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Iceman

Iceman

Ein Film von Isaac Florentine

Bei einem Film, dessen erste zwei Einstellungen aus „Nu Image“ und „Nu Image presents“ bestehen, kann einem ja schon mal das kalte Schaudern über den Rücken laufen. Nu Image, die berühmt-berüchtigte Billig-Klitsche des israelischen Filmproduzenten Avi Lerner ist ja auf dieser Seite schon mit der Reihe um die Delta Force, also zumindest bei den Teilen 1, 2, 3 sowie Teil 4 zu eher zweifelhaften Ehren gekommen. Dabei war letzterer ja nichtmal so übel. Eine zweite Produktionsfirma des Herren Lerner nennt sich Millenium Films, welche für die größeren Produktionen zuständig ist. Die schafften zuletzt den Schritt in den Mainstream, indem man den Kracher John Rambo produzierte, aber auch richtige Stars an Land karrte, um beispielsweise Kurzer Prozess - Righteous Kill mit Pacino und DeNiro umzusetzen. 2002 produzierte nun also jene Millenium Films den – sagen wir es wie es nunmal ist – gefloppten Undisputed, von Altmeister Walter Hill mit Wesley Snipes und Ving Rhames inszeniert. Die Rechte gab man dann an die Schwesterfirma Nu Image ab, die also zu diesem
leidlich gelungenen Film eine direkte DTV-Fortsetzung mit dem deutlich abgespeckten Budget von ca. 8 Millionen Dollar im Ostblock abkurbeln sollte. Welch Wahnsinnsidee...man kann nur schlimmstes befürchten...

Ohne den ersten Teil zu kennen (so wie ich) kann man sich trotzdem auf den Film stürzen, ein kühles blondes in der rechten, den Notizblock in der linken Hand. George „Iceman“ Chambers (der scheinbar auch schon im ersten Teil dabei war, hier aber Nu-Image-like neu besetzt wurde) ist ein abgehalfterter, ehemaliger Schwergewichts-Box-Champion, der am Rande des finanziellen Ruins mit dem Dreh eines Vodka-Werbespots im Ostblock sich ein paar Kröten verdient. Ein russischer Gangster betreibt im örtlichen Knast illegale Boxkämpfe und verdient sich damit eine goldene Nase – weil die nicht golden genug ist, schmuggeln seine Leute dem Iceman ein paar Drogen unter, womit dieser quasi sofort zur U-Haft in eben jenem Knast landet. Nun sind ca. 10 Minuten Laufzeit des Films vorbei, und den Rest der Handlung kann ich in drei Sätzen zusammen fassen: der Champion unter den Knastkämpfern ist Yuri Boyka, gegen den Iceman nun einen Kampf gewinnen muss, um endlich wieder in Freiheit zu sein. Iceman wird nun von verschiedenen Parteien verraten, wodurch er seinen Kampf (und seinen schmierigen Manager) verliert, und eine zweite Chance bekommt. Er freundet sich mit dem alten Irren eines jeden Knastes an, trainiert mit ihm, und stellt sich schließlich erneut dem bösen Boyka...Bring It On! Drei Sätze, Punktlandung würde ich mal sagen.
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Das klingt natürlich alles furchtbar klischeehaft, altbekannt und billig. Ist es sicherlich auch. Das Drehbuch hält im Endeffekt keinerlei echte Überraschungen bereit, wenn man die Storyentwicklung an sich betrachtet. Das ist aber auch gut so: wir reden hier immerhin von einer äußerst günstigen Produktion im Ostblock, die darüber hinaus auch noch dem Knast- und Martial-Arts-Film zuzuordnen ist und, drücken wir es so aus, mit den beiden Hauptdarstellern auch nicht unbedingt auf große Schauspielkunst setzt. Dies schadet dem Film aber überhaupt nicht; das Script ist völlig straight-forward, es gibt keine Nebenschauplätze, keine Romanzen (es gibt nicht einmal eine einzige weibliche Sprechrolle im Film), kein Nix, kein Nada, nur das unausweichliche Zusteuern auf den großen Endfight. Diese Entschlackung führt dazu, dass der Film erstens nicht mehr ist, als er überhaupt sein will, und zweitens ein hohes Tempo behält. Denn wenn nicht gerade trainiert oder im Ring gekämpft wird, hauen sich die Kollegen Iceman und Boyka einfach so mal aufs Maul, Boyka zerkloppt einen anderen Insassen, oder auch Iceman versorgt die Krankenstation im Alleingang mit neuen Klienten. Es ist also immer was los, Regisseur Isaac Florentine hält sich nicht mit Exposition oder groben Dialogen auf. Weder Iceman noch Boyka bekommen einen großartigen Hintergrund, die einzige Lebensgeschichte hat eigentlich der alte Nikolai.

