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Sie leben!

Sie leben!

Ein Film von John Carpenter

Die Politik des 40. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Ronald Reagan, war, vorsichtig ausgedrückt, kontrovers. Während man nach Außen nochmal richtig schön auf eine Politik der Stärke gegenüber dem alten Feind Sowjetunion setzte, ließ man im Inneren den Wirtschaftstreibenden weitgehend freie Hand. Letzteres betreffend ging man davon aus, dass mehr Reichtum für die Reichen letztlich auch mehr Geld für die Armen zur Folge hätte, man spricht vom „trickle-down-effect“. Von solchen Konzepten zeigten sich längst nicht alle überzeugt, SkeptikerInnen sahen es als sicheren Weg in die Zwei-Klassen-Gesellschaft. Einer der damaligen Kritiker ist John Howard Carpenter, sein They Live eine Abrechnung mit der Reagan-Administration. Und ganz nebenbei ein (weiterer) Beweis dafür, dass Sozialkritik verdammt unterhaltsam sein kann.

Held des Filmes ist der viel beschworene Mann von der Straße, ein einfacher Arbeiter auf der Suche nach einer Verdienstmöglichkeit. Gespielt wird dieser vom Wrestler Roddy Piper, der auf dem Audiokommentar seine eigene schauspielerische Leistung unnötig herabwürdigt – man kann ihm nur mit Carpenter widersprechen. Der Name des von ihm verkörperten Charakters bleibt den ganzen Film über ein Geheimnis, erst im Abspann erfahren wir ihn: Nada, spanisch für „Nichts“. Dies soll verdeutlichen, dass es im Endeffekt jeder sein hätte können.(1) Oder, um bei stereotypen Redewendungen zu bleiben: Er war schlicht zur falschen Zeit am falschen O
rt.

Die Chance, an etwas Geld zu kommen, findet sich schließlich in Los Angeles auf einer Baustelle. Dort lernt er auch den Bauarbeiter Frank kennen, der ihn auf eine Wellblechhütten-Siedlung aufmerksam macht, in der Nada dann tatsächlich für eine Weile unterkommt. Doch schon bald bemerkt er die verdächtigen Gestalten, welche die nahe episkopale Kirche als Unterschlupf nutzen. Nada kann seiner Neugier nicht Herr werden, schleicht sich in das Gotteshaus und entdeckt dort allerlei seltsame Dinge, unter anderem eine Kiste voller Sonnenbrillen. Kaum hat er diese wieder in ihrem Versteck verstaut, wird er von einem blinden Priester ertappt und ergreift die Flucht. Und als wären diese Vorfälle noch nicht mysteriös genug, wird in der darauf folgenden Nacht die Kirche von einer Sondereinheit gestürmt, die quasi im Vorübergehen auch die Siedlung der Obdachlosen dem Erdboden gleich macht.

Sie leben!Sie leben!Sie leben!

Nada ist entschlossener denn je, hinter das Geheimnis der Verschwörer zu kommen. Er kehrt zurück zur Kirche, holt die Sonnenbrillen, setzt sich schließlich eine auf... und erlebt den Schreck seines Lebens: Zum ersten Mal sieht er die Welt, wie sie wirklich ist. Dass sie ihm nun in Schwarz-Weiß erscheint, ist wohl das kleinere Übel; bedrohlicher sind die versteckten Botschaften, die er nun erstmals erkennt. Wo er ohne Brille Werbeplakate ausmachte, steht nun schlicht „OBEY!“ geschrieben, Zeitschriften sind voller Nachrichten wie „Marry and Reproduce“ oder „Don't question Authority“. Und auf den guten, alten Dollars prangen die Worte „This is your god“.

Das ist allerdings noch nicht alles. Unter seinen Mitmenschen erkennt Nada nun seltsame, humanoide Kreaturen mit schädelartigen Fratzen und leeren Augenhöhlen. Seine Reaktion ist zwar nicht sonderlich überlegt, aber durchaus nachvollziehbar: Kurzerhand besorgt er sich ein Schießeisen und schickt ein paar der Monster über den Jordan. Dabei ist er auch um einen lässigen Spruch nicht verlegen: „I've come to chew bubble gum and kick ass. And I'm all out of bubble gum“. Für dieses Kultzitat, das 8 Jahre später auch dem Videospielcharakter Duke Nukem über die Lippen kam, zeichnet sich Roddy Piper übrigens selbst verantwortlich.

