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Cowboys & Aliens

Cowboys & Aliens

Ein Film von Jon Favreau


„I don't know much about boats, but I'd say that one's upside down.“


Kombinationen sind ja wirklich toll. Vor allem dann, wenn sie im Grunde überhaupt nicht zusammenpassen. So durften wir in den vergangenen Jahren bereits einigen Zusammenkünften beiwohnen, die man ansonsten nur im derzeit bunt bevölkerten Dschungel-TV vermuten würde. Und beim Blick auf kommende Filmproduktionen wird allzu schnell deutlich, dass uns in naher Zukunft noch weitaus schrillere Kampf-Paarungen als Mega Sharks gegen gigantische Oktopusse bevorstehen, getreu dem Motto: Führe brav zusammen, was nicht zusammen gehört. Amerikanische Präsidenten und blutrünstige Vampire etwa („Abraham Lincoln: Vampirjäger“ [2012]) oder gar ranghohe Militärs und außerirdische Invasoren mit einer Vorliebe für flottes, rundenbasierendes Flottenmanöver (Liam Neeson versenkt munter riesige Raumschiffe im potentiellen Oscar-Anwärter „Battleship“ [2012]). Warum also nicht vorher, weil's so schön ist, auch noch raubeinige Cowboys und fiese Aliens aufeinander loslassen?


Bitteschön: Ohne Erinnerung daran, wer er ist und wie er hierher gekommen ist, erwacht ein Cowboy (Daniel Craig) in der Wüste. Die seltsame metallene Apparatur an seinem Arm gibt ihm zusätzlich Rätsel auf. Einzig der Sheriff (Keith Carradine) der nächstgelegenen Wüstenstadt Silver City kann zumindest eines der Geheimnisse lüften: U
nser Fremder heißt Jake Lonergan und wird bereits seit längerer Zeit wegen Postkutschenraubes gesucht. Doch ehe Jake den zuständigen Bundesbehörden übergeben werden kann, tauchen plötzlich außerirdische Flugobjekte am Himmel auf, bombadieren die Stadt und entführen munter ihre Einwohner. Da sich dergleichen wahrlich nicht ziemt, bricht am nächsten Morgen kurzerhand ein Rettungstrupp, unter anderem bestehend aus dem Sheriff, einem sogesehen begnadigten Jake und dem mächtigen Rinderbaron Dolarhyde (Harrison Ford), auf, um die Gefangenen zu befreien und E.T. wieder nach Hause zu schicken.


Eigentlich sollte man Jon Favreau („Iron Man“ [2008]) und seinem Film dankbar sein, bekommt der Rezipient doch kurz und knackig genau das zu sehen, was der Titel verspricht: In „COWBOYS & ALIENS“ kämpfen Cowboys gegen Aliens. Und das hat zumindest in optischer Hinsicht durchaus seinen Reiz. Die von Matthew Libatique („Black Swan“ [2010]) versiert geführte Kamera ergötzt sich in dem einen Moment förmlich an weit ausschweifenden Landschaften und malerischen Sonnenuntergängen, die den wilden, wilden Westen hier und da fast schön erscheinen lassen, nur um im nächsten Schnitt die dunkle, atmosphärische und actionreiche Seite dieser längst vergangenen Epoche auszuloten. Hier zeigen dann die Effektspezialisten von Industrial Light & Magic, was an Rechenleistung in ihren PCs steckt, indem sie den realen Bildern ihren CGI-Stempel aufdrücken. Raumschiffe, angriffslustige Aliens und ereignisreiche Verfolgungsjagden sowohl zu Lande als auch in der Luft lassen sich für den Blockbuster-Freund auf der Habenseite verbuchen. Doch daneben sieht es, gelinde gesagt, reichlich mager aus. Leider.

Cowboys & AliensCowboys & AliensCowboys & Aliens

Das fängt bereits damit an, dass „COWBOYS & ALIENS“ allzu krampfhaft versucht, mit der dünnen Handlung ein Übergrößenkorsett von fast zwei Stunden Laufzeit zu füllen, das dann dementsprechend wackelig im Ödland steht. Sicherlich, der Film basiert auf einer berühmten Graphic Novel von Scott Mitchell Rosenberg, der damals im Kern genau dieselbe Geschichte zu erzählen wusste wie nunmehr die fünf (!) Drehbuchautoren, die die Geschichte fürs Kino aufbereiteten. Aber dass viele Köche den (Einheits-)Brei durchaus verderben können, ist in Hollywood offensichtlich noch nicht so richtig angekommen. So wird munter gestreckt, was das krude Setting einfach nicht hergibt, eine mehr oder minder interessante Prämisse hin oder her. Und am Ende fühlt sich unsereins zwischen den actionreichen Momenten wie ein Cowboy, allein gelassen auf weiter Flur und darauf hoffend, dass ihn sein durchgebrannter Gaul bald wieder abholt. Fraglos: Eine Kürzung von circa 30 Minuten hätte der ungewöhnlichen Westernjagd gut zu Gesicht gestanden und die Wartezeit auf ein vertretbares Minimum reduziert.