Dabei gelingt es den Autoren aber auch, ein paar Untertöne einzustreuen, denen man zwar nicht unbedingt bewusst wird, aber immerhin bei näherer Betrachtung doch bemerkenswert sind. Iceman und Boyka sind durchaus keine schwarzen und weißen Charaktere (no pun intended...wobei, minor pun intended). Chambers ist nämlich rechtskräftig wegen Besitz von illegalen Medikamenten vorbestraft, was den Plot-Point mit der Verhaftung ausgerechnet aufgrund von Drogenbesitz tatsächlich glaubwürdig erscheinen lässt. Dazu ist er eigentlich ein komplett unsympathischer Arsch, der ständig vollkommen auf Konfrontationskurs geht, und seine Arroganz erst als gebrochener Mann ablegt. Und auf die Frage, ob er jemals einem anderen geholfen hat, antwortet er nach langem Überlegen, dass er seiner Mutter mal eine Villa gekauft hat. Boyka wiederrum ist auch kein Abziehbild des Bösen. Wir erfahren zwar, dass er wegen Mordes einsitzt, das tut aber Nikolai genauso. Boyka kann fast schon als ein sophisticated bad guy gesehen werden, immerhin betet er und ist gläubig (genauso wie Iceman), er sammelt Briefmarken (diese Kampfmaschine mit Pinzetten ist durchaus sehenswert) und spielt in seiner Freizeit Schach. Am wichtigsten ist dabei aber, dass Boyka ein fairer Sportsmann ist. Er haut Iceman im Ring nicht von hinten nieder, als dieser ihm siegessicher den Rücken zudreht, und er verkneift es sich, Chambers zu Brei zu klopfen, als er die Chance dazu erhält. Boyka will einen fairen Kampf um jeden Preis.

Dieser Kampf der Giganten lastet natürlich vollkommen auf den beiden Darstellern von Boyka und Iceman, der Rest ist nur Staffage. Iceman, der im ersten Teil noch von Ving Rhames verkörpert wurde, wird hier von Michael Jai White gespielt. White ist mehrfacher Karate-Champion und hält insgesamt sieben schwarze Gürtel in Shotokan, Tae Kwon Do, Kobudo, Gojo Ryu, Tang Soo Do, Wushu und Kyokushin. Seine bekannteste Rolle war vielleicht als Hauptdarsteller in Spawn, und sogar in The Dark Knight hatte er eine kleine Rolle. Sein Kontrahent ist der Brite Scott Adkins, der sich hinter White nicht zu verstecken braucht und immerhin sechs schwarze Gürtel in Wushu, Taekwondo, Kickboxen, Krav Maga, Judo und Jiu Jitsu hat. Machen wir uns nichts vor, gerade White ist nicht der größte Schauspieler aller Zeiten, hat aber auch einen sehr undankbaren Charakter zu spielen. Physische Präsenz haben die beiden aber natürlich enorm, und beide sind wirklich in hervorragendem körperlichem Zustand. Adkins ist bis in die letzte Sehne austrainiert, drahtig aber kraftvoll. White scheint sogar als kleines Detail im Laufe des Films an Muskelmasse zu verlieren, und passt sich so immer mehr an Adkins Erscheinungsbild an, was ja völlig logisch ist, dass er in einem Knast sein extrem bulliges Aussehen zu Beginn nicht halten kann. Dass nun diese beiden Herren für diese Rollen gecastet wurden, ist tatsächlich die Stärke des Films. Denn die Kampfszenen, und darauf kommt es hierbei eben an, rocken die Bude dass es nur so kracht.
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White und Adkins, bzw. White oder Adkins und die Stuntman hauen sich derart die Fäuste um die Ohren, dass der Zuschauer mit den seinen nur so schlackern kann. Untersützt von der Regie Florentines, der Kameraarbeit von Ross W. Clarkson, dem Schnitt von Irit Raz sowie J.J. „Loco“ Perrys Kampfchoreographie brennt Undisputed 2 ein unglaubliches Martial-Arts-Feuerwerk ab, dass eindrucksvoll zeigt, dass es eben einen deutlichen Unterschied macht, ob sich Hollywood-Stars wie Keanu Reeves prügeln, oder zwei trainierte und langjährige Kampfkünstler mit Leinwandpräsenz mal so richtig entfesselt loslegen dürfen. Locos Choreographie setzt das Können der beiden voll in Szene, und der Rest des Teams kann sich darauf verlassen und vertraut ihnen voll. Lange Kameraeinstellungen mit vielen Schlägen und Tritten, übersichtliche (!) Handkamera im Ring, prägnante und gezielte Schnitte – all das macht die Kämpfe schlichtweg atemberaubend. Selten hat man in einem westlichen Film in letzter Zeit, gerade in diesem Budgetsektor, etwas besseres gesehen. Härtetechnisch braucht sich der Film auch nicht hinter den aktuellen Thailand-Krachern mit Tony Jaa und Konsorten zu verstecken. Es gibt zwar weniger offensichtlichen Vollkontakt, aber der rote Lebenssaft fließt durchaus in größeren Mengen; dabei bleibt die Choreographie aber weitestgehend down-to-earth, wird stellenweise richtig schmutzig und ist einfach phänomenal. Dass bei dem Film natürlich nicht alles im Grünen ist, es vor allem am Ende ein paar unnötige und unelegante Rückblenden gibt, ist geschenkt.

