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Coraline

Coraline

Ein Film von Henry Selick

Die Zeiten ändern sich. Seit die Strategen von Pixar 1995 mit "Toy Story" die Ära des komplett am Rechner entstehenden Animationsfilms einläuteten und damit den guten alten Zeichentrick aus Disneys traditionsreichem "Haus der Maus" mehr und mehr verdrängten, hat sich in diesem Genre der künstlich erzeugten Bilder einiges getan. Ohne die kindgerechte Moral seiner früheren Geschichten außer Acht zu lassen, weiß der Trickfilm inzwischen auch die etwas älteren Semester zunehmend in seinen Bann zu ziehen. Pixar setzt in dieser Hinsicht seit jeher auf eine Mixtur aus funkelndem Wortwitz, intelligentem Subtext und sogar Zitaten von Kinoklassikern wie 2001- Odyssee im Weltraum (so gesehen in "Wall-E") für die Großen, und knuffigen Charakteren, mitreißenden Abenteuern und haufenweise Slapstick für die Jüngeren, um das Gleichgewicht der Zielgruppenwaage zu halten. Noch einen Schritt weiter geht Nightmare Before Christmas-Schöpfer Henry Selick mit seinem neuen Film: Die im Stop-Motion-Verfahren gedrehte 3D-Vision "Coraline" ist eine grausam-schöne Fantasy-Träumerei mit Horror-Elementen, bei der C.S. Lewis und Lewis Carroll sicherlich in Verzückung geraten wären.

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Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass die 10-jährige Coraline (nicht etwa Caroline) mit ihren Eltern in ein ödes Landhaus umgezogen ist, in dem sie auf jedweden Kontakt zu ihren Heimatfreunden verzichten muss, so finden Papa und Mama aufgrund von akutem Stress - die Veröffentlichung ihres gemeinsamen Gartenkatalogs steht unmittelbar bevor - auch noch kaum Zeit, sich mit ihrer Tochter zu beschäftigen. Also stöbert Coraline alleine ein bisschen auf dem Anwesen herum. Gerade hat sie die Bekanntschaft der gleichaltrigen Quasselstrippe Wybie gemacht, dessen Großmutter es war, die ihr Haus an Carolines Eltern vererbt hat. Da findet sie in einem Hinterzimmer der Wohnung eine kleine Geheimtür, die sofort ihre Neugierde weckt. Als sie die Tür öffnet, erblickt sie einen blauen Tunnel, der ins Ungewisse führt. Coraline, unternehmungslustig wie sie ist, schlupft hindurch und staunt nicht schlecht, als sie am Ende des Durchgangs wieder in dem selben Zimmer herauskommt, von dem aus sie durch die Tür gekrochen ist. Nur: Irgend etwas stimmt nicht. Verdutzt muss sie nicht nur feststellen, dass aus dem grauen Apartment eine bunt geschmückte Villa geworden ist, sondern auch, dass ihre Mutter, die in der Küche das Abendessen zubereitet, anstelle der Augen Knöpfe hat. Und auch ihr Vater, den sie wenig später am Klavier antrifft, hat solche "Knopfaugen". Die beiden erklären Coraline, dass sie nicht "ihre" Eltern seien, sondern "andere", "bessere" Eltern. Und weil diese "Eltern" sich plötzlich so fürsorglich um sie kümmern, fällt es Coraline in ihrem naiven Leichtsinn auch gar nicht so schwer, dies alles zu glauben. Doch der Schein des Schlaraffenlands trügt...

Für die ganz Kleinen ist "Coraline" nix. Nicht nur, dass diese sich von der erstaunlichen Komplexität der Geschichte (Großer Pluspunkt auch: Coralines Eltern werden nicht als Rabeneltern gezeichnet, sondern als überforderte Berufstätige, die ihr Kind dennoch lieben!) überrumpelt fühlen würden. Der Film dürfte ihnen schlicht zu gruselig sein. Selbst mancher Erwachsene wird hin und wieder einen wohltuenden Schauer auf dem Buckel verspüren, etwa wenn die bizarre Traumwelt zum Ende hin wie Glas zerspringt. Dabei birgt schon die traumhafte, einem Wiegenlied mit Kinderchorbegleitung gleiche Titelmelodie von Bruno Coulais als Antizipation der Vorkommnisse etwas unterschwellig Schauderhaftes. "Coraline" als Märchen für Erwachsene zu beschreiben, wäre aber zu simpel. Der Film dokumentiert aus der Perspektive einer Halbwüchsigen die kindliche Furcht vor dem Alleingelassenwerden und der Orientierungslosigkeit in einer Welt der Erwachsenen. Den Drang nach Zweisamkeit und Kurzweil versinnbildlichen hierbei die in ihrer Surrealität formvollendeten (Knet-) Bilderwelten, welche einen morbiden Reiz auf das Publikum ausüben. Egal ob jetzt die Variéte-Show, das riesige Coraline-Porträt im Garten oder Mr. Bubinskys Zirkus der Springmäuse: Der technische Budenzauber, den die Animateure hier fabriziert haben, ist atemberaubend. Einige der Effekte wie in die Kamera gestreckte Hände oder eine unter dem Bett hervorhuschende Maus kommen allerdings nur in der 3D-Fassung richtig zur Geltung.

