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Micmacs - Uns gehört Paris!

Micmacs - Uns gehört Paris!

Ein Film von Jean-Pierre Jeunet

Der Schauspieler Dany Boon, der sich immer vorsichtig bewegt, verschmitzt grinst und dem deutschen Publikum bestens aus seinem Überraschungserfolg WILLKOMMEN BEI DEN SCHT'IS bekannt ist, scheint prädestiniert für den traumverlorenen Protagonisten Bazil. Boon benötigt nur wenige Einstellungen, und der Zuschauer ist mit Bazil völlig vertraut: Der schüchterne, nicht ganz helle Zeitgenosse setzt der Ruppigkeit, mit der ihm das Leben begegnet, einen entwaffnenden Stoizismus entgegen. Zufällig erwischt ihn eine Kugel – ein Querschläger, mal wieder Pech gehabt – und versetzt ihn ins Koma. Als Bazil erwacht ist sein Job neu besetzt, seine Wohnung leer geräumt und weitervermietet, seine Habseligkeiten von gierigen Nachbarn geraubt. Zunächst schlägt er sich als komischer Pantomime durch, bis er von einem neuen Freund in die Unterwelt der Stadt eingewiesen wird. Dort stößt er auf einen verschrobenen Haufen Querköpfe, die sich mit Hilfe spezieller Fertigkeiten mit den Bonzen der Pariser Waffen-Lobby anlegen.

Jean-Pierre Jeunets Paris ist ein schrilles Wunderland, gezeichnet in leuchtenden Farben und durchschritten von einer virtuos geführten Kamera, deren forschender Blick sich insbesondere in den überbordend detaillierten Dekors verliert. Eine aseptische Kunstwelt, noch stärker artifziell verfremdet als Amélies fantastische Welt, bevölkert von verbohrtem Kleinbürgertum, einer herrschenden Ob
rigkeit und eben einer ganzen Schar liebenswert-schrulliger Freaks. Denen gilt Jeunets Aufmerksamkeit und Sympathie. Als postmodernes Märchen will Jeunet MICMACS offensichtlich verstanden wissen, streut er doch diverse popkulturelle und vor allem cineastische Verweise ein von Charlie Chaplin über Marcel Carne bis hin zu Jaques Tati und Sergio Leone. Zu diesen Vorbildern – allesamt eher verschwiegene Künstler, die das große Gefühl in der kleinen Regung suchten und Bildern echte Bedeutung zu verleihen vermochten – will sich Jeunets jüngstes Werk allerdings nicht so recht gesellen. Trotz vieler ruhiger Momente, die in der Tradition von RIFIFI das wortlose Heist-Szenario fortführen, ist „Micmacs“ doch vergleichsweise geschwätzig ausgefallen. Ein Stimmungsfilm zwar, atmosphärisch entrückt und träumerisch fließend, wirklich fesselnd wird es nur aber selten. Jeunets vorige Filme vermitteln einen guten Eindruck von dem, was man von „Micmacs“ erwarten kann, so dass man sich bestens darauf einstimmen kann - man beschwere sich also nicht, man sei nicht gewarnt worden.

Als Handwerker hat Jeunet seine Wurzeln im Animationsfilm, was in jeder Einstellung überdeutlich ins Auge fällt und sein neues Werk einmal mehr eher im filmgewordenen Cartoon als in einer wie auch immer gearteten Authentifizierung verortet. Es kann schon mal weh tun, aber anschließend ist alles wieder gut. Arm und Reich existieren zwar ebenso wie die Kluft, die beide Extreme trennt (und die ja auch unmittelbar zum Thema gemacht wird), wirkliches Elend aber will Jeunet nicht zeigen, selbst Müllbergen und schmutzigen Quartieren verpasst er eine anheimelnd-warme Ausstrahlung. Bei aller Clownerie ist es dem Franzosen gelungen, seinen Figuren ein wenig mehr Menschlichkeit zu verleihen als in seinen vorigen Werken, auch wenn der Film erneut mehrere Male droht, zur bloßen Posse zu verkümmern. Glücklicherweise finden die anfänglich dahingeworfenen dramaturgischen Pinselstriche gegen Ende zu einem reichhaltigen, puren Kinomoment zusammen. MICMACS - UNS GEHÖRT PARIS! trägt eine jederzeit erkennbare individuelle Handschrift und entfaltet seine Qualitäten gerade auf der Leinwand, wo die üppige Ausstattung und die warme Farbdramaturgie entsprechend zur Geltung kommt. Typisches Seifenblasenkino eben, für einen lauen Sommerabend bestens geeignet, da angenehm unangestrengt. Das meiste hab ich aber schon vergessen.

Eine Rezension von Marco Siedelmann
(02. Juli 2010)
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Daten zum Film
Micmacs - Uns gehört Paris! Frankreich 2009
(Micmacs à tire-larigot)
Regie Jean-Pierre Jeunet Drehbuch Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant
Produktion Gilles Legrand, Jean-Pierre Jeunet, Frédéric Brillion Kamera Tetsuo Nagata
Darsteller Dany Boon, André Dussollier, Nicolas Marié, Jean-Pierre Marielle, Yolande Moreau
Länge 105 Minuten FSK
Filmmusik Raphaël Beau
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