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Der 4 1/2 Billionen Dollar-Vertrag RSS 1.0


Der 4 1/2 Billionen Dollar-Vertrag

Der 4 1/2 Billionen Dollar-Vertrag

Ein Film von John Frankenheimer

(GB, 1985)



Zuerst einmal: nein, nicht die Billionen, wie wir sie kennen, sind gemeint. Im amerikanischen Zahlensystem herrschen hier und dort andere Gesetze, es gibt auch kein Wort für „Milliarde“. Es handelt sich also nur um Milliarden. Aber das ist doch immer noch mist-viel Geld, oder?!

Und darum geht es in den Erzählwelten von Robert Ludlum, einem der erfolgreichsten Bestsellerautoren überhaupt, ganz häufig. Um Geld, Nazis und Verschwörungen. All das hatte sein Roman The Holcroft Covenant (1978) reichlich zu bieten. John Frankenheimer sollte ihn 1985 verfilmen. Mit der letzten Ludlum-Verfilmung (The Osterman Weekend, 1983) von Sam Peckinpah hatten Kritiker ja so ihre Probleme. Zu wirr, zu undurchsichtig, zu holperig. Doch da wussten sie noch nicht, was Frankenheimer veranstalten würde.

In Buch und Film geht es um den New Yorker Architekten Noel Holcroft (Michael Caine). Seine Mutter flüchtete im Zweiten Weltkrieg aus Deutschland. Ihr Mann, Alfred Clausen, war einer von Hitlers führenden Finanzexperten. Eines Tages wird Holcroft von dem Bankier Manfredi (Michael Lonsdale) in die Schweiz gerufen, wo ihm folgendes eröffnet wird: er ist der fast alleinige Vermögende über einen Fond von 4 ½ Milliarden Dollar. (Die Synchronisation behauptet penetrant: Billionen.) Sein Vater und zwei Vertraute, Friedrich von Thiebold und Johann Kessler, richteten ihn ein, kurz bevor Berlin unterging. Angeblich erschüttert
(recht spät) über die Gräueltaten des Holocausts richteten sie ihn ein, um Opfer des Nationalsozialismus nach dem Krieg zu entschädigen. (Er soll also eine Art geistiger Überläufer gewesen sein, wie Stauffenberg einer gewesen sein soll. Die Reuenummer, kurz bevor eh alles zu spät ist, zieht in Deutschland ja sehr gut. Mein Gott: Holocaust, Endlösung, im Krieg sterben Menschen…! Da hat uns in der Napola keiner was von gesagt… Schwachsinn, sowas.) Der Vertrag muss, zusammen mit den Söhnen von Clausens Vertrauten, unterzeichnet werden.

Nach diesem Gespräch besteht Holcrofts Leben fast ausschließlich darin, vor Profikillern und dubiosen Organisationen zu flüchten, die an das Geld wollen. Die einzigen Vertrauten scheinen Helden und Johann von Tiebolt (Victoria Tennant und Anthony Andrews) zu sein.

Der 4 1/2 Billionen Dollar-VertragDer 4 1/2 Billionen Dollar-VertragDer 4 1/2 Billionen Dollar-Vertrag
Irgendwann, spätestens im letzten Drittel, gibt man auf, die Handlung verstehen zu wollen. Wer mit wem was macht, wer gegen wen ist und warum und dann doch wieder nicht. Und überhaupt, und so weiter, und keine Ahnung. Klar, Spionage- und Politthriller sind selten frei von logischen Schnitzern oder Ungereimtheiten. Aber Frankenheimers Film hat keine Qualitäten zu bieten, die solche Schwächen verzeihlich machen. Außerdem waren die Achtziger keine gute Zeit für Thriller solcher Art. Sie strahlten nicht die Wärme und die Klasse vom New Hollywood der Siebzigerjahre aus. Erst mit John McTiernans The Hunt for Red October (Jagd auf Roter Oktober, 1990) blühte das Genre wieder ein bisschen auf. The Holcroft Covenant ist ein gutes Beispiel für die Durchwachsenheit dieser Phase. Und die Wirrnis der Handlung ist nicht mal das Schlimmste.