CoralineCoralineCoraline
An der hohen Animationskunst liegt es auch, dass das fein abgestimmte Minenspiel der kleinen Coraline (Originalstimme: Dakota Fanning) trotz ihres für Stop-Motion-Filme typischen verzerrten Erscheinungsbildes sie wie einen lebendigen Menschen wirken lässt. So, wie Coraline daherkommt - als neugieriges, abenteuerhungriges Mädchen mit großem Herzen - liegen sogar Vergleiche mit der feengleichen Ofelia aus Pans Labyrinth auf der Hand; jener Ofelia, die drei von einem Fabelwesen gestellte Aufgaben bewältigen muss, um als Prinzessin in dessen Reich einkehren zu dürfen. Die in Märchen oft vorkommende magische Zahl "Drei" hat in der Tat auch hier später noch ihre Relevanz. Die Verschmelzung zweier Parallelwelten, wie wir sie schon in del Toros Film beobachten konnten, läuft auch diesmal auf eine Kollision verschiedener Lesarten hinaus. Jene Welt, in der die nicht "leiblichen" Eltern Coralines Knöpfe anstatt von Augen besitzen, erscheint einmal als rein imaginäre Welt, die sich das Mädchen zur Flucht aus der langweiligen Realität erdenkt und in der all ihre persönlichen Komplexe, Ängste, Wünsche, Hoffnungen usw. in einem Rausch der Farben kulminieren. Oder auch als Produkt einer bösen Vettel mit (zu) stark ausgeprägtem Mutterinstinkt, die mit diesem strahlenden, farbenfrohen "Wunderland" voller prunkvoller Stätten aus ihrer eigenen resignativen Einsamkeit heraus einen konträren Entwurf zu der Trostlosigkeit von Coralines Alltagswelt herstellen will, um das Mädchen anzulocken. Wieder eine Frage der Perspektive also, so wie der Kaffeesatz in den Tassen zweier älterer Damen im Film je nach Blickwinkel eine Giraffe, oder aber eine knochige Hand zeigt.

Ein wichtiges Mosaiksteinchen zur Lösung des Rätsels scheint dabei eine verwunschene Katze parat zu haben, womit wir wiederum auf Carrolls Steilvorlage "Alice im Wunderland" stoßen würden, die eindeutig als Inspirationsfundus für Selicks Film diente. Fest steht: Wer "Nightmare before Christmas" mochte, der wird "Coraline" lieben. Zwar wird demjenigen, der an erst genanntem Werk vor allem den Musical-Charakter schätzte, die beinahe komplette Abstinenz von Gesangsdarbietungen im aktuellen Streich missfallen. Dafür hat die düstere Karussellfahrt im Gothic-Style eine mindestens genau so faszinierende Optik, mindestens genau so skurrile Einfälle und sogar die (noch) stärkere, weil ergreifendere, vielschichtigere Geschichte im Gepäck. Beide Daumen hoch!!

Eine Rezension von Christopher Michels
(15. Dezember 2009)
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Daten zum Film
Coraline USA 2009
(Coraline)
Regie Henry Selick Drehbuch Henry Selick
Produktion Universal Kamera Pete Kozachik
Länge 96 Minuten FSK ab 6
Filmmusik Bruno Coulais
Deutsche Sprecher: Luisa Wietzorek (Coraline), Bettina Weiß ("andere" Mutter), Patrick Winczewski ("anderer" Vater), Hannes Maurer (Wybie), Klaus-Dieter Klebsch (Mr. Bobinsky), Reiner Schöne (Katze)
Kommentare zu dieser Kritik
Jeannette TEAM sagte am 20.08.2010 um 23:30 Uhr

Hab mir die DVD (übrigens inkl. 3D-Version, was aber weder mit den mitgelieferten Brillen noch mit einer anderen funktioniert hat) heute gekauft und muss sagen: Wirklich was ganz Besonderes. So viele Ideen und eine tolle optische Umsetzung. Sowas sieht man echt selten. Aber Gott, war das unheimlich. Also dass der Film ab 6 Jahren freigegeben ist, finde ich absolut NICHT in Ordnung. Augen ausstechen, Eltern retten, sorry, aber das macht Angst.
travisbickle TEAM sagte am 21.08.2010 um 21:33 Uhr

Aber hallo! Eine FSK 12 hätte man hier geben MÜSSEN !!

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