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Maggie

Maggie

Ein Film von Henry Hobson

Ein gar undurchdringlicher Schleier der Trauer hat sich über diesen Film gewölbt: Wenn man sich an „Maggie“ heranwagen möchte, ihn in seiner ganzen Intensität aufsaugen, dann muss man als Zuschauer selber schon einmal am eigenen Leibe erfahren haben, was es bedeutet, von Trauergefühlen wie gelähmt durch die Welt zu schreiten. Und ist das der Fall, dann nimmt einen Henry Hobsons Debütfilm, der auch auf dem diesjährigen Fantasy Film Fest aufgeführt wurde, durchaus gefangen. Tatsächlich ist „Maggie“ ein sehr erwachsener Film geworden; ein Film, der den blutdürstigen Gorehounds rein gar nichts zu bieten hat, sondern sich permanent an ein Publikum richtet, welches bereit ist zu akzeptieren, dass eine Zombie-Pandemie, wie sie den Rahmen der Katastrophe in „Maggie“ bildet, nicht immer als voyeuristische Projektionsfläche für Ekelexzesse herhalten muss, sondern auch im Ausmaß eines intimen Familiendramas ausgetragen werden kann: Abgerissene Gliedmaßen, Fontänen des roten Lebenssaftes und sonstige genreinhärente Schweinereien jedenfalls sucht man vergebens.

Was nicht bedeuten muss, dass „Maggie“ kein gewaltvoller Film wäre – Ganz im Gegenteil. In den von Lukas Ettlin eingefangenen Bildern des zivilisatorischen Zerfalls dräut der Tod kontinuierlich, brennende Getreidefelder sollen stoppen, was Mutter Erde im virulenten Rausch für sich erobern möchte, der Hintergrund einer jeden Einstellung scheint von unzähligen emporsteigenden Rauchschwaden eingenommen – Alles, was hie
r noch zählt, ist das schiere Überleben. Mit dieser Marschroute bedient sich „Maggie“ natürlich dem Grundstatut des Zombie-(Sub-)Genres, und dass Henry Hobson und John Scott III zudem nicht nur einen Film von Zombie-Papst George A. Romero („Die Nacht der lebenden Toten“) gesehen haben, macht „Maggie“ schon anhand des Umstands deutlich, dass er dem Schreckensszenario nicht krampfhaft auf den Zahn fühlt; dass er sich nicht unnötig daran aufhält, dem Zuschauer eine Erklärung für die Ursache zu präsentieren. Allerdings ist „Maggie“ kein echter Genre-Film respektiv Huldigung, auch wenn sich einige Ansätze – aufgrund ihrer Genredienlichkeit - mühelos in die Konstruktion integrieren lassen.

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Stattdessen muss man „Maggie“ schon eher als eine Art Arthouse-Film bezeichnen: Streng fokussiert auf das aufgewühlte Innenleben der Charaktere, blendet „Maggie“ oftmals alles um seine Figuren aus und hält den Zuschauer so schon beinahe zu einem Tunnelblick an, der einzig und allein auf Wade (Arnold Schwarzenegger, „Die totale Erinnerung – Total Recall“) und seine pubertierende Tochter Maggie (Abigail Breslin, „Im August in Osage County“) fallen soll. Maggie wird zu Anfang des Films gebissen, was bedeutet, dass sie sich infiziert hat und innerhalb einer Woche zur fressgesteuerten Bestie mutieren wird. Wade hat nun zwei Möglichkeiten: Entweder, er lässt sein Kind in der Quarantänestation zurück, wo man ihr einen Cocktail injizieren wird, um langsam entschlafen, oder er nimmt sie wieder mit zu sich nach Hause, verbringt die letzten Tage mit ihr und wird Zeuge davon, wie sich Maggie nicht nur äußerlich immer stärker verändert, sondern auch im Inneren vollkommen auf ihr niedersten Triebverhalten reduziert wird.

Interessant ist bei der Besetzungsliste natürlich primär Arnold Schwarzenegger, der „Maggie“ auch mitproduziert hat. Seine bullige Physis ist aus den unzähligen Action-Klassikern bestens bekannt, in denen er noch markige Sprüche rotzen konnte und seine Widersacher mit einem gepflegten Kinnhaken auf die Matte zu schicken wusste. Für die Wirkung von „Maggie“ ist das muskulöse Erscheinungsbild von Arnold Schwarzenegger ebenfalls ein ungemein wichtiger Aspekt, wird anhand dessen doch kontinuierlich in Erinnerung gerufen, dass selbst die imposanteste Muskelmasse nichts bewirken kann: Die physische Kraft wurde ausgehebelt, was in „Maggie“ ganz allein von Belang bleibt, ist die emotionale Standhaftigkeit respektive Leidensfähigkeit – Und unter diesem Gesichtspunkt geht das Familien-Drama natürlich immerzu in die Vollen. Die Frage nämlich ist nicht allein nur, wie viel Schmerz ein Vater innerhalb der Inkubationszeit seiner Tochter verträgt, sondern vielmehr, wie er reagieren wird, wenn die Stunde gekommen ist, in der von seinem kleinen Mädchen nur noch ein fauchendes Ungetüm übriggeblieben ist.

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„Maggie“ ist in der Gestaltung seiner Aufnahmen nicht selten dem Kino des Terrence Malick („The Tree of Life“) zugeneigt, wenn er sich an Gesichtern festsaugt, um jede noch so winzige physiognomische Regung zu dokumentieren und zu rekapitulieren. Allerdings wird ob dieses starren (aber unabdingbaren, nicht falsch verstehen!) Charakter-Fokus eben auch deutlich, dass Arnold Schwarzenegger zwar eine Charismagranate ist, die einen vollbesetzten Saal aus dem Stand mitreißen kann, als Charakter-Darsteller aber doch mit bisweilen offensichtlichen schauspielerischen Limitierungen zu ringen hat. Und doch gelingt es „Maggie“, den Zuschauer zu berühren, was auch auf das natürliche Spiel von Abigail Breslin zurückzuführen ist, die ihrem gestandenen Kollegen immer mal wieder auf die Beine hilft, wenn eine Emotionalität abverlangt wird, der Schwarzenegger nicht in Gänze gerecht wird. Henry Hobson zeichnet sich letztlich für einen sehr in sich gekehrten, ja, meditativen Film verantwortlich, in dem es genauso um das beidseitige Loslassen geht, wie das unsichtbare (inner-)familiäre Band, welches auch den Tod besiegen kann.

Cover & Szenenbilder: © 2015 Lionsgate Films.

Eine Rezension von Pascal Reis
(26. August 2015)
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Daten zum Film
Maggie USA, SUI 2015
(Maggie)
Regie Henry Hobson Drehbuch Scott III John
Produktion Grindstone Entertainment Group, Gold Star Films, Lotus Entertainment, Matt Baer Films, Silver Reel, Sly Predator Kamera Lukas Ettlin
Darsteller Arnold Schwarzenegger, Abigail Breslin, J.D. Evermore, Joely Richardson, Douglas M. Griffin
Länge 95 Minuten FSK ab 16 Jahren
Filmmusik David Wingo
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