Einige Turbulenzen später ist unser Held entkommen und um einige Einsichten weiser: alleine wird er der außerirdischen Bedrohung wohl kaum gewachsen sein, zumindest nicht in einem derartigen Frontalangriff. Er beschließt seinen einzigen Freund in dieser Stadt, Frank, von der Wahrheit zu überzeugen. Dies gestaltet sich allerdings wesentlich schwieriger als erwartet: Die folgende Schlägerei wurde von der Washington Post nicht umsonst als „The world's longest fist fight“ bezeichnet.(2) Schließlich gewinnt Nada zumindest einen Verbündeten, und gemeinsam schaffen sie es sogar Kontakt zum Widerstand herzustellen. Doch das ist nur der Anfang vom Kampf gegen die außerirdischen Invasoren, denn freiwillig wollen diese die Erde selbstverständlich nicht verlassen.

Sie leben!Sie leben!Sie leben!

Es ist leider auch der Beginn des schwächeren Teiles des Films: Nun folgt Action-Sequenz auf Action-Sequenz, es kracht und knallt an allen Ecken und Enden. Natürlich haben wir es immer noch mit Action-Kino auf hohem Niveau zu tun, aber viel mehr als unterhaltsam wird es nicht mehr. Gerade das Ende ist in seiner Einfachheit enttäuschend. Diese Schwäche weist zugegebenermaßen schon die Kurzgeschichte „Eight O'Clock in the Morning“ von Ray Nelson, das Vorbild von They Live, auf, aber schließlich hat wohl niemand Carpenter mit vorgehaltener Waffe gezwungen diesen Part zu übernehmen, nahm er sich doch auch an anderen Stellen gewisse Freiheiten.

Bei diesen ist vor allem der Übergang vom „Erwachen“ nach einer Hypnose der Vorlage zum „Erblicken“ in Carpenters Adaption entscheidend. Eine einfache, doch weitreichende Änderung, ist der visuelle Aspekt doch im Film wesentlich dominanter als in einer Kurzgeschichte. Dank der Abweichung können wir ZuschauerInnen mit Nada seine schöne, neue Welt bewundern, die teilweise aus Schwarz-Weiß Aufnahmen, teilweise aber auch „nur“ aus täuschend echten Bildern von Jim Danforth besteht. Die Opposition von Schwarz und Weiß kann einerseits als Manifestation der bereits erwähnten Zwei-Klassen-Gesellschaft gesehen werden.(3) Andererseits ist sie jedoch auch eine Anspielung auf Science-Fiction Filme der fünfziger Jahre, wie The Thing, für dessen Remake sich Carpenter bekanntlich verantwortlich zeigt, oder Invasion of the Body-Snatchers. In diesen ging es im Endeffekt stets um Unterwanderung durch die bösen, bösen Kommunisten – bei Carpenter ists nun eben umgekehrt, der unsichtbare Feind im Inneren sind die Kapitalisten, und die, so der Regisseur, wollen im Endeffekt nur unser Geld, alles weitere ist ihnen egal.(4)

Damit handelt es sich bei They Live also um eine mal mehr, mal weniger subtile Gesellschaftskritik, deren Anspruch in der letzten halben Stunde leider im Kugelhagel untergeht. Sofern man das Hirn aber rechtzeitig ausschaltet, weiß auch das Finale zu unterhalten. Und darauf kommt es letztlich doch an.


Verwendete Literatur:
1 Christian Genzel, The Films of John Carpenter, Diplomarbeit Salzburg 2004, 76.
2 Richard Harrington, They Live (Film review), in: Washington Post vom 5.11.1988, , eingesehen am: 5.01.2010.
3 Genzel, Carpenter, wie Anm. 1, 75f.
4 J.D. Lafrance, "Capitalists from Outer Space!", zit. nach: Genzel, Carpenter, wie Anm. 1, 75.

Eine Rezension von Peter L.
(05. Januar 2010)
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Daten zum Film
Sie leben! USA 1988
(They Live)
Regie John Carpenter Drehbuch Frank Armitage (=John Carpenter)
Produktion Alive Films
Darsteller Roddy Piper, Meg Foster, Keith David, Raymond St. Jacques, Peter Jason
Länge 93 min FSK ab 18
Filmmusik John Carpenter u. Alan Howarth
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