Michael Caine ist komplett außer Form. Man kauft ihm weder die Rolle des kalten Architekten ab, noch die des Getriebenen, dessen Leben sich auf einen Schlag ändert. Denn so spielt er nicht. Caine spielt im Grunde gar nicht. Caine ist nur da, macht den Mund auf und zu, trägt teure Anzüge. Als ob er zufällig am Set vorbeigeschlurft wäre: „Hey, Film machen, cool, ich hab grad Zeit. Darf ich mitmachen?

Um vom ganzen Ausmaß dieses Reinfalls künden zu können, ist es noch nötig Dinge auszuplaudern, die der Film als plot twist verkauft. Wer beim erstmaligen Anschauen unbedingt überrascht tun will: nicht weiterlesen.

Natürlich drehen sich gegen Ende die Koordinaten um. Natürlich war Claussen kein ‚guter Nazi’ (welch Paradoxon!), sondern wollte mit dem Geld das Vierte Reich aufbauen. Seine Frau hat er gehasst, also setzte er diesen Vertrag auf, denn ist der erst einmal unterschrieben, können die Söhne von Thiebolt und Kessler jederzeit an das Geld, wenn der verhasste Sohn der Verräterin zu Tode kommt. Der Plan: mit dem Geld sollen Terroristen angeworben werden, die die Welt ins Chaos stürzen sollen, bis der Ruf nach einem – bitten anschnallen: neuen F ü h r e r wieder laut wird. Und das soll kein anderer sein als Johann von Thiebold. Seine Schwester Helden ist, natürlich, seine Komplizin.

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Es gibt eine Szene im letzten Drittel, in der beide in einem Hotelzimmer hocken. Er hat gerade Holcrofts Mutter (Lilli Palmer) erschossen. Hilda erscheint und erzählt noch einmal, was der Zuschauer bereits gesehen hat. „Es war wie du gesagt hast. Er hat um seine Mutter geflennt wie ein kleines Kind.“ Frankenheimer vergaß, als Regieanweisung ein herzliches Schurkenlachen einzufordern. Harharhar!!! Wirrrr sind so böööööse!

Danach gehen sich beide an die Wäsche. Sie: „Oh Johann... Mein Bruder! Mein Geliebter!“ Schön, dass es noch einmal erwähnt wird, man hätte es ja glatt vergessen können. Will uns da jemand mit dem Zaunpfahl erschlagen?!

Frankenheimer ist manchmal komisch. Keiner verleugnet seine frühen Großtaten, vor allem nicht den visionären Politthriller The Manchurian Candidate (Botschafter der Angst, 1956). Doch irgendwann neigte er immer öfter zu solchen schrillen Grobschlechtigkeiten. Im Attentatsthriller Black Sunday (Schwarzer Sonntag, 1977) zeichnete er seine Schurken ebenfalls, naja, recht einseitig. Und hier? Was soll das sein, wenn es fertig ist? Nazi-Inzest-Porno??? Wie reißerisch. Welch aufdringliche und tumbe Art und Weise, dem Zuschauer Antipathie aufschwatzen zu wollen - und dabei doch offene Türen einzurennen.

Wem Mode wichtig sein sollte: schlimme Achtzigerjahre-Bekleidung gibt es in diesem Film nicht viel zu sehen. Es geht ja meistens um alte Nazis oder alte Wiederstandskämpfer, und die lesen schon lange keine Vogue mehr. Die Musik hingegen klingt komplett nach Müll. Keyboardmüll. Nicht annähernd vergleichbar mit den legendären Scores von Michael Small, der so manchen Politthriller veredelte (The Parallax View (R: Alan J. Pakula, 1973), Marathon Man (R: John Schlesinger, 1976).

The Holcroft Covenant beginnt gediegen, doch Frankenheimer gleitet alles aus der Hand. Inspektor Clouseau ohne Gags.

Eine Rezension von Gordon Gernand
(23. September 2008)
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Daten zum Film
Der 4 1/2 Billionen Dollar-Vertrag Großbritannien 1985
(The Holcroft Covenant)
Regie John Frankenheimer Drehbuch Edward Anhalt, George Axelrod, John Hopkins (Script), Robert Ludlum (Romanvorlage)
Produktion Kamera Gerry Fisher
Darsteller Michael Caine, Victoria Tennant, Anthony Andrews, Lilli Palmer, Mario Adorf
Länge 108 Min. FSK ab 16
Filmmusik Stanislas Syrewicz
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