzerischer und gesanglicher Schwächen, schaffen es die Darsteller ihren Charakter hervorragend in Szene zu setzen.

Passend zur Musik orientieren sich auch das Setdesign und die komplette Ausstattung an alten Hollywoodklassikern. Um die Atmosphäre noch mehr zu unterstreichen wurde der Film komplett in einem Filmstudio gedreht. Dies wirkt stilisiert und zu einem gewissen Grad auch realitätsfremd. Die Welt von Verlorene Liebesmüh’ präsentiert sich in schillernden und glanzvollen Farben, eine Welt voller Glamour, wie es das alte Hollywood war.
Gleichzeitig schimmert jedoch eine gewisse Unsicherheit und Zukunftsangst durch. Ähnlich wie Richard Loncraines es bei seiner Verfilmung von Richard III, verlagert auch Kenneth Branagh die Handlung von Verlorene Liebesmüh’ in das Jahr 1939 kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Dies unterstützt die unterschwellige Dramatik und Tragik, die auch schon das Stück im Original aufweist und zeigt einmal mehr, wie zeitlos Shakespeare und seine Werke sind.

Eine Rezension von Anja Mikolajek
(10. März 2007)
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Daten zum Film
Verlorene Liebesmüh' 2000
(Love's Labour's Lost)
Regie Kenneth Branagh Drehbuch Kenneth Branagh
Produktion Miramax
Darsteller Kenneth Branagh, Alicia Silverstone, Alessandro Nivola, Nathan Lane, Timothy Spall, Natascha McElhone
Länge 90 Minuten FSK ab 6 Jahren
Kommentare zu dieser Kritik
Bernd sagte am 10.03.2007 um 18:12 Uhr

Toll geschriebene Rezession. Besonders die historische Einleitung hat mir gut gefallen. Mit dem Film kann ich allerdings gar nix anfangen. Der einzigste Shakespear den ich schau kommt aus Japan und heisst Kurosawa.

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