Denn in den vielen ruhigen, wie Fremdkörper anmutenden Momenten, die im gefühlten Minutentakt auftreten und erst am Ende vollends dem erwarteten Spektakel weichen, offenbart der Film eine weitere Schwäche: Seine Protagonisten fühlen sich in dem trashigen Treiben zu wohl, oder anders ausgedrückt: Der an den Tag gelegte Ernst beißt sich merklich mit der geradezu nach einer spaßigen Film-Actionhatz schreienden Vorlage. Wo ist die Ironie, die schon so manche Comicvorlage im Kino aufwertete? Sollen die wenigen Oneliner, die einem kantigen Daniel Craig („Verblendung“ [2011]) in bester James Bond-Manier über die zusammengekniffenen Lippen kommen, gar das Höchste der Gefühle darstellen? Grimmig dreinblickend galoppiert der Mime dem obligatorischen Schlagabtausch entgegen und entfernt sich dabei genauso wie seine Mit(st)reiter immer weiter vom Vergnügen, das der Film eigentlich bereiten sollte. Man sieht schöne Bilder, Cowboys und Aliens, aber unter der hübsch in Szene gesetzten Schale wartet schlichtweg nichts, das haften bleibt. Und das ist bei dieser Ausgangslage einfach nur als Kunst zu bezeichnen.


Fazit: Es passt so schön, doch was nützt’s, wenn’s der Film nicht nutzt? So verkommt der vermutete Hochglanz-Spaß zu einem lediglich hochbudgetierten Hochglanz-Abenteuer ohne Sinn und Verstand, das diesen Umstand gar nicht bemerkt, sondern bierernst den Showdown heraufbeschwört. Ist das nun schlimm? Nicht wirklich. Ist es ärgerlich? Ja, schon. Denn selten zuvor war es so schade um verschenktes Potential. Nehmen wir das einfach mal zur Kenntnis, schlucken den Unmut herunter und setzen all unsere Hoffnungen in den guten Abe Lincoln, der uns bald schon hoffentlich eine genauso grandios-schrille Vampirhatz präsentiert, wie sie schon die literarische Vorlage bot. Warum? Weil eigentlich nichts zusammenpasste. Aber das hatten wir ja bereits…


Zusatzbemerkung: Der Film ist seit dem 13.01.2012 auf DVD und Blu-ray über Paramount Home Entertainment im Handel erhältlich. Neben dem Hauptfilm in Deutsch, Englisch und Türkisch (DD 5.1 mit zuschaltbaren Untertiteln) warten zudem noch zwei Special Features (Die Story finden & Das Spektakel) und ein Audiokommentar mit Regisseur Jon Favreau auf Begutachtung. Grundlage dieser Kritik war eine freundlicherweise von Paramount zur Verfügung gestellte Rezensions-DVD.


Bilder: © Paramount Pictures




Eine Rezension von Stefan Rackow
(29. Januar 2012)
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Daten zum Film
Cowboys & Aliens USA 2011
Regie Jon Favreau Drehbuch Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof, Mark Fergus, Hawk Ostby Story Mark Fergus, Hawk Ostby, Steve Oedekerk
Produktion Universal Pictures / DreamWorks Pictures / Reliance Entertainment / Relativity Media / Imagine Entertainment / K/O Paper Products / Fairview Entertainment / Platinum Studios Kamera Matthew Libatique
Darsteller Daniel Craig, Harrison Ford, Olivia Wilde, Sam Rockwell, Keith Carradine, Paul Dano, Clancy Brown, Noah Ringer, Adam Beach, Abigail Spencer, Chris Browning, Ana de la Reguera, Buck Taylor, Matthew Taylor, Cooper Taylor, Walton Goggins, Julio Cedillo, David O'Hara, Raoul Trujillo, Brendan Wayne
Länge 118 Minuten FSK ab 12 Jahren
http://www.cowboysandaliensmovie.com/splash.php
Filmmusik Harry Gregson-Williams
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