Den Film gibt es inzwischen schon zum zweiten Mal auf DVD. Sicherlich wird sich der geneigte Leser schon gefragt haben, warum hier ständig von „Undisputed 2“ die Rede ist, wo ihr doch auf „Iceman“ geklickt habt. „Iceman“ ist nichts anderes als eine Neuveröffentlichung von „Undisputed 2“, die DVD ist vollkommen identisch, auch bei gestartetem Film wird noch der alte Titel eingeblendet. Der Vertrieb e-m-s begründet diesen Schritt damit, dass sich die alte DVD schlecht verkauft hat, nicht zuletzt wegen dem Titel. Ist auch logisch, da wohl nur sehr wenige den ersten Teil kennen, schaut man sich die Verkaufszahlen an. Der Satz „Die russische Antwort auf Fight Club“ ist zwar komplett übers Ziel hinausgeschossen, dafür gibt es den deutschen Ton in dts und sogar ein Making Of hat es auf den Silberling geschafft. Vielen Dank an e-m-s für die Bereitstellung der DVD!

Letztendlich bleibt zu sagen, dass „Iceman“ eine dicke Empfehlung für alle Action- und Martial-Arts-Fans ist. Der Film enthält einige unglaubliche Kampfszenen, reichlich gesunde Härte, und ist in all seiner Schnörkellosigkeit einfach mal ein richtig ehrlicher Actionkracher.

Ein Brett von einem Film! Kaufen! Schauen! Freuen!

Eine Rezension von David Kugler
(19. März 2009)
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Daten zum Film
Iceman USA, Bulgarien 2006
(Undisputed II: Last Man Standing)
Regie Isaac Florentine Drehbuch David N. White, James Townsend
Produktion Nu Image Kamera Ross W. Clarkson
Darsteller Michael Jai White, Scott Adkins, Eli Danker, Ben Cross
Länge 93:33 FSK 18
http://www.undisputed2-themovie.com/
Filmmusik Stephen Edwards
Teil 3 befindet sich in Planung, erneut von Isaac Florentine mit Scott Adkins. Man darf gespannt sein!
Kommentare zu dieser Kritik
Damocles TEAM sagte am 10.05.2009 um 18:25 Uhr

Zur nächsten Florentine/Adkins-Kooperation NINJA gibt es nun einen Trailer:
http://twitchfilm.net/site/view/scott-adkins-gives-ninja-assassin-a-run-for-its-money-trailer-for-isaac-flo/
Damocles TEAM sagte am 16.10.2009 um 17:11 Uhr

Und zu dem Nachfolger, UNDISPUTED 3 gibt es nun ebenfalls einen Trailer:
http://www.youtube.com/watch?v=5tTduaZZI-s

Sieht klasse aus, schön dass der eigentliche Antagonist auf einmal zum Helden wird.
Damocles TEAM sagte am 07.03.2010 um 12:10 Uhr

Ab Juli wird es den dritten Teil in Deutschland zu kaufen geben. Das Label "Planet Media Home Entertainment" veröffentlicht ihn auf BluRay und DVD.
Damocles TEAM sagte am 13.06.2010 um 12:18 Uhr

Dieser Knaller kommt heute um 00:05 auf Pro7 - überschneidet sich also nicht mit Fussball.

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